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    Wasser als Bösewicht: Kritik zur Netflix-Endzeitserie "The Rain"
    Von Markus Trutt — 04.05.2018 um 12:30
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    In „The Rain“ hat der titelgebende Niederschlag tödliche Folgen. Doch schlägt sich das auch positiv auf die Spannung der neuen Netflix-Serie nieder? Wir haben uns die ersten drei Folgen vorab angeschaut und verraten euch die Antwort.

    Netflix

    Ausgestorbene Landstriche, der Kampf um Vorräte und das Menschsein an sich, gegenseitiges Misstrauen und eine allgegenwärtige Bedrohung: Wie für Geschichten bestimmter Gattungen üblich, haben auch postapokalyptische Erzählungen ganz spezifische Elemente, an denen offenbar kein Weg vorbeiführt. Auch die Netflix-Produktion „The Rain“ bildet da keine Ausnahme. Ausgehend von einer ebenso simplen wie spannenden Prämisse, hangelt sich die erste dänische Serie des Streaming-Riesen am Endzeit-Einmaleins entlang, sodass – zumindest zu Beginn – noch die wirklichen Alleinstellungsmerkmale fehlen. Fesselnd ist die trostlose Reise der jungen Protagonisten aber nichtsdestotrotz allemal.

    Darum geht's in "The Rain"

    In naher Zukunft bricht die Zivilisation in Skandinavien vollständig zusammen, als ein tödliches Virus, das über den Regen übertragen wird, nahezu die gesamte Bevölkerung dahinrafft. Dem Familienvater Frederik (Lars Simonsen), der mit den Vorfällen direkt in Verbindung steht, gelingt es, seine beiden Kinder Simone (Alba August) und Rasmus (Bertil De Lorenzi) in einem Schutzbunker in Sicherheit zu bringen. Er selbst bricht jedoch erneut auf, um die ganze Sache wieder in Ordnung zu bringen. Sein Versprechen auf baldige Rückkehr kann er dabei nicht halten.

    Als Simone und Rasmus (jetzt: Lucas Lynggaard Tønnesen) ganze sechs Jahre später noch immer allein sind und ihre Vorräte langsam knapp werden, treibt es sie letztendlich wieder an die Erdoberfläche, wo sie sich bald gemeinsam mit anderen Überlebenden inmitten einer zerstörten und gefährlichen Welt auf die Suche nach ihrem Vater begeben.

    Rasanter Einstieg

    „The Rain“ beginnt noch recht harmonisch. Mit sonnendurchfluteten Bildern bekommen wir zu beschwingter Upbeat-Musik einen Mini-Einblick in Simones unbeschwerten Schulalltag. Doch dient dies nur dazu, um im krassen Kontrast die Schrecken zu verdeutlichen, die prompt folgen. Als nämlich plötzlich Simones Vater Frederik in der Schule auftaucht und gehetzt darauf besteht, dass sie sofort mit ihm mitkommt, ist es nach nur wenigen Minuten vorbei mit ihrem bisherigen Leben. Ganz gewöhnliche Sorgen und Freuden wie eine verpasste Prüfung oder ein anstehendes Date gehören damit von einem Moment auf den anderen der Vergangenheit an.

    Die fröhliche Stimmung des Anfangs weicht schnell wachsender Panik. Während die ahnungslosen Menschen um sie herum (und auch Simone und ihr Bruder Rasmus) die Situation erst nach und nach begreifen, weiß Frederik ganz offensichtlich schon Bescheid, welch tödliche Gefahr der nächste Regenfall mit sich bringt. Entschlossen rast er über die Autobahn, um seine Familie vor den sich zusammenbrauenden Wolken in Sicherheit zu bringen. Tempo, Unruhe und Anspannung nehmen zu, nicht nur durch erste unheilvolle Radiomeldungen zur beginnenden Katastrophe, sondern auch durch die erhöhte Schnittfrequenz und die anschwellende Musik. Zu allem Überfluss muss das letzte Stück zur rettenden Zuflucht auch noch zu Fuß zurückgelegt werden. Gemeinsam mit den ersten Regentropfen fliegt die Kamera dabei Richtung Erde und Familie und rundet damit den effektvoll und atemlos inszenierten, tollen Einstieg ab.

    Postapokalypse durch Teenager-Augen

    Nach dem spannungsgeladenen Auftakt schaltet „The Rain“ erst einmal ein paar Gänge zurück – eine willkommene Verschnaufpause für die Zuschauer und die beiden Hauptfiguren, nachdem diese recht unvermittelt in eine Extremsituation hineingestoßen wurden, mit der sie sich nun erst nach und nach vertraut machen müssen. Die Fragen, die sich dabei auftun (Was ist überhaupt geschehen? Was hat ihr Vater damit zu tun?), stellen sich nicht nur den Kindern, sondern auch den Zuschauern. Dass sich die Geschichte anfangs konsequent aus der Sicht von Simone und Rasmus entfaltet, hilft ungemein beim Aufbau eines neugierweckenden Mysteriums – und auch dabei, die völlig veränderte Welt kennenzulernen, als sie nach Jahren wieder an die Oberfläche kommen.

    So gilt es für die Geschwister erst einmal zu verarbeiten, was für ein düsteres und raues Bild sich ihnen bietet. Viel Zeit bekommen sie dafür nicht. Während die Gruppe, der sie sich anschließen (und über deren etwas blasse Mitglieder wir mittels kurzer Flashbacks nach und nach ein wenig mehr erfahren), mitansehen musste, wie die Zivilisation in ihrem Land den Bach runtergeht, bekommen Simone und Rasmus nun einen harten Endzeit-Crashkurs, wenn vor ihren Augen Menschen ohne lange zu fackeln erschossen oder auf der verzweifelten Suche nach Nahrung brutal überfallen werden.

    Interessante Bedrohung auf Sparflamme

    Die eigentlich immanente Schwere geht den teils schockierenden Geschehnissen aber ein wenig ab, da die Neuankömmlinge in der zerstörten Welt zwar kurz aufgewühlt auf das unmenschliche Verhalten reagieren, mit dem sie nun konfrontiert werden, wirklich nachhaltig scheint sie dies aber nicht zu beschäftigen. Hier geht Potential verloren, die Figuren emotionaler auszuloten, zumal dann auch die vereinzelt eingestreuten Szenen, in denen die jungen Überlebenden in ruhigeren Momenten wieder einen Hauch der Unbeschwertheit ihres früheren Lebens aufblitzen lassen dürfen, einen noch größeren Effekt hätten.

    Auch die allgegenwärtige Gefahr der entworfenen Welt ist im Verlauf der ersten drei „The Rain“-Folgen nur sehr selten so greifbar und bedrohlich wie in den Anfangsminuten. Mit dem Regen (und den mit ihm kommenden Begleiterscheinungen) wird ein packender und übermächtiger „Antagonist“ aufgebaut, dessen Potential aber noch nicht voll ausgeschöpft wird, teilweise sogar völlig in den Hintergrund rückt, wenn etwa zwei Figuren ganz gelassen in einem umgekippten Bus einen Zwischenstopp einlegen, in dem das Regenwasser um sie herum unkontrolliert vor sich hintropft – leider nur einer von mehreren, nicht ganz nachvollziehbaren Stolpersteinen in den ersten „The Rain“-Folgen.

    Und auch das zunächst konfliktreiche Nahrungsproblem wird zumindest im Fall der Protagonisten (erst einmal) schnell weggefegt. Eine Zuspitzung könnte hier aber die zweite Staffelhälfte bringen – und mit ihr hoffentlich auch ein paar wirklich eigenständige Einfälle. „The Rain“ bietet in seinem Setting viele kleinere erfrischende Ideen – vom todbringenden Regen über das skandinavische Setting und die jugendlichen Hauptfiguren – im Grunde sind diese aber nur Varianten allzu vertrauter Endzeit-Zutaten. Das gerade visuell starke Tableau (eindrucksvoll sind besonders die tristen entsättigten Bilder des menschenleeren Kopenhagen) bietet definitiv genügend Voraussetzungen, um sich darin noch etwas origineller auszutoben.

    Fazit

    Mit „The Rain“ entwirft Netflix eine faszinierende Endzeit-Welt mit einer streckenweise beklemmenden Bedrohung und einem fesselnden, zielgerichteten Mysterium. Um gerade im immer umkämpfteren Serienmarkt aus der Masse wirklich herauszustechen, fehlt es der dänischen Produktion allerdings an dem gewissen individuellen Etwas und runderen Figuren.

    Alle acht Folgen der ersten „The Rain“-Staffel können ab sofort (4. Mai 2018) auf Deutsch und im dänischen Original bei Netflix abgerufen werden.

     

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    Kommentare
    • Jott.ess
      Sowas unlogisches habe ich noch nicht gesehen. Man möchte die Protagonisten am liebsten permanent anschreien, so dämlich und naiv wie sie sich verhalten. Eine bedrohung gibts offensichtlich auch nicht, da der regen mal giftig ist, mal nicht. Mal ist es tödlich in eine pfütze zu treten, 5min. später sitzt man fröhlich und kaum geschützt im regen. Die eltern tod, die welt am untergehen - scheiß drauf, wir machen teeniestuff und beleuchten lieber die pubertäre entwicklung mitsamt zwischenmenschlichem gedöns, ist ja gerade das wichtigste und vorallem - das interessanteste. Logiklücken hinten und vorne. Wäre - zu recht - niemals ins freeTV gekommen, und wenn doch, nach dem pilot abgesetzt.
    • Gecko63
      Hm.. wieso nur Skandinavien? Was ist mit dem Rest der Welt. Schauen die sich das nur an?
    • Vanessa
      Die sind doch toxisch! ;-) Sehr langweilig das ganze, nach Folge 2 konnte ich mich nicht mehr aufraffen, weitere zu sehen.
    • Darklight ..
      Man hätte die Bunker Szenen in der Qualität von LOST inszenieren müssen. Dann hätte das was werden können. Mit tollen Figuren wie John Locke...Aber so... recht schrottig.
    • Darklight ..
      Mmmhh... bestenfalls nette bis unterdurchschnittliche Massenware. Der rasante Einstieg ist überhastet, nervig und dramaturgisch unsauber. Das Potenial, emotional mit den Figuren erstmal vertraut zu werden, um DANN einen solchen heftigen Schnitt zu machen ist leider verschenkt. Ohne Figuren zu mögen, kann man nicht atemlos inszenieren. Man muß Charktere gern haben, damit man mitfiebert und außer Atem gerät. Das ist hier nicht der Fall. Der Einstieg ist ebenso übereilt wie bei der unsäglich dämlichen Lost in Space Serie. Dieses dilletantische Niveau hat The Rain zum Glück nicht, aber gute Dramaturgie geht anders. (Ähnlich eilig ging es überigens auch im Piloten von The Gifted - viel zu viele Themen angeschnitten und oberflächlich durch die Story gehetzt. Mich langweilt dieser Themenoverkill, wenn man sich nicht die Zeit nimmt, etwas zu vertiefen und richtig spannend umzusetzten. Aber das scheint wohl grade in Mode zu kommen...).Viel Potential und viele gute Ideen sind bei The Rain verschenkt und schlecht umgesetzt worden. Zuviele Dialoge stereotyp gesprochen und die Psychologie der Figuren funktioniert so nicht. Man tanzt nicht kurze Zeit nach dem traumatischen Tod der Mutter lächelnd zu PopMusik durch den Bunker. Man will schon gar nicht wenige Tage danach in diese Welt da draußen, wo der Regen die Mutter hat krepieren lassen. UND schon gar nicht läßt man in so einer Situation seinen kleinen Bruder allein. Das ist an Dämlichkeit und FigurenUnlogik kaum zu überbieten. Abgesehen davon sind die schauspielerischen Leistungen mäßig und immer wieder kommt das Show, dont tell massiv NICHT zum Einsatz. Aus meiner Sicht iss das Ding für zwei bis drei Stunden eine nette Zeitverschwendung, die man aber spätestens nach der Dritten Folge beenden sollte. Die Dänen üben halt noch...P.S. Wenn der REGEN, also das Wasser vom Himmel TÖDLICH ist, ist es mir unverständlich, wie dann die Figuren, die panische Angst vor Wasserpfützen haben, KEINE HÜTE oder MÜTZEN tragen, wenn sie durch den Wald laufen. Regen hat nämlich die sonderbare Eigenschaft, spontan anzufangen und aufzuhören. Aber anscheindend sind die Figuren immer bestens informiert, wann und wo es regnen wird. Und das wo elektronische Netzwerke zusammengebrochen sind...Solche dämlichen Unschlüssigkeiten regen mich wahnsinnig auf. Wenn ich eine Welt mit tödlichen Regen entwerfe, dann haben die Schauspieler eben ständig in REGENCAPES zu spielen.... verdammt nochmal. Gibt es denn gar keine Logik mehr in solchen Filmen??!Wenn Mary Poppins mit ihrem Schirm besser für dieses Endzeitszenario taugt als die Protagonisten die hier hilflos rumstolpern, dann läuft gewaltig was schief...
    • Jimmy V.
      ...oder einfach mal Haudegen alter Schule. Damit kriegt man doch die ganzen alten weißen Männer - die immerhin noch eine große Zielgruppe sind! :)
    • Der Eine vom Dorf
      Ganz deiner Meinung. Um auf der Feminismus-Welle mitzuschwimmen hätten es zum Beispiel auch zwei Frauen sein können.
    • Jimmy V.
      Danke für die Sichtung. Dass es wieder mal Teenies sind, turnt mich ehrlich gesagt schwer ab.
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