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    "Detektiv Conan" feiert Comeback mit neuen Folgen: Das Ende einer Coming-Of-Age-Odyssee
    Von Alexander Friedrich — 19.10.2018 um 14:00
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    12 Jahre sind vergangen, seit Folge 333 im deutschen TV lief, eine Fortführung schien ausgeschlossen. FILMSTARTS-Volontär Alexander Friedrich ist in dieser Zeit zwar erwachsen geworden, die Hoffnung hat er jedoch nie aufgegeben. Nun wird er belohnt.

    Kaze

    333... Wieso musste eine meiner Lieblingsserien ausgerechnet bei so einer Schnapszahl in den Ruhestand gehen? Was für eine perfide Zahl, eigentlich eine perfekte Zahl zum Aufhören, eines ist aber gewiss: 334 ist eine viel schönere Nummer, doch zu dieser sollte es sehr lange Zeit nicht kommen... Worum es überhaupt geht? „Detektiv Conan”-Kenner wissen bei 333 natürlich sofort, wovon die Rede ist.

    Episode 333 war nämlich bis heute die letzte Folge der japanischen Animeserie, die in Deutschland erschienen ist und das obwohl in ihrer fernöstlichen Heimat bereits mehr als 900 (!) Episoden erschienen sind. Die berüchtigte Folge 333, auch bekannt unter dem Titel „Der stumm zurückgelassene Beweis - Teil 2” wurde am 3. Juli 2006 erstmals auf RTL II ausgestrahlt. Seitdem sind mehr als zwölf Jahre vergangen und bis heute blieb man den Zuschauern im hiesigen Fernsehen neue Folgen schuldig. Dieser plötzliche Bruch mit der Serie war umso schmerzhafter, da dieser mitten in einem wahnsinnig spannenden wie entscheidenden Moment geschah, so erinnert dieses abrupte Ende mit Cliffhanger stark an das Aus frühzeitig abgesetzter Serien (wie etwa den unrühmlichen Abgang von „Twin Peaks” in den 1990er Jahren). Doch nun wird „Detektiv Conan” im Jahr 2018 tatsächlich doch noch fortgesetzt und der Titel der ersten neuen Episode, die heute über unsere Bildschirme läuft, mutet schon fast absurd an, er lautet tatsächlich „Der stumm zurückgelassene Beweis - Teil 3”, so als wäre nie etwas gewesen.

    Eine naive Hoffnung

    Passiert ist aber eine ganze Menge in diesen zwölf Jahren Pause. Zwar nichts in der Serie, jedoch im eigenen Leben. Mit zarten 14 Jahren durfte ich bei Conans letztem Fall mitfiebern, ohne zu wissen, dass es der letzte war. Im Sommer 2006 schien RTL II nämlich einfach nur während der damaligen Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land eine Sendepause einzulegen. Die sollte aber nicht nur dieses eine Turnier betreffen, sondern noch einige weitere... 2014 ist Deutschland endlich wieder Fußball-Weltmeister, doch „Detektiv Conan” ist weiterhin nicht zurückgekehrt.

    Betrogen fühlt man sich. Hintergangen, getäuscht und im Stich gelassen. Das Hoffen auf Sender RTL II wurde ohnehin längst aufgegeben (selbst ein damals in jungen Jahren persönlich verfasster Fanbrief mit zahlreichen Bitten stieß in München offenbar auf wenig Interesse). Der neue Hoffnungsschimmer hieß dagegen bald VIVA, im Jahr 2011 sicherte sich der Musik-Kanal die Ausstrahlungsrechte am Anime, nur um lediglich mit Wiederholungen der altbekannten Episoden die Fans bei Laune zu halten, wie sich bald herausstellte. Da kann man dem späteren Untergang des Senders nicht wirklich hinterhertrauern. Aus der Hoffnung drohte schließlich Verzweiflung zu werden, auf Fanseiten wie conannews.org folgte ein Gerücht zur baldigen Ausstrahlung von Folge 334 auf das nächste. Alles falsche Vermutungen, nach sechs Jahren Warten hätte ich mir 2011 jedenfalls nicht träumen lassen, dass noch einmal sieben weitere dazukommen.

    Kaze
    Den Männern in Schwarz auf der Spur: Im Laufe der Serie kreuzen sich deren und Conans Wege jedoch nur selten.

    Und Conan hätte durchaus aus meinem Leben verschwinden können, ja ich hätte loslassen können. Mit den Jahren wurde ich schließlich erwachsen, doch während ich den meisten Kinder- und Jugendserien natürlich längst den Rücken gekehrt habe, durften die Fälle des geschrumpften Meisterdetektivs immer einen Platz in meinem Herzen behalten. Denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und tief in mir war der Glaube da: Eines Tages werde ich erfahren, wie es weitergeht. Im jungen Erwachsenenalter holte ich dann noch einmal alle 333 Folgen nach und tatsächlich vermochte es die Serie immer noch zu faszinieren. Ein Großteil der Kriminalfälle sowie die konstante Jagd nach den Männern in Schwarz haben auch nach all den Jahren nichts an Spannung eingebüßt. Stellenweise wirkt das Gezeigte für erwachsene Augen natürlich schon arg kitschig und manche Elemente sind schlichtweg unfassbar albern (wenn man zu sehr darüber nachdenkt, dass wir es hier eigentlich mit Grundschülern als Protagonisten zu tun haben, wirkt das Gesehene sogar fast lächerlich), genauso ist es aber auch bemerkenswert, wie gruselig und brutal die Ereignisse stellenweise ausfallen.

    Highlights gibt es in all den Mordfällen jedenfalls viele, genauso wie Fehltritte. „Verlorene Notizen” und „Mord im Töpferkurs” sind jedenfalls bei den Fans sogenannte Filler, also unwichtige und oft auch langweilige Episoden, auf die man getrost verzichten kann (trauriger Tiefpunkt ist da aber zweifelsfrei „Die zerschnittene Flagge”). Wenn man der Serie ohnehin etwas richtig dick ankreiden kann, dann ist es, einfach nicht vom Fleck zu kommen, so wirklich dicht ist Shinichi Kudo der schwarzen Organisation jedenfalls nie auf den Fersen. Auf einen eher öden Fall folgt aber schnell eine wahre Kopfnuss oder manchmal sogar ein nervenzerfetzender Thriller, vor allem die mehrere Teile umfassenden Geschichten wie „Geheimnisse in Osaka”, „Die Mumie im Wald” und natürlich das großartige „Rache verjährt nicht” vergisst man so schnell nicht.

    Kaze
    Timeline-Problem: Während die Serie hierzulande stoppte, gingen die Spielfilme einfach immer weiter (Szene aus „Der nachtschwarze Jäger”)

    Weiter ging die Serie hierzulande trotzdem nicht und dann wurde es plötzlich kurios, denn „Detektiv Conan” schaffte das Kunststück, sich selbst einzuholen. Parallel zur Serie gibt es nämlich eine Menge Spielfilme, die seit 2011 auch den Weg nach Deutschland finden. Mittlerweile sind es sogar schon 21 davon und von ein paar Ausnahmen abgesehen bestechen die „Detektiv Conan”-Filme durch eine überdurchschnittlich hohe Qualität. Besonders die Teile vier („Der Killer in ihren Augen”) und 13 („Der nachtschwarze Jäger”) sind wahnsinnig spannende Krimi-Thriller in Zeichentrick-Optik und nicht zuletzt einfach richtig gute Filme. Das Problem: Letzterer spielt bereits nach den Ereignissen der letzten in Deutschland erschienenen Serien-Episode. Gut die Hälfte der hierzulande erschienenen „Detektiv Conan”-Filme sind der Serie also schon viel weiter voraus und das rächt sich mit fiesen Spoilern. Vor allem vor dem 18. Ableger „Der Scharfschütze aus einer anderen Dimension” muss eine dringende Warnung ausgesprochen werden, dieser spielt nämlich viel, viel später als die Serie bei uns, nimmt eine Menge Ereignisse vorweg und löst nämlich so ganz nebenbei das offene Ende von Folge 333 auf.

    Hat "Detektiv Conan" wieder eine Zukunft?

    So richtig mit Spannung erwarten kann ich die daran anknüpfende Episode 334 also eigentlich nicht, denn dank Film Nummer 18 weiß ich längst, was es mit dem mysteriösen Mann mit Mütze auf sich hat, der Conan alias Shinichi entgegentritt. Doch nimmt das die Vorfreude? Keineswegs, ganze 102 neu auf Deutsch vertonte Folgen erwarten uns. Allein die Tatsache, dass sich mit ProSieben MAXX endlich ein Sender erbarmt hat, die Rufe der Fans zu erhören, ist schon eine wahre Freude. Ob nach dieser Welle dann erneut eine jahrelange Funkstille herrscht, hängt nun wohl ganz von den Einschaltquoten ab. Dabei gibt es noch so viel in dieser Welt zu erzählen, alleine die Filme eines Tages noch einzuholen, gleicht bloßem Wunschdenken. Doch mit Träumen kennen sich „Detektiv Conan”-Fans ja bestens aus und sie wissen nun auch: Träume können in Erfüllung gehen, vielleicht nicht in absehbarer Zeit, aber irgendwann...

    Die neuen Folgen „Detektiv Conan” starten am heutigen 19. Oktober 2018 auf ProSieben MAXX um 18.15 Uhr im Dreierpack – direkt nach einer Auffrischung mit der Wiederholung der zwei vorherigen Episoden. Ab dem 22. Oktober folgt dann jeweils montags bis freitags eine neue Episode um 18.20 Uhr.

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    Kommentare
    • Luphi
      Ich habe Conan auch außerordentlich gerne gesehen. Mir ging es aber irgendwann auf den Keks, dass die Handlung wirklich kaum vorangekommen ist. Bei inzwischen 900 Folgen scheint sich das ja wohl auch noch ein wenig zu strecken.
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