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Sie will nicht mehr gerettet werden: Unser Interview mit "Aquaman"-Heldin Amber Heard
Von Julius Vietzen — 17.07.2018 um 16:55
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Bei unserem Besuch am Set von „Aquaman“ im Juli 2017 in Australien sprachen wir mit Amber Heard über ihre Figur Mera und erfuhren, warum sie erst so spät eine Rolle in einem Superheldenfilm angenommen hat.

2018 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. / Jasin Boland/ ™ & © DC Comics

„Wir Frauen haben die Schnauze voll davon, gerettet zu werden.“ Mit diesem Satz brachte Amber Heard im FILMSTARTS-Interview am Set von „Aquaman“ auf den Punkt, was sie an bisherigen Superheldenfilmen stört und warum sie so lange wartete, bis sie eine Rolle in einem Comic-Blockbuster angenommen hat. Als wir die Mera-Darstellerin zum Gespräch getroffen haben, sahen wir die letzte Stunde dabei zu, wie sie Rosenblätter aß. Denn in der Szene, die Heard drehte, ist sie gemeinsam mit ihrem Co-Star Jason Momoa auf einem italienischen Marktplatz unterwegs, wo sie die zahlreichen angebotenen Lebensmittel und Waren bewundert. Als ihr einer der Verkäufer eine Rose überreicht, hält Mera, die ja ihr bisheriges Leben unter Wasser verbrachte, die Blume für eine Speise der Oberflächenbewohner. Auch beim Interview leistete ihr Momoa übrigens zunächst Gesellschaft und klimperte auf seiner Gitarre, bevor er sich dann schließlich doch in seinen Trailer zurückzog.

FILMSTARTS: Wir durften hier gerade zusehen, wie du dir jede Menge Rosenblätter in den Mund gestopft hast. Was war das für eine Erfahrung?

Amber Heard: Ich führe wirklich ein interessantes Leben. Immer mal wieder überkommt mich die Realisation, dass ich eine erwachsene Frau bin, die bei der Arbeit Rosenblätter isst.

FILMSTARTS: Was für eine Art Person ist Mera in deinen Augen?

Amber Heard: Mera ist eine Kriegerprinzessin. Ich muss zugeben, so wurde ich auch dazu überredet, die Rolle anzunehmen. Ich habe mir gedacht: „Ein Schwert und eine Krone? Hört sich nach der richtigen Rolle für mich an.“ Die wissen, wie sie das anstellen müssen. Aber das ist auch genau das, was ich an Mera mag. Ihre Stärke und ihren Willen. Sie darf eine ehrgeizige, mächtige Frau sein, die von ihrem Sinn für Pflicht, Ehre und Respekt angetrieben wird und die sich durch nichts davon abhalten lässt, für ihr Volk zu kämpfen.

Mera ist die zweite Hauptfigur

FILMSTARTS: Mera ist auch schon in „Justice League“ zu sehen. Welche Unterschiede gab es zwischen den Dreharbeiten der beiden Filme?

Amber Heard: Das wäre ein unfairer Vergleich, weil ich nur eine sehr kleine Rolle in „Justice League“ habe, dort wird meine Figur lediglich eingeführt. Bei „Aquaman“ hingegen sind sowohl Arthur als auch Mera die Hauptfiguren, sie tragen den Film und treiben ihn voran. Es ist nicht so, dass Aquaman die Welt rettet und Mera beschützen muss. Ich finde es super, dass dieser formelhafte Weg nicht beschritten wurde. Es wurde erkannt, dass die Zuschauer etwas anderes sehen wollen. Und ich habe auch keine Lust auf solche eindimensionalen Figuren mehr, ich will lieber starke Frauen spielen, die ihren eigenen Weg gehen.

FILMSTARTS: Was kannst du uns über deine Figur und die Bedeutung weiblicher Figuren in „Aquaman“ verraten?

Amber Heard: Ich bin froh, dass ich so lange gewartet habe, bis ich mich auf einen Superheldenfilm eingelassen habe, denn ich hatte immer das Gefühl, dass es dort an Respekt für weibliche Figuren mangelt. Es wurde immer zu viel Wert auf Äußerlichkeiten gelegt und die Figuren waren zu eindimensional und langweilig. Aber bei „Aquaman“ bin ich nun von einem Team von Leuten umgeben, denen die Integrität meiner Figur genauso wichtig ist wie mir, die eine starke, selbstständige, ehrgeizige weibliche Figur sehen wollen. Und deswegen kann ich mich glücklich schätzen. Ich glaube auch, dass der Erfolg von „Wonder Woman“ dafür ein Indiz ist, dass das Publikum ein Interesse an dynamischen und komplexen Frauenfiguren hat.

DC Comics / Warner Bros.
In diesem knappen Kostüm verbringt Amber Heard natürlich nicht den ganzen Film.

FILMSTARTS: Woher kommt dieser Trend zu starken Frauenfiguren?

Amber Heard: Ich glaube nicht, dass dieser Trend wirklich neu ist. Ich glaube, wir wurden einfach wachgerüttelt und erkennen jetzt, dass es da einen Bedarf gibt. Wir Frauen haben einfach die Schnauze voll, davon gerettet zu werden.

FILMSTARTS: Hat das auch mit dem Erfolg von „Wonder Woman“ zu tun?

Amber Heard: Ich weiß nicht. Ich glaube nicht, dass man den Grund dafür einfach bei dem einen anderen Superheldenfilm suchen sollte, der eine starke Frauenfigur hat. Es ist jetzt einfach an der Zeit dafür und wir werden in Zukunft noch viel mehr davon sehen.

FILMSTARTS: Mera ist eine starke Frau, aber verlobt. Wie verträgt sich das miteinander?

Amber Heard: Dazu muss man sich vor Augen führen, dass Atlantis eine funktionierende Monarchie ist – Atlantis ist zwar sehr fortschrittlich in technologischer Hinsicht, aber eher mittelalterlich in anderer. Doch die Verlobung ist ihr sehr wichtig und ebenso sehr ihre Entscheidung wie die ihres männlichen Partners, Patrick Wilsons Orm. Mera will diese Verbindung um die Stabilität von Atlantis zu gewährleisten und sie sagt zu ihrem Vater, dass es keinen anderen Weg gibt. Sie ist nicht passiv und lässt sich von anderen nicht herumschubsen, sondern übernimmt die Initiative.

FILMSTARTS: Im Rahmen unseres Set-Visits haben bereits mehrfach gehört, dass die Dynamik zwischen deiner Figur und der von Jason so ist wie in „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“. Würdest du dem zustimmen?

Amber Heard: Es ist tatsächlich eine tolle Dynamik, weil sie beide teilweise nicht in ihrem Element sind – Mera an Land und Arthur unter Wasser, trotz seiner angeborenen Fähigkeiten. Es gibt also immer wieder Umbrüche in der Dynamik zwischen den Figuren, die Rollen werden getauscht, je nachdem, wo sie sich gerade aufhalten. Und sie kriegen sich ständig in die Haare. Es dauert eine Weile, bis sie sich ihren gegenseitigen Respekt verdienen.

Die Comicvorlage wird respektiert

FILMSTARTS: Es gibt also wie in den Comics auch eine gewisse Rivalität zwischen den beiden? Sogar Konflikte?

Amber Heard: Deswegen mag ich die Geschichte, die wir in „Aquaman“ erzählen. Es ist eine Geschichte über zwei Leute mit einer komplexen, nuancenreichen Beziehung, die sie sich erst verdienen müssen. Sie sind nicht einfach nur deswegen aneinander interessiert, weil das von der Geschichte verlangt wird.

FILMSTARTS: Hast du denn als Kind Comics gelesen? Warst du mit der Vorlage vertraut?

Amber Heard: Nein, war ich nicht. Ich bin tatsächlich ganz unvoreingenommen in diese Welt eingetaucht. Vor meinem ersten Treffen mit den Filmemachern habe ich mir aber ein paar der Comics besorgt und in dem ersten, den ich in die Hand genommen habe, gab es einen Tsunami – Aquaman und Mera waren vor Ort und haben die Menschen gerettet. Die Zivilisten haben sich gefreut, „Aquaman hat uns gerettet“ hieß es, aber dann haben sie Mera gefragt, ob sie Aquawoman sei. Doch sie meinte nur: „Nein, ich bin Mera. Ich habe einen Namen.“ Das fand ich gut. Und genau so wird meine Figur nun auch in „Aquaman“ dargestellt. Sie muss nicht von ihm gerettet werden, im Gegenteil: Sie rettet ihm sogar den Hintern.

FILMSTARTS: Wie eng ist deine Figur an ihrem Gegenstück aus den Comics orientiert?

Amber Heard: Ein Grund dafür, dass ich so gerne mit James arbeite, lautet: Ihm geht es nicht nur darum, einen guten Film zu machen, sondern er respektiert die Comics wirklich. Bei der Figur Aquaman selbst mag das weniger gelten, aber da finde ich es gerade toll, dass er so ein Gegenentwurf zu dem Helden aus den Comics ist, diesem 50er-Jahre-Saubermann-Superhelden. Ich finde es gut, dass James es Jason ermöglicht hat, etwas von sich selbst in seine Performance zu stecken.

FILMSTARTS: Wie war die Arbeit mit James Wan als Regisseur?

Amber Heard: Ich liebe es, mit James zusammenzuarbeiten, ich vertraue seiner Vision voll und ganz. Ich denke er wird mit „Aquaman“ alle Erwartungen übertreffen und das will etwas heißen, denn natürlich hat er schon einige tolle Filme gemacht. Er ist so detailversessen und unermüdlich.

2018 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. / Jasin Boland/ ™ & © DC Comics
Amber Heard, James Wan und Jason Momoa am Set von "Aquaman"

FILMSTARTS: Wie ist es dir mit den aufwändigen Dreharbeiten für die Szenen, die unter Wasser spielen, ergangen?

Amber Heard: Es ist ja so: Wenn man als erwachsene Frau bei der Arbeit Rosen essen und an Drahtseilen herumfliegen darf, dann hat das natürlich seine Vor- und Nachteile – ich bin an Stellen wund, von denen ich gar nicht wusste, dass man dort wund sein kann. Aber ich mag es natürlich. Ich bin so glücklich, dass ich das beruflich machen darf. Die Set-Designer haben so tolle, detailreiche, majestätische Sets für uns entworfen, die den Großteil des Sichtfeldes für uns Schauspieler bedecken, es ist also nicht so, dass man nur Greenscreen um sich herum sieht. Aber so zu tun, als würde man am Meeresgrund leben, war schon eine Herausforderung, vor allem weil man sich da schlecht hineinversetzen kann.

FILMSTARTS: Wie war die Zusammenarbeit mit der Kostümdesignerin Kym Barrett?

Amber Heard: Lasst es mich so sagen: Kym und ich, wir haben uns im Verlauf des letzten Jahres sehr gut kennengelernt. Sie hat definitiv viel zu viel von mir gesehen. Aber sie ist eine große Künstlerin. Sie und ihr Team stecken so viel Arbeit in diesen Film.

Mehr über „Aquaman“ erfahrt ihr in den nächsten Tagen hier auf FILMSTARTS. Neben Interviews mit Aquaman-Darsteller Jason Momoa, Produzent Peter Safran und Regisseur James Wan erwartet euch dann natürlich auch noch unser großer Set-Bericht.

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