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    "Shazam!" und "Captain Marvel": So kam es zum großen Marvel-DC-Namens-Wirrwarr
    Von Julius Vietzen — 04.04.2019 um 08:00
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    Hieß die DC-Figur Shazam nicht früher mal Captain Marvel? Und warum gibt es bei Konkurrent Marvel sogar gleich mehrere Captain Marvels? Wir erklären euch die lange, komplizierte Geschichte der Figur Shazam.

    Warner Bros.

    Immer wieder kommt es vor, dass zwei konkurrierende Hollywood-Studios sehr ähnliche Filme innerhalb kurzer Zeit auf den Markt werfen (etwa „White House Down“ und „Olympus Has Fallen“). Auch „Captain Marvel“ und „Shazam!“ bilden in gewisser Weise ein solches Doppel, denn in beiden Filmen steht eine Figur im Mittelpunkt, die Captain Marvel heißt beziehungsweise früher mal so hieß. Wir fassen die lange, komplizierte Historie der Figur Shazam zusammen.

    Fawcett und DC

    Heute haben Marvel und DC den Markt der Superheldencomics weitestgehend unter sich aufgeteilt, doch die Comic-Landschaft im frühen 20. Jahrhundert sah noch ganz anders aus. Unter anderem gab es damals einen Verlag namens Fawcett Comics, der im Dezember 1939, ein gutes Jahr nach dem ersten Auftritt von Superman im Jahr 1938, damit begann, die Abenteuer eines Superhelden namens Captain Marvel zu veröffentlichen. Captain Marvel war eigentlich ein Waisenjunge namens Billy Batson, der sich durch Ausrufen des Wortes Shazam in den erwachsenen Helden verwandeln konnte.

    Captain-Marvel-Comics verkauften sich in den 1940ern besser als Superman-Comics, doch 1941 begann dann ein jahrelanger Rechtstreit mit DC (damals noch Detective Comics, später dann National Comics), weil Captain Marvel eine Kopie von Superman sei. Anfang der 1950er Jahre entschied das United States Court of Appeals for the Second Circuit, dass Captain Marvel tatsächlich DCs Rechte an der Figur Superman verletze. DC und Fawcett einigten sich jedoch schlussendlich außergerichtlich. Unter anderem aufgrund dieser Entscheidung stellte Fawcett Comics dann 1953 nicht nur seine Captain-Marvel-Comics, sondern sogar die komplette Superhelden-Sparte ein. Dabei spielte aber auch eine Rolle, dass die Comicverkäufe zu der Zeit allgemein rückläufig waren.

    Marvel kommt ins Spiel

    Damit war diese Version von Captain Marvel erstmal für knapp 20 Jahre weg vom Fenster, denn erst 1972 lizensierte DC die Rechte an der Figur (und der sogenannten Marvel-Family) und überführte sie in das DC-Comicuniversum. Doch dummerweise hatte in der Zwischenzeit Konkurrent Marvel Comics eine eigene, von Stan Lee und Gene Colan erfundene Figur namens Captain Marvel eingeführt, die 1967 erstmals auftrat. Dieser Captain Marvel war ein Außerirdischer namens Mar-Vell, ein Angehöriger der Rasse der Kree, der eigentlich auf die Erde geschickt wurde, um die Menschheit zu observieren, sich schlussendlich jedoch gegen die Kree wandte.

    Aufgrund von Marvels Captain Marvel trat DCs Captain Marvel bei seiner Rückkehr im Jahr 1972 nunmehr in Comics mit dem Titel „Shazam!“ auf – nach dem Zauberer, der dem jungen Billy Batson auserwählt hatte und dem Zauberwort, mit dem dieser sich in den erwachsenen Superhelden verwandeln konnte. In den Comics trug die DC-Figur jedoch immer noch den Namen Captain Marvel.

    DCs New 52

    Das änderte sich erst mit dem New-52-Reboot im Jahr 2011. Nachdem bereits in der „Flashpoint“-Storyline eine alternative Version von DCs Captain Marvel namens Captain Thunder aufgetreten war, entschied sich der Verlag schließlich dazu, auch die Figur in Shazam umzubenennen – schließlich würde außerhalb der Comics sowieso schon jeder denken, dass die Figur so heißt, brachte es DC-Guru Geoff Johns gegenüber Newsarama auf den Punkt.

    Damit ist auch klar, warum der DC-Film „Shazam!“ nicht „Captain Marvel“ heißt: Abgesehen davon, dass Marvel davon wohl wenig begeistert sein dürfte, heißt die Figur in den DC-Comics mittlerweile nicht mal mehr so.

    Captain Marvels ohne Ende

    Zusätzlich trägt zur Verwirrung um den Namen Captain Marvel auch noch bei, dass in den Marvel-Comics zahlreiche Figuren existieren, die diesen Superheldennamen tragen bzw. trugen. Mar-Vell war nämlich nur der erste Marvel-Held mit diesem Namen und vor der aktuellen Inkarnation Carol Danvers, die nun auch im MCU-Film „Captain Marvel“ in den Kinos zu sehen ist, gab es noch Captain Marvels wie Monica Rambeau, Genis-Vell und Phyla-Vell.

    „Shazam!“ seit dem 4. April 2019 in den deutschen Kinos.

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    Kommentare
    • Marcel S
      Finde den jetzigen Namen Shazam super. Also ist das eine ganz gute entscheidung ^^
    • Kein_Gast
      Gibt es eigentlich keine Prognosen?Oder wird kein großer Hype erwartet und daher auch nix veröffentlicht?Kann mir gut vorstellen bzw. bin mir sicher, dass er deutlich weniger als alle bisherigen DCEU Filme einnehmen wird.
    • Julius Vietzen
      Das scheint wirklich das Beste zu sein. Auf jeden Fall vielen Dank für den Hinweis.
    • CineMan
      Hallo Julius,Zum zweiten Punkt: wenn ich Als Resultat der Entscheidung stellte Fawcett Comics dann 1953 nicht nur seine Captain-Marvel-Comics, sondern sogar die komplette Superhelden-Sparte ein schreibe, dann sage ich damit aus, dass der Fawcett Verlag aufgrund des Gerichtsurteiles die Publikation(en) eingestellt hat. Hättest Du Unter anderem aufgrund diesem Gerichtsurteils war das Resultat.... wäre klar gewesen dass auch andere Punkte mmitentscheidend waren.Zu den Jahreszahlen: die hatte ich mal selbst für einen Beitrag / Kommentar recherchiert. Kann auch sein dass ich mich irre. Mein Tipp: einfach Anfang der Fünfziger Jahre und im Jahr darauf oder ähnliches schreiben. :)
    • Julius Vietzen
      Hallo CineMan,tatsächlich finde ich hierzu widersprüche Informationen: Die ursprüngliche Entscheidung zugunsten Fawcett fiel definitiv 1950, aber es scheint unklar zu sein, wann genau diese ursprüngliche Entscheidung revidiert wurde. In Berufung gegangen ist DC offenbar 1951 und laut einer Quelle wurde dann auch schon 1951 entschieden, dass Captain Marvel doch eine Copyrighterletzung ist. Laut einer anderen Quelle wurde das finale Urteil sogar erst 1954 gefällt. Woher stammen deine Informationen, dass es 1952 war?Und zu deinem zweiten Punkt: Wir haben ja auch gar nicht geschrieben, dass Fawcett die Publikation von Comicheften alleine aufgrund des Gerichtsurteils eingestellt hat.Ich führe das in dem Absatz jetzt etwas ausführlicher aus.Viele GrüßeJulius
    • CineMan
      1951 entschied das United States Court of Appeals for the Second Circuit, dass Captain Marvel tatsächlich DCs Rechte an der Figur Superman verletze. 1951 entschied das Gericht zugunsten des Fawcett Verlages. Erst 1952 fiel das Urteil zugunsten DCs aus nachdem sie in Berufung gegangen sind. 1953 einigten sich beide Verlage dann außergerichtlich weil der Fawcett Verlag keinen Einspruch einlegen wollte.Als Resultat der Entscheidung stellte Fawcett Comics dann 1953 nicht nur seine Captain-Marvel-Comics, sondern sogar die komplette Superhelden-Sparte einDer Fawcett Verlag stellte die Publikation von Comicheften nicht alleine aufgrund des Gerichtsurtiles ein. Ein weiterer Haiptgrund (wenn nicht sogar der Hauptgrund) waren die stark rückläufigen Verkaufszahlen von Comicheften im allgemeinen. Fawcett sah in der Publikation von Comics keinen Sinn da sie nicht daran glaubten dass sich die Verkaufszahlen wieder erholen würden. Daher gingen sie auch nicht in Berufung und einigten sich mit DC außergerichtlich auf die Zahlung eines Schadensersatzes in Höhe von 400.000 Dollar.
    • Sentenza93
      Ist doch immer wieder schön, was so manche Lizenzen oder Rechte ausmachen. 😀
    • Klaus S aus S
      Schön und verständlich zusammen gefasst, klasse
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