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    FILMSTARTS am Set von "Deutsch-Les-Landes": Wenn die "Sch'ti"-Autoren "Stromberg" nach Frankreich schicken

    Mit „Deutsch-Les-Landes“ steht die erste Serien-Eigenproduktion der Telekom in den Startlöchern. Wir haben im Sommer am idyllischen Strand-Set in Frankreich vorbeigeschaut und uns erklären lassen, was die Culture-Clash-Comedy so besonders macht.

    Deutsche Telekom / Bavaria Fiction / Amazon

    Unzählige gefüllte Biergläser, akribisch aufgeschichtete Brezeln und Würstchen, über 80 schunkelnde Menschen in Trachten (inklusive einer Blaskapelle) und schließlich ein angesichts dieses Anblicks fast schon überflüssiges Banner mit der in altdeutschen Lettern gehaltenen Aufschrift „Oktoberfest“. Doch bietet sich uns dieser Anblick nicht etwa im herbstlichen Deutschland, sondern an einem Frühsommertag im französischen 12.000-Seelen-Ort Andernos-les-Bains. Wendet man den Blick nur ein Stück von der feierlichen Szenerie ab, deutet auch schon der direkt angrenzende Strand, an dem allerlei kleine Boote bei der herrschenden Ebbe im Sand ausharren, darauf hin, dass wir uns an keiner typischen Oktoberfest-Location befinden.

    Hier an der Westküste Frankreichs, unweit der Wein-Hochburg Bordeaux, finden die letzten der insgesamt 50 Drehtage für die zehnteilige erste Staffel der deutsch-französischen Culture-Clash-Serie „Deutsch-Les-Landes“ statt, die in Kooperation der Deutschen Telekom mit Amazon Frankreich entsteht. Und so wie wir deutschen Journalisten hier am Set einfallen, stehen in der Serie plötzlich 200 Mitarbeiter eines deutschen Autokonzerns im fiktiven Jiscalosse auf der Matte, um das am Rande des finanziellen Ruins stehende französische Nest wirtschaftlich wiederzubeleben. An deren Spitze: „Stromberg“-Star Christoph Maria Herbst, der auch hier wieder einen mürrischen Abteilungsleiter gibt, welcher mit der Gesamtsituation eher unzufrieden ist. „Deutsch-Les-Landes“ soll aber keine bloße Aufwärmung des Hit-Formats werden, daran sind weder Herbst noch die Macher der Serie interessiert, weiß Produzent Moritz Polter. Stattdessen soll sein alleinerziehender Mittfünfziger Manfred ein ganzes Stück nahbarer und nuancierter sein und so auch ein breiteres charakterliches Spektrum bieten, das von Herbst bespielt werden muss.

    Gleichberechtigte Partner

    Auch wenn es hinter den Kulissen eher die Franzosen sind, die laut Herbsts Co-Star Sebastian Schwarz „wie die Wahnsinnigen saufen“, darf zur Illustrierung der kulturellen Unterschiede zwischen den beiden Nationen ein zünftiges Oktoberfest, das in Jiscalosse für die neuen deutschen Dauergäste ausgerichtet wird, natürlich nicht fehlen. Dass die naheliegenden Klischees, mit denen hier gespielt wird, allzu platt werden, soll jedoch verhindert werden, wie uns Moritz Polter vor Ort erklärt. Dafür soll primär das gemischte Team vor und hinter der Kamera sorgen, das absolut gleichwertig agiert. Erdacht wurde „Deutsch-Les-Landes“ ursprünglich zwar von Alexandre Charlot und Franck Magnier, den Autoren des französischen Komödien-Hits „Willkommen bei den Sch’tis“, doch schon früh in der Entwicklungsphase stieß auch der deutsche „heute show“-Schreiber Thomas Rogel zum Projekt.

    Bavaria Fiction / Deutsche Telekom / Amazon

    Beim ausgewogenen Verhältnis der Beteiligten, das sich auf alle Bereiche der Produktion erstreckt, sind kulturelle und sprachliche Diskrepanzen sowie Unterschiede in den Arbeitsweisen natürlich auch hinter den Kulissen spürbar, wo Polter zufolge schon viele langwierige, aber am Ende doch stets fruchtbare Diskussionen geführt wurden, schließlich ziehen alle letztlich am selben Strang. Und auch die örtliche französische Bevölkerung zieht hier ein Stück weit mit. „Deutsch-Les-Landes“ wird komplett in Frankreich gedreht, selbst einzelne eigentlich in Deutschland spielende Szenen. Der mittlerweile in beiden Produktionsländern einheitliche Titel (zuvor firmierte die Serie hierzulande noch unter dem Namen „Germanized“) spielt so auch auf die Region im Südwesten Frankreichs an, die nicht nur innerhalb der Handlung der Dreh- und Angelpunkt ist und umgangssprachlich schlicht als „Les Landes“ bezeichnet wird. Moritz Polter schildert begeistert, wie herzlich die Produktion an den verschiedenen Drehorten dort willkommen geheißen und regelrecht ein Teil des Kleinstadtbildes geworden ist. Für die Figuren innerhalb der Serie läuft das bei weitem nicht so reibungslos ab.

    Dabei soll es aber nicht nur um den unvermeidlichen Zusammenstoß der unterschiedlichen Kulturen und Lebensweisen gehen. Auf eine Sprachbarriere oder lediglich daraus gezogenen Humor wird in diesem Sinne (fast) gänzlich verzichtet. Hier versteht einfach jeder jeden, zumindest was das gesprochene Wort an sich angeht. Die in ihrer jeweiligen Muttersprache redenden Darsteller werden später synchronisiert, sodass alle letztlich die gleiche Sprache sprechen. Generell sollen in der Serie nicht nur zwei verschiedene Länder aufeinanderprallen, sondern vor allem auch unterschiedliche Figuren, ganz unabhängig von ihrer Herkunft. „Deutsch-Les-Landes“ ist in Moritz Polters Augen in erster Linie auch eine Familienserie, familiäre Probleme stehen besonders im Fokus. Gerade die Situation von Hauptfigur Manfred wird durch seinen neuen Wohnort noch ein ganzes Stück komplizierter. Als alleinerziehender Vater muss er nicht nur seinem rebellischen Sohn die veränderte Lebenslage schmackhaft machen, sondern sich nach dem Umzug auch mit seinen eigenen aufkeimenden Gefühlen für dessen charmante neue Deutschlehrerin Odile (Sylvie Testud) arrangieren. Als dann auch noch Manfreds Ex-Frau Katherine (Anna Thalbach) überraschend aufkreuzt, überschlagen sich die Ereignisse.

    Bei der Arbeit

    Einem kleinen Vorgeschmack darauf können wir beim Dreh einer Szene für die sechste Folge hautnah beiwohnen, in der Jiscalosse für die deutschen Dauergäste ein Oktoberfest ausrichtet – oder vielmehr die französische Vorstellung eines solchen. All das inzwischen bei herrlichem Wetter, nachdem am Anfang noch Regen den Tag zu überschatten drohte. Die riskante Entscheidung für einen authentischen Außendreh zahlt sich in der malerischen Kulisse so schließlich voll aus, auch wenn die Arbeit zwischenzeitlich aufgrund einer Beerdigung in der nebenstehenden kleinen Kirche für zwei Stunden unterbrochen werden muss. Nichts, was das eingespielte Team, auf dessen deutsche Mitglieder das französische „Laissez-faire“ inzwischen etwas abgefärbt hat, demotivieren könnte, wie auch der konzentrierte, dabei aber sehr gut gelaunte Dreh des Aufeinandertreffens von Manfred, Odile und Katherine unter Anleitung der deutschen (aber zweisprachigen) Regisseurin Annette Ernst zeigt, die die komplette zweite Hälfte der ersten „Deutsch-Les-Landes“-Staffel inszeniert (für die erste Hälfte zeichnet ihr französischer Kollege Denis Dercourt verantwortlich).

    Christophe Brachet / Bavaria Fiction

    Dank mehrfacher Wiederholung des Takes können wir gleich häufiger beobachten, wie Odile geschockt erfahren muss, dass Manfred gar kein Witwer, sondern die Mutter seines Sohnes in Wahrheit noch quicklebendig ist. Glücklich gehen die Figuren am Ende der kurzen Konfrontation nach der Offenlegung von Manfreds Lüge definitiv nicht auseinander. Und so amüsant der Grundton des Ganzen vielleicht ist, wird selbst in diesem kurzen Moment schon deutlich, dass die Beziehungen zwischen den Figuren durchaus einen ernsthaften Touch bekommen sollen.

    Dramedy statt pure Comedy

    Statt als bloße Comedy möchte man „Deutsch-Les-Landes“ vielmehr als Dramedy verstanden wissen, zumindest fällt dieser Begriff immer wieder am Set. Auch Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst ist im Gespräch im Anschluss an den Dreh der obigen Szene der Meinung, dass das Label Comedy im vorliegenden Fall ein unzureichendes Bild des Projekts zeichnen würde. Generell sei eine allzu strenge Unterteilung in Comedy und Drama oftmals schlicht unsinnig. Für ihn drang auch seine Paraderolle in „Stromberg“ schon sehr tief in tragische Gefilde vor. 

    Dass man sich nicht stur auf den Culture-Clash als Quell für einen schnellen Witz verlässt, sondern sowohl Geschichte als auch Humor stärker aus den Figuren heraus entwickelt, soll daneben sicherstellen, dass „Deutsch-Les-Landes“ für die Zuschauer beider Nationen funktioniert, die hinter der Produktion stehen, auch wenn es natürlich immer wieder Szenen gibt, die mehr auf eines der beiden Länder zugeschnitten sind. In Christoph Maria Herbst wurde jedoch die Idealbesetzung für ein universelles Humor-Verständnis gefunden, davon ist sein Co-Star Roxane Duran vollends überzeugt: „Christoph bringt eine Energie und eine dermaßen ausdrucksstarke Mimik mit, die einfach jeden zum Lachen bringt“, schwärmt Duran uns vor. 

    Deutsche Telekom / Bavaria Fiction / Amazon

    Ähnlicher, als man denkt

    Für Herbst wiederum sind die vermeintlichen Unterschiede zumindest hinter den Kulissen – außer der Tatsache, dass „der Bordeaux beim Catering hier in Strömen fließt“ – kaum der Rede wert: Es kochen eigentlich alle mit demselben Wasser, nur dass es hier eben Volvic oder Vittel ist, es geht einfach nochmal ein bisschen leichter runter.Wie bei jeder guten Culture-Clash-Geschichte geht es natürlich auch bei „Deutsch-Les-Landes“ letztlich darum, gerade in einer Zeit wachsender nationalistischer Strömungen die aufgezeigten Diskrepanzen zu nutzen, um am Ende zu zeigen, dass wir alle doch gar nicht so verschieden sind: „Wir fangen mit dem Culture Clash an, um dann mit den Vorurteilen aufzuräumen und zu sehen, dass wir eigentlich doch miteinander können – aber eben auch nicht alle“, fasst Moritz Polter zusammen. Allzu politisch wolle man dabei aber erstmal nicht werden, für eine Weiterentwicklung in einer möglichen zweiten Staffel könnte man sich in dieser Hinsicht aber durchaus noch mehr vorstellen, sobald man erstmal ein Standbein für die Serie aufgebaut hat.

    Wir sind beim Ausklang des sonnigen Oktoberfests am Strand jedenfalls sehr gespannt darauf, wie das mit einer Volvic-Vittel-Mischung gekochte Gericht am Ende schmeckt. Die Antwort darauf gibt es schon am 1. November 2018. Dann nämlich startet „Deutsch-Les-Landes“ als erste Eigenproduktion des Telekom-Streamingdienstes. Das vormals auf den Namen EntertainTV hörende Angebot heißt neuerdings Magenta TV und kann mittlerweile auch ohne Telekom-Vertrag bezogen werden.

     

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