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    An "Spuk in Hill House" muss sich Horror künftig messen: So großartig ist die neue Netflix-Serie
    Von Markus Trutt — 12.10.2018 um 15:30
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    Netflix läutet allmählich die Halloween-Zeit ein und bringt mit „Spuk in Hill House“ nicht nur eine wirklich unheimliche, sondern vor allem auch eine unheimlich gute Serie an den Start, die weit mehr zu bieten hat als plumpe Schockeffekte.

    Netflix

    Dass Horror längst nicht mehr der großen Leinwand vorbehalten ist, sondern sich auch immer mehr Serien voll und ganz dem schaurigen Genre verschrieben haben, ist keine Neuigkeit. Während im TV-Bereich gerade teils legendäre Mystery-Formate wie „Twilight Zone“ oder „Akte X“ schon vor Jahrzehnten regelmäßig mit Horror-Elementen oder ganzen Horror-Folgen angereichert wurden, ist die Zahl der Serien, die durchweg wenig zimperlich verschiedene Auswüchse des Genres bedienen, in jüngerer Vergangenheit merklich gestiegen, woran sicherlich auch die bezeichnend betitelte Erfolgsserie „American Horror Story“ oder der blutige Zombie-Hit „The Walking Dead“ entscheidenden Anteil gehabt haben dürften. Doch hat in diesen Gefilden kaum eine Serie einen solchen Eindruck hinterlassen wie nun die Netflix-Produktion „Spuk in Hill House“, der ein wahrlich meisterlicher Spagat zwischen furchteinflößendem Geister-Horror und rührendem Familien-Drama gelingt.

    Darum geht's in "Spuk in Hill House"

    Im Jahr 1992 verbringt die Familie Crain nur einige Wochen im stattlichen Hill House, einem alten Anwesen, das Vater Hugh (Ex-„E.T.“-Kinderstar Henry Thomas) über die Sommerferien wieder auf Vordermann bringen will, um es danach gewinnbringend zu verkaufen. Doch die Zeit in der schummrigen Villa, die später den Ruf als berühmtestes Geisterhaus der USA genießen wird, verändert das Leben der Familienmitglieder für immer. Auch 26 Jahre später haben die Kinder von Hugh und seiner Frau Olivia (Carla Gugino) auf jeweils eigene Weise an dem verstörenden Hill-House-Aufenthalt zu knabbern.

    Die jüngste Tochter Nell (Victoria Pedretti) treiben die Geister, die sie noch immer heimsuchen, letztlich gar zurück zum Haus, wo sie offenbar Selbstmord begeht. Das bringt auch ihre Geschwister Steve („Game Of Thrones“-Star Michiel Huisman), Shirley (Elizabeth Reaser), Theo (Kate Siegel) und Luke (Oliver Jackson-Cohen) wieder zusammen und dazu, sich noch einmal mit ihrer mysteriösen Vergangenheit auseinanderzusetzen, um zu ergründen, was genau damals eigentlich Schreckliches in der Nacht ihrer überstürzten Abreise vorgefallen ist. Bald steht fest: Hill House ist noch nicht fertig mit ihnen...

    Horror-Hoffnungsträger

    Mit Filmen wie „Oculus“, „Before I Wake“ und „Ouija 2: Ursprung des Bösen“ hat Autor und Regisseur Mike Flanagan zwar keine rundum gelungenen Werke abgeliefert, sich aber gerade im Hinblick auf originelle und effektive Horror-Inszenierung in den vergangenen Jahren als Hoffnungsträger des Genres empfohlen. Mit „Spuk in Hill House“ (nach der Stephen-King-Adaption „Das Spiel“ nun schon Flanagans zweite Netflix-Arbeit) zementiert der Filmemacher diesen Status jetzt eindrucksvoll (was uns nur noch mehr Lust auf seine 2020 kommende „Shining“-Fortsetzung „Doctor Sleep“ macht). Flanagan, der die Serie selbst entwickelt, teilweise geschrieben und komplett inszeniert hat, ruht sich nicht auf gängigen Haunted-House-Klischees aus, sondern variiert sie gekonnt und nutzt sie auf diese Weise stets im Sinne seiner Erzählung. Einmal mehr widmet er sich dabei einer Prämisse, die auf dem Papier nur allzu vertraut ist, schließlich dient als Vorlage auch der 1959 erschienene genrebestimmende Roman-Klassiker „Spuk in Hill House“ von Shirley Jackson, der mit „Bis das Blut gefriert“ aus dem Jahre 1963 und „Das Geisterschloss“ von 1999 zudem schon zweimal verfilmt wurde. Doch bedient sich Flanagan hier nur bei einzelnen Elementen und Figuren und kombiniert diese auf clevere Weise völlig neu, um seine ganz eigene Geschichte zu erzählen.

    Um deren Schrecken zu illustrieren, setzt er kaum auf billige Schockeffekte, sondern erzeugt mit jeder Menge Einfalls- und Abwechslungsreichtum vielmehr ein konstant unbehagliches Gänsehaut-Gruseln, das sich über die Dauer der zehn Folgen allerhöchstens minimal abnutzt. Gemeinsam mit seinem Stammkameramann Michael Fimognari beweist Flanagan Mut zu ungewöhnlichen Kameraperspektiven sowie langen Einstellungen und Fahrten, um Stimmung und Spannung aufzubauen. Zudem lässt er das Grauen oftmals nur (oder zumindest zunächst nur) unheilvoll im Hintergrund auftauchen oder vorbeihuschen, ohne darauf noch einmal aggressiv mit plötzlichem lautem Musikeinsatz aufmerksam zu machen. Und wenn sich Flanagan dann doch mal für einen der wohldosierten Jump Scares entscheidet, kommen diese durch den Verzicht auf die oft genreimmanente vorhersehbare Vorbereitung meist völlig unerwartet und dadurch mit umso größerer Wucht – für ein Wegschauen ist es hier jedenfalls meist zu spät.

    Großes Horror-Kino

    Möglich wird das Ganze auch dank der durchweg fantastischen Schnittarbeit. Gerade die zwei verschiedenen Zeitebenen, zwischen denen permanent hin und her gesprungen wird, werden mit derart fließenden Übergängen und eleganten Gegenüberstellungen verknüpft, dass die Geschichte trotz des großen Zeitsprungs und der vielen unterschiedlichen Figuren (sowie wechselnden Schauspielern), stets nachvollziehbar bleibt und völlig wie aus einem Guss erscheint. Der Höhepunkt all dieser inszenatorischen Finessen wird zweifellos mit der sechsten Folge „Zwei Gewitter“ erreicht, die als absolutes Highlight aus einer ohnehin fantastischen Serie (und sogar dem ganzen Genre) heraussticht.

    Wenn viele der zuvor etablierten Konflikte beim Aufeinandertreffen der Hauptfiguren in der Gegenwart offen ausbrechen, setzt Flanagan das sowohl in dieser Zeitebene als auch in der das Geschehen sinnvoll ergänzenden Vergangenheit in virtuos aufgebauten Plansequenzen um, die jeweils zwischen fünf und 15 Minuten dauern und nicht nur zum Horror, sondern vor allem auch zu den Figuren, die diesem ausgesetzt sind, eine fesselnde Unmittelbarkeit und Nähe aufbauen. (Sichtbare) Schnitte gibt es abgesehen von der allerletzten Szene nur beim Übergang von einer Zeitebene zur anderen (und selbst dann nicht immer!). Das ist großes Horror-Kino im Serien-Format!

    Figuren an erster Stelle

    Ebenjene Highlight-Folge unterstreicht auch eine weitere große Stärke der Serie noch einmal gesondert: die nahezu perfekte Balance zwischen Grusel- und Familiengeschichte. Die Figuren kommen in „Spuk in Hill House“ stets an erster Stelle, aus ihnen heraus entwickelt Flanagan erst die unheimlichen Elemente. So handelt es sich bei den Geistererscheinungen auch nicht immer um tatsächliche, bisweilen todbringende Gespenster, sondern oftmals um (nicht minder schaurige) Hirngespinste, die Ausdruck schwerer Traumata, privater Probleme oder von „Wünschen“ sind, wie es in der Serie selbst heißt. Behutsam werden die Mitglieder der gebeutelten Familie Crain eingeführt und nach und nach ihr über die Jahre teils stark in Mitleidenschaft gezogenes Verhältnis zueinander beleuchtet.

    In den einzelnen Folgen wird der Fokus meist jeweils auf eine Figur des Ensembles gelegt, sodass wir jeden der sieben sehr unterschiedlichen Protagonisten näher kennenlernen. Der häufige Wechsel der Erzählperspektive lässt dabei bereits angeschnittene Geschehnisse regelmäßig in einem neuen Licht erscheinen, wodurch sich erst Stück für Stück das gesamte abgründige Hill-House-Puzzle zusammensetzt. Dass auf diesem Wege ein Gefühl für das Schicksal jedes Einzelnen vermittelt wird (auch wenn manche Schicksale etwas interessanter als andere sind), verleiht der Geschichte überhaupt erst Gewicht und dient so auch als Grundlage für einige starke, von durchweg einnehmenden Darstellerleistungen getragene emotionale Momente, die man so in einer Horror-Serie vielleicht nicht unbedingt erwartet. Am Ende überspannt Flanagan hier den Bogen eventuell etwas zu sehr in Richtung Kitsch, weswegen dem Spuk im Hill House auf den letzten Metern dann doch ein wenig der Horror-Atem ausgeht. Dennoch fügt sich der recht endgültige Abschluss stimmig in das Gesamtbild ein.

    Fazit

    Ernsthafte Konkurrenz für „Conjuring“ und Co.: „Spuk in Hill House“ gehört dank der wirkungsvollen Inszenierung mit zum Besten, was es in Sachen Geistergrusel in den vergangenen Jahren zu sehen gab. Die Netflix-Serie ist aber auch deswegen so stark, weil sie nicht nur auf der Horror-Ebene allein überzeugt, sondern uns auch sorgfältig ausgearbeitete, toll gespielte und sich gegenseitig perfekt ergänzende Figuren präsentiert. Das Ergebnis ist äußerst gruselig und zugleich zutiefst bewegend.

    Alle zehn Folgen von „Spuk in Hill House“ können ab sofort bei Netflix auf Deutsch und Englisch abgerufen werden.

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    Kommentare
    • Artur Kern
      Interessiert halt auch keinen was du da quatschst ;) Nur weil die Serie dir speziell nicht gefällt, spiegelt das nicht auf 85 mil Menschen zurück. Disney Filme sind meiner Meinung nach auch Müll, aber ich stell mich auch nicht hin und blubber rum das die Filme schlecht sind.
    • disneyfan5000
      Ich könnte mir vorstellen, das die zweite Staffel, wenn es eine geben sollte, eine andere geschichte mit anderen Charakteren erzählen wird. Hill House ist alt, da gab es bestimmt eine Menge Menschen die in diesem Haus gelebt haben. Vielleicht mal ne Story aus der Sicht der Geister. Das wäre es doch mal.
    • disneyfan5000
      Ich fand die Serie zwar ganz nett, aber so doll gruselig wie ihr hier tut, ist die Serie nicht. Für mich war enttäuschend, das die Serie zum größtenteil gar nicht im Hill House spielt. Teilweise war die Serie sogar richtig lahm. Das Ende war mir viel zu kitschig. Einen richtigen Showdown gabs auch nicht. Nee, der alte Film aus den sechzigern war viel gruseliger. Netflix hatte schon viel bessere Serien.
    • Ralf Maeder
      Sehr gute Mini-Serie. Einzig der Ausgang hat mich ein wenig enttäuscht, denn der Ton war dann fast etwas schnulzig. Dennoch, ein Abschluss ist ein Abschluss und ich koennte mir eine Fortsetzung mit den gleichen Charakteren nur schwer vorstellen. Also von mir aus kann es eine Mini-Serie bleiben.
    • ruegnueg
      Ich habe die nur mit Unterbrechungen durchziehen können 😂
    • ruegnueg
      Warum lange drum herum reden. Eher Drama als Horror, und zumindest für meinen Geschmack, unheimlich langweilig. Dass ist das Einzige unheimliche an der Serie.Wenn das tolle Buch doktor sleep genauso umgesetzt wird dann gute Nacht.
    • sdli93
      Jup. Sehe ich genauso. Gruselig oder auch spannend ist diese Serie nicht. War gespannt ob sie liefert nach dem Artikel hier und dem ganzen Lob. Aber nope. Nix dolles... leider.
    • Tim
      Hab alle zehn Folgen geschaut, kann also nicht allzu schlecht gewesen sein ... und ich muss sagen, ich liebe das Geister-Genre ... die Schauspieler sind sehr gut besetzt (junge und ältere Versionen passen erstaunlich gut) und größtenteils auch recht akzeptabel in ihrem Job. Trotzdem, der bleibende Eindruck von der Serie ist Enttäuschung. Nachdem ich hier in den Kommentaren gelesen hab, dass „Hill House“ von dem „Das Spiel“-Macher ist, ist mir auch klar, warum — Krass schlecht der Film, und das bei so einer tollen Romanvorlage.Egal ... diese Serie hier mit zB. „Conjuring“ zu vergleichen ist Blödsinn. James Wan ist ein Genie auf diesem Gebiet ... hier wird nur gehobenes RTL-Niveau geboten.Gruselig ist in der Serie nichts, keine einzige Szene hat mich zusammenfahren lassen ... die übernatürlichen Dinge kommen zu fantasymäßig und zu altbacken daher. Die Familienkonflikte sind zu zahlreich und damit zu willkürlich/austauschbar geraten. Der ganze Mittelteil war mir zu „drogenlastig“, ohne dabei nennenswert Neues zu zeigen oder in die Tiefe zu gehen.Das Ende, wie schon erwähnt, zieht sich extrem tränendrüßig in die Länge ... generell, das Serienkonzept scheint nicht die beste Lösung gewesen zu sein, da einfach nicht so viel passiert und am Ende nur noch eine verborgene Gabe oder eine weitere Geisterfigur in die ohnehin schon aufgeblasene Personalie geworfen wird. Die Verknüpfungen und Rätsellösungen sind leider auch alles andere als überraschend.Naja ... zumindest die ganze Bestattungsinstitut-Sache ist ganz schick inszeniert ... der Konflikt mit dem Bruder als Autor mal was Neues (wenn auch übertrieben) ... und für jemanden, der nach einer Weißheitszahn-OP ans Bett gefesselt ist sind es ganz nette 10 Stunden Binge-Watching. Für alle anderen absolut nicht die Mühe wert. Meine Meinung :)
    • Robert
      Mit der 6. Folge ist unter anderem auch die 10. Folge ein Highlight für mich. Wie dort im ersten Akt schonungslos jedem einzelnen der Prodagonisten die Seele wiedergespiegelt wird ist mal was ganz anderes, was man lange, oder oft, in der Form nicht gesehen hat. Doch im letzten Akt wird dann doch zu sehr auf die Tränendrüse gedrückt, und passt eigentlich garnicht mehr zum Rest der Serie, denn die ganze Zeit war es zwar eine Mischung aus Horror und Familiendrama, doch da am Schluss ist es nur Drama, dieser überschwingliche amerikanische Pathos...
    • Schneehenry
      Vom reinen lesen der Handlung war ich schon ziemlich angestachelt von der Serie. Bis da stand, dass dieser Flanagan Das Spiel inszeniert hat. Den fand ich so unfassbar grottig, dass ich zum Schluss nur noch gelacht hab. Meiner Freundin hab ich den Film schmackhaft gemacht aufgrund der zahlreichen positiven Kritiken (In Wirklichkeit wollte ich nur Carla Gugino ans Bett gefesselt sehen). Sie hat ihn gar als schlechtesten Film, den sie jemals gesehen hat, abgestempelt. Seitdem fragt sie vorher immer, ob der Film, den wir schauen wollen eine Netflix Produktion ist.
    • Micro_Cuts
      Ich mag das Genre und werde auch noch 1-2 Folgen schauen. Da muss sich aber einiges tun ... sonst wars das ;)
    • Hans H.
      Ich denke, bei Serien gilt allgemein, dass man sich schon 3-4 Folgen anschauen muss, um sich ein Urteil zu bilden. Es sei denn, das Genre sagt einem so garnicht zu. Meinst du nicht ? Ich schau bald auf jeden Fall mal rein.
    • Micro_Cuts
      Also mit der ersten Folge (und ich hatte zwischen drin mehrfach das Bedürfnis abzuschalten) hat mich die Serie nicht abholen können. Zäh wie Kaugummi
    • Jimmy v
      Mike Flanagan stellt also wieder einmal sein Talent unter Beweis. Sehr gut! Bisher hat mich der Mann nicht enttäuscht.
    • Bruno Derbär
      Der Trailer haut mich jetzt zwar nicht so um, aber die Beschreibung klingt interessant.
    • Eugen Gense
      Damn! Der Trailer ist ja schon sehr sehr geil.
    • Rockatansky
      Klingt fantastisch, warum hab ich davon bisher noch so gar nichts gehört? Wird auf jeden Fall gesichtet!
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