Mein FILMSTARTS
  • Meine Freunde
  • Meine Kinos
  • Schnell-Bewerter
  • Meine Sammlung
  • Meine Daten
  • Gewinnspiele
  • Trennen
Kritik zur 2. Staffel "Luke Cage": Oft nahe am Meisterwerk und endlich ein guter Iron Fist
Von Björn Becher — 21.06.2018 um 22:00
facebook Tweet

Ab dem 22. Juni steht die zweite Season von „Luke Cage“ auf Netflix bereit. Wir haben alle 13 Episoden bereits gesehen und sind trotz mehrerer, teilweise auch eklatanter Schwächen begeistert…

Netflix

Getragen von den Rap-Beats aus dem im örtlichen Zentrum der Serie stehenden Club Harlem’s Paradise überzeugte die erste Staffel von „Luke Cage“ vor allem durch ihre Atmosphäre. Die Story blieb bei der fast schon zweigeteilten Geschichte jedoch auf der Strecke und die zweite Season scheint erst einmal daran anzuknöpfen. Auch wenn in Harlem’s Paradise nun zu Beginn die Gitarrenriffs dominieren, liefern die dortigen Auftritte einmal mehr den Hintergrund für ein eindrucksvoll-atmosphärisches Portrait des Lebens im New Yorker Viertel Harlem. Doch erneut scheint die Story dafür zurückstecken zu müssen – bis sich nach und nach erschließt, wie gekonnt die Macher alles vorbereiten, um später umso besser darauf aufzubauen.

Angeknüpft wird dabei an „The Defenders“. In einer Zeit noch viele Monate vor dem Ende eines gewissen „Infinity War“ muss Luke Cage (Mike Colter) mit seinem Status als gefeierter Held von Harlem klarkommen. Vor allem ist er frustriert, dass Mariah Dillard (Alfre Woodard) weiter über Harlem regiert und mit ihrem Geliebten Shades (Theo Rossi) ihre dunklen Geschäfte noch ausbaut. Den Ärger, sie nicht stoppen zu können, teilt er mit Polizistin Misty Knight (Simone Missick), die zudem mit dem Verlust ihres Armes fertig werden muss. Doch dann ändert sich alles, als ein jamaikanischer Gangster, der sich nur Bushmaster (Mustafa Shakir) nennt, die Bildfläche betritt. Er ist fest entschlossen, Harlem zu übernehmen und dafür will er Mariah und Luke vernichten…

Netflix
Bushmaster ist fest entschlossen, sich Harlem unter den Nagel zu reißen.

Die Nebenfiguren dominieren

Eigentlich ist Luke Cage in der Netflix-Serie ein ziemlich langweiliger Held. Mit seiner kugelsicheren Haut lässt er sich von seinen Gegnern abballern, bis diese ihre Kugeln verschossen haben. Mit seinen übermenschlichen Kräften gibt er ihnen dann einen Schlag auf den Schädel oder wirft sie durch die Gegend, so dass sie bewusstlos in der Ecke liegen. Wie geht man damit um? Natürlich haben die Macher um Chefautor Cheo Hodari Coker ihrem Titelhelden ein paar Probleme auf den Leib geschrieben, um ihn interessanter zu gestalten, aber ihr bester Kniff ist es, ihm einfach ganz viele interessante Nebenfiguren zur Seite zu stellen.

Denn diese dominieren die zweite Season von „Luke Cage“. Selbst kleine Figuren wie Lukes Vater (die kürzlich verstorbene „The Wire“-Legende Reg E. Cathey mit einer sensationellen Performance), der windige Anwalt Piranha Jones (Chaz Lamar Shepherd) oder Ex-Häftling Comanche (Thomas Q. Jones) bekommen interessante Plots spendiert. Ein Highlight ist dabei Fiesling Shades, der in der ersten Season weit hinter seinem Potential zurückblieb. Nun halten die Macher für Shades (und übrigens noch viele andere Beteiligte) in der zweiten Hälfte der zweiten Season eine wahre Achterbahnfahrt bereit, auf der der Zuschauer ihn teilweise verabscheuen kann, um dann wieder Mitleid zu haben. Dabei kann „Sons Of Anarchy“-Star Theo Rossi endlich zeigen, was in ihm steckt. Er steht exemplarisch für den Umgang mit Bösewichten in der zweiten Season.

Netflix
Theo Rossi hat als Shades viele starke Momente.

Die Bösewichte sind das Salz in der Suppe

Denn was für alle Nebenfiguren gilt, gilt besonders für die Bösewichte. Sie sind das Salz in der Suppe, gerade weil es nicht die klassischen Marvel-Widersacher sind. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen in der zweiten Staffel von „Luke Cage“ ohnehin nach und nach immer mehr – besonders konsequent dann am Ende. Das führt auch dazu, dass sich stetig neue Allianzen bilden und immer wieder Figuren im einen Moment Seite an Seite kämpfen, nur um kurz darauf wieder zu Erzfeinden zu werden.

„Bushmaster“ John McIver sticht hier heraus. Wie so oft bei Marvel-Filmen und -Serien bedient man sich nur lose an der Comic-Vorlage, um eine eigene, komplexe Figur zu erschaffen. Die wirkt auf den ersten Blick mal wieder nach der so oft erprobten Kopie des Helden: ähnliche Fähigkeiten, aber dank Schnelligkeit ein besserer Kämpfer und damit überlegen. Doch nach und nach, sehr langsam, aber sehr konsequent, wird die Figur entblättert und bekommt ihre eigenen Seiten. Das trifft besonders auch wieder auf Harlems Verbrecherkönigin Mariah Dillard bzw. Stokes zu, die ihr altes Leben hinter sich lassen und komplett in die Legalität wechseln will. Aber auch auf diesem Weg gibt es natürlich zahlreiche Wendungen.

Netflix
Mariah träumt von einem anderen Harlem.

Humor und "Deadpool"-Anklänge zur Auflockerung

„Luke Cage“ ist dabei wie in der ersten Season wieder aufgeladen mit gesellschaftskritischem Subtext, was der Serie zusammen mit der Gewalt im Kampf um die Vorherrschaft in Harlem natürlich eine gewisse Schwere verleiht. Das kontern die Macher jedoch mit wohldosiertem Humor, der bisweilen überraschend selbstreferenziell ist. Das ist eher subtil und bei Weitem nicht so massiv wie bei „Deadpool“, aber Anklänge an den Meta-Comic-Actioner sind nicht zu übersehen – er wird sogar direkt zitiert.

An anderer Stelle verweist Luke so auch darauf, wie sich sein „Defenders“-Mitstreiter Iron Fist (Finn Jones) verändert hat. Ja, dieser mischt hier mit, was keine Überraschung ist, schließlich wurde es schon im Vorfeld groß angekündigt. Der Auftritt selbst ist relativ kurz, aber das Zitat mit der Veränderung passt: Denn man hat die vielkritisierte Figur einfach mal komplett überarbeitet und präsentiert uns nun einen viel entspannteren, gelösteren Helden, der so mit Luke ein wunderbares Doppel abgibt. Das dürfte Fan-Hoffnungen auf ein gemeinsames „Heroes For Hire“-Spin-off weiter befeuern – zumal es ausdauernd Verweise auf diesen Titel gibt.

Netflix
Finn Jones unterstützt als Iron Fist seinen Kollegen.

Episodenbrüche als größte Schwäche

Bei dem Auftritt von Finn Jones sind wir aber auch bei einer der größten Schwächen der zweiten Season. Netflix wird oft dafür gerühmt, dass die auf einen Schlag zur Verfügung gestellten Staffeln im Endeffekt ein ultra-langer Spielfilm sind. Doch bei „Luke Cage“ sind – wie schon bei den anderen Marvel-Serien – gerade die Brüche zwischen den einzelnen Episoden unübersehbar, was vor allem dazu führt, dass Figuren quasi von einer Folge zur nächsten komplett verschwinden. Das ist sicher den in den USA meist sehr komplexen Vertragssituationen geschuldet, aber es ist bisweilen störend, wenn komplette Handlungsstränge von Personen in eine feste Anzahl von Episoden gequetscht werden müssen, sie danach aber überhaupt nicht mehr auftauchen.

Dass ein Gaststar in einer Folge mal kurz vorbeischaut, kommt deswegen eigentlich gar nicht vor. Entweder es gibt eine wichtige Handlung um diese Figur, dann ist sie auch richtig präsent. Dann ist diese Handlung aber abgeschlossen und sie fehlt danach komplett, taucht also überhaupt nicht mehr auf. An einer (ziemlich peinlichen) Stelle wird sogar so getan, als wäre die Figur gerade Off-Kamera doch in der Szene. Besonders negativ fällt dieses Problem bei Rosario Dawsons Claire Temple ins Gewicht, für die sich die Macher jedoch auch keine interessante Nebengeschichte ausgedacht haben und sie daher ziemlich schnell aufs Abstellgleis schieben, weil sie einfach nichts mit ihr anfangen können.

Netflix
Auch Misty Knight hat eine große Rolle in der 2. Staffel

Langsamer Aufbau, starkes Finale und Fehler dazwischen

Im Übrigen machen die Autoren und Regisseure ziemlich viel ziemlich richtig. Dazu gehört auch der für die Marvel-Netflix-Serien erneut sehr ruhige und sehr langsame Aufbau in den ersten Episoden. Der zahlt sich voll aus, denn was hier gesät wird, können die Macher später ernten und so in den finalen Episoden immer wieder kurzzeitig das Tempo anziehen und dabei auf komplexe Figuren mit vielschichtigen Charakterzügen zurückgreifen. Das gipfelt in einem richtig starken Finale.

Dass die zweite Season von „Luke Cage“ zwar die bisher beste zweite Staffel einer Marvel-Netflix-Serie, aber eben kein Meisterwerk ist, ist einigen teilweise ärgerlichen Fehlern geschuldet. Da kommen in einer hochklassigen Sequenz kurzzeitig Computereffekte zum Einsatz, die so misslungen sind, dass sie den Zuschauer aus der Handlung reißen können. Und so herausragend die Schauspielerriege ist: In einigen Szenen rutschen gerade Mike Colter und Alfre Woodard dann eine Spur zu sehr in aufgesetztes Overacting ab.

Fazit

Die starke zweite Staffel von „Luke Cage“ macht vor allem eins: Lust auf noch mehr!

Wichtig: Unsere Kritik bezieht sich die auf uns von Netflix zur Verfügung gestellte englische Originalfassung. Das ist hier besonders wichtig, denn wir möchten uns gar nicht vorstellen, wie das eigenwillige Englisch der Jamaikaner oder die verschiedenen Slang-Ausdrücke der verschiedenen Bewohner von Harlem synchronisiert wurden (schon in der ersten Season war das ziemlich grenzwertig). Zudem werden Aussprache und Betonung von vielen Schauspielern hier noch stärker für die Darstellung ihrer Figuren genutzt, was in einer Synchro zumindest teilweise verloren geht.

 

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren
Kommentare
Kommentare anzeigen
Folge uns auf Facebook
Meisterwartete neue Serien
Good Omens
1
Good Omens
Mit David Tennant, Michael Sheen, Jon Hamm
Komödie, Drama
Erstaustrahlung
31. Mai 2019 auf Amazon
Alle Videos
Too Old To Die Young
2
Too Old To Die Young
Mit Miles Teller, Nell Tiger Free, Bill Baldwin
Drama, Krimi
Erstaustrahlung
14. Juni 2019 auf Amazon
Alle Videos
The Boys
3
The Boys
Mit Karl Urban, Antony Starr, Chace Crawford
Sci-Fi, Action
Erstaustrahlung
26. Juli 2019 auf Amazon
Alle Videos
Das Wichtigste im Leben
4
Das Wichtigste im Leben
Mit Jürgen Vogel, Bettina Lamprecht, Sidney Holtfreter
Komödie, Drama
Erstaustrahlung
5. Juni 2019 auf VOX
Die meisterwarteten Serien
Weitere Serien-Nachrichten
"Game Of Thrones"-Finale: Das Fehlen dieser Szene schockierte Maisie Williams und Lena Headey
NEWS - Serien im TV
Samstag, 25. Mai 2019
"Game Of Thrones"-Finale: Das Fehlen dieser Szene schockierte Maisie Williams und Lena Headey
Nach dem "Game Of Thrones"-Finale: 10 Serien, die die Lücke füllen können
NEWS - Serien im TV
Samstag, 25. Mai 2019
Nach dem "Game Of Thrones"-Finale: 10 Serien, die die Lücke füllen können
"Game Of Thrones": Diese Prophezeiung war doch nicht sinnlos – Jon hat sie im Finale erfüllt!
NEWS - Serien im TV
Samstag, 25. Mai 2019
"Game Of Thrones": Diese Prophezeiung war doch nicht sinnlos – Jon hat sie im Finale erfüllt!
"Stranger Things": Neue Bilder zur 3. Staffel der Netflix-Serie zeigen die Kids beim Spionieren
NEWS - Serien im TV
Samstag, 25. Mai 2019
"Stranger Things": Neue Bilder zur 3. Staffel der Netflix-Serie zeigen die Kids beim Spionieren
Nach dem Ende von "Game Of Thrones": Das erwartet Arya im Westen von Westeros
NEWS - Serien im TV
Samstag, 25. Mai 2019
Nach dem Ende von "Game Of Thrones": Das erwartet Arya im Westen von Westeros
Schockierender Daenerys-Twist im "Game Of Thrones"-Finale: Emilia Clarke war am Boden zerstört
NEWS - Serien im TV
Freitag, 24. Mai 2019
Schockierender Daenerys-Twist im "Game Of Thrones"-Finale: Emilia Clarke war am Boden zerstört
Alle Serien-Nachrichten
Top-Serien
Chernobyl
1
Von Craig Mazin
Mit Jared Harris, Stellan Skarsgård, Paul Ritter
Drama
Der Name der Rose
2
Von Andrea Porporati, Nigel Williams
Mit John Turturro, Damian Hardung, Rupert Everett
Drama, Historie
Game Of Thrones
3
Von D.B. Weiss, David Benioff
Mit Emilia Clarke, Kit Harington, Peter Dinklage
Drama, Fantasy
Star Trek: Picard
4
Von Alex Kurtzman, James Duff, Akiva Goldsman
Mit Patrick Stewart, Santiago Cabrera, Michelle Hurd
Sci-Fi
Top-Serien
Back to Top