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"Stolz und Vorurteil & Zombies": Wie Pornos und Spider-Man den Weg nach Hollywood ebneten
Von Björn Becher — 31.03.2019 um 14:45
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Seth Grahame-Smith ist auf dem besten Weg eine ganz große Nummer in Hollywood zu werden. Wir blicken auf den Mann hinter „Stolz und Vorurteil & Zombies“ und verraten euch, wie mit Pornos und Spider-Man alles begann und auch ein Flop nichts schadete.

Chantier Films

Wo man gerade in Hollywood hinschaut, ist Seth Grahame-Smith, der Autor hinter „Stolz und Vorurteil & Zombies“, nicht weit. Der einstige Bestseller-Serien-Lieferant gilt mittlerweile als gefragter Produzent, Drehbuchautor und ist auch ein gut bezahlter Skript-Doktor (so nennt man jene Schreiber, die ohne Namensnennung und unter Verschwiegenheit noch einmal Hand ans Drehbuch legen, um dieses auszubessern). Doch als er rund um die Jahrtausendwende nach Hollywood zog und erste Jobs in der Branche landete, war dieser Erfolg noch in weiter Ferne. Grahame-Smith arbeitete zwar an einigen Serien, doch er musste erst einmal als Autor für Sachbücher und Romane reüssieren, bevor er wirklich die große Hollywood-Karriere hinlegen konnte.

Mit „Das große Porno-Buch: Ein unzensierter Blick hinter die Kulissen der Sexindustrie“ (im Original: „The Big Book Of Porn: A Penetrating Look At The World Of Dirty Movies“) gelang ihm 2005 der Durchbruch. Seine sehr humorvolle Chronik eines ganzen Filmgenres wurde zum Erfolg. Im Jahr darauf legte er mit seinem „Spider-Man Handbuch“ nach und gab (erneut auf sehr amüsante Weise) die richtigen Trainingstipps, um Spidey zu werden – samt Vorwort von Stan Lee. Grahame-Smith hatte eine besondere Sachbuch-Nische gefunden, die er auch danach noch mehrfach bediente (zum Beispiel mit einer Anleitung, wie man einen Horrorfilm überlebt), bevor ihm sein Verleger auf die Idee brachte, nach dem Sachbuch auch den Roman durch den Fleischwolf zu drehen.

Literatur-Klassiker trifft Untote

So erschien 2009 „Stolz und Vorurteil & Zombies“. Grahame-Smith nahm Janes Austens 1813 veröffentlichten, mittlerweile rechtefreien Literaturklassiker und fügte einfach Zombies in die Geschichte ein. Ein weltweiter Mega-Seller war geboren und der Autor wiederholte das Konzept einfach noch einmal: In „Abraham Lincoln – Vampirjäger“ stand nur statt eines Literaturklassikers eine echte Biografie Pate. Und nun war Hollywood auch auf ihn aufmerksam geworden.

Nachdem er zwischenzeitlich schon mal eine Web-Serie konzipierte („Clark And Michael“), veräußerte er nicht nur die Filmrechte an seinen beiden Romanerfolgen, sondern konnte mit diesen im Rücken auch eigene Projekte vorantreiben. Er entwickelte die MTV-Serie „The Hard Times Of RJ Berger“ und kurz nach der Veröffentlichung von „Abraham Lincoln – Vampirjäger“ heuerte ihn 2010 sogar Tim Burton an, als der einen neuen Drehbuchautor für „Dark Shadows“ brauchte.

Ein Flop ohne Nebenwirkungen

Während Grahame-Smith für die Adaption von „Abraham Lincoln – Vampirjäger“ selbst das Skript schrieb, blieb er bei „Stolz und Vorurteil & Zombies“ außen vor und beobachtete aus der Ferne, wie sich ein großer Flop anbahnte. Schon Ende 2009 wurde das Projekt mit Regisseur David O. Russell („The Fighter“) und Hauptdarstellerin Natalie Portman angekündigt, fünf Jahre dauerte es bis zum Beginn der Dreharbeiten. Zwischenzeitlich gaben sich mögliche Hauptdarstellerinnen (gehandelt wurden unter anderem Scarlett JohanssonAnne Hathaway und Emma Stone) sowie Regisseure die Klinke in die Hand. Als der finale Film 2016 von Burr Steers mit Lily James in die Kinos kam, spielte er weltweit gerade einmal 16,4 Millionen Dollar ein. Trotz des moderaten reinen Produktionsbudgets von 28 Millionen Dollar ist „Stolz und Vorurteil & Zombies“ somit ein Flop – vor allem da die vorherigen Anläufe wohl auch schon ziemlich Geld verschlungen haben.

Ein solches Box-Office-Desaster kann normalerweise Karrieren beenden oder zumindest weit zurückwerfen. Burr Steers, der einst mit seinem Indie-Liebling „Igby“ als Regisseur bekannt wurde und sich vorher für Quentin Tarantino in „Pulp Fiction“ von Samuel L. Jackson und John Travolta abknallen ließ, hat seitdem zum Beispiel keinen Film mehr inszeniert. Doch Grahame-Smith hatte Glück. Da er selbst nicht beteiligt war, gab es keinen Karriere-Knick. Im Gegenteil: Es geht sogar mit seiner Karriere weiter steil bergauf.

Spezialist für Franchise-Revivals

Als Romanautor ist er längst nicht mehr so aktiv wie noch vor einem Jahrzehnt. Seine jüngsten Bücher „Die myrrhischen drei Könige“ und „The Last American Vampire“ erschienen 2012 und 2015. Stattdessen ist er nun die große Nummer in Hollywood: Als Produzent ist er am Horror-Hit „Es“ und dem kommenden Sequel „Es 2“ nach dem Roman von Stephen King beteiligt, er schrieb das Drehbuch zu „The LEGO Batman“ und soll eine ganze Reihe von bekannten Marken wieder zurück auf die Leinwand bringen.

Ob „Beetlejuice 2“, „Gremlins 3“ oder „Child's Play“, der bereits abgedrehte und am 18. Juli 2019 in Deutschland startende Reboot der Mörder-Puppen-Horror-Reihe „Chucky“: Wenn aktuell ein Franchise ausgegraben wird, vertrauen in Hollywood die Studiobosse Seth Grahame-Smith, als verantwortlicher Produzent die Fäden zu ziehen und von der Entwicklung bis zur Fertigstellung die Projekte zu überwachen. Wenn der kultige Kurzfilm „Kung Fury“ demnächst mit unter anderem Arnold Schwarzenegger und Michael Fassbender das Kinofilm-Sequel „Kung Fury 2“ bekommt, hat der Autor ebenfalls seine Hände im Spiel. Lange halten sich schon Gerüchte, dass er auch mal selbst bei einem Film Regie führen könnte. Disney soll ihn für eine Neuverfilmung der Fantasy-Horror-Geschichte „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ nach dem Roman von Ray Bradbury ins Auge gefasst haben. Daraus wurde aber bislang nichts, wahrscheinlich auch, weil Grahame-Smith bei all diesen Projekten gar nicht die Zeit hat.

Es würde uns aber nicht wundern, wenn Seth Grahame-Smith auch noch diesen Schritt auf der Hollywood-Karriereleiter nehmen würde – und dabei fing alles mit Büchern über Pornos und Spider-Man an.

„Stolz und Vorurteil und Zombies“, der Kinoflop nach der Romanvorlage, die dem Autor den endgültigen Durchbruch bescherte, läuft übrigens am 31. März 2019 um 20.15 Uhr auf RTL II – und damit zum ersten Mal überhaupt im Free-TV. Da der Film aber ab 16 Jahren freigegeben ist, wird die Ausstrahlung zur Prime-Time leicht gekürzt sein. Alternativ gibt es ihnen daher zum Beispiel für Amazon-Prime-Kunden im Rahmen der Flatrate kostenlos oder natürlich auch bei Amazon und anderen VoD-Anbietern wie maxdome, iTunes und Co zu leihen und zu kaufen – und natürlich auch auf DVD und Blu-ray.

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