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    Nur für Fans: Darum habe ich "Phantastische Tierwesen 2" nicht verstanden
    Von Julius Vietzen — 17.11.2018 um 09:00
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    „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ ist ein Film, der sich einzig und allein an Hardcore-„Harry Potter“-Fans richtet, findet zumindest unser Autor Julius Vietzen. Sonst versteht man gar nicht, warum das alles so wichtig sein soll.

    Warner Bros.

    +++ MEINUNG +++

    Achtung, der folgende Text enthält Spoiler zu „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“!

    In „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ etablierten Regisseur David Yates und Drehbuchautorin J.K. Rowling ein neues, sympathisches Hauptfiguren-Quartett. Dazu gab es ein neues Setting außerhalb Großbritanniens und außerhalb der 1990er Jahre. Der ideale Beginn für eine neue Filmreihe in der äußerst profitablen und von Fans heißgeliebten Wizard World – und vor allem auch ein gelungener Einstieg für alle, die keine eingefleischten „Harry Potter“-Fans sind.

    Statt diesen Ansatz weiter zu verfolgen, legen Yates und Rowling mit „Phantastische Tierwesen 2: Grindelwalds Verbrechen“ nun aber plötzlich eine 90-Grad-Wende hin. Auf den einsteigerfreundlichen Beginn folgt nun ein zweiter Film, der nur noch für echte Potterheads gemacht zu sein scheint.

    Zu viele Hintergrundgeschichten

    Das Problem ist dabei nicht gar nicht, dass ich den reinen Plot von „Phantastische Tierwesen 2“ nicht verstanden hätte, also der Handlung nicht folgen konnte. Vielmehr habe ich nicht verstanden, warum das alles so unglaublich wichtig sein soll. Zu einem gewissen Teil ist das sicherlich meine eigene Schuld, weil ich eben kein riesiger „Harry Potter“-Fan bin.

    Aber vor allem haben es die Filmemacher eben auch nicht geschafft, mir zu erklären, warum mir etwa die komplizierte Historie der Familie Lestrange so wichtig sein sollte. Ganz im Gegenteil: Hätte man die darauf verschwendete Zeit genutzt, um die Dreiecksbeziehung zwischen Leta Lestrange (Zoe Kravitz) und den Brüdern Newt (Eddie Redmayne) und Theseus (Callum Turner) zu vertiefen, hätte Letas Tod vielleicht eine noch viel tragischere Wirkung entfaltet.

    Zu viele Figuren

    Auch die Haupthandlung – der Obscurial Credence Barebone (Ezra Miller) wird sowohl von Bösewicht Grindelwald als auch unseren Helden gejagt bzw. gesucht, während er selbst herauszufinden versucht, wer er ist – hätte durchaus Potential. Um die Geschichte eines Außenseiters auf der Suche nach seiner Identität zu verstehen, muss man kein „Harry Potter“-Fan sein. Doch der Kern der Story droht ständig in einem Dickicht aus Nebenhandlungssträngen unterzugehen, weil Rowling und Yates jeder der vier Hauptfiguren (und noch dazu zahlreichen neuen Figuren) etwas zu tun geben wollen.

    Ärgerlicherweise ist auch hier nicht genügend Zeit, um diese vielen Geschichten ordentlich zu erzählen. Queenie (Alison Sudol) etwa stolpert nach dem erzwungen wirkenden Streit mit Jacob (Dan Fogler) lange Zeit planlos durch Paris, nur um sich dann schließlich völlig überraschend Grindewald (Johnny Depp) anzuschließen. Warum sie das tut, konnte ich „Phantastische Tierwesen 2“ nicht entnehmen. Und braucht es die neue Figur Yusuf Kama (William Nadylam) überhaupt, wenn der eigentlich spannende Plot um seinen Unbrechbaren Schwur schlussendlich sowieso im Sand verläuft?

    Kein "Harry Potter und der Gefangene von Askaban"

    Da hatten es die Macher der „Harry Potter“-Filme mit nur einer echten Hauptfigur (eben Harry Potter) wesentlich leichter. Doch selbst hier zeigte sich: Weniger ist manchmal mehr. „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ ist nämlich auch deswegen der beste Film der Reihe, weil sich Regisseur Alfonso Cuarón wirklich auf das Wesentliche konzentriert und alles drumherum weglässt.

    Das hätte auch „Phantastische Tierwesen 2“ gutgetan. So aber hängt die Reaktion auf das zweite Tierwesen-Abenteuer entscheidend davon ab, welche Beziehung man zur Wizarding World hat: Eingefleischte Fans können sich darüber freuen, dass Rowling die Vergangenheit zahlreicher Figuren und Familien näher beleuchtet und es einige offenbar spektakuläre Enthüllungen gibt. Für mich aber war „Grindelwalds Verbrechen“ nur ein dialoglastiges und unnötig kompliziertes Intermezzo auf dem Weg in Richtung des schon lange angekündigten großen Finals: dem Duell zwischen Dumbledore und Grindelwald.

    Hoffentlich findet die „Phantastische Tierwesen“-Reihe mit dem nächsten Eintrag wieder in die richtige Spur zurück. Eddie Redmayne und Ezra Miller versprachen uns im Interview jedenfalls, dass schon in Teil drei der große Krieg beginnt. Und wer weiß: Vielleicht erfahren wir dann ja auch, warum diese ganzen Hintergrundgeschichten und neuen Figuren so unglaublich wichtig sein sollen – dass sie eben ein Teil der Wizarding World und deshalb automatisch super relevant sind, reicht mir auf Dauer als Erklärung nämlich einfach nicht aus…

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    Kommentare
    • Jan Kullik
      Grundsätzlich korrekt, glaube aber, dass sich das erst später entwickelt hat, als Dumbledore und er echt verfeindet waren. Das schlummert jetzt schon vllt. tief in ihm (wie der kleine Tom Riddle damals im Weisenhaus bereits), aber der Zuschauer weiß es nur aus weiterführenden Storys. Selbst wenn er es zum Ausdruck bringt, dann bestimmt nur bei seinen engsten Gefolgsleuten, aber niemals in der Öffentlichkeit (sodass Queenie es mitbekommen könnte). Evtl. denkt er es aber auch lediglich im Stillen oder es ist wie gesagt noch gar nicht vorhanden. Wie dem auch sei: Queenie weiß nichts davon, ist ihm gegenüber loyal und dies nutzt er selbstverständlich für seine Vorteile, da sie ja nunmal eine begabte Hexe ist bzw. eine wertvolle Gabe besitzt.
    • Sentenza93
      Was etwas dämlich ist, da Jacob ein Muggel/No-Maj ist, und man Grindelwald's Meinung über diese ja kennt. :D
    • Jan K.
      Wieso Queenie sich Grindelwald anschließt, ist nicht deutlich geworden? Für mich sehr wohl: Grindelwald ist für eine freie Zauberschaft ohne »lästige« zurückdrängende Gesetze. Und sie als Hexe will einen No-Maj (Muggel) heiraten. Das geht nicht. Dieser Angst / Sorge nimmt sich der Schwarzmagier an & führt sie auf die »dunkle Seite«.Aber ich habe im Artikel nicht so ganz verstanden, wieso Yusuf etwas mit dem unbrechbaren Schwur zwischen Albus & Gellert zu tun haben soll? Mit der Bitte um Erklärung – vielen Dank vorab!
    • terraforma
      Stimme dem Autor zu: Ewig lange Gespräche, in denen Details der Potter-Welt rauskommen. Ist nur interessant, wenn man halt alles andere schon kennt und nach neuen Infos dürstet. Zudem ein klassischer Franchise-Film, alles wird verschoben auf die nächsten Teile, nicht genug Fokus darauf, die Geschichte eines Films zu erzählen - und das kann man auch innerhalb eines Universums durchaus...
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