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    Steven Spielberg: Netflix-Filme sollten keine Oscars gewinnen dürfen
    Von Andreas Staben — 26.03.2018 um 17:20
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    Die Veröffentlichungsstrategie von Netflix ist in der Filmbranche schon lange umstritten, nun hat Regielegende Steven Spielberg sich an die Seite der Kritiker gestellt und auch aus Cannes gibt es weiter Gegenwind für den Streaming-Giganten.

    Backgrid USA / Bestimage

    Zum kommenden Start seines Science-Fiction-Spektakels „Ready Player One“ hat Regisseur Steven Spielberg dem britischen Fernsehsender ITV ein Interview gegeben, in dem er auch zu seiner Einstellung gegenüber Netflix, dem Fernsehen und der veränderten Medienlandschaft befragt wird. Dabei sieht er die qualitative Blüte des Fernsehens (Streamingdienste schließt er da mit ein) als besondere Herausforderung für die Filmbranche und sieht das TV als „klare Gefahr für den Kinogänger“.

    Außerdem betont Spielberg, dass Netflix-Filme für ihn keine Kino-Filme seien. Wenn man sich einmal auf das TV-Format (womit er wie gesagt alle Varianten des Heimkinos meint) festgelegt habe, dann handele es sich eben um Fernsehfilme. Und das hat in seinen Augen auch Auswirkungen auf die Preiswürdigkeit: Wenn eine solche Produktion gut ist, dann verdiene sie einen Emmy, aber keinen Oscar. Filme, die einfach nur ein paar Tage ins Kino gebracht würden, um die Wählbarkeitskriterien zu erfüllen, sollten nicht für eine Oscar-Nominierung in Frage kommen.

    FILMSTARTS-Meinung: Netflix „klaut“ die guten Filme aus den Kinos

    Damit spielt der Filmemacher auf Netflix-Produktionen wie „Mudbound“ an, der nur für eine Woche in einem Kino in Los Angeles (und dazu in einem in New York) zu sehen war und ansonsten exklusiv online angeschaut werden kann. Diese sieben Tage im Kino haben Dee Rees‘ Drama ganz regelkonform ins Oscar-Rennen gebracht, und es erhielt schließlich sogar vier Nominierungen, unter anderem für Rachel Morrison, die als erste Frau überhaupt für den Kameraoscar vorgeschlagen wurde. Aber faktisch konnte den Film fast niemand im Kino sehen – und daran haben sich vor Spielberg auch schon Christopher Nolan und viele andere gestört.

    Wettbewerb in Cannes ohne Netflix-Filme

    Die Leitung des Festivals von Cannes hat wegen dieser Situation sogar eigens die Regeln geändert. Nachdem es im vergangenen Jahr kontroverse Diskussionen um die Wettbewerbsteilnahme der beiden Netflix-Produktionen „The Meyerowitz Stories“ und „Okja“ gegeben hatte und der Streamingdienst nicht bereit war, die Filme in Frankreich ins Kino zu bringen, ist ein solcher Kinostart nun Voraussetzung dafür, im Rennen um die Goldene Palme antreten zu dürfen. Wie Festival-Direktor Thierry Frémaux in einem Interview mit Variety präzisierte, heißt das nicht, dass Netflix, Amazon und Co. in Cannes nicht willkommen seien, aber wenn sie sich nicht dazu verpflichteten, ihre Filme regulär ins Kino zu bringen, dann blieben ihnen die beiden wichtigsten Sektionen des Festivals (neben dem Wettbewerb auch Un certain regard) von nun an verschlossen.

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    Kommentare
    • CineMan
      Weil es um Filme geht. Und nicht um den Ort (Kino) der Veröffentlichung. Weil er den Machern eines Filmes (der im TV lief) die Kinotauglichkeit, die Würdigkeit eines Preises / Oscars abspricht. Ein Film ist ein Film, egal ob er im Kino oder im TV veröffentlicht wurde. Dem Film die oscar-würdigkeit abzusprechen ist von daher falsch.Aus seinem Statement lese ich nicht heraus dass oscarwürdige Filme (länger) im Kino laufen sollten.Wenn es ihm um das Thema Kino gehen würde (also Kinosaal, Zuschauer, Filme, Leinwand, usw.) dann hätte er eine andere Haltung zeigen müssen: ein Appell an die Studios auch kleinere Filme zu produzieren, nicht nur auf Sequels & Blockbuster zu setzen, den Preis für den Kinobesuch zu senken, mehr zu wagen mit den Inhalten und Geschichten.Naja, eigentlich auch egal. Halte von den Preisverleihungen eh nichts. Sollen sie machen was sie wollen. :)
    • Deliah Christine Darhk
      Dafür gibt es dann die Emmys.Die sagen ja nicht 'zu schlechg für einen Oscar' sondern 'ausgezeichneter TV-Film'.Ich sehe es eher so, dass Netflix mit diesem Vorgehen die Emmys nicht zu würdigen weiss.
    • Deliah Christine Darhk
      Kino ist ein gesellschaftliches Erlebnis. Da gehören kleine Ärgernisse schon mal dazu.Ixh höre ja auch nicht auf in Pubs zu gehen, weil die Preise zu teuer, die Prolls zu laut und die Anmachen (oft) zu doof sind. Ich akzeptiere das und erfreue mich an Atmosphäre, Erlebnis und Spass mit Freunden.Mache ich mit Kino auf die gleiche Weise. Lass' Dir das nicht nehmen. :)
    • Darklight ..
      Ich bin überhaupt nicht deiner Meinung und es macht mich traurig das zu lesen... weil ich irgendwie weiß, daß Du leider zum großen Teil Recht hast...
    • mryx ..
      Kino und genießen? wo lebst denn du. Kino heißt überteuertes Essen und Karten. Irgendwelche Typen, die mit dem Handy rumspielen, fressen wie Mähdrescher oder sich laut unterhalten. Dann ist das Bild zu dunkel oder das allerschlimmste tritt ein und der Film ist in 3D.Während ich gemütlich zuhause einen riesen Fernseher stehe habe und eine Anlage, bei der die Wände vibrieren. Kann auch jeder Zeit auf Pause drücken, wenn ich mal aufs Klo muss. Also ne danke. Kino muss echt nicht sein
    • Luksman
      Die wird aber wachsen, sei dir sicher. Und dann wird es zum Thema ;)
    • Luksman
      Der lief ja in den USA im Kino, im Rest der Welt hat er keinen Verleih gefunden, daher hat Netflix die Rechte gekauft. Da liegt der Hund nun mal begraben. Die drecks-Verleihe machen Market-Research, und wenn die ergibt dass der Film von der breiten Masse nicht angenommen wird, dann wird das finanzielle Risiko garnicht erst eingegangen. Daher auch die Begründung von Paramount der Film sei dem Kinogänger zu interlektuell. Eine traurige Einschätzung, aber vermutlich richtig. Schuld sind wir selbst. Denn wenn wir uns mehr den Filmperlen widmen würden, statt den 0815-Blockbuster-Superhelden-Transformers-Fast&Furious-Gedöns würden die Studios aufhorchen und kleineren Titeln auch das Marketing und den Verleih ermöglichen. Beispiel Die Mumie mit Tom Cruise. Massives Marketing, Budget und der verzweifelte Versuch von Universal das Dark Universe zu erschaffen. Der Schuss ist ja sowas von komplett nach hinten losgegangen, was für ein Rotz von Film. Aber sowas bekommt dann die breite Bühne.
    • Tobias
      Naja, der war ja eigentlich fürs Kino gedacht und wurde in letzter Sekunde abgekauft. Bez. in Amerika war er doch 2 Wochen im Kino, oder so.Wenn sie sowas weltweit zur Voraussetzung machen, wäre ich sehr zufrieden (:
    • Volkan Aydın
      Lächerlich, vorallem da das Kino ja für vielfalt und kunst steht, nicht für 3d verarsche und überteuerte Cokes, vielfalt und für das allgemeinwohl.
    • Deliah Christine Darhk
      Wenn die hauptsächliche Zielgruppe im Kino zu finden ist --> OscarTV --> EmmySo ist es an sich doch gedacht.
    • Deliah Christine Darhk
      Die Idee finde ich super. Aber was die Durchführbarkeit angeht hat Bruce wohl Recht. Wo kein Wille ist, da ist kein Weg.
    • Darklight ..
      Mmmhh... deine Einschätzung teile ich ja komplett.Aber warum ist dann Spielbergs Forderung nicht einfach gut?!Er steht vielleicht für das große Studiosytem, oder hat viele Filme mit großen Studios gemacht. ABER er hat immer eine riesige Vielfalt und Qualität abgeliefert. Ist immer Risiken eingegangen. Hat sich nicht auf seine wohlverdienten Lorbeeren ausgeruht.Wenn er etwas kritisiert höre ich ihm zu. Und es hat für mich Gewicht. Wenn das dazu führt, daß mehr (gute) Filme länger im Kino laufen ist das doch super. Ich verstehe ihn jedenfalls nicht so, daß guten Filme OSCARS oder Nomminierungen dafür nicht mehr ermöglicht werden, sondern das OSCARwüridge Filme wirklich (länger) im Kino laufen. Das ist in meinen Augen ein gutes Anliegen.Und ja... Shape Of Water Three Billboards und Call Me By Your Name oder Moonlight (den ich erst vor vier Wochen gesehen habe) - sind schon kleine originelle Sensationen (die hier viel zu wenig diskutiert werden, im Gegensatz zu den ausgiebigen Kommentaren zu jedem SuperheldenschrottDetail).Ich bin sehr froh, daß solche Filme zustandekommen. Auch z.B. Das schweigende Klassenzimmer fand ich ganz gut. Schien mir auch eher wenig Erwähung zwischem all dem SchweighöferSchweigerSchrott zu kriegen...Wie auch immer. Mir hat dieses Jahr ganz besonders die OSCAR Verleihung gefallen, weil sie den Schwerpunkt auf wirklich sehr gute Filme gelegt hat. Abseits von den großen (finanziellen) Erfolgen.
    • CineMan
      Um das Kino (an sich) geht es schon lange nicht mehr.Kommerz über Kunst lautet die Devise. Das ist zwar nichts Neues, aber die Auswüchse sieht man vor allem jetzt. Waren es noch vor Jahren hauptsäschlich die Sequels auf die man setzte, sind es jetzt zusätzlich noch mehr Remakes, Reboots, Spin-Offs, Filmuniversen und Franchises. Ich meine Franchise. Ein Begriff das mehr als genug verdeutlicht, worum es den Studios hauptsächlich geht. Es grenzt immer wieder an ein Wunder dass Filme wie The Shape Of Water, Moonlight und Three Billboards Outside Ebbing, Missouri das Licht der Welt erblicken dürfen.Wirklich Kreatives (Geschichten, Figuren, Konzepte usw.) kam von den TV Sendern & Streming Anbietern. Es ist schon auffällig wie viele gute Serien in den letzten Jahren auf dem Bildschirm liefen.Wenn es ihm um Filme geht, dann ist es, egal wo der Film veröffentlicht wird. Sicherlich ist den beteiligten Personen am Film eine VÖ im Kino lieber. Aber wenn die Studios auf Nummer sicher gehen (müssen) und den Film nicht produzieren usw., spricht nichts dagegen dass dieser im TV läuft.Der Kinobesuch ist in meinen Augen fast zu einen Jahrmarktbesuch verkommen. Besucher machen den Eintritt davon abhängig ob der Film ein grosses Budget hat oder nicht. So nach dem Motto: was bekomme ich für mein Geld? Kleinere Filme sehn sie sich im Kino gar nicht an.
    • Darklight ..
      Wenn sich sowas durchsetzt, das hochqualitative Filme mit Kinoniveau gar nicht mehr ins Kino kommen ist das doch sehr schade. Die Frage, die dahinter steckt ist doch - habe ich dann noch die Chance, solch guten Filme im Kino genießen zu können. Darum geht es doch (mir jetzt grade jedenfalls). Und dann finde ich es doch toll, zu fordern, daß die besonders guten Produktionen auch eine Weile lang im Kino gezeigt werden müssen. Das hilft allen Kinoliebhabern. Und wer nur auf das kleine Quadrat gucken will, kann das ja ein paar (!) Monate später immer noch bei Netflix tun. Von daher ist Spielbergs Beitrag hilfreich.
    • Darklight ..
      Nicht ganz. Wenn die Regeln für bestimmte Preise die Art der Veröffentlichung vorschreiben, dann ist das wohl seit Jahrzehnten so...Auch wenn es - privat angesehen - natürlich nichts daran ändert, daß die Qualität genial sein kann.Ich hätte Homevideo auch gern einen OSCAR gegeben. Aber es war nur ein (deutscher) TV Film. So sind halt die Regeln...
    • Darklight ..
      Aber bedenke bitte, daß es auch um das Kino an sich geht. Wenn diese Tendenz weiter zu nimmt, könnte das eine Entwicklung begünstigen, in der es das Kino und seine Möglichkeiten weiter einschränkt. Ich finde diesen Einwand berechtigt. Die Argumentation über EMMYS und OSCARS ist nicht ohne Gewicht.
    • CineMan
      Du enttäuschst mich gerade Steven....Die Qualität des Filmes,das Können der beteiligten Personen sollte ausschlaggebend sein, nicht die Art der Veröffentlichung.
    • Marvel5000
      Ich finde Spielberg hat Recht, Kino ist Kino und Fernsehen ist Fernsehen. Netflix ist ein Fernsehstreamingdienst und nix anderes. Und deshalb hat kein Netflixfilm es verdient für den Oscar nominiert zu werden, nur weil er mal für ein paar Tage in einem Kino gelaufen ist. Das ist absolut absurd. Da sollten die Regeln geändert werden. Schon allein um das Kino zu schützen.
    • Gravur51
      Point!
    • Vincent
      Die Sache ist, dass manche netflix Filme (siehe Annihilation) mittlerweile das Niveau von Oscarfilmen haben und deren Schaffende sollten dem entsprechend gewürdigt werden.
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