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    Zum Start von "Der Hauptmann": 7 großartige Filme über ambivalente historische Figuren

    Robert Schwentkes in Schwarzweiß gehaltenes, verstörendes Drama „Der Hauptmann“ über Willi Herold, den „Henker vom Emsland“, startet am 15. März 2018 in den Kinos. Wir werfen einen Blick auf weitere Werke über höchst ambivalente Persönlichkeiten.

    StudioCanal

    „Il Divo - Der Göttliche“ (Paolo Sorrentino, 2008)

    Die historische Geschichte: Giulio Andreotti ist eine der berüchtigsten Figuren der jüngeren italienischen (Polit-)Geschichte. 25 Mal Minister, sieben Mal Ministerpräsident, 29 Mal angeklagt, 29 Mal freigesprochen. Trotz nachgewiesener Kontakte zur Mafia bestimmt Andreotti vier Jahrzehnte lang die Geschicke Italiens maßgeblich mit. Zwischen den späten 1970er und den frühen 90er Jahren wird das Land von einer Reihe politisch motivierter Morde erschüttert, oft ausgeführt von Mafia-Killern. Andreottis Rolle in all dem ist bis heute unklar, zweifelsfrei nachgewiesen wurde ihm nie etwas, die Anklagen stützten sich zudem auf Aussagen von Mafiosi…

    Die großartige filmische Umsetzung: In „Il Divo - Der Göttliche“ fokussieren Filmemacher Paolo Sorrentino („La Grande Bellezza“) und sein kongenialer Hauptdarsteller Toni Servillo als Andreotti die spannende Persönlichkeit ihres Protagonisten: Andreotti wird ambivalent gezeichnet als weder völlig bösartiger, noch harmloser Mensch. Er besitze ein großes Archiv, das ihm Macht über seine politischen Gegner gibt, erklärt der seit dem Jahr 1944 in der italienischen Politik aktive, für seine ironischen Bonmots und Zitate bekannte Andreotti einmal. Ein anderes: „Wenn ich in die Kirche gehe, spreche ich nicht mit Gott, nur mit dem Priester, denn Gott geht nicht wählen.“

    Die ästhetische Form, die Sorrentino für sein eigenwilliges, extravagantes Biopic wählt, ist verspielt und dabei durchweg stilsicher. Der geschickte Einsatz von Zeitlupen und originellen Kameraperspektiven setzt immer wieder Akzente und die Auswahl der Filmmusik ist für einen solchen Stoff reichlich ungewöhnlich (unter anderem Trios Da Da Da und Vivaldi). Zugleich zeigt Sorrentino die politischen Auftragsmorde in spektakulären Montagen, die an Mafia-Epen eines Francis Ford Coppola oder Martin Scorsese erinnern. So wird „Il Divo“ zu gleichen Teilen von seiner Form wie vom grandiosen Hauptdarsteller Servillo getragen, der mit seiner buckligen Silhouette nicht zufällig an Max Schreck und dessen Darstellung des Vampirs in Fritz Langs Klassiker „Nosferatu, eine Symphonie des Grauens“ erinnert.

     

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