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Unsere Kritik zu "Titans": So gut ist die neue DC-Serie auf Netflix
Von Julius Vietzen — 11.01.2019 um 15:00
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In den USA läuft „Titans“ auf dem Streaming-Dienst DC Universe, in Deutschland ist die DC-Serie ab heute auf Netflix zu sehen. In unserer Kritik verraten wir euch, wie uns die Abenteuer von Robin, Raven, Starfire und Beast Boy gefallen haben.

Netflix / Brooke Palmer / 2018 Warner Bros

Der erste Trailer zu „Titans“ versprach blutige Action und einen erwachsenen Tonfall, doch es wäre unfair, die erste DC-Universe-Serie, die in Deutschland auf Netflix zu sehen ist, darauf zu beschränken: Schon im Trailer ist nämlich die Rede von „inneren Dämonen“, auch wenn das zwischen gebrochenen Knochen und Robins berühmt-berüchtigtem „Fuck Batman“ ein wenig untergegangen ist. Und so nehmen die Figuren zwar wirklich kein Blatt vor den Mund und es gibt einige starke und knüppelharte Actionszenen. Doch vor allem ist „Titans“ eine größtenteils gelungene Auseinandersetzung mit der Frage, welche physischen und psychischen Auswirkungen so ein Superheldenleben auf die Figuren hat.

Darum geht’s in "Titans"

Dick Grayson alias Robin (Brenton Thwaites) hat sich von Batman abgewandt und arbeitet mittlerweile als Detective in Detroit. Hin und wieder schlüpft er jedoch immer noch in sein Robin-Kostüm, um Kriminelle auszuschalten, die er aufgrund mangelnder Beweise nicht einsperren kann. Eines Tages sitzt das Mädchen Rachel Roth (Teagan Croft) in einem Verhörzimmer vor ihm. Rachels Mutter Melissa (Sherilyn Fenn) wurde vor ihren Augen von einem Unbekannten (Jarreth J. Merz) erschossen. Die Tochter ist im Visier einer geheimnisvollen Organisation und wendet sich hilfesuchend an Dick, den sie aus einer Vision erkennt.

Unterdessen in Österreich: Eine Frau (Anna Diop) kommt in einem verunglückten Auto zu sich. Auf dem Fahrersitz neben ihr sitzt ein Toter und sie wird von einigen Männer gejagt, doch sie kann sich an nichts aus ihrer Vergangenheit erinnern. Bei der Spurensuche stellt sie fest, dass sie mehrere Sprachen spricht und Ausweise von unterschiedlichen Nationen besitzt. Die Frau findet schließlich ein Bild, das Rachel zeigt. Unter dem Namen Kory Anders bricht sie in Richtung USA auf, um das Mädchen zu finden.

Action, die wehtut

Schon mit der ersten Actionszene von „Titans“ setzen die Macher ein Ausrufezeichen: Robin verprügelt in einer Gasse zwei Gruppen von Gangstern, die sich zur Übergabe von in Teddybären versteckten Drogen getroffen haben. Blut spritzt, Knochen gehen zu Bruch, Menschen werden an Greifhaken durch die Gegend geschleudert, während Robin sich blitzschnell zwischen seinen Gegnern hin- und herbewegt und mit Rauchgranaten und Tränengas für Ablenkung sorgt. Die Actionszenen in „Titans“ – und davon gibt es einige, die hier beschriebene ist also längst nicht die einzige – sind jedoch nicht nur brutal, sondern auch stark choreographiert und gefilmt. Die Übersicht bleibt stets erhalten, auch weil die Darsteller viele Stunts und Kämpfe offensichtlich selbst durchgeführt haben (anders als etwa bei der ersten Staffel „Iron Fist“).

Doch die Macher verharmlosen die Gewalt in diesen Szenen nicht. „Titans“ ist keine Splatter-Serie, die mit Blutfontänen unterhalten soll. Egal Robin einem Gangster das Gesicht an den Resten einer zerbrochenen Autoscheibe aufschneidet (was vom Gewaltgrad dann fast an das Martial-Arts-Meisterwerk „The Raid“ erinnert) oder später ein anderer Gangster einen von Robins Batarangs ins Auge bekommt: Die Opfer schreien vor Schmerzen und sterben unter Qualen, während umstehende Figuren schockiert zusehen, so dass immer wieder unterstrichen wird, mit was für brutalen, fast unmenschlichen Methoden die Helden vorgehen.

Geschundene Körper, kaputte Seelen

Doch wie bereits einleitend geschrieben: Um die Action geht es in „Titans“ höchstens auf den ersten Blick. Es ist den Serienschöpfern, Arrowverse-Mastermind Greg Berlanti, Oscargewinner Akiva Goldsman („A Beautiful Mind“) und Comic-Guru Geoff Johns, offensichtlich ein Anliegen, zu erkunden, warum die Helden so brutal vorgehen. Gerade am Beispiel von Robin zeigen die Macher immer wieder, welche Auswirkungen ein Leben als maskierter Rächer hat. Und so werden dann nicht nur die geschundenen Körper der Helden ins Licht gerückt, sondern vor allem auch verdeutlicht, was für seelisch kaputte Typen das eigentlich sind.

Dick betont zum Beispiel immer wieder, dass er die Kontrolle verliert, wenn ihn der Kampfrausch packt, weswegen er Robin und sein Leben als Superheld hinter sich lassen möchte. Verantwortlich für sein kaputtes Leben macht er Bruce Wayne, der ihn nach dem Mord an seinen Eltern aufgenommen und zu einer Waffe ausgebildet hat, wie Dick es an einer Stelle formuliert. Gleichzeitig ist die Lossagung von Batman und seiner Heldenidentität Robin für Dick leichter gesagt als getan, denn als maskierter Rächer kann er eben auch die Verbrecher aus dem Verkehr ziehen, an die er als Polizist nicht rankommt.

Noch deutlicher wird das Hauptaugenmerk der Serie nur am Beispiel des Heldenpaares Hawk und Dove (stark und mit toller Chemie: Alan Ritchson und Minka Kelly), bei dem Robin und Rachel in der zweiten Folge Zuflucht suchen. Der alkoholabhängige Hawk hat nämlich nicht nur einen mit Narben übersäten Körper und zahlreiche Brüchen und Gehirnerschütterungen überstanden, auch das Sexleben von Hawk und Dove leidet unter ihrer Arbeit. Sie planen, die Kostüme nach einer letzten Mission endgültig an den Haken zu hängen, doch sie sind genauso süchtig nach dem Heldenleben wie Robin. Im weiteren Verlauf der Serie gibt es dann noch einige dramatische Enthüllungen über die Vergangenheit von Hawk und Dove, so dass am Schluss die Botschaft steht, dass im Grunde nur Menschen mit traumatischer Vergangenheit Superhelden werden – selbst Bruce Wayne ist ja erst durch den Tod seiner Eltern zu Batman geworden.

Batman & Robin

Der Dunkle Ritter tritt zwar nur in Rückblenden und Visionen auf und ist nie deutlich zu sehen, dennoch spielt er im Verlauf von „Titans“ eine wichtige Rolle. In der ersten Staffel geht es nämlich hauptsächlich um Robins schrittweise Emanzipation und seinen Konflikt mit seinem ehemaligen Mentor, der dann im etwas überhasteten und mit einem ziemlich abrupten Cliffhanger endenden Staffelfinale auch mit handfesten Mitteln ausgetragen wird.

Das hat allerdings zugleich den Nachteil, dass die anderen Titans ein wenig in den Hintergrund geraten. Gar Logan alias Beast Boy (Ryan Potter) stößt nicht nur als letzter zum Team, sondern ist für die Handlung im Grunde genommen völlig überflüssig. Und auch wenn sich der Plot eigentlich um Rachel dreht, die von Teagan Croft mit einer passenden Mischung aus Verletzlichkeit und Willensstärke angelegt wird, ist Robin doch ganz klar die Hauptfigur. Immerhin spielt sich Anna Diop als taffe, temperamentvolle Kory immer wieder in den Vordergrund, etwa wenn sie mit ihren feurigen Fähigkeiten den Tag rettet.

Teil einer großen Welt

Doch Batman und die bereits erwähnten Hawk und Dove sind längst nicht die einzigen bekannten Figuren, die in „Titans“ auftreten oder erwähnt werden. Die zahlreichen Flashbacks in Robins Vergangenheit, unzählige Anspielungen auf ein DC-Universum außerhalb der Serienhandlung und der Auftritt von Donna Troy alias Wonder Girl (Conor Leslie), die beiläufig von ihren Abenteuern mit Wonder Woman erzählt, sorgen dafür, dass sich „Titans“ wie ein Teil einer großen, lebendigen Welt voller Superhelden anfühlt – genauso muss das bei einer Comicadaption sein. Umso bemerkenswerter ist dieser Effekt, wenn man bedenkt, dass es außer „Titans“ noch gar keine andere Serie gibt, die im selben Universum spielt.

Doch das ändert sich demnächst: In der vierten Folge der ersten Staffel „Titans“ gibt es nämlich einen ersten, durchaus vielversprechenden Vorgeschmack auf die Doom Patrol, deren Abenteuer DC-Universe-Abonnenten in den USA ab dem 15. Februar 2019 verfolgen können. Auch diese Serie dürfte dann in Deutschland zu Netflix kommen, sobald alle Folgen auf DC Universe veröffentlicht wurden.

Schwankende Effektqualität

In den besten Momenten erinnert die lebendige Welt von „Titans“ also an das große, zusammenhängende Kino-Erzähluniversum vom Konkurrenten Marvel, das Marvel Cinematic Universe. Doch vor allem bei den visuellen Effekten ist der Unterschied zum Kino dann doch sehr auffällig. Die Computereffekte, die die Macher in „Titans“ präsentieren, sind stellenweise völlig indiskutabel – das kennen DC-Serienfans schon aus dem Arrowverse.

Korys Feuerstrahlen und Rachels mysteriöse Fähigkeiten sind zwar gut umgesetzt, doch bei Gars Tigergestalt ist der Unterschied zu einem Rocket aus „Guardians Of The Galaxy“ (oder auch dem Tiger aus „Life Of Pi“) gewaltig. Und auch viele Explosionen oder ein Autounfall aus dem Computer sehen komplett künstlich aus. Das ist vor allem angesichts der wuchtigen und handgemachten Action von „Titans“ schade.

Fazit

„Titans“ bietet einige starke, blutige Actionszenen, es wird sich vor allem aber kritisch mit den Auswirkungen der Gewalt und des Heldendaseins auf Täter und Opfer auseinandergesetzt. Die Serienschöpfer Greg Berlanti, Akiva Goldsman und Geoff Johns entwerfen eine lebendige DC-Welt, von der die Titans nur ein kleiner Teil zu sein scheinen. Mit elf 45-minütigen Folgen ist die DC-Serie trotzdem deutlich schlanker als Netflix-Marvel-Serien wie „Daredevil“ oder die Arrowverse-Serien, weswegen es relativ wenig Leerlauf gibt. Allerdings endet „Titans“ ziemlich abrupt, was wohl daran liegt, dass die ursprünglich vorgesehene zwölfte Episode gestrichen wurde. Angesichts der bereits angekündigten zweiten Staffel, in der diese gestrichene zwölfte Folge dann verwendet werden soll, sollte das aber verschmerzbar sein.

 

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