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Auch James Cameron hat es falsch erzählt: Darum ist die "Titanic" wohl wirklich untergegangen
Von Carsten Baumgardt — 15.07.2018 um 17:30
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Heute Abend kann man sich auf Sat.1 um 20.15 Uhr wieder ansehen, wie die Titanic gegen einen Eisberg kracht. Aber die aktuell unter Experten populärste Untergangstheorie widerspricht dieser bisher offiziellen Version der Geschehnisse.

20th Century Fox

Der Untergang der R.M.S. Titanic ist der wohl größte Mythos der Schifffahrtsgeschichte, der über die Jahrzehnte Millionen von Menschen fasziniert hat. Zwei Stunden und 40 Minuten nach der Kollision des legendären Luxusliners am 14. April 1912 um 23.40 Uhr mit einem Eisberg auf seiner Jungfernfahrt von Southampton nach New York versank der Dampfer gemeinsam mit 1.514 Passagieren im eisigen Wasser des Atlantiks. James Cameron machte aus der Tragödie den damals erfolgreichsten (und mittlerweile zweiterfolgreichsten) Film der Geschichte, sein mit elf Oscars ausgezeichnetes Katastrophen-Liebesdrama „Titanic“ mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in den Hauptrollen begeisterte allein 18 Millionen Kinoschauer in Deutschland.

Aber ist das, was Regisseur Cameron mit größter Akribie und Liebe zum Detail 1997 auf die große Leinwand bannte, historisch wirklich akkurat? Dem neuesten Stand der „Titanic“-Untergangsforschung nach nicht unbedingt. Dass der Untergang eine Verkettung ungünstiger Umstände ist, gilt als unbestritten. Eine hochinteressante Theorie des irischen Journalisten und „Titanic“-Forschers Senan Molony, der sich inzwischen die viele Experten auf dem Gebiet angeschlossen haben, besagt jedoch, dass gar nicht der Eisberg, sondern ein über Tage schwelendes Feuer im Kohlebunker die entscheidende Rolle beim Untergang der Titanic gespielt hat.

Neue Beweise in TV-Doku "Titanic: The New Evidence"

Die Feuer-Theorie wurde auch schon 2004 prominent von dem Ingenieur Robert Essenhigh von der Ohio State University vertreten, der meinte, der Kohlebrand hätte den Untergang stark beschleunigt. Molony stürzt sich in Sam Taplins TV-Dokumentation „Titanic: The New Evidence“ (siehe YouTube-Video ganz unten), die erstmals am 1. Januar 2017 auf dem britischen Channel 4 ausgestrahlt wurde, auf damals neu aufgetauchte Fotos, die verdächtige, neun Meter lange Rußspuren am Rumpf des Schiffs zeigen. Dieser Fährte war bisher noch niemand so sorgfältig nachgegangen. Molonys Recherchen nach soll das Feuer in Kohlebunker 6 bereits vor dem Auslaufen der Titanic geschwelt haben. „Es handelt sich genau um den Bereich, der mit dem Eisberg kollidierte. Und offensichtlich gab es bereits eine Schwachstelle oder einen Schaden an der Außenhülle an dieser Stelle, noch bevor die Titanic Belfast verlassen hat“, sagte Molony.

Senan Molony in der TV-Doku "Titanic: The New Evidence"

Das war aber nichts so Außergewöhnliches für die Zeit der Kohledampfschifffahrt. Die einzige Möglichkeit, dagegen anzugehen: Die Heizer schaufeln den Bunker so schnell wie möglich leer, um dem Feuer die Nahrung zu nehmen. Protokollen und Gerichtsaussagen zufolge hat es das Feuer tatsächlich gegeben, es sei jedoch bis zum Samstag, den 13. April 1912 gelöscht worden. Doch die große Hitze von bis zum 1.000 Grad habe die Außenwand porös gemacht und beschädigt, genau an der Stelle, wo später der Rumpf 300 Meilen vor Neufundland von einem Eisberg nach der Kollision aufgerissen wurde. „Normalerweise hätte der Stahl dieser Naturgewalt standhalten sollen“, meint Molony. Metallurgie-Experten bestätigten dem renommierten „Titanic“-Forscher, dass ein derartiges Feuer die Struktur des Metalls um 75 Prozent schwächen kann. „Als die Titanic mit dem Eisberg kollidierte, war der Schiffsrumpf so stark beschädigt, dass er einfach aufreißen konnte“, erklärt Molony. Keine drei Stunden später war die Titanic versunken. Durch „Feuer, Eis und kriminelle Nachlässigkeit“, so Molony.

White Star Line wollte Bunkerbrand vertuschen

Die Rederei White Star Line wollte das Wissen um das Feuer stets unter Verschluss halten und bedrohte die Heizer und Feuerwehrmänner an Bord der Titanic, die Passagiere sollten schließlich nicht beunruhigt werden. Molony: „Man wusste von dem Feuer, doch es wurde runtergespielt. Die ‚Titanic‘ hätte niemals in See stechen dürfen.“ In den Unterlagen der Behörden war der Kohlebrand zwar schon 1912 dokumentiert, aber nicht als Ursache für den Schiffsuntergang in Betracht gezogen worden. Molony zitiert in der Doku Feuerwehrmann John Dilley: „Dort waren hunderte Tonnen Kohle gelagert. Ich habe mit elf Mann das Feuer bekämpft. Vier Tage später wurde es schlimmer. Es hat bis Samstag gedauert, bis wir es löschen konnten. Die Kohle brodelte aber weiter. Wir durften nichts darüber erzählen.“

Die Rußspur an der Titanic

Nach Aussage des Cheffeuerwehrmannes Fred Barret sei das Feuer durch die glutrot erhitzen Wände auf die Kohlebunker 9 und 10 übergesprungen, die zur Zeit des Untergangs brannten. Das berichtet auch die New York Tribune in einem Artikel vom 20. April 1912. Das würde auch sehr gut erklären, warum das Schiff trotz mehrerer Eisbergwarnungen und entgegen aller Vernunft mit Volldampf in das Eisberggebiet raste. Denn die lange kolportierte Theorie, dass die Titanic um das Blaue Band fuhr und einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen wollte, ist nicht plausibel. Dazu war das Schiff zu langsam unterwegs. Laut Molony hatte die Titanic aufgrund eines Streiks vor dem Beladen in Belfast nur so viel Kohle mitgeführen können, um New York auf dem direkten Weg zu erreichen. Ein Bremsmanöver war bei der Geschwindigkeit sowieso unmöglich und hätte zudem dafür gesorgt, dass dem Luxusdampfer vor New York die Kohle ausgegangen wäre.

Deutscher Titanic-Verein widerspricht Theorie

Insgesamt eine faszinierende und argumentativ schlüssige Theorie, die aber auch auf Gegner trifft: So lässt zum Beispiel der Vorsitzende des Deutschen Titanic-Vereins, Malte Fiebing-Petersen, in der SHZ Molonys neu entdecktes Fotos des Rußes am Rumpf nicht gelten: „Ein Bunkerbrand kann eine Auswirkung auf den Untergang gehabt haben, aber das Foto ist kein Beweis. Ein Zusammenhang des mysteriösen Flecks mit dem Bunkerbrand kann ausgeschlossen werden.“ Das hätten Vermessungen ergeben.

Die FILMSTARTS-Kritik zu "Titanic"

Was James Cameron zu Senan Molonys spannender Theorie sagt, ist übrigens nicht überliefert. Gefallen dürfte sie ihm aber nicht, wenn sie tatsächlich der Wahrheit nahe kommt – schließlich ist der Kanadier als Faktenfanatiker bekannt, der sogar einen Fehler im Nachthimmel auf der DVD-Ausgabe von „Titanic“ nachträglich noch korrigieren ließ.

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