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    Ohne Johnny Depp: Darum ist ein Reboot in „Fluch der Karibik 6“ die richtige Entscheidung

    Sat.1 zeigt heute Abend um 20.15 Uhr „Pirates Of The Caribbean - Fremde Gezeiten“, den 4. Teil der Piratensaga „Fluch der Karibik“. Im angekündigten „Fluch der Karibik 6“ soll es dann erstmals ohne Johnny Depp weitergehen – und das ist auch gut so.

    Buena Vista International

    Johnny Depps Captain Jack Sparrow wird womöglich nicht in „Fluch der Karibik 6“ auftreten. Hollywoodstar Depp, der für sein Erscheinen in den Piratenabenteuern von Studio Disney mit einem Topf voll Gold entlohnt wurde, wird im nächsten Ableger der Reihe wohl nicht mehr in einer Hauptrolle zu sehen sein. Und das wurde auch Zeit, finde ich.

    --- Meinung ---

    Eines vorweg: Ich habe nichts gegen Jack Sparrow oder gar Johnny Depps Schauspiel, im Gegenteil. Die Szene, in der der chaotische Kajal-Korsar im ersten Teil der Reihe eingeführt wird, zählt für mich zu den besten Blockbuster-Szenen aller Zeiten und steht locker auf einem Level mit Indiana Jones‘ ikonischem ersten Auftritt in „Jäger des verlorenen Schatzes“. In einer Einstellung und ohne, dass ein einziges Wort gesprochen wird, erfährt der Zuschauer alles, was er über Jack Sparrow wissen muss. Mit stolz geschwellter Brust und zum unmittelbar legendären Soundtrack von Hans Zimmer fährt der Pirat allein und auf einem sinkenden Schiff in den Hafen von Port Royal ein, sein Gesicht glänzt im Sonnenschein, den Blick gen Horizont gerichtet, in freudiger Erwartung eines neuen Abenteuers. Das ist ein fantastischer Kino-Moment, der mit der Mischung aus urkomischer Scheißegal-Attitüde und Pathos in Depps Spiel die Figur perfekt umreißt und einen Vorgeschmack darauf gibt, was den Zuschauer in den folgenden 130 Minuten erwartet.

    Walt Disney Pictures

    Der langsame Untergang des Jack Sparrow

    Fünf Filme später ist aus der Figur des kultigen Piraten aber leider endgültig die Luft raus. Disney scheint vergessen zu haben, was Jack Sparrow in erster Linie interessant gemacht hat und präsentiert spätestens seit Teil vier nur noch Stangenware, bei der man zusehen kann, wie auf der Leinwand das Geld verbrannt wird. Trotz unbestreitbaren Talents hinter der Kamera (Rob Marshall inszenierte Teil vier und das oscarnominierte Regieduo Sandberg und Rønning war für „Fluch der Karibik 5: Salazars Rache“ verantwortlich) erreicht keine der Fortsetzung den genialen Tonfall des phänomenalen Erstlings von Gore Verbinski.

    Und das liegt vor allem am zunehmenden Fokus auf die populärste Figur der Reihe. Jack Sparrow funktioniert perfekt als ein undurchschaubares Element des Chaos, das in das ruhige Leben eines ahnungslosen Helden eindringt. Seine Motivation, nämlich die Wiedervereinigung mit seinem geliebten Schiff, der Black Pearl, ist simpel, aber nachvollziehbar und im Kern egoistisch, was sie perfekt macht für eine Figur mit flexibler Loyalität, die in erster Linie dazu da ist, das Publikum zu unterhalten und zu überraschen.

    Mit Einfachheit ans Ziel

    Diese Simplizität ist es aber, die der Reihe in den Fortsetzungen immer mehr abging. Sparrow wurde von einer Nebenfigur zur Hauptfigur befördert und auch wenn Sparrows Ziele weitestgehend dieselben blieben, so wurde der eigentliche Plot der Sequels immer stärker von diesen losgelöst. Die Stärke der Figur liegt aber darin, dass sie als gleichberechtigtes Gegengewicht zur eigentlichen Hauptfigur existiert und so einer eigentlich ganz normalen Heldengeschichte einen einzigartigen Spin verleiht. Orlando Bloom war im ersten Teil noch eindeutig der Held, rückte in den Fortsetzungen aber immer weiter in den Hintergrund und überließ Depp und seinem Jack Sparrow zunehmend die Bühne. Ein zu starker Fokus auf Depp nimmt seiner Figur aber ihre Aura der Unberechenbarkeit. Erneut als Sidekick kann der Pirat jedoch inzwischen auch nicht mehr funktionieren, denn von etwaigen neuen Figuren im Zentrum lenkt er aufgrund seiner Popularität nur ab. So geschehen in Teil vier, wo sich für die Geschichte des Missionars (Sam Claflin) ja auch niemand wirklich interessiert hat.

    The Walt Disney Company France

    Außerdem wirken die kontinuierlichen Auftritte von Sparrows früheren Weggefährten zunehmend konstruiert, alles nur, damit sich Sparrows Abenteuer immer und immer wiederholen können. Und wirklich überrascht ist von Depps eigenartiger Performance nach so langer Zeit mit dem flamboyanten Freibeuter auch niemand mehr – Es hat einen Grund, warum die meisten Punkrock-Songs nicht länger als drei Minuten laufen.

    Es gab auch vor Johnny Depp schon „Fluch der Karibik“

    Es ist also höchste Eisenbahn, einen Reboot mit komplett neuen Figuren zu versuchen. Immerhin ist die Welt mit modernen Piratenfilmen nicht gerade übersättigt und die Marke immer noch stark. Auch wenn Depps Jack Sparrow die Galionsfigur der Reihe ist, das Franchise kann auch ohne ihn bestehen. Inspiriert wurde „Fluch der Karibik“ ja bekanntlich von der „Pirates Of The Caribbean“-Tour in Disneyland, die in den 90er Jahren auch schon Ron Gilbert und Tim Schafer zu ihrem Videospiel-Klassiker „Monkey Island“ inspirierte. Es existieren also bereits mehrere Geschichten und Figuren mit derselben Vorlage, welchen Unterschied machen ein paar mehr?

    Man sollte sich bei einem Neuanfang ganz einfach auf die Stärken des ersten Films besinnen: Eine simple, als einzelne Geschichte angelegte Handlung mit originellen Figuren und klaren Motivationen, ein blockbuster-typisches, aber nicht unnötig aufgeblasenes Budget, gut aufgelegte Charakterschaupieler in den Nebenrollen, ein fetter, piratiger Soundtrack und Action mit Anleihen bei Errol Flynn statt Michael Bay. Die sieben Weltmeere sind schließlich groß genug für mehr als einen Kult-Piraten.

     

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