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Koste es, was es wolle: Das tut Netflix alles, damit "Roma" möglichst viele Oscars gewinnt
Von Tobias Tißen — 16.01.2019 um 19:30
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Zwei Doku-Oscars konnte Netflix in den vergangenen Jahren bereits holen. Doch nun will der Streaming-Dienst auch im Spielfilm-Segment so richtig angreifen – und legt sich dafür kräftig ins Zeug.

Netflix / AMPAS

2017 und 2018 ergatterte Netflix bereits jeweils einen Oscar: Zunächst erhielt „Die Weißhelme“ die Auszeichnung für den Besten Dokumentar-Kurzfilm, dann wurde „Ikarus“ zum Besten Dokumentarfilm ernannt. Darüber hinaus wurde im vergangenen Jahr mit „Mudbound“ zum ersten Mal ein von dem Streamingdienst vertriebener Spielfilm für den größten Filmpreis der Welt nominiert. Bei vier Nominierungen erhielt das Rassismus-Drama von Regisseurin Dee Rees jedoch keinen der begehrten Preise. Das soll sich in diesem Jahr ändern, Netflix will sich endlich auch im Spielfilm-Segment mit mindestens einem Oscar schmücken. Und so werden derzeit keine Kosten und Mühen gescheut, Alfonso Cuaróns („Gravity“) Schwarz-Weiß-Drama „Roma“ für die Verleihung am 24. Februar 2019 in Stellung zu bringen.

Grundvoraussetzung erfüllt

Mit der Kino-Auswertung von „Roma“ im Vorfeld der Online-Veröffentlichung hat Netflix die Grundvoraussetzung für Oscar-Nominierungen bereits erfüllt. Auch hierzulande kam der Film im Dezember 2018 für kurze Zeit in ausgewählte Lichtspielhäuser. Nun gilt es, die rund 7.000 Mitglieder der Academy Of Motion Picture Arts And Science davon zu überzeugen, dass der Film möglichst oft nominiert und anschließend natürlich ausgezeichnet wird – bestenfalls auch in der Hauptkategorie „Bester Film“. Um das zu erreichen, fahren die Studios für die Filme, bei denen sie sich die größten Gewinnchancen ausrechnen, umfangreiche Oscar-Kampagnen, um die Kandidaten anzupreisen. Das tut nun auch Netflix für „Roma“ – und zwar in einem Ausmaß, wie es Hollywood lange nicht mehr erlebt hat!

Die teuerste Kampagne seit 10 Jahren

Berichten der New York Times und Fast Company zufolge, soll Netflix nämlich 10 bis 20 Millionen Dollar auf den Tisch legen, um „Roma“ in Oscar-Stellung zu bringen. Manche Quellen sprechen sogar von noch höheren Zaheln. Damit ist es wohl die kostspieligste Kampagne seit beinahe einem Jahrzehnt: „Keine Frage, Netflix‘ ‚Roma‘-Kampagne ist die teuerste seit der zu ‚The Social Network‘ [erhielt 2011 drei Oscars], die mit 25 Millionen Dollar als teuerste aller Zeiten gilt“, zitiert Fast Company einen Fachmann für Marketing in Hollywood. „Netflix gibt nicht etwas mehr aus als alle anderen, sie investieren viele Millionen mehr“, habe ein weiterer Experte angegeben.

Doch was geschieht mit diesen Unsummen? Die New York Times gibt darauf Antworten. So seien überall in Hollywood Werbetafeln mit dem Gesicht der „Roma“-Hauptdarstellerin Yalitza Aparicio zu sehen, überall fänden derzeit „Roma“-Events statt, zu deren Moderatoren unter anderem Angelina Jolie, Charlize Theron und Diego Luna zählten, und zudem hätten viele Filmschaffende ein 175 Dollar teures Buch über den Film im Briefkasten gefunden. Darüber hinaus gab Netflix knapp 170.000 Dollar für einen zweiminütigen Werbespot während einer Ausgabe der Morningshow „CBS Sunday Morning“ aus. Verantwortlich für diese Lawine an „Roma“-Anpreisungen ist Lisa Taback, die als Schwergewicht im Bereich der Award-Kampagnen gilt. „Lisa dreht wirklich jeden Stein um“, erzählte der Verantwortliche eines großen Hollywood-Studios Fast Company, „ihr Budget muss wirklich riesig sein.“

Erfolg bei den Golden Globes

Eine ganz ähnliche, wenn auch längst nicht so teure und aufwendige Strategie soll Netflix bereits im Vorfeld der Golden Globes gefahren haben. Mit Erfolg: „Roma“ wurde dort als Bester nicht-englischsprachiger Film ausgezeichnet, Alfonso Cuarón nahm zudem die Trophäe für den Besten Regisseur mit nach Hause. Als Dankeschön hätten die rund 90 Mitglieder der Hollywood Foreign Press Association, die über die Globe-Gewinner entscheiden, ein Paket mit dunkler Schokolade, bereits erwähntem 175-Dollar-Buch, einem von Cuarón handsignierten „Roma“-Poster sowie einem persönlichen Dankesschreiben von Yalitza Aparicio erhalten.

Wie stehen die Oscar-Chancen?

Und die Chancen, dass „Roma“ bei den Academy Awards tatsächlich abräumt und Netflix sich bald mit den ersten Spielfilm-Oscars schmücken kann, stehen alles andere als schlecht. Zuletzt wurde das Drama bei den Critics‘ Choice Awards mit dem Hauptpreis geehrt. Diese gelten als einer der besten Indikatoren für die Oscarverleihung. Darüber hinaus erhielt „Roma“ dort auch die Preise für den Besten fremdsprachigen Film, die Beste Kameraarbeit sowie den Besten Regisseur.

Insgesamt ist „Roma“ der Film, der in der laufenden Award-Saison die meisten Preise mit nach Hause nehmen konnte, oftmals sogar als Bester Film. Netflix darf sich also auch berechtigte Hoffnungen auf die prestigeträchtigste Auszeichnung des gesamten Filmjahres machen. Und vielleicht sorgt der Streamingdienst damit sogar für ein Novum: Noch nie wurde bei den Academy Awards ein nicht-englischsprachiger Film als Bester Film ausgezeichnet.

Am 22. Januar 2019 werden die Oscar-Nominierungen offiziell bekanntgegeben. Dann werden wir endgültig wissen, in wie vielen Kategorien Netflix und „Roma“ ins Rennen gehen werden. Und nach der am 24. Februar stattfindenden Verleihung steht dann endgültig fest, ob sich die enormen Investitionen ausgezahlt haben.

 

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