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    "Maria Stuart": Regisseurin musste für Oralsex und Regelblutung kämpfen
    Von Tobias Mayer — 18.01.2019 um 15:00
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    Manche Normalität, die Frauenkörper betrifft, wird in vielen Filmen tabuisiert. Josie Rourke, die Regisseurin von „Maria Stuart“, erzählte nun von einem Konflikt mit ihren Produzenten: Periode und Oralsex wollten die nicht im Historien-Drama haben.

    Universal Pictures

    Es ist kompliziert: Die schottische Königin Maria Stuart (Saoirse Ronan) und die englische Königin Elisabeth I (Margot Robbie) mögen sich, sind aber gleichzeitig auch Rivalinnen – und vor allem im 16. Jahrhundert, wo „Maria Stuart, Königin von Schottland“ spielt, geht Politik nun mal vor Freundschaft. Dieser vielschichtige Konflikt ist der Stoff, aus dem Regisseurin Josie Rourke, die vorher ausschließlich am Theater arbeitete, ein Historien-Drama voller Machtspiele inszeniert (bei dem Maria Stuart, was jetzt nur für Leute ohne Geschichtskenntnisse ein Spoiler ist, am Ende ihren Kopf verliert).

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "Maria Stuart, Königin von Schottland"

    Die Regisseurin zeigt in „Maria Stuart“ Frauen, die in hoher Position um Macht kämpfen – und möchte die Königin dabei so normal darstellen, wie es halt geht in einer historischen Geschichte, in der die Herrscherinnen ständig royale Kleidung, Frisuren und Make-up tragen. Sie will, so sagt sie, nicht einfach nur starke Frauen zeigen, die um Einfluss und das Recht am eigenen Körper eintreten, sondern Frauen, die trotzdem auch verwundbar sind und manchmal nicht wissen, was sie machen sollen.

    Zu dieser Normalität gehörte auch eine Szene, in der Maria zu sehen ist, wie sie ihre Regelblutung hat und eine andere, in der sie oral befriedigt wird. Beide Szenen wollten die Produzenten aber nicht im Film haben, schreibt der Guardian. Für beide Szenen musste Josie Rourke – erfolgreich – kämpfen.

    "Period in a period movie"

    Josie Rourke bringt den Konflikt in einem Zitat auf den Punkt, das im Englischen ein schönes Wortspiel enthält: I was fighting for a period in a period movie. Übersetzt (und damit leider ohne Wortspiel): „Ich kämpfte dafür, eine Periode in einem Historienfilm zeigen zu können.“ Und weiter: „Das waren aufschlussreiche Diskussionen über Frauenkörper, weibliche Sexualität und was sie ausmacht, und den Körper einer Königin als Politikum. Ich dachte, das sei etwas, was ich nie zuvor gesehen hatte, was ich einfach wirklich zeigen wollte. Nicht viele Frauen wissen, wie es sich anfühlt, eine Königin von Europa zu sein – aber wir wissen sehr wohl, wie es sich anfühlt, für die Rechte unser Körper zu kämpfen.“

    Die Regisseurin sieht „Maria Stuart, Königin von Schottland“ als Beitrag zur Normalisierung (ihr könnt ja mal kurz überlegen, wie viele Filme euch spontan einfallen, in der über die Regel gesprochen oder sie gezeigt wird). „Wir müssen diese Sache zeigen. Sie braucht Normalisierung. Ein Journalist fragte mich, wie schwer es war, die Szene zu drehen, in der Mary ihre Periode hat, und meine Antwort war: ‚Überhaupt nicht schwer!‘ Beim Dreh waren sechs Frauen im Raum, und es war wahrscheinlich die eine Sache, die sich so sehr wie von selbst drehte wie keine andere. Aber Leute flippen immer noch deswegen aus.“

    Normal oral

    Für die Szene, in der Maria von ihrem Prinzgemahl Darnley (Jack Lowden, „Dunkirk“) oral befriedigt wird, gilt das Gleiche wie für die Szene mit der Periode: Josie Rourke wollte, dass der Sex möglichst echt und damit normal aussieht. Dabei half der Tanz-Choreograph Wayne McGregor, der auf Bühnen und an Filmen arbeitet (darunter jüngst „Phantastische Tierwesen 2: Grindelwalds Verbrechen“ und „Legend of Tarzan“). „Ich glaube, ich habe noch nie eine Sex-Szene ohne einen Bewegungsregisseur gemacht, noch nie, ohne den Sex wie eine Choreographie zu behandeln. Ich hoffe, die Sex-Szenen fühlen sich echt und lebendig an. In einer Sprache der Bewegung zu denken hilft dabei, Peinlichkeit, Unwohlsein und Scham zu verhindern.“

    „Maria Stuart, Königin von Schottland“ ist am 17. Januar 2019 in den deutschen Kinos gestartet.

     

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    Kommentare
    • unimog_andi
      Interessant, was sich hier die Deppen als Beleidigung ausdenken ...
    • Deliah C. Darhk
      Es gab hier mal ein.Special mit der Lautschrift schwieriger Namen.SR war auch dabei.Fand ich ganz hilfreich (und habe mir trotzdem nix gemerkt).
    • OzzieCobblepot
      Warum der Post noch da ist, ist mir ein Rätsel.
    • WhiteNightFalcon
      Wenn du wüsstest, was man in ner Disco so alles anstellen kann. 😇Gelegenheit macht.... 😎 naja lassen wir das, ist ja ein Maria Stuart Bericht.
    • WhiteNightFalcon
      Erstaunlich, wieviel Berichte Maria Stuart so bekommt und ein gewisses Kindermädchen geht weiter leer aus. #MaryPoppins.
    • WhiteNightFalcon
      Zumal genau das bei Carrie sogar erst der Auslöser für die Handlung ist. Mit Eintreten der ersten Periode treten ihre übersinnlichen Fähigkeiten ja überhaupt erst zu Tage.
    • Deliah C. Darhk
      XDNein, war nicht auf den Lümmel bezogen.Muss ich noch mal sehen. War zu hacke, um mich zu erinnern.In Keinohrhasen wird es noch sehr gut umgesetzt.Erst leckt Ludo sie in den Schlaf. Dann holt er sich Rat bei den zwei Frauen und dann klappt es richtig gut.Allerdings wird Letzteres dann wieder aus Ludos Macho-Sicht erzählt, und wie er sich als Held fühlt, weil es der Frau gefällt.
    • Deliah C. Darhk
      Was heisst genug? Halte mal die Zahl der Filme dagegen, die sich auf die männliche Variante beschränken, und da sind teils echte BJ gezeigt worden, wie in Romance, Intimacy, Teufel im Leib und Brown Bunny.Bound mit Charisma Carpenter fällt mir noch für die weibliche Oralbefriedigung ein.In diesem Asylum-Streifen wird das erstaunlicher Weise sogar relativ authentisch dargestellt und die weibliche Empfindung in den Vordergrund gestellt, während bei Scouts z. B. der Anschein erweckt wird, sie täte es, um dem Kerl einen Gefallen zu tun.Eine wirkliche Auseinandersetzung findet da nicht mit der weiblichen Sexualität statt. Während in 'In the cut' die Frau hör- und sichtbar schluckt, wird aber mW in keinem der von Dir genannten Filme auch mal die weibliche Ejakulation thematisiert.Doch, finde ich sehr einseitig kommuniziert.
    • TheodorEisenfaust
      Häh. Deine Aussage: Was tatsächlich bislang sehr einseitig kommuniziert wurde sind orale Befriedigungen bei Frauen. Ich zähle genug Beispiele auf, wo im Mainstream die orale Befriedigung der Frau thematisiert wird! Und dann kommt nichts, rein gar nichts von dir, weil dir nichts davon spontan eingefallen ist?
    • Gravur51
      Blieb einfach hängen... Wie meinst du das jetzt? ;) mir fällt noch blau ist eine warme Farbe ein.
    • Deliah C. Darhk
      Deine Disko-Erfahrungen scheinen mir arg eingeschränkt und recht langweilig zu sein.Aber Danke für den Post. Können wir bei deinem letzten Satz gleich mal testen, ob FS tatsächlich löscht. In der Vergangenheit wurden ja sogar gemeldete Beleidigungen teils stehen gelassen.
    • Deliah C. Darhk
      GoT sehe ich ja nicht.Die anderen habe ich fast alle zu Hause. Ist mir dennoch keiner spontan eingefallen.Obwohl es nicht wirklich passt, musste ich total fixiert an 'Short bus' denken, die Szene wo der Mann sich selbst trompetet und in sein Gesicht abschliesst.Das war so abgefahren ... Blieb einfach hängen.
    • Darklight ..
      Mmmhh...also... ich möchte gerade das Thema aus verständlichen Gründen nicht weiter vertiefen, aber wenn es in irgendeiner Form im Film Sinn macht, dann macht mal... Oralverkehr bei Frauen iss tatsächlich eher selten in Filmen. Warum da Widerstand aufkam, iss schon komisch. Na, ja... ich überlege den Streifen tatsächlich zu gucken. Ich mag diesen Historienkrams und vor allem diese wunderbare Schauspielerin mit dem unaussprechlichen Namen...; )
    • unimog_andi
      Warum wird Maria eigentlich nicht auf dem Donnerbalken gezeigt?Frauen kacken ebenso wie Männer = Gleichberechtigung.Männer haben keine Periode = ???
    • unimog_andi
      Ich warte auf Historienfilme, in denen Ritter mal echt kacken, so mit richtig Dünnschiß ...nur um zu sehen, wie schnell sie im Notfall aus der Rüstung kommen.
    • unimog_andi
      Für die Szene, in der Maria von ihrem Prinzgemahl Darnley (Jack Lowden, „Dunkirk“) oral befriedigt wird, gilt das Gleiche wie für die Szene mit der Periode: Josie Rourke wollte, dass der Sex möglichst echt und damit normal aussieht.Dabei half der Tanz-Choreograph Wayne McGregor,MuhahahahahahahahahahahahahahahahahaAls ob ....Irgendeine schon mal in der Disko Zungenspiele auf der Tanzfläche gesehen?Pornhub wäre billiger und echter gewesen.Weiber - einfach zu blöd.
    • Gravur51
      Beeeewbs.
    • TheodorEisenfaust
      orale Befriedigung bei Frauen (ausgeübt von Männern)Game of Thrones, Missandei mag den grauen Wurm, Jon Snow liebt Wildlingshöhlen (Ju no nothin jon sno,uuuhhh,, ooohhhh) Pour EllePulp FictionGone GirlThe CounselorBlue ValentineA History of Violence40 Days and 40 Nights
    • Jimmy v
      https://www.bbc.com/news/ma...Doch, die Minderheit gab es schon und entwickelte sich in der Tudor-Zeit. Ich habe dazu selbst eine Ausstellung besucht. Erst später wurden Sklaven aus den Kolonien geholt.Der Punkt hier ist ja - ähnlich wie dein Beispiel mit Vikings - das man aus diesem Sonderfall jetzt total abdreht und eben eine Figur mit so einem Hintergrund zu einem politischen Berater von hohem Rang stilisiert.
    • Deliah C. Darhk
      ihr könnt ja mal kurz überlegen, wie viele Filme euch spontan einfallen, in der über die Regel gesprochen oder sie gezeigt wirdEhrlich gesagt frage ich mich viel eher, in wie vielen Filmen es überhaupt Sinn machen würde.Aber gut. Da wo es Sinn macht wurde es meiner Erfahrung nach auch thematisiert, sind aber eher Nischenfilme und Serien.Was tatsächlich bislang sehr einseitig kommuniziert wurde sind orale Befriedigungen bei Frauen. Da fällt mir spontan neben einem alten Soft Sxfilmchen über Katharina die Grosse tatsächlich nur noch American Pie und Scouts vs Zombies ein, beides aber eher wg der Lacher.(Scouts thematisiert btw auch die Periode.)
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