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"Narcos: Mexico": Netflix hätte die Drogen-Serie längst beenden sollen
Von Alexander Friedrich — 16.11.2018 um 15:00
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Heute feiert „Narcos“ auf Netflix seine Rückkehr. In Wirklichkeit handelt es sich aber bei „Narcos: Mexico“ um eine ganz neue Serie und nicht um eine vierte Staffel. Unser Autor findet aber: Die Kartelljagd gehört längst ad acta gelegt.

Netflix

+++ Meinung +++

Mit „Narcos“ landete Netflix 2015 einen Volltreffer. Die Serie über die Drogenkriege im Kolumbien der 1980er- und 1990er-Jahre und den Aufstieg des Kokainbarons Pablo Escobar zog zahlreiche Zuschauer in ihren Bann und konnte in kurzer Zeit eine große Fangemeinschaft ansammeln, in die ich mich auch einreihte. Neben anderen Zugpferden wie „House Of Cards“ und „Orange Is The New Black“ wurde „Narcos“ die neue Alphaserie auf der Streamingplattform.

Drei Staffeln hat die Show mittlerweile und nun erscheint mit „Narcos: Mexico“ am heutigen 16. November 2018 auf Netflix nicht etwa Season vier, sondern eine losgelöste Serie. Sie spielt in den 1980ern (die dritte Staffel der Mutterserie fand in den 90ern statt), gezeigt wird der Werdegang des Guadalajara-Kartells. Heißt: neuer Handlungsort, neue Figuren, neue Schauspieler. Doch ist dieser Neustart wirklich notwendig? Ich jedenfalls habe längst die Lust verloren.

Um eines klarzustellen: Die ersten zwei Staffeln „Narcos“ gehören zum Besten, was es auf Netflix zu sehen gibt. Zum Start im August 2015 bestachen die hauseigenen Serien auf der Streamingplattform noch durch Qualität anstatt durch Masse. Kein Vergleich zur Gegenwart, wo gefühlt dutzende neue Formate im Monat erscheinen und genauso schnell wieder in der Masse untergehen. Netflix würde sich keinen Gefallen damit tun, in dieser Phase ausgerechnet den Namen „Narcos“ für eine weitere der Serien aus dem ganzen belanglosen Haufen herzugeben.

Netflix
Ohne Wagner Moura, ohne „el patrón”, funktioniert „Narcos” nur bedingt.

Die ersten zwei Staffeln bestachen vor allem durch ihre gelungene Mixtur eines klassischen Biopics und eines knallharten Drogenthrillers. Und nicht zuletzt begeisterte auch die grandiose Entscheidung, vor der Kamera den größten Teil der Dialoge in Spanisch sprechen zu lassen. Statt mit englischer Nachvertonung aus dem Studio wurde die Geschichte durch die Muttersprache der Figuren um einem immensen Anteil Authentizität bereichert. Natürlich auch, weil Wagner Moura seinen Pablo Escobar so einprägsam und beängstigend obsessiv verkörpert hat (unvergessen: „Plata o plomo“), zeichnete sich „Narcos“ speziell durch seine Glaubwürdigkeit und Atmosphäre aus (obwohl Moura Brasilianer ist). Fiktion und Realität flossen selten auf dem Fernseher so gekonnt zusammen. Und vom inflationär hohen Gebrauch der Ausdrücke „Gringos“ und „Putas“ konnte man einfach nicht genug bekommen.

Der Tod von Escobar war zugleich der Tod von "Narcos"

Staffel drei konnte an diese Stärken jedoch nicht anknüpfen. Zwar wurde der hohe Anteil der spanischen Sprache konsequent fortgeführt, aber ohne Moura und Escobar, ohne Boyd Holbrook als DEA-Agent sowie emotionalem Ankerpunkt Steve Murphy fehlten der Thriller-Serie ihre wichtigsten Säulen. Spannend war Agent Peñas (Pedro Pascal) Kampf gegen das Cali-Kartell zwar auch, das gewisse Etwas, das noch in den Vorgängerstaffeln zu finden war, vermisste ich jedoch. Auch so erinnerungswürdige Nebencharaktere wie den psychopathischen Gacha (Luis Guzmán) gab es in den neuen Folgen nicht. „Narcos“ war nun mal eine Serie über Pablo Escobar, über dessen steile Laufbahn zum gefürchtetsten Verbrecher Südamerikas und darüber, wie er zur Strecke gebracht wurde. Nach seinem Ableben war die Geschichte also innerhalb von zwei Staffeln weitestgehend abgeschlossen.

So solide und unterhaltsam die dritte Season auch daherkam, so sehr wirkte sie nur wie ein Lückenbüßer. Nicht einmal das gesamte Cali-Kartell kann die Fußstapfen eines einzelnen Mannes füllen. Entweder hätte die Geschichte Escobars und seines Medellín-Kartells also auf mehr als nur zwei Staffeln ausgedehnt werden sollen (wodurch das Ganze aber auch Gefahr gelaufen wäre, zu zäh und künstlich gestreckt zu werden) – oder es hätte nach den 20 Episoden einfach der Schlussstrich gezogen und die Serie in ihren wohlverdienten Ruhestand geschickt werden müssen. Statt zwei Staffeln haben wir nun jedoch drei, plus den Ableger „Mexico“, mit dem ein ganz neues Fass aufgemacht wird.

Neue Kulisse, gleicher Krieg

Offenbar waren der Kreativabteilung von „Narcos“ hinter den Schöpfern Doug Miro, Carlo Bernard und Chris Brancato die Story-Überreste der dritten Season dann auch nicht zukunftsträchtig genug, um die kolumbianische Kokain-Zitrone weiter auszupressen. Zwar bringt ein komplett neuer Schauplatz mit neuen Figuren eine Menge Potential mit, zumal mit „Rogue One“-Star Diego Luna und Michael Peña („Ant-Man“) zwei wirklich vielversprechende Darsteller gewonnen wurden, die selbst auch Spanisch als Muttersprache gelernt haben. Bei mir will trotzdem keine Lust für den nächsten Kampf gegen blutrünstige Kartelle aufkommen. Statt in Bogota oder Medellín wird nun halt in Guadalajara gedealt, gemordet und ermittelt, was das Zeug hält. Brutale Drogengeschäfte habe ich langsam wirklich genug gesehen.

Wenn „Narcos: Mexico“ mich also wirklich von den Socken hauen soll, müssen sich die Autoren schon etwas mehr einfallen lassen, als bloß noch fiesere Kartellköpfe und noch perfidere Foltermethoden in den Raum zu werfen. Staffel drei wirkte zuletzt jedenfalls eher wie alter Wein in neuen Schläuchen – deswegen bezweifle ich, dass das Prequel, Reboot, Spin-off oder wie man es auch nennen mag, nun für neue Impulse sorgen kann. Es bleibt bedauerlich, dass „Narcos“ nicht beendet wurde, als es noch am schönsten war.

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