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    Zum Start von "Der Hauptmann": 7 großartige Filme über ambivalente historische Figuren
    Von Robert Laubenthal — 15.03.2018 um 07:45
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    Robert Schwentkes in Schwarzweiß gehaltenes, verstörendes Drama „Der Hauptmann“ über Willi Herold, den „Henker vom Emsland“, startet am 15. März 2018 in den Kinos. Wir werfen einen Blick auf weitere Werke über höchst ambivalente Persönlichkeiten.

    MK2

    „Carlos - Der Schakal“ (Olivier Assayas, 2010)

    Die historische Geschichte: In seinem Thriller-Biopic „Carlos - Der Schakal“ erzählt Filmemacher Olivier Assayas auf atemlose Art und Weise von Ilich Ramírez Sánchez, Kampfname Carlos. Die historische Figur, ein Terrorist und Mörder vieler Menschen, begann sein Leben als Idealist, wurde schon vom Vater nach Wladimir Iljitsch Lenin, dem Begründer der Sowjetunion benannt. Zunächst griff der fehlgeleitete Weltrevolutionär – wie andere seiner Generation – zu nihilistisch-destruktiver Gewalt, um sich dann von Schurkenstaaten und Diktatoren wie Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi gegen Bezahlung für einen Kampf gegen Israel und die Destabilisierung der westlichen Welt instrumentalisieren zu lassen…

    Die großartige filmische Umsetzung: Olivier Assayas legt in seinem epischen, in einer fünfeinhalbstündigen sowie dreistündigen Version vorliegenden Biopic ein unglaublich straffes, immer vorwärts treibendes Tempo vor, wobei das Charakterbild des Protagonisten von Minute zu Minute verdichtet wird, bis am Ende ein millimetergenaues Porträt eines Phantoms entsteht. So findet das ausschweifende, oft an einen Playboy erinnernde Leben des Ilich Ramírez Sánchez sein filmisches Äquivalent auf der Leinwand, die Zuschauer werden förmlich in den Film hineingesogen.

    Der Terrorist ist ein Intellektueller, der neben Spanisch fließend Englisch, Französisch, Deutsch, Russisch und Arabisch spricht. Er ist arrogant, brutal, bis ins Mark von sich selbst überzeugt, ohne den Blick für die Realitäten zu verlieren. Der einstige Überzeugungstäter passt sich den Gegebenheiten des Kapitalismus an, was ihn zur Nummer eins im Terror-Business aufsteigen lässt. Der Venezolaner Édgar Ramírez („Das Bourne Ultimatum", „Che") gibt in einer begeisternden, charismatischen Vorstellung einen vielschichtigen und ambivalenten Carlos.

     

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    Kommentare
    • Matthias@VorfreudeaufFilm.Juhu
      Empfinde da auch keine Ambivalenz. Wenn man es so sehen will, findet man auch in jeder Extreme eine gewisse Ambivalenz. Hier sehe ich aber seine Taten und sein Verhalten als ziemlich eindeutig an.
    • Jimmy V.
      Mit ambivalent ist hier doch eher gemeint, dass das Faszinosum gerade für Schurken-Figuren bei anderen Charakteren in der Geschichte und/oder beim Zuschauer da ist. Und ja, das könnte man sogar bei Hitler und Stalin unterstellen. Bruno Ganz hat Hitler ja für manche in Der Untergang viel zu weich gespielt. Doch ich finde so etwas eigentlich herausfordernd, gerade bei Hitler, der wohl als der übelste Mensch der Weltgeschichte gelten dürfte. Aber der ist eben nicht einfach eine Witzfigur (das eine Extrem) oder der Teufel in Menschengestalt (das andere Extrem).
    • CinemaSnob
      Inwiefern ist Idi Amin denn ambivalent? Der Mann hat fast eine halbe Millionen Menschen auf dem Gewissen, für mich ist das ein menschenverachtender Diktator, dessen Taten heute komplett geächtet werden, und kein ambivalenter Mensch. Und wenn jetzt als Argument kommt, dass er zu Lebzeiten von gewissen Leuten verehrt wurde, dann kann man auch Hitler und Stalin als ambilavente Figuren bezeichnen.
    • Jimmy V.
      Aus dieser Liste ist Michael Kohlhaas wirklich sehr enttäuschend gewesen! Die Formel, das Ganze als Western zu inszenieren, ist ja schön und gut. Nur wird diese schlichtweg nicht eingelöst, weil schlicht kaum etwas passiert. Und warum man den so exzellent mit der deutschen Geschichte verbundenen Stoff nach Frankreich verlagert, ist mir auch ein Rätsel.
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