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Neuer Streamingdienst soll größte Lücke von Netflix und Co. schließen
Von Björn Becher — 18.02.2019 um 19:30
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Wer Streamingdienste nutzt, weiß, dass das Klassikerangebot bei Netflix, Amazon Prime und Co. mehr als überschaubar ist. In diese Lücke stößt nun LaCinetek – mit einer von Regisseuren kuratieren Auswahl an Filmen. Die Idee ist gut, aber…

Lucasfilm / StudioCanal / Sony Pictures

In Frankreich wurde LaCinetek schon 2015 gegründet, nun gibt es den Dienst seit Sonntag, dem 10. Februar 2019, auch in Deutschland. Das Besondere an dem nächsten von so vielen Streaming-Diensten ist, dass es hier vor allem um Filmklassiker geht. Und über 60 renommierte Regisseure haben die Auswahl getroffen.

So funktioniert der LaCinetek-Kanon

Um eine Art von Kanon an Filmen zu erstellen, die auf der neuen Streaming-Plattform verfügbar sind, listen verschiedenste Filmemacher jeweils 50 Filme auf (Lieblinge oder Sachen, die sie sonst geprägt haben). Diese Filme werden dann Teil einer Gesamtliste von Titeln, die man auf LaCinetek anbieten will (aber nicht unbedingt auch anbieten kann – dazu später mehr). Die Werke stammen dabei vom Anbeginn des Kinos bis einschließlich ins Jahr 2000, neuere Filme dürfen nicht gewählt werden. Mehr als 60 verschiedene Regisseurinnen und Regisseure, darunter Namen wie Park Chan-wook („Oldboy“), Maren Ade („Toni Erdmann“), Christoph Hochhäusler („Falscher Bekenner“), Christian Petzold („Barbara“), John Woo („The Killer“) oder Wim Wenders („Der Himmel über Berlin“) haben sich bislang beteiligt. Jeden Monat soll ein weiterer Filmemacher dazu stoßen und eine Liste von 50 Filmen mitbringen, die dann (sofern noch nicht vorhanden) ins Archiv aufgenommen werden.

Dass der Regisseur als Auteur hier im Mittelpunkt steht, macht schon der Aufbau der Seite deutlich. Filme sucht man nicht via Filter nach Genre, sondern entweder nach Jahrzehnt und Land oder eben nach RegisseurInnen. Die unserer Meinung nach sinnvollste Übersicht der verfügbaren Filme ist so direkt hinter dem Menü-Punkt „Die Filmklassiker“ auch die (alphabetische) Sortierung nach Regisseuren. Doch hier steckt aktuell noch das Problem…

Große Namen, wenig Filme

Neun Filme von Martin Scorsese, zehn von Steven Spielberg oder (wer weiter in der Filmgeschichte zurückgehen will) sieben Werke von Raoul Walsh, gleich 13 Filme von Howard Hawks oder sogar 15 Filme von Ernst Lubitsch sind hier gelistet – alle, weil sie auf den 50er-Listen eines oder mehrerer der Filmemacher stehen. Und natürlich wird dank dieser Auswahl durch international renommierte Regisseure nicht nur Kino aus Hollywood zelebriert. Akira Kurosawa, Francois Truffaut, Eric Rohmer, Jean-Luc Godard, Rainer Werner Fassbinder, Wim WendersDario Argento oder Hayao Miyazaki sind allesamt auch gleich mit mehreren Filmen vertreten. Doch das Problem: Aktuell sind es meist nur die Namen und die Filmtitel.

Wirklich zum Abruf stehen von all diesen Regisseuren, die wir hier gerade genannt haben, nur zwei Filme: Ernst Lubitschs noch kurz vor seiner Auswanderung nach Hollywood in Deutschland gedrehte Stummfilm-Groteske „Die Bergkatze“ sowie Jean-Lud Godards „Masculin – Feminin oder: Die Kinder von Marx und Coca-Cola“. Insgesamt finden sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels die noch sehr überschaubare Zahle von 20 Filmen (darunter übrigens auch Sergei Eisensteins Über-Klassiker „Panzerkreuzer Potemkin“) zum Einzelabruf auf LaCinetek.

Es soll noch mehr kommen

Das ist aber nicht ganz ungeplant. Zum Start am Rande der Berlinale 2019 stellte man bewusst nur Filme zur Verfügung, die im Rahmen der dortigen Retrospektive gezeigt wurden. Das waren insgesamt sechs Werke. Nun ein Tag nach Ende der Berlinale wurden das Angebot also schon mehr als verdoppelt (allein in den vergangenen Stunden kam noch einmal eine Handvoll Filme, darunter der Charlie-Chaplin-Klassiker „Lichter der Großstadt“ dazu – und wenn man ein ähnliches Tempo beibehält, dann sind wir darüber sehr glücklich. So sollen auch bald rund 250 Filme sogar exklusiv zur Verfügung stehen, also dann nur über LaCinetek und keinen anderen Streamingdienst verfügbar sein.

Und ein Blick nach Frankreich, wo der der Dienst nun schon ein paar Jahre auf dem Markt ist, zeigt, dass dieses Versprechen erfüllt werden könnte: Dort finden sich aktuell schon Klassiker unterschiedlichster Regisseure, von Robert Altman bis Orson Welles, von Kenneth Anger bis Frederick Wiseman, um nur ein paar Namen zu nennen, bei denen viele Cinephile mit der Zunge schnalzen. Sie alle sind sogar gleich mehrfach vertreten (den Vogel schießen übrigens die 15 Filme von Ingmar Bergman + TV- und Kinofassung von „Fanny und Alexander“ ab). Wenn in Deutschland nur ansatzweise dieser Umfang erreicht wird, könnte LaCinetek für den ein oder anderen Filmliebhaber Netflix nicht nur ergänzen…

Vor allem, wenn der Fokus wie bislang auf der Veröffentlichung von jenen Werken liegt, über die man bei Amazon, Netflix und Co. nicht stolpert (oder teilweise sogar nur schwer oder extrem teuer auf DVD und Blu-ray erwerben kann). Denn natürlich finden sich in den 50er-Listen der Regisseure auch Titel wie „Star Wars“, „Indiana Jones“ oder „Terminator“, doch die bekommt man überall – aber das von „The Host“-Regisseur Bong Joon-ho empfohlene, auf der deutschen Version von LaCinetek bereits erhältliche mexikanische Krimi-Drama „Deep Crimson“ eben nicht. Und so hoffen wir, dass der Schwerpunkt für künftige Veröffentlichungen auf bereits gelisteten Perlen wie Allen Barons Noir-Actioner „Blast Of Silence - Explosion des Schweigens“ liegt. Dann werden Klassiker-Freunde und cinephile Perlentaucher viele Stunden mit LaCinetek verbringen.

Die Kosten von LaCinetek

Vom Kostenfaktor her spielt es übrigens keine Rolle, dass die Auswahl erst einmal klein ist. Im Gegensatz zum Beispiel zu Netflix bietet LaCinetek nämlich (noch) kein sogenanntes Flatrate-Modell an. Es gibt also (noch) kein Abo, bei dem man eine feste Gebühr zahlt und dann so viel schauen kann, wie man will. Andererseits geht man auch keine Verpflichtung ein, sondern zahlt nur, was man wirklich schaut. Die Anmeldung ist daher erst einmal kostenlos. Wenn man sich für einen Film interessiert, kann man diesen ab 2.99 Euro leihen (HD dann meist 3.99 Euro) und innerhalb von 30 Tagen schauen. Wie bei übrigen Anbietern gilt auch hier: Beginnt man einmal mit dem Anschauen, hat man 48 Stunden Zeit den Film zu beenden, kann ihn innerhalb dieser 48 Stunden aber auch mehrfach schauen. Alternativ kann man Filme auch ab 7,99 Euro kaufen und dann ohne Zeitbeschränkung so oft schauen, wie man will. Bei beiden Varianten kann man die Filme auch herunterladen und so auch offline, zum Beispiel auf Reisen, schauen.

In Frankreich gibt es übrigens ein Abo-Modell. Jeden Monat gibt es dort zum Beispiel zehn Filme zu einem Thema. Für 30 Euro Jahresbeitrag kann man diese zehn monatlichen Filme, also 120 Filme im Jahr, direkt sehen, ohne dass man sie noch einmal extra leihen oder kaufen muss. Damit dieses Mini-Abo nach Deutschland kommen kann, muss dort aber erst das Angebot wachsen.

Bleibt also nun nur noch die Hoffnung, dass sich das unter lacinetek.de verfügbare Angebot von LaCinetek wirklich so füllt, wie es sich gerade andeutet...

UPDATE: Die Macher von LaCinetek haben mittlerweile via Twitter angekündigt, dass aktuell täglich fünf Filme live gehen. Bis Mitte 2019 sollen 500 Filme auf der Plattform verfügbar sein.

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