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Gangster nimmt sich Tarantino als Vorbild – nun jagen ihn 3.000 Polizisten
Von Andreas Staben — 07.07.2018 um 15:00
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In Frankreich sorgt ein hollywoodreifer Gefängnisausbruch für Aufsehen. Mit einem entführten Hubschrauber ist der Berufsverbrecher Redoine Faïd entkommen und konnte bislang nicht gefasst werden. Der Entflohene hat sich von Filmen inspirieren lassen.

Warner Bros.

Selbst Frankreichs Justizministerin Nicole Belloubet schien irgendwie beeindruckt zu sein, als sie am Sonntag (1. Juli 2018) auf die Neuigkeiten aus dem südöstlich von Paris gelegenen Réau reagierte. Aus dem dortigen Gefängnis war am Morgen der zu einer 25-jährigen Haftstrafe verurteilte Redoine Faïd entkommen. Komplizen des 46-Jährigen hatten einen Hubschrauber entführt und den Piloten gezwungen, auf dem einzigen nicht durch ein Netz gesicherten Hof der Haftanstalt zu landen. Dort haben sie Rauchbomben zur Ablenkung geworfen und anschließend eine bewachte Tür mit einem Winkelschleifer aufgeflext. Innerhalb von zehn Minuten ist der Helikopter mit Faïd an Bord wieder davongeflogen.

Faïd und seine Helfer befinden sich seither auf der Flucht. Es wurde eine Großfahndung eingeleitet, an der fast 3.000 Polizisten beteiligt sind – bislang jedoch ohne Erfolg (Stand: 7. Juli). Die Umstände des Ausbruchs als filmreif zu beschreiben, ist naheliegend, aber eine Besonderheit macht die Meldung auch für uns als Kinoportal tatsächlich interessant: Der gewiefte Redoine Faïd ist nämlich ein absoluter Kinofan und hat sich nach eigener Auskunft bei seinen Raubzügen von Filmen wie „Reservoir Dogs“, „Gefährliche Brandung“ oder „Heat“ inspirieren lassen. Dem Regisseur des letztgenannten Thriller-Meisterwerks, Michael Mann, hat der auf den Überfall von gepanzerten Geldtransportern spezialisierte Verbrecher einmal sogar persönlich seine Verehrung gestanden, wie Vanity Fair berichtet.

"Heat"-Regisseur Michael Mann als "Mentor"

Bei einem Publikumsgespräch nach einer Vorführung von Manns „Public Enemies“ 2009 in Paris stellte sich Faïd als ehemaliger Gangster vor und drückte dem Filmemacher seine Bewunderung aus, speziell für „Heat“, den er sieben Mal im Kino und 100 Mal zu Hause gesehen habe und als perfektes Beispiel für eine realistische Beschreibung gut organisierter Verbrechen pries. Er fuhr fort: „Ich kenne Michael Manns Filme seit 20 Jahren und habe sie mit Freunden als Reportagen und Dokumentationen studiert. Mann war mein technischer Berater, mein Lehrer, eine Art Mentor…“

Schließlich setzte Faïd noch einen drauf und fragte den Regisseur, ob er sich darüber im Klaren sei, dass es Gangster gebe, die sich von seinen Filmen inspirieren lassen. Der Angesprochene war offensichtlich perplex und gab zu, dass er nicht wisse, was er darauf antworten solle. Michael Mann war aber auch nicht das einzige Hollywood-Vorbild für den cinephilen Verbrecher, der 2010 sogar eine Autobiografie veröffentlichte, in der er ausführlich von seiner Kinoliebe erzählt.

Raubüberfall mit Tarantino-Touch

So soll Faïd seine Komplizen während eines Überfalls auf ein Juweliergeschäft mit Farbennamen angesprochen haben – nach dem Beispiel von Mr. Brown und Co. in Quentin Tarantinos „Reservoir Dogs“. Bei einem Bankraub im „Point Break“-Stil trugen die Gangster um Faïd wiederum Masken der französischen Präsidenten Charles de Gaulle und Valéry Giscard d’Estaing und zitierten Dialoge aus Kathryn Bigelows Klassiker, in dem Patrick Swayze und Co. als US-Präsidenten maskiert sind. Vom Filmfan Faïd ist zudem die Überzeugung überliefert: „Ohne das Kino gäbe es 50 Prozent weniger Verbrechen.“

Inwiefern der sonntägliche Gefängnisausbruch von Filmen beeinflusst war, ist nicht bekannt, aber die perfekte Organisation würde einem charismatischen Kinoschurken alle Ehre machen. Zwei von Faïds Mitstreitern haben beim Hubschrauberpiloten Stéphane Buy erst einen Probeflug gebucht, ehe sie ihn dann bei einem weiteren Flug am Sonntag zuerst zu einer Zwischenlandung zwangen, bei der weitere Komplizen zugestiegen sind, und ihn anschließend Kurs auf das Gefängnis nehmen ließen. Nach der Befreiungsaktion musste Buy in der Nähe des Flughafens Charles de Gaulle landen, wo ein Fluchtauto auf Faïd und Co. wartete. Der Pilot wurde laufengelassen und der Helikopter in Brand gesteckt.

Seitdem fehlt jede Spur von den Flüchtenden und die Spekulationen schießen ins Kraut. So meldete unter anderem Bild, dass sich Faïd als orthodoxer Jude verkleidet und versteckt haben könnte. Nach seinem letzten Ausbruch 2013, bei dem er vier Wärter als menschliche Schutzschilde genommen und mehrere Türen mit Dynamit gesprengt haben soll, dauerte es übrigens etwa sechs Wochen, bis Faïd geschnappt wurde, der aktuell für einen fehlgeschlagenen Raubüberfall einsaß, bei dem eine Polizistin ums Leben kam.

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