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    HBOs "Watchmen" wird andere Figuren haben als die Vorlage – und die ersten Darsteller stehen bereits fest
    Von Julius Vietzen — 24.05.2018 um 09:49
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    Damon Lindelofs „Watchmen“ wird keine direkte Adaption der Comicvorlage von Alan Moore und Dave Gibbons, sondern spielt in derselben Welt und wird deswegen auch teilweise neue Figuren haben. Dafür stehen nun die ersten Darsteller fest.

    Warner Bros.

    Je inbrünstiger die Fans einen Stoff lieben, desto heftiger ist die Gegenreaktion, sollten sie mit einer Entscheidung nicht einverstanden sein – das bekamen Rian Johnson & Co. gerade erst mit „Star Wars: Die letzten Jedi“ zu spüren und auch Damon Lindelof sieht sich ganz offenbar einiger Kritik ausgesetzt, seit im Juni 2017 bekannt wurde, dass er für HBO an „Watchmen“, einer Adaption von Alan Moores und Dave Gibbons gefeierter Graphic Novel arbeitet.

    Aus diesem Grund hat sich Lindelof wohl auch dazu entschieden, einen fünfseitigen (!) Brief an die Fans zu veröffentlichen, in dem er sein Herz ausschüttet und in aller Ausführlichkeit darlegt, was ihn dazu bewogen hat, eine Adaption in Angriff zu nehmen. So berichtet er etwa von seiner eigenen Vergangenheit mit „Watchmen“ seit er im Alter von zwölf Jahren die ersten beiden Ausgaben von seinem Vater überreicht bekam und betont mehrmals sein Verständnis dafür, dass die Fans wütend sein werden. Den Brief könnt ihr euch hier selbst durchlesen:

    Day 140.

    Ein Beitrag geteilt von Damon (@damonlindelof) am

    Lindelofs Idee für "Watchmen"

    Außerdem geht Lindelof in dem Brief auf seine Pläne für „Watchmen“ ein. „Wir haben kein Verlangen danach, die zwölf Ausgaben, die Mr. Moore und Mr. Gibbons vor 30 Jahren erschaffen haben, zu ‚adaptieren‘“, schreibt er etwa. „Diese Ausgaben sind heiliger Boden und werden weder erneuert noch neu erschaffen noch reproduziert noch rebooted.“ Allerdings, so beschreibt Lindelof seine Vorgehensweise, werde man die Graphic Novel remixen, weil die vorgebene Basslinie einfach zu gut sei, um sie nicht zu samplen.

    Moores und Gibbons „Watchmen“ seien wie das Alte Testament, fährt der „Lost“-Schöpfer fort, während sein „Watchmen“ gewissermaßen das Neue Testament ist. Alles, was in der Vorlage passiert ist, wird auch in der HBO-Adaption passiert sein: „Der Comedian ist tot, Dan und Laurie haben sich verliebt, Ozymandias hat die Welt gerettet und Dr. Manhattan ist verschwunden, nachdem er Rorschach in der bitteren Kälte der Antarktis in Stücke gesprengt hat.“

    Kein Sequel

    Gleichzeitig verspricht Lindelof aber auch, kein Sequel zu „Watchmen“ machen zu wollen. Stattdessen werde die Geschichte in derselben Welt spielen, aber original, unabhängig und, darauf legt Lindelof großen Wert, zeitgemäß sein: Die Graphic Novel sei auf die 80er Jahre mit Ronald Reagan, Margaret Thatcher und Michail Gorbatschow zugeschnitten gewesen, die Adaption spiegele hingegen die Gegenwart mit Donald Trump, Theresa May, Wladimir Putin und „dem Pferd, auf dem dieser oben ohne herumreitet“ wider.

    Auch ginge es in seiner Adaption nicht mehr um den drohenden Weltuntergang, wie bei der während des Kalten Krieges entstandenen Vorlage, erklärt Lindelof. „Die Helden und Schurken – als ob man sie auseinanderhalten könnte – spielen also um andere Einsätze.“ Er verspricht einen „frischen und bösartigen und elektrisierenden und absurden“ Tonfall und betont außerdem, dass die Vorlage für ihn nicht nur düster, sondern auch voller Humor sei.

    Neue Figuren

    Da HBOs „Watchmen“ also keine direkte Adaption der Vorlage wird, gibt es logischerweise auch neue Figuren. „Einige Figuren werden unbekannt sein“, so Lindelof. „Neue Gesichter. Neue Masken, hinter denen sie sich verstecken.“ Allerdings werden wohl auch einige bekannte Figuren einen Auftritt haben: „Einige Figuren“ schreibt Lindelof ja bewusst und verrät außerdem, dass man das vergangene Jahrhundert und dessen kostümierte Helden durch ein „bekanntes, wenn auch überraschendes Paar Augen“ betrachten werde.

    Diese Darsteller sind dabei

    Wie Variety und der Hollywood Reporter übereinstimmend berichten, stehen nun auch bereits die ersten Darsteller für die neuen und altbekannten Figuren in „Watchmen“ fest: Regina King („Ray“), Don Johnson („Django Unchained“), Tim Blake Nelson („O Brother, Where Art Thou?“), Louis Gossett Jr. („Ein Offizier und Gentleman“), Adelaide Clemens („Der große Gatsby“) und Andrew Howard („Ohne Limit“). Welche Figuren diese sechs Darsteller spielen werden, wurde bislang noch nicht enthüllt, fest steht aber bereits, dass King, die mit Lindelof schon bei „The Leftovers“ zusammenarbeitete, die Hauptfigur spielen wird.

    Mehr Informationen zu den einzelnen Darstellern findet ihr auf den jeweils mit dem Namen verlinkten Star-Seiten. Wann „Watchmen“ auf HBO ausgestrahlt werden soll, steht ebenfalls noch nicht fest.

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    Kommentare
    • Luphi
      Wenn das so ist: Asche auf mein Haupt. Mit Musiktheorie kenne ich mich null aus.
    • V_ossi
      Ja, Lost war einfach ein Erlebnis. Hab einige schöne und verrückte Diskussionen mit Freunden und Unbekannten über die zahlreichen Theorien zu den noch zahlreicheren Mysterien gehabt.Hab der Serie sogar das durchaus mittelmäßige Ende verziehen, weil das in meinen Augen zumindest auf einer emotionalen Ebene funktioniert hat (nicht so, wie z.B. das verkorkste Dexter Ende).Seit Jahren schlage ich mich auch schon mit dem Gedanken herum, die Serie noch mal zu gucken, aber da ist noch so viel neues Zeug, dass man vorher gucken kann... u.a. die Watchmen Serie. :D
    • Karacho
      Gebe ich dir Recht. Der Film ist unglaublich gut gemacht, aber ich finde die Batman-Triologie von Nolan dennoch besser. Denn Nolan hat sich immer wieder selber übertroffen. Vor allem auch mit den Gegenspielern und den grandiosen schauspielerischen Leistungen der Darsteller.
    • Bruce Wayne
      Du tust dir selbst damit einen Gefallen, den Comic zu lesen. Eine wirklich brillante Comic-Satire.
    • Jimmy V.
      Na, das die sich unterscheiden, glaube ich gern. Mit dem Heranreichen ist das immer so eine Sache. Unter welchen Gesichtspunkten denn? Verschiedene Medien werden immer verschiedene Ergebnisse produzieren. Deswegen versuche ich mich von diesen Fragen, was nun besser gewesen sie oder nicht, zu verabschieden.
    • Bruce Wayne
      Der Film war (im Ultimate Cut) anschaubar, aber die fehlende Chapter-Einteilung und diverse Änderungen haben doch entnervt. Definitiv nicht die treueste Comicumsetzung. Von daher bin ich gespannt auf die Serie, gerade weil sie neues Terrain betritt.
    • Bruce Wayne
      Lies dir bitte mal die Vorlage durch. Dann wirst du erkennen, dass der Film nicht ans Graphic Novel heranreicht.
    • Jimmy V.
      Ich verstehe schon, warum sie die Zeitreisen eingebaut haben: show, don't tell. Aber damit haben sie, so kurz vor Ende, nochmal einen so krassen shit eingebaut (denn das diente ja eigentlich alles nur als loophole für den Mann in Schwarz), was sie einfach nicht wirklich ausgenutzt haben. Viel zu zahm wurde das dann alles aufgelöst. Jahrelang ging es bei Lost um Grauzonen, verrückte Theorien, Wissenschaft vs. Glaube, nur um es dann in einem Gut vs. Böse aufzulösen.Daher könnte ich für mich auch sagen: Wäre Staffel 6 da irgendwie mutiger gewesen, würde Staffel 5 auch besser bei mir wegkommen. Für mich war Lost einfach eine der geilsten Serien überhaupt. Noch immer in meiner Top 5, aber eben nur noch auf der Nummer 5. ;)
    • Oli19183
      Gähnend lange Mammutwerk? Für Transformers Liebhaber mag das wohl zutreffen. Für viele andere wie auch für mich ist Watchmen von Snyder die bisher beste Comicverfilmung in den letzten 20 Jahren.
    • V_ossi
      Ah, dann sind wir da ja auf einer Wellenlänge. Auch wenn ich die Zeitreisen sogar noch ganz interessant und gut umgesetzt fand, hat die Serie mit der fünften Staffel beginnend stark abgebaut. Die ganze Tempel Geschichte war dann wirklich nicht mehr meins.Mit einigen Jahren Abstand hätte man die Serie mMn in 5 Staffeln à 20 Folgen zu einem Ende bringen sollen.Egal, schön war die Zeit. XD
    • Jimmy V.
      Wie V_ossi es indirekt empfiehlt, kann ich nur auf den Extended Cut verweisen oder gar den Ultimate Cut, der noch Comic-Szenen beinhaltet. Die sind natürlich auch ziemlich lang, aber das Pacing ist besser.
    • Jimmy V.
      Haha. Also nur die ersten 4 Staffeln, tatsächlich. Ich finde, mit dem Ende von Staffel 4 merkt man, dass dort ein turning point war. Oder anders gesagt: Wollte man die Serie verbessern durch ein Neuschreiben, reichte es, erst einmal, wenn man Staffel 5 und 6 ganz neu konzipiert.Staffel 5 und 6 haben auf jeden Fall noch geile Einzelmomente und erstere hatte einen richtig tollen Cliffhanger. Aber dann haben sie sich in Staffel 6 nichts mehr getraut.
    • TresChic
      Ist eher ne Hassliebe. Ich fand ihn ab und zu sehr langatmig und dann plötzlich geht es wieder Schlag auf Schlag. Guter Film, aber meiner Meinung nach hätte Watchman ein Zweiteiler sein müssen.
    • V_ossi
      Auch wenn das jetzt etwas Off-Topic wird, aber meinst du bis einschließlich Staffel 5 ein Meisterwerk, oder nur die ersten 4 Staffeln?Das ist wichtig. Aus Gründen. :D
    • Man Drake
      Unerwartet, aber spannend.
    • Jimmy V.
      Ich bin etwas gespannt auf das Projekt, muss ich sagen. Lindelof kann, wenn er will, gut schreiben. Prometheus hat er zwar verdorben, doch Lost war bis Staffel 5 ein Meisterwerk und danach nur noch gut. Noch besser war aber The Leftovers, ein wenig beachtetes Juwel.HBO wiederum hat ja mit Westworld gezeigt, dass sie eine Grundidee neu variieren können. Also warum nicht? Ist mir ehrlich gesagt lieber als den Haupt-Comic auf Serienlänge neu zu verarbeiten. Das wäre doch ein bisschen öde.
    • Jimmy V.
      Wenn die Serie gut läuft, bin ich sicher, wird der in Form von Rückblenden und Ähnlichem auftreten.
    • Jimmy V.
      Wieso magst du den Film nicht? Ich fand ihn super. Kenne die Vorlage natürlich nicht, aber man sollte nie erwarten, dass diese einfach verbildlicht umgesetzt wird. Lieber eine Neu-Interpretation akzeptieren.
    • TresChic
      Top news! Man hätte Watchmen gleich als Mini Serie konzipieren sollen, als dieses gähnend lange Mammutwerk ins Kino zu stellen, welches dann logischerweise gefloppt ist. Etwas rauher darf die Serie auch sein.
    • CineMan
      Lindelof schreibt und redet (vorletzte Seite, letzter Abschnitt) über bass lines - nicht über baselines. Damit ist der Bass Riff gemeint, also die von der Bassgitarre gespielte Melodie/ Rhythmus. Er verwendet Begriffe aus der Musik (remix & sampeln) um sich bzw. sein Vorhaben und die Gründe zu erklären.
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