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    "Bohemian Rhapsody": Darum ruinieren mir die echten Live-Aufnahmen den Film
    Von Christian Fußy — 10.11.2018 um 16:30
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    Das Live Aid Konzert ist das große Finale des Freddie-Mercury-Biopics „Bohemian Rhapsody“ und sein großer Hurra-Moment. Als Fan der Band lassen mich die Szenen im Wembley Stadion aber nur enttäuscht mit dem Kopf schütteln.

    Twentieth Century Fox

    Wie die Hit-Single, deren Namen es trägt, ist das Queen-Biopic „Bohemian Rhapsody“ ein finanzieller Erfolg auf der ganzen Linie. Damit hören die Parallelen zwischen den beiden Werken allerdings auch schon auf. Denn im Gegensatz zu der opernhaft-ausufernden Rocknummer lässt „Bohemian Rhapsody“, der Film, stilistische Eigenheiten, eine Lust zur Experimentierfreude und Übertreibung und vor allem das Gefühl von Bombast vermissen, das die Queen-Nummer so außergewöhnlich macht. Besonders im Finale des Films zeigt sich, warum eine traditionelle Herangehensweise, die bei jedem anderen Biopic vielleicht vollkommen vertretbar wäre, einem Film über Queen das Genick bricht.

    Da ich seit meiner Geburt über Ohren verfüge, liebe ich die Musik von Queen und würde mich durchaus als Fan bezeichnen. Als solcher bin ich nicht nur mit dem Œuvre, sondern auch dem Werdegang der Band vertraut. Was mich an „Bohemian Rhapsody“ in erster Linie gereizt hat, war, dass der Film im Vorfeld als ein Freddie-Mercury-Biopic angepriesen wurde und nicht als eine Verfilmung der gesamten Band-Historie. Mit den Produzenten Brian May und Roger Taylor, die den Mann ja bestens kannten, schien der Film prädestiniert dafür zu sein, bisher vielleicht unterbeleuchtete Aspekte der Legende Mercury zu behandeln und eine etwas persönlichere Geschichte des Frontmanns zu erzählen. Stattdessen hat mich „Bohemian Rhapsody“ mit dem Gefühl zurückgelassen, diese Geschichte schon einmal wo anders besser gesehen zu haben – nämlich in den Originalaufnahmen.

    Freddie, der Rockstar

    Freddie Mercury war eine der einflussreichsten und bezauberndsten Figuren der Musikgeschichte, deren zügelloses und exzentrisches Verhalten auf und abseits der Bühne unser Bild davon, was ein echter Rockstar ist, maßgeblich geprägt hat. Alle Aspekte seines öffentlichen Lebens, sein Spitzbubencharme, sein immenses Gesangstalent, seine Lebensphilosophie, seine Sexualität und sein würdevoller Umgang mit der tödlichen Krankheit AIDS sind wohldokumentiert. Über das Internet hat jeder Interessierte komfortablen Zugang zu etlichen Stunden an Expertenmeinungen, Interviews, Live-Mitschnitten und sonstigem Archivmaterial, die ein vollständig erscheinendes Bild der Rockikone zeichnen. Hätte der Film dieses Bild dekonstruiert, erweitert oder zumindest auf kreative Weise dargestellt, wäre ich mit „Bohemian Rhapsody“ schon halbwegs zufrieden. Stattdessen verblasst das Geschehen auf der Leinwand gegenüber den Originalaufnahmen. Und nirgends wird das deutlicher als beim Finale im Wembley Stadion.

    Warum Wembley der Knackpunkt ist

    Wenn Rami Malek und Co. vor dem größtenteils computergenerierten Publikum so tun, als würden sie gemeinsam musizieren, soll das dasselbe Gefühl bei den Kinozuschauern auslösen wie einer der größten und stimmungsintensivsten Auftritte in der Geschichte der Rockmusik. Ein mit filmischer und akustischer Perfektion eingefangener Auftritt, der überall auf der Welt mit einem Mausklick in seiner Gesamtheit abrufbar ist. Das ist von den Filmemachern nicht nur anmaßend, sondern auch schrecklich naiv. Wäre Live Aid nur eine Fußnote im Film, wäre die biedere Inszenierung zu verzeihen, aber es handelt sich hier um das große dramatische Finale des Films, um den krönenden Moment, der alle vorangegangenen Strapazen vergessen und dem Publikum die pure Essenz von Queen spürbar machen soll.

    So hätte es besser gehen können

    Die Tatsache, dass die echten Live-Aufnahmen eine so unglaubliche Kraft haben, sollte die Filmemacher natürlich nicht davon abhalten, den Auftritt in ihrem Biopic zu zeigen. Sie hätten sich nur etwas mehr Mühe dabei geben sollen. Zum Vergleich: Im kürzlich erschienenen Neil-Armstrong-Biopic „Aufbruch zum Mond“ sehen wir die Mondlandung aus der Perspektive der Astronauten. Regisseur Damien Chazelle schafft es in dieser Szene mit ruhigen Bildern und exzellentem Sounddesign, aus einem einfachen Schritt einen atemberaubenden und ebenso simplen wie monumentalen Kinomoment zu generieren. Dass das Publikum natürlich weiß, was passiert, mit den Originalaufnahmen vertraut ist und die schiere Geschichtsträchtigkeit dieses Schrittes kennt, tut der Wirkung der Szene dabei keinen Abbruch, sondern verstärkt diese sogar.

    Im Gegensatz dazu ist die epische Kulisse im Finale von „Bohemian Rhapsody“ nichts anderes als eine Tapete, vor der die Band spielt. Eine Band, von der wir nur ein Mitglied im Lauf des Filmes wirklich kennenlernen durften, das aber eigentlich immer noch wirkt, wie eine Ansammlung von Zitaten und Fakten und nicht wie ein Mensch aus Fleisch und Blut. Man kann von „A Star Is Born“ halten was man will (ich persönlich bin kein großer Befürworter), aber die Live-Aufnahmen waren allesamt fantastisch, auch weil Bradley Cooper und Lady Gaga tatsächlich vor Live-Publikum auftraten. Die Körperlichkeit der Menge und die dadurch entstehende Energie fehlt „Bohemian Rhapsody“ komplett. Angesichts dessen, dass es sich hier um das wahrscheinlich genialste Rockkonzert aller Zeiten handelt, mehr als nur ein schlechtes Zeichen. Die einzige Geschichte, die der Band Queen und ihrem Sänger Freddie Mercury gerecht wird, ist für den Moment also immer noch die, die sie ihrer Zeit selbst geschrieben haben. Zum Glück gibt es zu dieser auch bereits ausreichend Filmmaterial.

     

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    Kommentare
    • Sn Zt
      Ja, das ist aber ein komplett anderes Wording als die filmstarts-Formulierungen, die sich immer furchtbar dilettantisch lesen. Du formulierst es als Team-Arbeit, filmstarts formuliert es als Leistung einer einzelnen Person.
    • SANY3000
      Nein, das nicht, aber er hat als Regisseur die Kontrolle über das Zusammenspiel von Kamera, Schnitt und Musik und kann deshalb den Kameraleuten, Schnitttechnikern und Musikern vorschreiben, wie er das ganze umgesetzt haben möchte.
    • TresChic
      in Doors hatte es doch auch ganz gut geklappt...
    • Erik B.
      Sehe ich genau so. Als Queen Fan wollte ich einen Film, der meine Band vergöttert. Die vielen Schattenseiten um Queen sind allgemein bekannt und wurde erst vor wenigen Jahren in einer Doku ausführlich thematisiert. Ich wollte einen Film, der mich mit einem guten Gefühl aus dem Kino gehen lässt. Der Queen so darstellt wie ich sie immer wahrgenommen und geliebt habe. Und das hat der Film geschafft. Ich habe kein Interesse daran zu sehen, wie Freddie an Aids langsam und quallvoll stirbt. Freddie sagt ja gegen Ende des Films ich entscheide wie sie mich definieren, nicht die Krankheit.
    • Sn Zt
      Regisseur Damien Chazelle schafft es in dieser Szene mit ruhigen Bildern und exzellentem Sounddesign, aus einem einfachen Schritt einen atemberaubenden und ebenso simplen wie monumentalen Kinomoment zu generieren.COOOOL! Damien ist also auch Kameramann und Sounddesigner! Wahnsinn. Ein echter Alleskönner in Hollywood.
    • Simon Missbach
      Wieso? Der Artikel ist klar als Meinung gekennzeichnet und als solche klar und deutlich in seinem Anliegen formuliert. Jeder kann ja eine andere/ eigene haben, aber warum nicht in der Form über verschiedene Sichtweisen und Standpunkte diskutieren? Find ich vollkommen in Ordnung.
    • Juhu
      Lol du scheinst nicht viele Biopics gesehen zu haben :D
    • Shusher
      Amen!
    • Susan Reich
      Gut, dass Geschmäcker und Meinungen unterschiedlich sind.Für mich ist Freddie und Queen so dargestellt worden, wie ich sie kennen und lieben gelernt habe, als die für mich und sehr viele anderen größte Rockband mit dem wahrscheinlich immer größten Sänger der Musikgeschichte.Ins Kino gehen und genießen, einfach fallen lassen und Gänsehaut und Tränen zulassen!Der Film ist genau das, was er sein sollte und ist: ein Meisterwerk unter den Biopics!Wer bei diesem Film keine Intensität, keine Wucht verspürt, sollte mal zum Neurologen gehen!
    • Jimmy v
      Ich denke, greeks Punkt ist, dass Biopics durchaus bestimmte Stationen modifizieren dürfen, damit es zur Dramaturgie passt. Aber gleich den ganzen Geschichtsverlauf zu ändern, weil die echte Historie scheinbar störend ist, ist einfach falsch. Und da hat er recht.Im Übrigen zeichnet das auch gute Schreiber von historischen Stoffen aus. Hilary Mantel, Autorin von Wolf Hall, hat genau das mal untermauert und genau darin eigentlich eine Hilfe gesehen solche Fakten zu haben.
    • Hans H.
      Stattdessen verblasst das Geschehen auf der Leinwand gegenüber den Originalaufnahmen. Und nirgends wird das deutlicher als beim Finale im Wembley Stadion.Das wird wohl niemanden überraschen. Wer den Auftritt kennt, weiß, dass dies im Film nicht besser sein KANN.
    • Delain667
      Auch wenn ich finde das passt nicht zu Filmstarts. Ich lese Filmstarts wegen News und für mich Filmstarts Boulevard und das machen sie gut. Das meine ich nicht böse.Filmstarts ist für mich Popcorn und da will ich keine Sterne Köche. Das können sie auch nicht. Um im übertragenen Sinne zu schreiben n
    • TheL0ved0ne
      Fand diesen Artikel allerdings gut geschrieben und argumentiert und ich verstehe worauf der Autor hinaus will.
    • Kai Neck (Haehnchen)
      Ja abah abah,das ist keine Doku,sondern ein Film yada yada... Ne sorry,aber wenn schon ein Biopic,dann sollte man sich an die Fakten halten.Nenne mir EIN Biopic das sich an die Fakten hält. Bitte nur eines, ich gucke es sofort...Ich habe sooooo viele Biopics gesehen, und noch keines hat es mit den Fakten und der Wahrheit all zu genau genommen, nicht eines. Und zwar nicht nur bei Kleinigkeiten... in der Regel wurden nicht selten die Hauptpersonen komplett anders dargestellt als sie waren und ganzer Geschichtliche Ereignisse verfälscht.Und je beliebter eine Person in der Öffentlichkeit ist, desto eher machen die Filmemacher aus so einer Person natürlich einen übermenschlichen Helden mit reichlich Pathos.Darum mag ich Biopics auch nicht sonderlich... gucke sie trotzdem oft, weil man hier und da ja doch was wahres über die Personen erfährt. Aber vieles ist eben einfach nur erlogen und verfälscht um ein Bild vorzugeben das so nicht der wirklichkeit entspricht, in einem Film aber besser rüber kommt.
    • Juhuu
      Mich nerven eure Meinungen die eigentlich immer nur für Empörung sorgen sollen damit es Klicks gibt. Peinlich ist, dass hier etwas als Meinung veröffentlicht wird, obwohl man weiß, dass die Leute von der Redaktionsleitung dazu gezwungen wurden. Wie die Praktikantin die ihr dem Spott der Community ausgesetzt habt, weil sie eine Serie nach einer Folge bewerten sollte.
    • Juhuu
      Mein Gott es war doch i Vorfeld schon mehr als bekannt, dass es keine eins zu eins Übernahme der realen Geschichte wird. Wenn du dir den Film dennoch angeguckt hast selbst schuld. Der Film hat das, was er macht, richtig gemacht und jeder Queen Fan wusste dass er hier eine schöne Hollywoodstory um Queen bekommt. Sich jetzt immernoch drüber aufzuregen ist... naja.
    • TresChic
      Ein echter Fan scheint Herr Fußy nicht zu sein, denn dann hätte in erster Linie auf die von greek genannten Fehler hingewiesen. Als echter Fan fasst man sich hier natürlich am meisten am Kopp. Der Film hat mich sprachlos zurückgelassen. Gibt es ein schlechteres Biopic? Nein.
    • greekfreak
      Was mich als ollen Queen Fan,stört,ist wie historisch unkorrekt dieser Film ist,vor allem wenn man bedenkt,das die verbliebenen Bandmitglieder involviert waren.Die Live Aid Szene,ist hier ein Paradebeispiel.Im Film:Queen sind kurz davor sich zu trennen(weil ihnen Freddie´s Diva Verhalten auf die Nüsse geht),dann erklärt ihnen Freddie,das bei ihm HIV diagnostiziert wurde.Sie bekommen den Anruf für Live Aid und raufen sich noch einmal zusammen,für einen letzten, grossen Gig.So ala:Wir zeigen´s allen noch ein letztes Mal! *würg* Sorry,das ist meine Kitschallergie,da bekomme ich immer Würgereflexe.In der Realität,war eine Bandauflösung kein Thema,Freddie bekam die HIV-Diagnose erst 2 Jahre später,worauf sie ihr letztes Konzert spielten.Wieder in Wembley,aber eben nicht Live Aid.(für Nichtkenner,die das mal abchecken wollen,das ist das Queen-Live at Wembley 86 Konzert,kann man sich sogar auf youtube reinziehen) Die Band hat aber trotzdem weiter Musik gemacht und Alben aufgenommen wie das grossartige Innuendo oder den ''Highlander'' Soundtrack(''Who Wants To Live Forever'',war ein Megahit),nur eben keine Konzerte,weil Freddie nicht mehr gesundheitlich in der Lage war,auf der Bühne zu stehen.(er war aber trotzdem noch im Studio und hat bis zuletzt Songs aufgenommen,die posthum auf dem Album ''Made in Heaven'' veröffentlicht wurden.).Ja abah abah,das ist keine Doku,sondern ein Film yada yada... Ne sorry,aber wenn schon ein Biopic,dann sollte man sich an die Fakten halten.
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