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    "Deadpool 2": Ich hab keinen Bock mehr auf Meta-Humor!
    Von Woon-Mo Sung — 02.06.2018 um 17:50
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    „Deadpool 2“ ist im Kino gestartet und neben jeder Menge krachender Action, sorgen der Titelheld und seine Freunde vor allem mit augenzwinkernden Witzen für jede Menge Lacher. Unser Autor Woon-Mo Sung ist allerdings schrecklich genervt davon.

    20th Century Fox

    Neben den blutigen Actioneinlagen ist es vor allem die die vierte Wand durchbrechende Titelfigur selbst und ihr Meta-Humor voller popkultureller und selbstreferenzieller Anspielungen, die so gut bei den Kinogängern ankommt und dafür sorgt, dass die „Deadpool“-Filme so erfolgreich sind. In der Tat, im Mainstreamkino dieser Größenordnung gab es wohl schon lange nicht mehr einen solch coolen Hund, der auf alle Konventionen pfiff und dabei die Grenzen zwischen Fiktion und Realität mit seinen Gags verwischte.

    Permanent verweisen Deadpool und auch andere Figuren im Franchise auf die eigene Künstlichkeit und damit auch auf unsere Realität jenseits der filmischen Fiktion. Dann wird plötzlich Wissen beim Zuschauer vorausgesetzt, der es sofort parat haben und anwenden muss und wer den Gag einzuordnen weiß, gehört zum erlauchten Kreis der Kenner: McAvoy oder Stewart? Die verschiedenen Zeitlinien im „X-Men“-Franchise seien ja so verwirrend, heißt es im ersten „Deadpool“, und einen dritten wird man bestimmt nicht machen, macht man sich im zweiten Teil über eben diesen lustig. Unzählige Male spricht Deadpool direkt in die Kamera und Anspielungen auf andere Filme, Comics und dergleichen sind sowieso an jeder Ecke vorzufinden.

    Doch ist das wirklich noch lustig, wenn es so ausdauernd und ausufernd eingesetzt wird wie nun in „Deadpool 2“?  Mich ermüdet es mittlerweile zumindest einfach nur noch - vor allem mit der Aufdringlichkeit, mit der diese Witze daher kommen...

    Den Rahmen sprengen

    Mir geht es dabei nicht darum, lustige Anspielungen zu verteufeln, wie sie auch bei „The Big Bang Theory“ zuhauf vorkommen: In der beliebten Sitcom geht es um Nerds, die sich gerne über Themen der Popkultur unterhalten. Wenn Sheldon (Jim Parsons), Leonard (Johnny Galecki) und Co. über Batman reden, funktioniert das als Referenz, die man als Zuschauer wahrnehmen kann und die trotzdem ihren in sich schlüssigen Platz in der fiktionalen Welt hat. Viele Gags bei „Deadpool“ und „Deadpool 2“ sprengen aber den Rahmen, packen den Zuschauer, schütteln ihn und scheinen ihn regelrecht anzubrüllen, dass sie ja nur ein ausgedachter Witz seien und sich in dem Wissen darüber für wahnsinnig clever und eben lustig halten.

    Aber wenn ein Film andauernd seine eigene Fiktion, seine eigene etablierte Welt aufbricht und mit dem Finger auf den Raum vor der Leinwand zeigt – welchen Grund habe ich dann noch, meine Gedanken und vor allem meine Gefühle in diese mühsam gestaltete Fantasiewelt zu investieren, aus der ich doch sowieso immer wieder aufs Neue und von den Machern so intendiert gerissen werde? Meines Erachtens schießen sich die „Deadpool“-Filme damit selbst in ihre (unechten) Knie. Denn egal, wie absurd eine Prämisse auch sein mag, wenn sie überzeugend inszeniert und erzählt wird, bin ich doch jederzeit bereit, mich fallen zu lassen und mein Wissen von der Realität gegen puren Eskapismus einzutauschen.

    Thanos (Josh Brolin) mag in „Avengers: Infinity War“ aussehen wie eine riesige Rosine, aber die Geschichte und die Performance haben mich sehr gefesselt und ich konnte die Tragik seiner Figur wirklich spüren. Und bei meinem Lieblingsfilm „Aliens – Die Rückkehr“ fiebere ich noch beim 35. Sehdurchlauf mit Ellen Ripley (Sigourney Weaver) im Kampf gegen die Alien-Queen mit. Für zwei Stunden vergesse ich, dass ich einen Film sehe und halte die Fantasie für wahr.

    Ein Armutszeugnis

    Wenn bei „Deadpool 2“ das Drehbuch jedoch eine eigene tragische Geschichte beinhaltet, die mitunter auf die Tränendrüse drückt, dann kaufe ich das dem Werk einfach nicht mehr ab. Denn bis dahin wurde ich schon zu oft daran erinnert, dass das alles ohnehin nur stumpfe Unterhaltung ist – und zwar von dem Film selbst. Sorgenfreies Entertainment, das, so wird mir weisgemacht, nicht einmal besonders gut ist: Wie „faul“ das Skript doch geschrieben sei, ist einige Male zu vernehmen, natürlich als selbstironischer Gag seitens der Autoren.

    Mit dieser als Lampshading bekannten Taktik wollen die Macher unter anderem Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, indem sie ganz offensichtlich auf ihre eigenen Fehler hinweisen und zugleich können sie einen vermeintlich intelligenten Meta-Witz verkaufen. Dem augenzwinkernden Hinweis auf die Schwächen des Drehbuchs gelingt aber ultimativ eines ganz sicher nicht: Eben genau diesen angesprochenen Makel zu beseitigen. Unter Umständen verweist der Gag sogar noch auf etwas, was mir vielleicht gar nicht weiter aufgefallen wäre und was schlecht ist, bleibt auch nach einem Witz darüber immer noch schlecht.

    Für mich ist der permanente Rückgriff auf die eigene mediale Beschaffenheit ein humoristisches Armutszeugnis. Sich selbst zu dekonstruieren und darauf zu hoffen, dass das andere lustig finden, kann nicht ewig funktionieren und stets zu betonen, dass das Gezeigte nur ein Produkt ist, zeugt in meinen Augen nicht gerade von Vertrauen gegenüber diesem. Stattdessen fühle ich mich als Zuschauer in meiner Sehkompetenz sogar ein bisschen beleidigt und unrechtmäßig bei der Hand genommen: Ja, ich weiß, dass ich gerade einen Film sehe, können wir es jetzt dabei belassen? Nerv nicht!

    Nur Filme, nicht mehr

    Dabei ist mir schon bewusst, dass nicht 100 Prozent des Humors in den „Deadpool“-Filmen nur daraus besteht. Oft genug wird bewiesen, dass es auch anders geht, dass Slapstick und Sprüche sich auch einfach aus der rein filmischen Realität heraus ergeben und auch dort verbleiben können. Ungeachtet dessen, ob das nun konform ist mit der Comicvorlage: Reicht das nicht völlig aus? Ist das nicht vielleicht sogar besser? Zumindest empfinde ich es so.

    Einer der meines Erachtens lustigsten Filme der letzten Zeit war „The Death Of Stalin“. Für mich hatte Armando Iannuccis Regiearbeit, gerade auch im gedanklichen Vergleich mit „Deadpool 2“, das viel größere komödiantische Selbstbewusstsein: Die Geschichte an sich bereitet unzähligen absurden Situationen den Nährboden, die von grandiosen, weil bierernsten und damit im Anbetracht der den jeweiligen Momenten inhärenten Komik saulustigen Schauspielern vollends ausgekostet werden, das es keiner weiteren Gimmicks bedarf. Story, Dialoge, Darsteller – die Elemente harmonieren perfekt miteinander, der Film funktioniert von daher aus sich selbst heraus, statt von außen auf sich selbst zu zeigen.

    Wenn ein Film sich jedoch selbst als Film nicht ernst nimmt, mach ich es auch nicht, das gilt auch für eine Superhelden-Komödie. „Deadpool“ und „Deadpool 2“ tun aber aufgrund ihres Meta-Humors krampfhaft und penetrant alles dafür, damit man sie als das wahrnimmt, was sie eben sind: Filme. Nicht mehr und nicht weniger. Und das ist mir verdammt nochmal zu wenig.

     

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    Kommentare
    • HalJordan
      Kein Problem. Ich dachte mir schon, dass du es nicht so meintest. ;-)Im Ernst? Du magst das Shazam-Outfit? ;-DInteressante Sichtweise. So habe ich das nicht gesehen, vor allem da Deadpool oftmals so politisch unkorrekt daher kommt, dass manche Dinge für mich nicht so sehr ins Gewicht fallen. Man denke nur an die Unterhaltung mit seiner Mitbewohnerin. Im 1. Teil sagt er zu ihr, das Koks sei gemeinsam mit ihrer Sehkraft versteckt. ;-D Dieser Witz ist zwar sehr böse, aber ich musste herzhaft loslachen. So gut war der. Oder das gekokse im 2. Teil. Ist zwar auch das Klischee pur gewesen, aber ich habe es gefeiert. Das Ableben der X-Force war genial. ;-)
    • Sentenza93
      Ja, war einfach mal etwas Frustabbau, wobei das Wort auch übertrieben ist. Und Du bekamst ihn ab. Sorry. :)Jetzt muss ich gerade lachen, das Shazam-Outfit z.B. fand ich ganz gut. :) :DDa muss ich widersprechen. Trotz auch der Tatsache, dass die sich nicht so ernst nehmen, wobei manchmal doch etwas viel, sollten die trotzdem mal mehr Klischees brechen, anstatt nur drauf hinzuweisen. Gibt in den Filmen so viele Gelegenheiten, aber bis auf z. B. das Ableben der X-Force, ist das noch recht wenig.
    • Evvil E.
      Sehe ich ähnlich. Aber die in Deadpool geht gar nicht. Filme mit Arnie z.B kann ich mir im Original nicht geben.
    • TresChic
      Wir haben in Deutschland fantastische und interessante Synchronstimmen. Von Einigen bin ich absoluter Fan. Mir geht es nur in ganz seltenen Fällen so, wie z.B. bei Deadpool. Momentan fällt mir auch nur die ganz grauenhafte und charakterverändernde Synchro von Big Bang Theory ein.
    • Gonzo Kules
      Das ist jetzt keine neue Erkenntnis, lieber Autor. Schau dir Jurassic World, die F&F Serie und andere Kaliber an: Spielen tonnenweise Geld ein, haben viele Explosionen, dumme Sprüche und eine Handlung zum Wegwerfen. Dennoch werden diese Filme im Mainstream abgefeiert und ihr bei Filmstarts seid jetzt leider nicht dafür bekannt, gegen den Strom zu schwimmen. Es gibt Viele, die feiern solch flachfliegendes Popkornkino ab und haben Spaß daran. Und die Spaßverderber schauen lieber The Death of Stalin an und amüsieren sich ebenfalls. Sofern nicht kritischer bei Filmstarts auf den Blockbuster-Einheitsbrei eingegangen wird, braucht ihr auch keine rar gesäten Spitzen in Form solcher Kolumnen veröffentlichen. Das hat ein wenig von Doppelmoral...
    • HalJordan
      OK, diese Rückmeldung überrascht mich jetzt. Ich hatte nicht vor dir ans Bein zu pinkeln! Natürlich gibt es noch andere Dinge, wie das MCU oder Disney, aber in diesem Artikel geht es nun mal um eine Comic-Verfilmung (Deadpool 2) und da liegen solche Beispiele auf der Hand. Und gerade weil das MCU immer mal wieder als Parade-Beispiel (ich rede nicht nur von dir) ;-) für ein tolles Gesamtkonstrukt genannt wird, werde ich auch weiter darauf eingehen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr mir dieser Satz es muss doch einen Solo-Film für jede einzelne Figur geben, bevor man diese alle zusammensteckt, auf den Zeiger geht! Aber das hatten wir schon. Glaube mir, das DCEU ist auch für mich nicht das Gelbe vom Ei und dennoch muss Warner - teilweise auch zu unrecht - fast nur durchgehend verbale Prügel beziehen. Jüngst erst bei dem Shazam-Artikel, als das Outfit gezeigt wurde.Wie du meinem Post entnehmen kannst, bin ich auch auf Sergio Leone oder Baby Driver eingegangen und die haben absolut NULL mit Disney zu tun. ;-)Natürlich gibt es auch bei Deadpool 2 jede Menge Klischees, aber da sich der Film insgesamt nicht gerade Ernst nimmt, fällt das bei mir nicht so sehr ins Gewicht, als wenn man krampfhaft versuchen würde, alles zu erden. Logisch, der todkranke Mann kann hier als Klischee genauso genannt werden, aber hier geht es ja um die Verwandlung bzw. das Experiment. Wäre Wade quicklebendig, müsste er sich dieser Prozedur ja nicht unterziehen. ;-)
    • Philipp Ebert
      Es geht wohl darum Deadpool als Charakter und als ganzes abzulehnen.
    • Bruce Wayne
      Ich persönlich mag Drive ebenfalls viel lieber. Aber bis auf die offensichtlichen Plot-Gemeinsamkeiten, würde ich ihn nicht mit Baby Driver vergleichen. Letzterer benutzt sein Editing wirklich um den jeweiligen Song rhythmisch zu visualisieren. Fast schon wie ein Action-Musical, oder so ähnlich. Der visuelle part wurde somit perfekt zum Auditiven angepasst. Drive hingegen nutzt seinen Soundtrack mehr um die Atmosphäre zu steigern. Die Szene wird nicht durch den Soundtrack bestimmt, sondern nur durch ihn gestärkt. Obwohl die Song-Texte tatsächlich auch eine große Bedeutung für die Thematiken & die Handlung des Filmes haben.
    • Alek K.
      Sich bei Deadpool über Meta-Humor zu beschweren ist ja schon ein anderes Level von Dummheit XDNatürlich muss niemand die Filme gut finden aber Meta-Humor gehört zu Deadpool wie das Netzschwingen zu Spider-Man. Wenn man diesen Humor ernüchternd findet dann ist Deadpool wohl einfach nichts für einen.Aber diese Filme werden ja auch schließlich nicht für Leute gemacht die Deadpool nicht mögen sondern für Fans die schon immer Deadpool im Kino sehen wollten und zwar so wie er in den Comics ist.Fox macht bei diesen Filmen also auf jeden Fall nicht viel falsch.
    • Mr. Blonde
      Und ich hab keinen Bock mehr auf selbstverliebte , dümmliche MEINUNGEN von Filmstarts jeglicher Art.Die Rubrik MEINUNG ist sowas von unnötig. Jeder hat seine Meinung, klar, aber die zum Teil gequirlte Kacke ist zum fremdschämen und zeugt nicht unbedingt von Filmwissen.
    • Heavy-User
      Der Film hat mir sehr gefallen und war auch meinem Humor entsprechend aufgebaut. Und obwohl ich den Film sehr genossen habe, muss ich auch sagen, dass es anstrengend war, da man die Infos direkt parat haben musste, um die Sprüche etc. einordnen zu können.Anderseits muss man den Film dann halt noch mal schauen.Und mal ganz ehrlich: Wer sich bei Deadpool aufregt, dass er zu viel redet, der hat die Eigenheiten dieser Figur nicht verstanden.... ;-)
    • Joachim M.
      Ab Baujahr 2000
    • Der_Neue
      Synchro ungleich Übersetzung...
    • WhiteNightFalcon
      Es mag bei Baby Driver einfach daran liegen, dass es nicht mein Musikgeschmack ist, aber ich finde den Einsatz von Musik bei Drive zb deutlich besser gemacht.
    • WhiteNightFalcon
      Muss einfach daran liegen, wenn man schon gaaaaaanz viele Filme gesehen hat, dann holt einen so ein - vielleicht bewusster - Genremix einfach nicht mehr ab.
    • WhiteNightFalcon
      Er wurde glaube auch als eine etwas andere Version von Drive beworben und das isser hinten und vorne nicht.
    • Mordru
      Bei Action Komödien hingegen gehörte auch damals der Dampfplauderer schon zum guten Ton.
    • jimbob
      Stimmt, war ja auch ein ganz anderer Humor als beim ersten Teil ...
    • Erik B.
      Wäre es für jüngere Kinogänger, wäre er kein R-Rated.
    • Mordru
      Bei Deadpool fährt man das ja auch an den Stellen zurück an denen das unpassend ist.Das alles nur eine Show ist wird durch das tatsächliche durchbrechen der vierten Wand grundsätzlich betont.
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