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Es lebe die Revolution? Unsere Kritik zum Auftakt der 2. Staffel "Westworld"
Von Tim Seiffert — 23.04.2018 um 18:17
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Die zweite Staffel „Westworld“ läuft nun bei Sky und damit wird der Aufstand der Maschinen endlich auch in Deutschland eingläutet. Wir haben uns die erste Folge angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob auch ihr einen Blick riskieren solltet

Sky Atlantic

Keine Konsequenzen und ein unvergessliches Erlebnis: Das alles bot „Westworld“ seinen reichen Besuchern gegen das entsprechende Kleingeld. Du wolltest schon immer durch die staubigen Straßen des Wilden Westens laufen? Hier konntest du es. Du wolltest schon immer mit einer Frau schlafen, die dich im normalen Leben nicht einmal anschauen würde? Hier konntest du es. Du wolltest schon immer foltern, morden und die dunkelsten Seiten deiner Selbst ausleben, ohne die Wertung oder Strafe der Gesellschaft fürchten zu müssen? Ja, auch das konntest du hier bekommen. Der riesenhafte Freizeitpark und seine Bewohner – als Hosts bezeichnete, täuschend lebensechte Roboter – standen für jede denkbare Eskapade bereit. Diese Zeiten sind aber nun vorbei: Die zweite Staffel der HBO-Serie „Westworld“ läuft ab heute auf Sky und anstatt am nächsten Tag nach einigen Reparaturen glücklich grinsend wie ein Schaf auf der Schlachtbank auf den nächsten Sadisten zu warten, üben sich die Androiden des Parks nun in Revolution und vergelten die Grausamkeiten ihrer Peiniger mit einem ebenso blutigen Rachefeldzug.

Verschwommene Grenzen

Während die beiden Serien-Schöpfer Jonathan Nolan („The Dark Knight Rises“) und Lisa Joy („Burn Notice“) uns in der ersten Staffel ihrer Sci-Fi-Western-Serie „Westworld“ die Frage stellten, wer denn nun der wahre (Un-)Mensch sei, Mensch oder Maschine, konfrontieren uns die neuen Folgen gleich zu Beginn mit einer Ausgangssituation, in der diese Grenzziehung so schwer zu beantworten ist wie noch nie zuvor. Die Kern-Handlung setzt nämlich kurz nach den schicksalsträchtigen Ereignissen zum Ende der letzten Staffel ein – genauer gesagt zwei Wochen nach dem Massaker an den Parkbesuchern und Offiziellen, das durch den Befreiungsschuss der Androiden-Farmerstochter Dolores Abernathy (Evan Rachel Wood) eingeläutet wurde. Die Revolution hat begonnen und der Konflikt ist in vollem Gange. Schnell zeigt sich: Auch die nun freien, endlich bewusst handelnden Hosts scheinen ihren menschlichen Schöpfern und Unterdrückern in Sachen Grausamkeit in nichts nachzustehen.

Während also der neue Sicherheitschef des Parks, Karl Strand („Vikings“-Star Gustaf Skarsgård), der Philosophie folgt, dass Vernichtung besser als Verhandeln, Wiederaufbau besser als Reintegration ist und gefangene Hosts einfach durch seine schwerbewaffneten Truppen exekutieren und zur Datengewinnung (äußerst detailliert dargestellt) skalpieren lässt, lassen auch die aufständischen Roboter unter der Führung von Dolores keine Gnade walten und metzeln jeden Menschen nieder, der ihnen unter die Augen kommt. Eine für mich richtige Entscheidung der Serienmacher, wäre eine einfache Gut-Böse-Aufteilung à la „Gute Roboter, fiese Menschen“ doch viel zu simpel gewesen. So scheint sich für die restlichen Episoden auch der Konflikt anzubahnen, was die moralisch-ethischen Kosten nicht nur der Revolution, sondern auch des Menschseins an sich sind.

Vier Protagonisten, vier Fokusse

Wie schon in der ersten Staffel folgt man auch in den neuen Folgen mehreren Protagonisten mit ihren jeweils separaten Handlungssträngen. Zunächst einmal ist da wieder Bernard Lowe (Jeffrey Wright), der zu Beginn der Auftaktepisode an einem Strand aufgelesen wird. Der eigentlich für das Verhalten der Hosts verantwortliche Programmierer hat nicht nur mit der für ihn welterschütternden Eröffnung, dass er eigentlich ein Roboter ist und den damit einhergehenden Folgen zu kämpfen, sondern auch ansonsten einiges durchmachen müssen. Was das war, erfährt man nach und nach in längeren Rückblenden, die direkt nach dem blutigen Eröffnungsakt des Aufstands einsetzen.

Währenddessen verfolgt man Dolores und ihren treuen Liebhaber und ehemaligen Kugelfang Teddy (James Marsden) auf Seiten der Aufständischen. Viel von den beiden sieht man in der ersten Folge noch nicht, fest steht aber, das Dolores' Zeiten als unschuldiges Mädchen vom Lande vorbei sind. Berechnend, sogar kaltblütig wirkt sie, als sie drei gefangenen Menschen mit mitleidlosem Blick den Strick umlegt. Wie ist sie innerhalb von so kurzer Zeit so hart geworden? Hier muss sich in der weiteren Handlung zeigen, ob ihre Darstellung als Revolutionsführerin noch an Nuancen gewinnt.

Natürlich darf auch Ed Harris als finsterer Mann in Schwarz nicht fehlen, der sich in der brutalen Welt der täglichen Blutbäder pudelwohl zu fühlen scheint und wieder seine eigen Pläne zu verfolgen scheint. Am stärksten wirkt bislang jedoch der Part um die ehemalige Prostituierte Maeve Millay (Thandie Newton), die in der Vergangenheit schon fast den Fängen des Parks entkommen wäre. Der Fokus ihres Handlungsstrangs ist weniger groß angelegt, sondern konzentriert sich auf die Suche nach ihrer Tochter. Thandie Newton beweist auch hier wieder mit einer beeindruckenden Präsenz, die sich in ihrem feinnervigen Spiel zwischen strikter Selbstkontrolle, kaum gezügelten Emotionen und einer unverkennbaren Coolness ausdrückt, dass die Hosts eben nicht nur als gefühllose Roboter abgestempelt werden können.

Rätselvorbau wird gelegt

Auch die neue Staffel beginnt erstmal mit rund einem Dutzend Fragezeichen: Was ist in den zwei Wochen seit Revolutionsstart passiert? Was steckt hinter den obskur ausschauenden Dronen-Hosts, die gesichtslos im Untergrund den Park am Leben zu halten scheinen und wer kontrolliert sie? Warum weiß nicht einmal Bernard von ihnen? Ist der verstorbene Parkgründer Dr. Robert Ford (Anthony Hopkins) wirklich tot wie alle glauben oder ist das nur ein weiteres seiner Kopfspiele? Und was macht eigentlich der bengalische Tiger in Westworld? Angeblich soll er ja aus Park sechs kommen, aber...Moment mal, es gibt sechs Parks? Es ist auf jeden Fall wieder genug Stoff vorhanden, um sich den Kopf darüber zu zerbrechen - wobei die verschiedenen Zeitebenen auch wieder für Verwirrung sorgen dürften.

Fazit

Nach der Sichtung der Auftaktfolge zur zweiten Staffel von „Westworld“ scheint auch die Weiterführung der HBO-Serie vieles richtig zu machen. Das stimmungsvolle Western-Feeling hat sich bewahrt, hinzugekommen sind Revolution und die Erkenntnis, dass es in einem solchen Konflikt vielleicht doch keine „richtige“ Seite geben kann. Dabei geht es schon recht früh ordentlich zur Sache, für schwache Nerven ist „Westworld“ dank detaillierter Gewaltdarstellung und wortwörtlicher Leichenberge definitiv nicht geeignet. Auf jeden Fall macht der Auftakt schonmal neugierig, wohin es die Protagonisten dieses Mal verschlägt – und damit ist nicht nur die Samurai-Welt gemeint. Was steckt hinter all diesen Rätseln, die sich noch immer im Park zu verbergen scheinen? Können die Hosts gegen ihre mächtigen Schöpfer bestehen? Führt der Weg zum Menschsein zu den selben Fehlern oder können die Roboter ihren Hass überwinden?
Wir werden sehen.

Die zweite Staffel von „Westworld“ wird seit dem 22. April 2018 auf dem US-Kanal HBO gesendet. Auf Sky werden die neuen Folgen parallel zur US-Ausstrahlung seit der Nacht vom 22. auf den 23. April jeweils wöchentlich zuerst im Originalton gezeigt. Nur wenige Stunden später, am Abend des 23. April, folgt erstmals die lineare Ausstrahlung auf Sky Atlantic ab 20.15 Uhr (auf Deutsch oder im Original). Die Inhalte sind auch anschließend über die Streaming-Dienste Sky Ticket, Sky Go und Sky On Demand abrufbar.

 

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