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"Glass": Darum funktioniert das Ende einfach nicht!
Von Christoph Petersen — 20.01.2019 um 16:03
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„Glass“ endet – typisch M. Night Shyamalan – natürlich wieder mit einem Twist. Der haut einen diesmal zwar nicht um, aber was solls. Mein Problem mit dem „Glass“-Finale hat mit zwei ganz anderen Dingen zu tun.

Disney

+++ MEINUNG +++

Man hätte nach der Überschrift durchaus auch selbst darauf kommen können, aber hier trotzdem noch mal für alle: Achtung, in diesem Artikel wird das Ende von „Glass“ verraten.

Es gibt also eine Geheimgesellschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Superhelden und Superbösewichte auszulöschen, bevor die Bevölkerung überhaupt mitbekommt, dass da tatsächlich Comic-Helden unter uns Normalsterblichen wandeln. Denn wenn das rauskommt, könnte ja sonst was passieren! Dieser „Glass“-Twist hat zwar lediglich das solide Niveau eines durchschnittlichen „Twilight Zone“- oder „Black Mirror“-Finales und vom Mastermind hinter „The Sixths Sense“, „Unbreakable“ sowie „The Village“ hätten wir uns schon mehr erwartet – aber man kann nun mal selbst von einem M. Night Shyamalan nicht verlangen, dass er die legendären, alles auf den Kopf stellenden Mega-Twists mit der Zuverlässigkeit eines Schweizer Uhrwerks ausspuckt. Also Schwamm drüber.

Aber aus zwei Gründen bin ich trotzdem nicht mit dem Finale von „Glass“ einverstanden – und die sind viel mehr als der semi-tolle Twist der Auslöser dafür, warum ich den Kinosaal, nachdem mich die erste Hälfte des Films gehypt hat, schließlich mit einem Gefühl der Enttäuschung verlassen habe: Bei einem der Gründe geht es um die Figuren und warum sie mir an der Stelle einfach nichts bedeuten. Beim anderen geht es um ein zentrales Element, das ich einfach null glaubhaft finde, weshalb es mich wenige Sekunden vor dem Abspann völlig aus dem Film herausgerissen hat.

Das falsche Trio

„Glass“ ist der Abschluss einer Trilogie über den Superhelden David Dunn (Bruce Willis), den Superbösewicht Kevin Wendell Crumb (James McAvoy) und das alles kontrollierende Mastermind Elija Prince (Samuel L. Jackson). Und ich halte M. Night Shyamalan absolut zu Gute, dass er den Mumm hat, seine drei Protagonisten schon vor dem endgültigen Finale abzumurksen. Nur hat er es zuvor leider verpasst, das Ersatz-Trio angemessen aufzubauen – und so könnten mir Dunns Sohn Joseph (Spencer Treat Clark), Crumbs Fangirl Casey (Anya Taylor-Joy) und die Mutter von Mr. Glass (Charlayne Woodard) in den finalen Szenen egaler kaum sein. Wenn der Film plötzlich sein ganzes emotionales Gewicht auf ihre Schultern packt, knicken sie darunter ein wie Streichhölzer.

Zumindest zu Joseph hat man ja, gerade als „Unbreakable“-Fan, zumindest eine gewisse Verbindung, auch weil es einfach cool ist, den Kinderstar Spencer Treat Clark in „Glass“ 18 Jahre später mal wieder in einer großen Rolle auf der Leinwand zu sehen und zudem auch altes, damals nicht verwendetes Material mit ihm vorkommt. Aber was bitte passiert hier mit Anya Taylor-Joys Casey? Nach ihrer coolen Rolle in „Split“ bekommt sie hier schlicht gar nichts zu tun. Sie ist halt da – das war‘s. Und auch die Einführung von Mrs. Prince erfüllt – einiger gelungener konspirativer Momente mit ihrem Sohn zum Trotz – einfach nicht den Zweck, dass man ihr am Ende unbedingt alle Daumen drückt. Ganz abgesehen vom Plot hat mich das Ende also allein schon deshalb kaltgelassen, weil ich plötzlich mit dem für mich falschen Trio mitfühlen sollte.

So funktioniert YouTube einfach nicht

Nach dem zwischenzeitigen Bad End, bei dem die Anti-Superhelden-Gesellschaft die drei Protagonisten eliminiert hat, gibt es ganz zum Schluss noch einen Twist, der offenbart, dass Mr. Glass das alles längst durchschaute und seinen eigenen Plan in Gang setzte. Die Rückblende, in der man sieht, welche Maßnahmen er einleitete, um Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson) und ihre Mitstreiter zu täuschen, bietet zwar kaum echte Überraschungen, aber das eigentliche Problem ist, dass der Film einfach so über den Umstand hinweggeht, dass dieser Plan im wahren Leben nie und nimmer funktionieren würde.

Wenn Joseph, Casey und Mrs. Price am Bahnhof sitzen, bekommen sie mit, wie plötzlich viele Menschen um sie herum ungläubig auf ihre Handy-Bildschirme starren. Das von Mr. Glass hochgeladene Video-Beweismaterial ist also bei den Massen angekommen – und die Existenz von Superhelden ein für alle Mal bewiesen. Aber mal ganz ehrlich: Was würde wohl passieren, wenn heute jemand echte Videos von Superhelden und ihren Taten auf YouTube hochladen würde? Genau, gar nichts. Selbst wenn sie viral gehen würden, würde niemand auch nur für eine Sekunde glauben, dass sie echt sind. Es gibt schließlich etliche Kanäle, deren Konzept es ist, mit Videotricks möglichst abgefahrene und echt wirkende Kunststücke hochzuladen.

In der realen Welt würden alle nur einen kurzen Blick auf ein solches Video werfen, vielleicht noch anerkennend die Augenbrauen hochziehen ob der vermeintlich gelungenen Spezialeffekte – und dann direkt zum nächsten Katzenvideo wischen. Das wäre übrigens auch ein besseres, glaubhafteres und wirklich niederschmetterndes Finale für „Glass“ gewesen.

„Glass“ läuft seit dem 17. Januar in den deutschen Kinos.

Die FILMSTARTS-Kritik zu "Glass"

 

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