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    Ein bisschen mehr "Guardians Of The Galaxy" hätte "Solo: A Star Wars Story" gutgetan
    Von Julius Vietzen — 01.06.2018 um 22:00
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    Die ursprünglichen Regisseure Phil Lord und Chris Miller hätten „Solo: A Star Wars Story“ zu einer Art „Guardians Of The Galaxy“ machen wollen, hörte man nach ihrer Entlassung. Schade, dass sie dazu nicht die Gelegenheit bekamen.

    2018 Lucasfilm Ltd. & ™, All Rights Reserved. / Jonathan Olley

    Achtung, der folgende Text enthält Spoiler zum Han-Solo-Film!

    Solo: A Star Wars Story” ist kein schlechter Film. Das Problem ist: Ein wirklich guter Film ist er auch nicht. Beim Kinobesuch habe ich mich nicht gelangweilt, war aber eben auch nie gefesselt. Ich habe ein paar Mal geschmunzelt, aber nur selten wirklich gelacht (dazu später mehr). Der ganze Film dümpelte so gleichtönig vor sich hin, dass ich danach nicht anders konnte, als festzustellen: Ein bisschen „Guardians Of The Galaxy” hätte „Solo“ verdammt gutgetan.

    Zwar werden wir es nie mit Sicherheit wissen, aber offenbar ist das genau das, was die ursprünglichen Regisseure Phil Lord und Chris Miller im Sinn hatten, wie eine Quelle des Wall Street Journals unlängst berichtete. Zwei Hauptgründe gibt es wohl dafür, dass Lord und Miller diese Vision nicht in die Tat umsetzen konnten, sondern vorher gefeuert wurden: Zum einen arbeiteten sie den Verantwortlichen bei Disney und Lucasfilm nicht schnell genug und zum anderen war Drehbuchautor und „Star Wars“-Veteran Lawrence Kasdan unglücklich mit den durch Improvisation entstandenen Änderungen am Drehbuch, das er mit seinem Sohn Jonathan Kasdan verfasst hatte.

    Die Probleme mit Lord und Miller

    Den ersten Punkt kann ich noch halbwegs verstehen. Für Disney ist ein Riesenproblem, wenn ein Film wie „Solo“ droht, nicht rechtzeitig fertig zu werden. Als jemand, der gerne gute Filme sieht, würde ich mir aber trotzdem wünschen, dass Kathleen Kennedy & Co. Lord und Miller dann lieber noch ein paar Drehtage mehr eingeräumt hätten, anstatt Ron Howard ranzusetzen, der den ganzen Film dann grundsolide, aber eben auch weitestgehend uninspiriert runterkurbelt. Günstiger („Solo“ ist der teuerste „Star Wars“-Film aller Zeiten) und weniger aufwändig wäre das wohl auch gewesen.

    Und das führt uns direkt zum zweiten Grund: dem Drehbuch bzw. den Änderungen daran. Was ich mich nach „Solo“ wirklich gefragt habe: War das nun ein Drehbuch, das so brillant und genial ist, dass man davon keinen Hauch abweichen darf? Meine persönliche Antwort darauf ist ein klares Nein. Dafür ist die Geschichte, die sich die Kasdans ausgedacht haben, viel zu konventionell und wie der gesamte Film: risikoarm.

    Was "Solo" fehlt

    Aber das wäre gar nicht so schlimm: Auch „Guardians Of The Galaxy” erzählt keine sensationell innovative Geschichte. Was den zehnten MCU-Film so einzigartig und unfassbar unterhaltsam macht, ist vielmehr der anarchische Humor, die fantastischen Figuren und die peppige Inszenierung von James Gunn (man denke etwa an die großartige Eröffnungsszene, in der Star-Lord zu den Klängen von Redbones „Come And Get Your Love“ über den Planeten Morag tanzt). Das wäre genau das, was „Solo“ auch gebracht hätte. Und das wäre womöglich das, was Lord und Miller erreicht hätten, hätte man sie gelassen.

    Mit einer großen Portion Humor und einer schwungvollen Inszenierung hätte man womöglich auch ein weiteres großes Problem des Films umgehen können: Viele „Star Wars“-Fans haben und hatten keinen Bock auf „Solo“, was sich nun auch in den Einspielergebnissen des ersten Wochenendes niedergeschlagen hat. Und dieser Unwille ist auch verständlich: Es ist schwer, so eine Vorgeschichte wirklich spannend und interessant zu gestalten, wenn jeder weiß, dass die Hauptfiguren überleben müssen, da sie ja noch in chronologisch späteren Filmen auftreten werden. Wenn man bei „Solo“ aber einfach komplett auf Spaß gesetzt hätte (wie bei „Guardians“), bin ich sicher, dass viele Fans wohl eher bereit gewesen wären, sich auf einen Film über Hans Vorgeschichte einzulassen.

    "Guardians" in "Solo"

    Und die Ansätze für einen „Star Wars“-Film à la „Guardians Of The Galaxy“ sind ja in „Solo“ durchaus vorhanden, wie ich finde: Eine der lustigsten Szenen ist etwa der Moment direkt nach Hans und Chewies gelungener Flucht. Die beiden designierten besten Kumpels sind nach ihrer Show-Klopperei von oben bis unten mit Matsch vollgeschmiert und nehmen eine Dusche – und zwar gemeinsam, was von Han dann auch entsprechend ironisch kommentiert wird. Nicht nur ist das die erste Duschszene der „Star Wars“-Spielfilmgeschichte, es ist auch ein herrlich verrückter und lustiger Moment. Davon hätte es mehr gebraucht.

    Auch an einigen anderen Stellen waren Ansätze eines durchgeknallteren, spaßigeren, bunteren Films im Stile von „GotG“ zu erkennen. Ich kann es natürlich nicht beweisen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass all diese Szenen zu den 30 Prozent gehören, die noch von Lord und Miller gedreht wurden: Etwa das Krokodil-ähnliche Alien, das während der ersten Sabacc-Partie zwischen Han und Lando (Donald Glover) frustriert seine Karten auffrisst, Landos selbstverliebtes Holo-Tagebuch oder die Szene an Bord des Falken, in der Han und Qi’ra (Emilia Clarke) Landos Cape-Sammlung bewundern. In den beiden letzteren Beispielen wird eine ikonische „Star Wars“-Figur und ihr extravaganter Modegeschmack ganz bewusst durch den Kakao gezogen, ohne dass das zu einer bösartigen Parodie verkommt – so wie etwa auch bei „Guardians“ immer wieder mit Superheldenklischees gespielt wird.

    Han Solo = Peter Quill

    Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass es am Anfang von „Solo“ eine ähnliche Figurenkonstellation wie in „Guardians“ gibt: Einen draufgängerischen, aber etwas trotteligen (Frauen-)Helden (Peter Quill / Han), eine toughe Kriegerin (Gamora / Val) und einen nicht-menschlichen Piloten mit (im Original) New Yorker Akzent (Rocket / Rio Durant) gibt es jedenfalls in beiden Filmen, nur dass „Solo“ dann eben die falsche Abzweigung nimmt und Val und Rio viel zu früh sterben – die Abenteuer dieses Ganoven-Teams hätte ich viel interessanter gefunden, als das, was es in der Kinofassung schlussendlich zu sehen gibt.

    Das Potential war also da. Schade, dass sich Disney und Lucasfilm dazu entschieden, auf Nummer sicher zu gehen. Ein Gutes könnte das sich andeutende schwache Einspielergebnis von „Solo“ für die Zukunft von „Star Wars“ jedoch haben:

    Vielleicht merken die Verantwortlichen nun, dass die Marke alleine nicht mehr ausreicht, um die Zuschauer in Scharen ins Kino zu locken, und gehen in Zukunft wieder mehr Risiken ein. Für Kinoliebhaber und „Star Wars“-Fans gleichermaßen wäre das wohl ein Gewinn.

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