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Luke Cage als Super-Superheld mit Werbevertrag: Unser erster Eindruck zur 2. Staffel der Serie von Marvel und Netflix
Von Björn Becher — 15.06.2018 um 19:05
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Ab Freitag, den 22. Juni 2018, steht die komplette zweite Staffel von „Luke Cage“ bei Netflix zum Abruf bereit. Wir haben uns die ersten vier Episoden bereits angeschaut und verraten euch, was die neue Season der Serie taugt.

Netflix

Luke Cage (Mike Colter) ist zurück. Anknüpfend an die erste Staffel der Serie um die Marvel-Comic-Figur mit der undurchdringbaren Haut und die Ereignisse in der Crossover-Serie „The Defenders“ bekommen wir eine neue Perspektive auf den Ex-Knacki: Der Superheld ist nun ein Medienstar. Die daraus resultierende Selbstüberschätzung der Figur und das Platzieren von zahlreichen interessanten Nebenfiguren stehen im Fokus der sich langsam aufbauenden ersten vier Episoden der zweiten Season von „Luke Cage“.

Die beginnt damit, dass jeder in Harlem Luke Cage liebt. Doch das hat auch Schattenseiten, schließlich nennen Drogendealer ihr neuestes Produkt „Luke Cage“, um vom Glanz des Helden zu profitieren. Der selbst wird immer frustrierter, weil seine Einzelgänger-Methoden Verbrecher nicht ins Gefängnis bringen. Das nagt auch an Polizistin Misty Knight (Simone Missick), die daneben noch unter dem Verlust ihres Armes (siehe „The Defenders“) leidet. Die beiden Figuren teilen den Ärger, dass Mariah Dillard (Alfre Woodard) weiter über Harlem regiert und die dunklen Geschäfte ihr und ihrem Geliebten Shades (Theo Rossi) nicht nachgewiesen werden können. Doch weder Luke und Misty, noch Mariah erkennen, dass ein neuer Spieler die Fläche betreten hat. Ein jamaikanischer Gangster, der sich nur Bushmaster (Mustafa Shakir) nennt, will Harlem übernehmen und dafür Mariah und Luke Cage vernichten…

Ein Super-Super-Superheld

Wie lebt eigentlich ein Superheld von seinem Tun? Klar, ein Tony Stark ist Milliardär, ein Matt Murdock arbeitet noch als Anwalt, doch Luke Cage ist nur Luke Cage und verkloppt Drogendealer. Er ist deswegen mittlerweile zwar ein Star, dem jeder Blick auf der Straße gilt, der dauernd für Selfies posieren muss und über dessen Aufenthaltsort sich die Fans mittels einer App sogar gegenseitig informieren - doch Geld bringt das noch nicht. Dieses Problem ist ein amüsanter Einstieg in die zweite Season und spielt in den ersten Episoden durchgängig eine Rolle – über den Verkauf von „Luke Cage“-Merchandise bis hin zu den Verhandlungen seines „Managers“ Bobby Fish (Ron Cephas Jones) mit einem namhaften US-Sportartikelhersteller –, was die Macher natürlich auch für etwas Produktplatzierung nutzen (dass zudem die Hoody-Marke, die Luke durchgängig trägt, als möglicher Werbepartner mehrfach erwähnt wird, ist wohl auch kein Zufall).

Es ist aber nicht nur ein Gag, sondern Teil des Neuaufbaus der Figur in den ersten Episoden. Wir sehen einen neuen Luke Cage. Er ist dabei nicht nur der gefeierte Held, sondern körperlich noch stärker. Seine Haut wehrt mittlerweile sogar die „Judas-Kanone“ ab, die ihn in der ersten Staffel noch verletzen konnte, er kann weiter springen als jeder normale Mensch, läuft schneller als Usain Bolt (kommt bei den Jamaikanern nicht so gut an) und hat noch mehr Kraft. Wohin das führt, ist schnell zu erahnen. Gepaart mit Luke Cages wachsender Frustration darüber, dass Verbrecher von ihren windigen Anwälten wieder rausgehauen werden und er zwar Kleindealer erwischt, aber Mariah Dillard nichts nachweisen kann, führt dieser steile Aufstieg irgendwann zum rasanten Fall. Cage verscherzt es sich nicht nur mit denen, die ihm nahestehen, sondern bekommt, als er sich für völlig unbesiegbar hält, so richtig aufs Maul. Dass Bushmaster ihm kräftig eine mitgibt, ist keine Überraschung mehr, wurde das doch schon früh in den Trailern verraten.

Die Nebenfiguren dominieren

Der neue Bösewicht ist eine von vielen interessanten Nebenfiguren, er bleibt in den ersten vier Episoden aber noch sehr mysteriös. Die Herkunft seiner Kräfte – scheinbar aus irgendwelchen jamaikanischen Voodoo-Ritualen (erinnert ein wenig an den Steven-Seagal-Actioner „Zum Töten freigegeben“) – wird in den ersten vier Episoden noch genauso wenig ergründet wie seine Motivation, Harlem zu übernehmen. Als sein „Geburtsrecht“ bezeichnet er das nur immer wieder, dass ihn mit Mariah bzw. ihrer Familie eine alte Fehde verbindet, wird zudem angedeutet – zumindest fällt es auf, wie oft er darauf hinweist, dass ihr Nachname nicht das angeheirate Dillard, sondern der Familienname Stokes ist.

Allgemein überrascht der Fokus auf die Nebenfiguren: Während der Aufstieg und wohl folgende Fall von Protagonist „Luke Cage“ in den ersten Folgen sehr nach Schema F erfolgt, deuten sich dort die interessanteren Geschichten an. Misty Knights Verlust ihres Arms, bei dem Comic-Kenner natürlich schnell die Richtung erahnen dürfen, bietet durch den Bruch im Selbstbewusstsein der Figur viel Potential. Aber auch dass Antagonistin Mariah ihr Geschäft komplett in die Legalität überführen und sich mit ihrer entfremdeten Tochter versöhnen will, bietet interessante Ansätze. Allgemein scheint Familie ein dominierendes Thema zu sein, denn auch Luke Cages Vater betritt schon in der ersten Episode die Bildfläche.

Eine Serie für die Originalfassung

Gespielt wird Lukes Vater, ein Priester, von „The Wire“-Legende Reg E. Cathey. Der für „House Of Cards“ mit dem Emmy ausgezeichnete, im Februar 2018 im Alter von nur 59 Jahren verstorbene Cathey zeigt in einer seiner letzten Rollen noch einmal, was für ein sensationeller Schauspieler er ist. Mit seinem ganz eigenen Singsang, der natürlich perfekt auf seine Prediger-Figur passt, reißt er in jeder Sekunde sofort mit. Diese Performance entfaltet natürlich nur im Original ihre volle Wirkung.

Allgemein lebt gerade die zweite Staffel sehr von der Originalfassung. Zum Harlem-Slang kommt hier auch noch das ganz eigene Englisch der Yardies, der jamaikanischen Gangster, das wie in Idris Elbas Regiedebüt „Yardie“ nicht immer einfach verständlich ist (Untertitel helfen), aber viel zur Atmosphäre beiträgt und einfach nicht zu synchronisieren ist. Gerade bei „Luke Cage“ ist es aber wichtig, in die ganz eigene Welt der Serie gezogen zu werden. Die erschaffen Chefautor Cheo Hodari Coker und sein unter anderem auch aus Lucy Liu als Regisseurin der Pilotfolge und Produzentin bestehendes Team nämlich ab der ersten Minute, sie rücken dabei übrigens auch – wie schon zuletzt die „Jessica Jones“-Macher - Gesellschaftsthemen wie Gleichberechtigung und Rassismus immer wieder in den Vordergrund.

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Fazit

Die ersten Episoden der zweiten Staffel von „Luke Cage“ sind ein vielversprechender Beginn, auch wenn es beim von den Netflix-Serien bekannten, gewohnt ruhigen Aufbau hier und da etwas knirscht, weil es zu sehr darum geht, die Figuren in verschiedene Stellungen zu bringen. Vor allem der Aufbau der Hauptfigur zum noch stärkeren Helden und die daraus resultierende Selbstüberschätzung sind zu offensichtlich nur Vehikel dazu, um ihn wohl in den nächsten Folgen umso tiefer fallen zu lassen.

Während dieser erste Eindruck auf vier von insgesamt 13 Episoden basiert, folgt unsere Kritik zur gesamten zweiten Season zum Serienstart am 22. Juni 2018.

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