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    Diese Oscarnominierung sorgt für eine riesige Kontroverse
    Von Markus Trutt — 23.01.2019 um 17:05
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    Auch 2019 werden die Oscarnominierungen erneut wegen der sträflichen Vernachlässigung weiblicher Filmschaffender kritisiert. Doch die Nominierung für den Kurzfilm „Detainment“ sorgt aktuell für mindestens genauso viel Aufsehen.

    Twelve Media / Academy Of Motion Picture Arts And Sciences

    Die Nominierungen für die Oscarverleihung 2019 wurden gerade erst bekanntgegeben, doch schon jetzt werden allerlei empörte Stimmen zum diesjährigen Kandidatenfeld für den begehrten Filmpreis laut – und das nicht nur wegen der geringen Anzahl an nominierten Frauen in den Hauptkategorien. Für viel Diskussion im Netz sorgt nun nämlich auch die Nominierung der irischen Produktion „Detainment“ in der Kategorie Bester Kurzfilm, worüber vor allem die Mutter des britischen James Bulgar fassungslos ist, dessen Ermordung darin im Zentrum steht.

    Das steckt hinter "Detainment"

    Im Jahr 1993 wurde der gerade mal zweijährige James Bulgar von zwei zehn Jahre alten Jungs entführt und ermordet, die daraufhin zur Mindesthaftstrafe von acht Jahren verurteilt wurden. Den aufsehenerregenden Fall hat der irische Filmemacher Vincent Lambe in „Detainment“ dramatisch aufbereitet, wobei er vor allem die damaligen Polizeiverhöre auf Grundlage der originalen Transkripte mit Jungschauspielern nachgestellt hat und dabei auch die menschliche Seite der beiden jungen Täter Jon Venables und Robert Thompson zeigt. Schon nach der Weltpremiere des rund halbstündigen Werks bei den Filmfestspielen von Cannes 2018 dauerte es nicht lange, bis sich Bulgars Mutter Denise Fergus, deren Familie vorher nichts über das Projekt wusste, empört zu Wort meldete.

    Dafür, dass er die Angehörigen zuvor nicht über seinen Film informiert hatte und dieser bei ihnen für Unmut sorgt, entschuldigte sich Regisseur Lambe später, betonte jedoch, dass er ihnen damit keinesfalls mehr Kummer bereiten wollte. Stattdessen sei es ihm wichtig gewesen zu zeigen, was Venables und Thompson zu ihrem schrecklichen Verbrechen getrieben hat. Nur wenn man die Ursachen dafür verstünde, könne man laut Lambe ähnliche Fälle in der Zukunft verhindern.

    Die Reaktion der Mutter

    Trotz Lambes Worten hat sich Denise Fergus immer wieder gegen „Detainment“ stark gemacht und zuletzt etwa auch eine Petition ins Leben gerufen, in der sie die Academy aufforderte, von einer Oscarnominierung abzusehen. Trotz der rund 90.000 Unterstützer konnte sie das nun allerdings nicht verhindern, was für sie das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Nachdem die Nominierungen verkündet wurden, erklärte sie in einem Statement auf Twitter, dass sie kaum in Worte fassen könne, wie angewidert und aufgebracht sie über die Entscheidung sei:

    „Es ist eine Sache, einen solchen Film zu machen, ohne James’ Familie zu kontaktieren oder um Erlaubnis zu fragen, aber eine ganz andere, ein Kind die letzten Stunden in James’ Leben nachstellen zu lassen, bevor er brutal ermordet wurde, und damit mich und meine Familie das alles noch einmal durchleben zu lassen“, kritisiert Fergus weiter.

    Ob diese Worte allerdings im Nachhinein noch etwas bewirken, darf bezweifelt werden. Auch Fergus selbst scheint sich mit der Nominierung am Schluss ihres Tweets abgefunden zu haben, hofft nun aber, dass „Detainment“ den Preis am Ende zumindest nicht gewinnt. Ob dieser Wunsch erhört wird, erfahren wir dann bei der Oscarverleihung selbst, die am 24. Februar 2019 stattfindet.

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    Kommentare
    • Matthias@VorfreudeaufFilm
      Ich hoffe, Du bist noch jung und wirst noch reifer.
    • Charlotte Marquand
      Naja nicht wundern, dass die Leute wegen solchen Filmen heutzutage ausrasten. Immerhin ist es mittlerweile sogar schon ein Problem wenn Brian Cranston als nicht Gehbehinderten einen Tetraplegiker spielt. Kunst und Realität werden mittlerweile dermaßen vermischt, dass eine Trennung nicht mehr möglich ist. Und in diesem Fall versteht man es sogar einigermaßen. Ist es verboten? Nein. Ist es pietätlos? Defintiiv!Und wegen der Vernachlässigign der Frauen. Es müssen halt mehr Mädels in der Branche arbeiten dann gibt's auch mehr Nominierungen. Es hält mich niemand davon ab eine FIlmschule zu besuchen, eine Kamera in die Hand zu nehmen oder Drehbücher zu schreiben. Das weibliche Geschlecht ist ebenso wie das männliche kein Freifahrtschein auch wenn das manche anscheinend gerne hätten.
    • Luthien's Ent
      Ich weiß auch wirklich nicht, warum unbedingt alle noch so grausamen Kriminalfälle unbedingt verfilmt werden müssen. Oh doch, die Geilheit so vieler nach diesem abgrundtief Dunklen im Menschen. Ich finde es abartig genug, den Wiki-Artikel darüber zu lesen. Mehr Aufmerksamkeit verdienen diese und alle anderen Mörder aber wahrlich nicht. Und doch gibt es immer wieder Filmemacher, die sie ihnen gewähren. Ich finde das abstoßend.
    • André McFly
      Ob sich alle, die sich hier empören, auch darüber beschweren, wenn im nächsten Tarantino Film Charles Mansons auftritt? Wohl kaum. Und die Dame hat bestimmt selbst schon Filme gesehen, die auf wahren Begebenheiten basierten, wo die Dargestellten auch kein Mitspracherecht hatten. Natürlich ist das schlimm, was ihre Familie durchmachen musste, aber dann muss sie auch konsequent sein gegen alle Filme dieser Art. Denn wenn dem nicht so ist, sehe ich hier nur Heuchlerei.
    • Matthias@VorfreudeaufFilm
      Einfach nur traurig. Menschlichkeit geht vielen Menschen total ab.
    • Cirby
      Es wird doch häufig über irgendwelche Verbechen Filmmaterial produziert, wo die wahre Welt als Ideenquelle und manchmal sogar als 1:1 Vorlage dient. So doch auch bei Werk ohne Autor, wo sich der Künstler, über dessen Leben eindeutig berichtet wird, öffentlich beschwerte. Und ein totes Kind hat keine Rechte mehr.
    • Heiligertrinker
      Die Oscar Academy arbeitet emsig an ihrer Abschaffung.
    • RocketSwitch
      Ich wusste gar nicht, dass so was erlaubt ist? Gibt's da nicht so was wie das Persönlichkeitsrecht?Ich bin sprachlos 😶
    • isom
      Menschliche Seite ?!? Diese Bastarde haben keine menschliche Seite ,ich kann die Mutter absolut nachvollziehen ,mag sein ,das man es verstehen muss ,um zukünftige Verbrechen dieser Art verhindern zu können ,aber viele verstehen nicht ,dass manche ohne Grund grausam sind .
    • Deliah C. Darhk
      Ich verstehe die Mutter sehr gut. :'-(
    • Sentenza93
      ...zu ihrem schrecklichen Verbrechen getrieben hat...Das macht es nicht besser. Die beiden haben ein Baby (!) ermordet. Selbst wenn die nur 10 Jahre alt waren, die sollten ewig weggesperrt werden.Ich kann die Mutter absolut verstehen.Vor allem, dass sie vorher nicht über die Doku informiert wurde.
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