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Wie Ameisen den "Babylon Berlin"-Dreh authentisch machten: Das FILMSTARTS-Interview mit Liv Lisa Fries
Von Daniel Fabian — 03.10.2018 um 16:00
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„Babylon Berlin“ spielt über 60 Jahre, bevor Liv Lisa Fries geboren wurde – für die Hauptdarstellerin ist die Stadt aber immer noch dieselbe. Wir haben die Berlinerin getroffen, um über die Entstehung, aber auch die Zukunft der Serie zu plaudern.

X Verleih

Am 22. und 23. September gab es auf 150 Leinwänden deutschlandweit eines der wohl größten und außergewöhnlichsten Kino-Events des Jahres zu bestaunen: „Babylon Berlin“. Pünktlich zum herbstlichen Wetterumschwung lud der X Verleih zu einem irrwitzigen Marathon, bei dem es alle 16 Episoden der ersten beiden Staffeln in zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu sehen gab. Eine Woche später, am 30. September, folgte ein gutes Jahr nach der Erstausstrahlung auf Sky dann endlich auch die Free-TV-Premiere der teuersten Fernsehproduktion, die Deutschland bislang hervorbrachte.

Der Eintritt der Serie ins öffentlich-rechtliche Fernsehen markiert gleichzeitig auch den Startschuss für das nächste Kapitel der Geschichte, denn die Vorbereitungen für Staffel drei laufen bereits auf Hochtouren. Wir haben die Gelegenheit genutzt und mit Hauptdarstellerin Liv Lisa Fries nicht nur über das gesprochen, was schon war, sondern auch über das, was noch kommt. Über das Vermissen des Paternosters und die Ameisen, welche die Dreharbeiten im Studio erst authentisch machten...

Frédéric Batier/X Filme

FILMSTARTS: Die Premiere von „Babylon Berlin“ lief im Oktober 2017 auf Sky. Wie fühlt es sich an, die Serie nun ein Jahr später noch einmal einem breiteren Publikum näherzubringen? Das Regie-Trio hat gesagt, für sie wäre das jetzt erst die tatsächliche Premiere…

Liv Lisa Fries: Sicherlich wird es jetzt noch viel mehr Zuschauer geben, aber ich würde trotzdem nicht sagen, dass die richtige Premiere erst noch kommt. Ich bin auch immer wieder erstaunt darüber, wie viele Menschen „Babylon Berlin“ schon gesehen haben. Nicht nur von meinen Freunden und meiner Familie, auch auf der Straße werde ich häufig auf die Serie angesprochen.

FILMSTARTS: „Babylon Berlin“ startete am 30. September nicht nur ins Free-TV, sondern war eine Woche davor auch als Wahnsinns-Marathon im Kino zu sehen. Warum gehört gerade diese Serie auf die Leinwand?

Liv Lisa Fries: Erstmal vorweg: Man sollte die Serie unbedingt im Kino sehen! Ich habe sie beim ersten Mal auch im Kino gesehen - und es funktioniert auf großer Leinwand noch viel besser, die Bilder sind einfach wie für einen Kinofilm gemacht. Ich finde, das zieht einen viel mehr rein und da die Serie auch wahnsinnig tolle Kulissen hat, ist es auch schön, diese auf großer Leinwand zu sehen. 

Frédéric Batier/X Filme

FILMSTARTS: Nachdem du erfahren hast, dass du bei „Babylon Berlin“ dabei bist, wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet? Da hast du ja bestimmt schon geahnt, was auf dich zukommt…

Liv Lisa Fries: Ich habe mich von Februar bis Mai 2016 vorbereitet, dann haben wir bis Dezember gedreht. Es gab eine Ausstellung in Berlin, im Ephraim-Palais, da wurden die 20er Jahre über vier Etagen quasi durchexerziert - von Mode, Architektur, Berufe, Frauen und Männer. Auf der obersten Etage gab es sogar Parfüms aus der Zeit. Das war toll, weil man auf so vielen Ebenen auf einmal diese Zeit begreifen konnte. Dann habe ich viele Filme geschaut wie „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich, „Die Büchse der Pandora“ mit Louis Brooks oder „Menschen am Sonntag“, den Charlotte ja dann auch in der Serie im Kino guckt. Ich habe mich aber natürlich auch mit der Zeit - geschichtlich, politisch, wirtschaftlich – beschäftigt. Ein Aspekt, der mir in dem Ausmaß nicht bewusst war, war diese immense Blütezeit, was vor allem das Kulturelle angeht. Und dann mit der Machtergreifung Hitlers wurden Künstler, Homosexuelle oder Juden ins Exil geschickt oder vernichtet.

Dass die Gesellschaft damals auf einem solchen intellektuellen, künstlerischen und kreativen Stand war – und dass es dann wiederum Menschen gibt, die genau das beenden wollen. Das hat mich wirklich schockiert - und umso mehr schockiert es mich, wenn man das weiterdenkt und gar nicht mehr großartig in die heutige Zeit transferieren muss, weil die Umstände so ähnlich sind.

Wir hatten aber auch ziemlich viel Charleston-Unterricht – und für die zweite Staffel kamen dann auch noch Tauchproben dazu. Also, die Vorbereitung war schon sehr vielfältig.

FILMSTARTS: Was war für dich die größte Herausforderung? Irgendeine bestimmte Szene oder vielleicht der Tanzunterricht, die Arbeit mit Green Screen?

Liv Lisa Fries: Es gab Unterwasserszenen, die haben mir am meisten abverlangt. Das war der allerletzte Drehtag, das muss man sich mal vorstellen. Ich hätte mir gewünscht, es wäre der erste gewesen, damit ich das erledigt habe. Ich habe empfindliche Ohren, hatte früher oft Mittelohrentzündungen - und da hatte ich wirklich große Angst. Ich war aber total glücklich am Ende, weil das Tauchen dann doch eine sehr schöne Erfahrung war und mir dann sogar Spaß gemacht hat.

Und zu den Tanzszenen: Ich tanze schon sehr gerne und ich fand es auch wirklich ganz toll, bin aber keine Tänzerin. Wir haben schon sehr viel geprobt, es waren ja auch viele Choreographien dabei - und dann wurde auch noch gedreht, da bin ich auch körperlich an meine Grenzen gekommen. Aber es hat trotzdem sehr viel Spaß gemacht. Ja, das sind so die beiden Aspekte, die mir viel abverlangt haben - vor allem mental war das eine Herausforderung, wie Ängste nun mal so sind.

Frédéric Batier/X Filme

FILMSTARTS: Wie war das für dich, als du erfahren hast, dass du dabei bist und man dir dann diese 16 Drehbücher vorgelegt hat. Da merkt man ja schon, dass das was Großes wird, oder?

Liv Lisa Fries: Ja, bei 16 Drehbüchern war mir schon irgendwie klar, das machst du nicht mal eben in einem Monat. Klar, da hat man schon Respekt, aber ich habe mich vor allem drauf gefreut. Ich habe auch noch nie in solch einem Ausmaß mit allen Departments kreativ und künstlerisch zusammengearbeitet - und zwar wirklich zusammengearbeitet mit Kostüm und Maske, den Regisseuren, mit den Schauspielkollegen, selbst mit dem tollen Szenenbildner Uli Hanisch. Es war unglaublich und eine ganz tolle Kooperation.

FILMSTARTS: Gibt es denn auch irgendetwas aus den 1920er Jahren, das du heute vermisst oder das du heute gerne hättest? Beispielsweise der Paternoster, der ja schon praktisch ist…

Liv Lisa Fries: Ja, also den Paternoster finde ich eine ziemlich coole Sache. Ich weiß ehrlich gesagt auch gar keinen Grund, warum es den so nicht mehr gibt. Aus Sicherheitsgründen?

FILMSTARTS: Sicherheit ist wohl so ein Trend, der erst danach irgendwann kam…

Liv Lisa Fries: Ja, stimmt. Da hast du recht. [lacht] Aber diese Zeit entspricht mir auf jeden Fall auch ästhetisch sehr. Design, Architektur, Mode, die Musik - ich finde, diese Zeit referiert irgendwie mit meiner Seele. Ich fühle mich dem sehr nah. Ich bin, glaube ich, dem Analogen näher als dieser modernen Technik.

FILMSTARTS: Schade. Das heißt, du bist wohl zur falschen Zeit geboren…

Liv Lisa Fries: Ja, blöd gelaufen. [lacht] Nein, ich finde, es gibt auch Vorzüge von Technologie, aber ich weiß nicht, ob die immer gut ist oder ob es nicht auch mal schön ist, Zettel und Stift rauszuholen und einfach mal was aufzuschreiben.

Frédéric Batier/X Filme

FILMSTARTS: Auf Sky ist „Babylon Berlin“ ja bombastisch angelaufen, auch in den USA [auf Netflix] sowie in anderen Ländern läuft die Serie sehr gut. Schielt man als Schauspielerin da eigentlich auch ein wenig nach Hollywood, wenn man schon so im internationalen Rampenlicht steht?

Liv Lisa Fries: Also, ich habe auf jeden Fall große Lust, auch international etwas zu probieren. Ich bin ganz ähnlich wie Charlotte. Ich denke nicht, „das will ich jetzt unbedingt machen“ - wenn es nicht passiert, passiert es einfach nicht. Dann liegt das aber auch jetzt schon nicht daran, dass es keine Angebote gibt, sondern, dass ich natürlich auch passende Projekte suche, Projekte, die mich inspirieren, denen auch ich irgendetwas geben kann. Ich habe auch schon eine amerikanische Serie gedreht, „Counterpart“ mit J.K. Simmons in der Hauptrolle.

FILMSTARTS: Gibt’s denn schon was Neues in der Richtung?

Liv Lisa Fries: Nein, bis jetzt nicht - also, einfach nichts, was mich wirklich interessiert hätte. Außerdem drehen wir erst einmal „Babylon Berlin“ weiter, damit bin ich jetzt sowieso erst einmal für eine kleine Weile beschäftigt.

FILMSTARTS: Wie ist denn der aktuelle Status von „Babylon Berlin“? Wie weit ist man derzeit in den Vorbereitungen für die nächste Staffel?

Liv Lisa Fries: Volker Bruch und ich haben die Drehbücher schon gelesen und morgen werde ich für die neuen Kostüme vermessen. Volker und ich haben ja auch unterschiedliche Schneider, die uns vermessen. Beim letzten Mal gab es auch schon einen Herrenschneider und Frauenschneider. Also, sagen wir mal, die Vorbereitung ist ein bisschen so wie bei einem Marathonläufer, der sich gerade Gedanken darüber macht, wie er sich vorbereiten sollte. Man ist noch nicht in der konkreten Trainingseinheit, sondern in der Vorbereitung dazu - aber gleichzeitig findet auch schon viel im Hintergrund statt. Wir hatten auch schon Gespräche zu den Drehbüchern, was wir gut finden und wo man vielleicht noch was machen muss. Das finde ich auch ganz toll, dass wir Schauspieler da konsultiert werden.

FILMSTARTS: Wie war es eigentlich für dich, in den Studios Babelsberg zu drehen? Das Set ist ja absoluter Wahnsinn…

Liv Lisa Fries: Am ersten Tag habe ich tatsächlich die Kinnlade nicht mehr hochgekriegt. Dann war es normal, weil es halt der Arbeitsplatz ist und man dann natürlich nicht täglich denkt: „Wow!“ Ich bin eigentlich kein großer Fan von Kulissen und Studios, aber habe dann irgendwann Ameisen in der Kulisse entdeckt und dann dachte ich: „Ah, okay, wenn hier Lebewesen sind - das macht’s authentisch. Danke, ihr kleinen Ameisen.“ [lacht] Ich war wirklich glücklich über die. Ich fand es tatsächlich sehr schön, es hat sich auch sehr gut angefühlt und ich habe es auch absolut geglaubt, den Pflasterstein zum Beispiel.

FILMSTARTS: Du bist ja in Berlin geboren. Siehst du die Stadt nach „Babylon Berlin“ irgendwie anders? Ihr habt ja auch viel On-Location gedreht…

Liv Lisa Fries: Ich habe so eine Berlin-Tour mitgemacht, die so auf den Spuren der 20er wandelt, wo auch klar wurde, dass von dieser Zeit gar nicht so viel übrig ist. Vor dem Berliner Ensemble stand zum Beispiel ein Gebäude - da war mal ein Theater, direkt davor. Ansonsten habe ich einfach so einen Blick für alte Überbleibsel bekommen, zum Beispiel gibt es an der U-Bahn-Station Friedrichstraße so einen alten Notsignalhebel. Ansonsten haben sich das Berlin der 20er und das heutige Berlin sehr nahtlos ineinander gefügt - das ist für mich irgendwie alles Berlin.

FILMSTARTS: Zum Teil haben sich Orte seitdem auch kaum verändert. Wenn ich da an die U-Bahn-Station Hermannstraße denke…

Liv Lisa Fries: Ja, das ist wirklich extrem. Der Ort hat sich wirklich kaum verändert, bis auf den Kiosk, glaube ich. Echt Wahnsinn.

FILMSTARTS: Zum Schluss: Ein Filmtipp, den vielleicht nicht jeder kennt?

Liv Lisa Fries:Mister Lonely“ (2007) von Harmony Korine

 

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