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    Nicht jeder Nutzer ist gleich viel wert: So könnt ihr dafür sorgen, dass Netflix eure Lieblingsserie(n) nicht absetzt
    Von Christoph Petersen — 01.04.2018 um 15:00
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    Man könnte ja meinen, dass es schon helfen würde, seine Lieblingsserie(n) einfach rauf und runter zu schauen, um Netflix davon zu überzeugen, zusätzliche Folgen und Staffeln zu produzieren. Aber das ist gar nicht unbedingt der Fall.

    Netflix

    Weniger ist manchmal mehr. Das gilt auch fürs Netflix-Gucken, zumindest wenn es euch wichtig ist, dass der Streaming-Anbieter bestimmte Serien, die ihr besonders gerne schaut, auch in Zukunft noch weiter fortsetzt. Warum das so ist? Das versuchen wir euch in diesem Artikel zu erklären.

    Es ist ja bekannt, dass Netflix keine genauen Abrufzahlen zu seinen einzelnen Inhalten veröffentlicht – und auch der Algorithmus, nach dem Netflix den Erfolg von Content bewertet, ist streng geheim. Trotzdem gibt es inzwischen zahlreiche Versuche zu ergründen, wie der Streaming-Gigant ein einzelnes Anschauen eines Films oder einer Serie wohl bewertet – und wie genau das geschieht, das dürfte den einen oder anderen Leser bzw. Netflix-Nutzer durchaus überraschen.

    Wenn man nämlich erst einmal ganz naiv an die Sache rangeht, könnte man ja Folgendes annehmen: Wenn Serie A öfter angeguckt wird als Serie B, dann wird im Zweifelsfall eher A als B fortgesetzt. Dazu sollte man dann zumindest noch das Budget in seine Überlegungen mit einbeziehen: Wenn A nur minimal öfter angeschaut wird als B, aber zugleich ein Vielfaches der Produktionskosten von B verschlingt, dann wird am Ende wohl doch A der Garaus gemacht.

    Image ist alles!

    So ist es aber nicht unbedingt, denn es spielen noch zwei weitere Dinge eine wichtige Rolle. Ziemlich naheliegend ist dabei der erste dieser beiden Faktoren: der Image- und Werbewert einer Produktion. Wenn Serien wie „House Of Cards“ oder „Orange Is The New Black“ etwa zahlreiche Preise gewinnen, dann gibt es dafür definitiv Extrapunkte – denn ein Preis wie zum Beispiel ein Golden Globe verleiht dem Streaming-Anbieter nicht nur Ansehen beim Publikum, sondern vor allem auch innerhalb der Branche.

    Und damit wird es in der Zukunft sehr viel einfacher, auch Topstars für die hauseigenen Projekte zu gewinnen, ohne dass Netflix jedes Mal einen großzügigen Gagen-Aufschlag zahlen muss, damit sich ein Oscarpreisträger oder Superstar auch mal zum Mitwirken in einem Streaming-Format „herablässt“. Netflix ist angesagt, auch bei Filmschaffenden – und damit das so bleibt, werden im Zweifelsfall wahrscheinlich auch Serien fortgesetzt, die von ihren reinen Abrufzahlen her eigentlich auf der Abschussliste stehen dürften.

    Was will Netflix eigentlich erreichen?

    Aber es gibt auch noch einen anderen sehr wichtigen Punkt – und der ist nicht nur weniger offensichtlich, er betrifft auch euch ganz persönlich: Für Netflix ist nämlich nicht jeder Zuschauer einer Serie oder eines Films gleich viel wert! Ganz im Gegenteil: Weil es in erster Linie darum geht, Abos zu verkaufen und nicht darum, den bereits angemeldeten Nutzer zum Anschauen ganz bestimmter Serien oder Filme zu bewegen, kann Netflix nämlich bei einigen von euch ziemlich schnurzpiepegal egal sein, was genau ihr euch anschaut, während bei anderen Nutzern jeder Klick auf eine bestimmte Serie pures Gold wert ist.

    Das klingt erst mal unfair und gemein, ergibt unter wirtschaftlichen Aspekten für Netflix aber absolut Sinn. Die Einteilung, ob speziell euer Serienkonsum für Netflix wertvoll ist oder nicht, hat nämlich damit zu tun, wie viel ihr euch in einem Monat so für eure Abogebühr anschaut. Und wer ist da wohl für Netflix mehr wert: Jemand, der ganz automatisch jeden Abend Netflix einschaltet, wenn er nach Hause kommt? Oder jemand, der einmal im Monat für ein paar Stunden reinschaltet?

    15 Stunden sind die magische Grenze

    Die Antwort wird nun einige sicher überraschen: Es sind nämlich die Gelegenheitsschauer, die für Netflix besonders wichtig sind. Eines der zentralen Ziele ist dabei, diese dazu zu bringen, mindestens 15 Stunden im Monat zu konsumieren – denn die Statistik besagt: Wer mehr als 15 Stunden guckt, kündigt so gut wie nie sein Abo! Und Metriken spielen nun mal bei (fast) jeder Netflix-Entscheidung die wichtigste Rolle. Also sieht man zu, dass man genau diesen Gelegenheitsschauern mehr von dem gibt, was sie sich anschauen, damit sie es am Ende auf 15 Stunden monatlichen Konsum bringen – somit werden deren favorisierten Serien vermutlich eher verlängert als diejenigen der Nutzer, die sowieso schon die Kündigen-vermutlich-nie-ihr-Abo-Schwelle überschritten haben!

    Und bei näherer Überlegung ist das ja auch nur logisch: Wer sowieso jeden Abend Netflix anmacht, der guckt eben Netflix wegen Netflix – und wenn mal eine der geschauten Serien abgesetzt wird, dann gibt es noch genügend anderen Content, den sich solche Hardcore-User stattdessen anschauen können.

    "Auslöschung" ist nur der Anfang: Netflix "klaut" die guten Filme aus den Kinos

    Aber wenn jemand den ganzen Monat über nur einmal zu Netflix kommt und sich dann lediglich die neuen Folgen einer einzelnen Serie anschaut, dann zeigt das Netflix, dass der Zuschauer die monatliche Gebühr eben nicht bezahlt, um irgendwas auf Netflix zu schauen, sondern um eine ganz bestimmte Serie zu schauen. Wirtschaftlich ist es also nur vernünftig, solchen gezielt einschaltenden Zuschauern zu geben, was sie wollen, während man die Vielgucker eh längst an der Angel hat.

    So kann es gerade in sehr speziellen Sektoren, etwa bei Anime-Serien oder koreanischen Sitcoms, sogar dann noch Sinn machen, beim Content zuzulegen, wenn sie nur von verhältnismäßig wenigen Zuschauern angesehen werden. Denn gerade hier ist es oft so, dass die Nutzer Netflix eben gerade wegen dieser ganz speziellen ausgefalleneren Serien oder Filme abonniert haben.

    Also was könnt ihr jetzt tun, um die Absetzung eurer Lieblingsserie womöglich zu verhindern? Die einfache (wenn vielleicht auch nicht unbedingt praktikable) Antwort: Schaut weniger Netflix! Dann zählen die Minuten, die ihr in eure favorisierten Formate investiert, nämlich sofort viel mehr. Und falls ihr zufällig Millionäre seid, könnt ihr euch natürlich auch einfach einen zweiten Account zulegen, den ihr dann ausschließlich zum Schauen einer ganz bestimmten Serie reserviert.

     

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    Kommentare
    • Quickmix
      Wenn die 3. Staffel von Designated Survivor kommen sollte, bin ich dabei :)
    • Deliah Christine Darhk
      Deins war 'Sitzenbleiben' ?
    • Deliah Christine Darhk
      Nö nö nö, mein Lieber!Die Antwort kam am 2. April. Da ist der Scherz vorbei! ;D
    • TresChic
      Als die Agentin ins Team eingestiegen ist, wars das bei mir. Ab da hatte sich der Punisher zu einer normalen Kriminalreihe entwickelt. Den Anfang fand ich richtig gut....so hatte ich den Punisher in Erinnerung: Rächen und verschwinden :-)
    • Solecism
      Da der Algorithmus geheim ist, wird das hier vermutlich keiner genau sagen können.Meine Einschätzung: habt ihr ein einziges Userprofil, dann geltet ihr als Massenuser. Habt ihr unterschiedliche Profile angelegt, dann werdet ihr eher unterschiedlich bewertet - unabhängig davon, ob am Ende alles über einen Zahler abgerechnet wird. Interessant sind die User, die nur ein Profil haben und wirklich nur unregelmäßig ein paar Programmpunkte schauen und trotzdem nicht kündigen. Lässt sich ja alles auswerten...
    • Cadeyrn
      Haben wir dieselbe Serie gesehen? - Vorweg: Ich kann damit umgehen das die Leute die Serie nicht mögen. Und ja, Sie ist auch keine 10/10.. Aber ist es nicht genau anders rum? Die meisten mochten doch diesen ewig langen Langweilligen Einstieg nicht, und haben sich dann in der 2. Hälfte auf die Action gefreut. Ich persönlich muss sagen.. Ja,die Serie ist definitiv nicht die beste Marvel / Netflix Produktion. Allerdings , und das muss man neidlos anerkennen - war die Serie näher an den Comics als irgendeine andere Verfilmung bisher. Ob man Berntals Darstellung mag - das sei jedem selbst überlassen.
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      Und das beim Punisher...der war doch ab der Hälfte richtig mies
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    • XXX
      Wie schön, dass andere Filmanbieter/Filmproduzenten nichts von ihrem Geschäft verstehen und ihre Filme aus purer Nächstenliebe an die Menschen verteilen.
    • Cadeyrn
      Ich habe mir damals netflix nur für den Punisher geholt.. 2 Monate rauf und runter geguckt.. danach gekündigt..
    • mhhh
      Logik war nicht Dein Thema während des Studiums?
    • dsf
      man kann auch einfach bei serien wie discovery einfach den daumen runter geben.
    • Christoph Petersen
      Hi Deliah,nö. Denn ARD haben alle geguckt, weil es nichts anderes gab. Netflix wird geguckt, obwohl es alle möglichen Alternativen gibt. Großer Unterschied.
    • Der Eine vom Dorf
      Oder meine. :-D
    • natchan
      Du bist ein guter Mensch. :D
    • Deliah Christine Darhk
      Wer sowieso jeden Abend Netflix anmacht, der guckt eben Netflix wegen NetflixWenn diese Logik stimmig wäre gäbe es weder Netflix noch RTL und Co., weil immer noch alle ARD sehen würden. ^^
    • Volkan Aydın
      Und ansonsten sind die Serien kostenlos bei dir?
    • Vincent
      Ich träume immernoch von einer Welt, wo Serien abgesetzt werden wenn sie narrativ komplett sind und nicht wenn sie keine Geld mehr bringen.
    • Vincent
      Ich guck fast nie Netflix, bringe es aber trotzdem nicht übers herz mein Abo zu kündigen ;D.
    • Cirby
      Warum muss ich Millionär sein, um zwei Netflix-Acc zu besitzen? Verstehe ich nicht.Wenn ich nur an einer Serie interessiert bin, deren, sagen wir mal, dritte Staffel, noch in naher Zukunft liegt, bringt Netflix mir derzeit nichts. So schnell kann Netflix gar nicht produzieren, wie das Abo gekündigt ist.
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