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Schweres Erbe: Unser Interview mit den "Jack Ryan"-Stars
Von Markus Trutt — 01.09.2018 um 18:00
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Zum Start von „Jack Ryan“ haben wir die Darsteller John Krasinski, Wendell Pierce und Dina Shihabi in London getroffen, um mit ihnen über Tom Clancys Kult-Figur, die unpolitische CIA und den Abbau von Vorurteilen zu sprechen.

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Mit Alec Baldwin, Harrison Ford, Ben Affleck und Chris Pine haben sich schon vier namhafte Hollywood-Stars auf der großen Leinwand als Jack Ryan durch insgesamt fünf Kinofilme geschlagen. Nun hat Amazon das Franchise in Serienform wiederbelebt und „A Quiet Place“-Star John Krasinski dazu auserkoren, das schwere Erbe als Tom Clancys Kult-Analyst anzutreten, der unvermittelt in den Außeneinsatz geworfen wird. Doch wie uns Krasinski und seine Co-Stars Wendell Pierce („The Wire“) und Dina Shihabi („Amira & Sam“) im Interview in London erklären, war das nicht die einzige Verantwortung, die beim Dreh von „Jack Ryan“ auf ihren Schultern lastete.

FILMSTARTS: Hast du gezögert, eine Rolle anzunehmen, die schon von so vielen anderen tollen Schauspielern verkörpert wurde?

John Krasinski: Es war auf jeden Fall einschüchternd, schließlich waren das nicht irgendwelche Schauspieler, sondern richtige Filmstars. Dass die Form so drastisch geändert wurde, hat mich allerdings etwas beruhigt und dazu gebracht, den Part zu übernehmen. Dank des Serienformats waren wir in der Lage, die Figuren auf eine so detaillierte Art zu ergründen, die den anderen Darstellern verwehrt geblieben ist. Tom Clancys Bücher sind so dick und vollgepackt, da ist ein zweistündiger Film vielleicht nicht der beste Weg für eine Adaption.

FILMSTARTS: Hast du dich mit früheren Jack-Ryan-Darstellern über die Rolle ausgetauscht?

John Krasinski: Ich kenne alle Jack Ryans außer Harrison Ford. Mit Chris Pine habe ich nicht gesprochen und Ben [Affleck] hat glaube ich nur sowas wie „Das ist super, viel Glück!“ gesagt. Der Einzige, den ich deswegen extra angeschrieben habe, war Alec Baldwin, der nicht einmal wusste, dass es eine weitere Jack-Ryan-Adaption geben wird, aber dann zum Glück auch einfach meinte: „Das ist toll, du wirst großartig sein!“ Ich glaube nicht, dass sie darauf brennen, ihren Eindruck von der Figur zu teilen – auch wenn mein Nerd-Ich sicher gern mit ihnen darüber gesprochen hätte.

FILMSTARTS: Warst du denn vorher auch schon mit Jack Ryan vertraut, Dina?

Dina Shihabi: Ja, mein Vater ist ein Fan der Tom-Clancy-Romane. Und ich habe auch einen gelesen und die Filme gesehen. Als ich an Bord der Serie kam, war ich einfach davon umgehauen, was sie damit gemacht haben – wie sie den Kern der brillanten und immer noch aktuellen Vorlagen genommen und etwas Eigenes draus gemacht haben.

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Sorgt sich wegen der Machenschaften ihres Mannes um ihre Kinder: Hanin (Dina Shihabi)

Ein frischer Ansatz

FILMSTARTS: Was ist denn inhaltlich der wesentliche Unterschied zu den früheren Adaptionen?

John Krasinski: Wir gehen zurück zu den Anfängen. In fast allen Filmen war Jack Ryan schon eine Art Held. Er ist erfahren und ein hohes Tier im Militär. Hier sehen wir nun einen Kerl hinter einem Schreibtisch, der noch nicht viel in seiner CIA-Karriere erreicht hat. Außerdem gehen wir mehr auf seinen Hintergrund ein, vor allem auf das Trauma, das er von seinen Militäreinsätzen davon getragen hat. Am interessantesten finde ich aber das moralische Dilemma. Er ist ein guter Kerl mit einem starken Moralkompass. Gerade in der komplizierten Welt von heute ist es jedoch schwierig, die richtige Entscheidung zu treffen, da es die eine richtige Entscheidung gar nicht gibt. Am Ende bist du gezwungen, Prioritäten zu setzen, um zu entscheiden, was du opfern kannst.

Dina Shihabi: Das Besondere ist auch, dass die Gegenseite so menschlich dargestellt wird – und das durch die Augen einer so starken, komplexen und smarten Frauenfigur. Es wird Zeit, dass es davon viel mehr gibt. Gerade als arabische, afro-amerikanische, asiatische oder lateinamerikanische Schauspielerin spürt man bei so einer Darstellung das Gewicht einer ganzen Kultur auf den eigenen Schultern, da sie so unterrepräsentiert sind. Das kann sehr einschüchternd sein, aber wenn ich daran denke, wie kleine Mädchen eine arabische Frau wie meine Figur auf dem Bildschirm sehen, ist das für mich unglaublich bewegend. Solche Figuren können sowohl eine menschliche Verbindung zwischen westlichen Zuschauern und einer ihnen fremden Kultur herstellen als auch Menschen aus dem Mittleren Osten zeigen, dass sich jemand damit auseinandersetzt, wer sie wirklich sind.

FILMSTARTS: Es ist durchaus eine interessante Entscheidung, die Familie des Terroristen zum emotionalen Kern der Geschichte zu machen.

Dina Shihabi: Ganz genau, wir haben die einzige Familien-Dynamik innerhalb der Handlung. Bei der Darstellung der Lage im Mittleren Osten in Filmen und Serien sind Frauen und Kinder oftmals nur zweitrangig. Wir gehen nun aber darauf ein, wer diese Menschen sind und was es für sie bedeutet, mit so einer Person zusammenzuleben. Besonders als arabische Frau macht mich das sehr stolz.

Besuch bei der CIA

FILMSTARTS: Wie habt ihr euch auf die Rollen als CIA-Agenten vorbereitet?

John Krasinski: Ich durfte bei der CIA selbst vorbeischauen und mit den Leuten dort sprechen, wovon ich schon als Kind geträumt habe. Ich dachte erst, das werden die langweiligsten Gespräche aller Zeiten, weil sie über nichts reden dürfen. Stattdessen waren sie aber total offen, als es um ihre Arbeit und darum ging, wie alles funktioniert. Es ist nicht so, dass alle in einem Raum zusammenkommen und den Auftrag haben, jemanden wie bin Laden zur Strecke zu bringen. Es gibt vielmehr viele verschiedene Gruppen, die alle völlig unterschiedliche Dinge untersuchen und dabei keine Ahnung davon haben, dass ihre Informationen für andere Einsätze genutzt werden. Das Erstaunlichste war aber, wie unpolitisch alles ist. Statt für eine konkrete Politik, stehen sie für die generellen Werte ein, die unser Land ausmachen. Überraschend war auch, wie offen alle über ihr Privatleben gesprochen haben und wie sehr ihr Job dieses beeinflusst. Es war einfach gut zu sehen, dass es Menschen sind, die für unser Land kämpfen, und keine emotionslosen Roboter. Es ist auch nicht so, dass man in der CIA etwas durchziehen muss, wenn es einem zu viel wird oder man es moralisch nicht vertreten kann.

Wendell Pierce: Einen unserer afroamerikanischen CIA-Berater habe ich sogar gefragt, wie er Teil von etwas sein kann, das uns in der Vergangenheit auch mehrfach im Stich gelassen hat. Darauf antwortete er ganz eindeutig, dass es Rassismus in der Welt, in unserem Land und auch in der CIA gebe und er entweder von außen oder von innen dagegen vorgehen könne. Er entschied sich für letzteres. Das lieferte mir direkt einen guten Zugang zu meiner Figur James Greer.

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Ungleiches Team: James Greer (Wendell Pierce, l.) und Jack Ryan (John Krasinski, r.)

FILMSTARTS: Greer stürzt sich und dann auch Jack mitten in die Außeneinsätze. Ist das etwas, das du an der Figur besonders gemocht hast?

Wendell Pierce: Absolut. Es ist in der CIA selten, dass jemand gleichzeitig analytisch und operativ tätig wird. Bei uns haben wir nun die Möglichkeit, beides zu zeigen und beides zu machen. Ich mag die Balance aus intellektuellem, investigativem Thriller auf der einen und der Action auf der anderen Seite. Dabei sind die Action-Szenen aber niemals beliebig. Sie entwickeln sich immer logisch und erfüllen dabei auch stets den Zweck, etwas über die Figuren auszusagen.

FILMSTARTS: Du bist auch Produzent der Serie, John. Hattest du irgendwelchen kreativen Input?

John Krasinski: Ich bin zwar Ausführender Produzent, aber es ist tatsächlich Carltons und Grahams Serie [gemeint sind die Serienschöpfer Carlton Cuse und Graham Roland, Anm. d. Redaktion]. Sie haben eine ganz klare Vision. Es ist ein Luxus, nur der Schauspieler zu sein. Manchmal werfe auch ich ein paar Ideen in den Raum, aber das meiste kommt von ihnen – was ich gut finde, da ich meine Energie als Autor und Regisseur so für meine eigenen Nebenprojekte aufsparen kann. Ich habe „A Quiet Place“ direkt nach dem „Jack Ryan“-Dreh gemacht. Den Film zu drehen, ihn zu schneiden und rauszubringen, noch bevor die Serie überhaupt gestartet ist, war toll und nur dadurch möglich, dass ich hier lediglich vor der Kamera stand.

Ausblick auf Staffel 2

FILMSTARTS: Wir wissen, dass es in der bereits bestätigten zweiten Staffel um eine politische Krise in Südamerika geht. Könnt ihr uns schon mehr darüber erzählen?

John Krasinski: Es geht nach Venezuela, von wo uns aktuell ja ständig neue Meldungen erreichen. Regimes und deren Umstürze stehen im Mittelpunkt. Dabei geht es eher um geopolitische als um lokalpolitische Verwicklungen. Es wird zwar nie explizit gesagt, dass „Jack Ryan“ in unserer tatsächlichen Gegenwart spielt, die gezeigte Weltpolitik könnte jedoch aus dem Hier und Jetzt stammen. Das Tolle an Season zwei ist aber auch, dass sich Jack wirklich weiterentwickelt. In der ersten Staffel ist er noch wie ein Fisch auf dem Trockenen, er möchte mit all dem nichts zu tun haben. In Staffel zwei aber hat er bereits eine äußerst dramatische Situation durchgestanden, sodass er nun kritischer ist und alles besser einordnen kann. In vielen Serien siehst du in jeder Staffel dieselben Figuren, die dieselben Dinge tun, hier aber ist es die Evolution einer Figur, was deutlich mehr Spaß macht zu spielen.

FILMSTARTS: Trotz des politischen Hintergrundes habt ihr aber gesagt, dass eure Geschichte eher unpolitisch ist.

John Krasinski: Darauf haben Carlton und Graham abgezielt. Ich denke, dass auch schon Tom Clancy seine Geschichten sehr unpolitisch gehalten hat. Er wollte seiner Hauptfigur nicht schaden, indem er sie in die eine oder andere Richtung politisch werden lässt. Er ist ein unbeschriebenes Blatt, weshalb man sich leichter mit ihm identifizieren kann.

Wendell Pierce: Auch in der Realität ist der einzige Zweck der CIA ja, den US-Präsidenten mit Informationen zu versorgen. Natürlich ist dabei auch Politik involviert, aber die persönliche politische Einstellung kann hinderlich dabei sein, den bestmöglichen Job zu machen. Als ich bei unseren Beratern an einem besonders kontroversen politischen Tag in den USA zur Bedeutung all dessen für sie und ihre Arbeit nachgebohrt habe, war ihre Antwort lediglich „Wir werden den Präsidenten informieren“. Das ist ihre oberste Priorität.

FILMSTARTS: Bist du denn in der zweiten Staffel auch wieder dabei, Dina?

Dina Shihabi: Nein, leider nicht! Das bricht mir das Herz. Jede Staffel ist quasi ein eigenes Buch und meine Geschichte wird in der ersten Staffel abgeschlossen. Ich bin sehr zufrieden damit, aber auch traurig, dass ich nicht mehr mit den ganzen tollen Leuten abhängen kann.

Jack Ryan Trailer DF

Die erste Staffel von „Jack Ryan“ steht bei Amazon Prime Video komplett zum Abruf auf Deutsch und Englisch bereit. Die zweite Season soll 2019 folgen.

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