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    Teenie-"Fifty Shades"? So lasch ist der "After Passion"-Filmsex im Vergleich zum Buch
    Von Tobias Mayer — 13.04.2019 um 15:00
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    Bei uns und anderen Magazinen wurde der „After Passion“-Film vor Start gerne als „Fifty Shades“ für Teenies bezeichnet. Leser des „After“-Romans aber werden merken: Im Film spielt Sex kaum eine Rolle.

    SND

    In „Fifty Shades Of Grey“ wie in „After Passion“ verliebt sich eine junge Frau in einen vor allem sexuell deutlich erfahreneren, hübschen Verführer-Typen mit problematischer Vergangenheit. Beide Geschichten waren Fan-Fiction, bevor sie zu Bestsellern wurden (E.L. James schrieb „Shades“ als Variation von „Twilight“, Anna Todd dachte bei ihrer Romantik-Story an Harry Styles von der Boyband One Direction). Die Gemeinsamkeiten sind vorhanden, das von Medien und im Marketing genutzte „‚Shades‘ für Teenies“-Label passt also tatsächlich zu „After Passion“ und ist kein Siegel zur Augenwischerei. Zumal Sex in beiden Büchern ein wesentlicher Teil der Handlung ist – allerdings eben nicht im „Passion“-Film.

    Die Liebesgeschichte von Tessa (Josephine Langford) und Hardin (Hero Fiennes-Tiffin) verläuft im Film ungefähr so wie im Buch, aber das Kuscheln, Fummeln und der Sex stehen hier kaum mehr im Fokus als in anderen Teenie-Romanzen. Im 2014 erschienenen Roman dagegen, dem noch vier weitere Bände folgten, geht es um Teenager, die in ihrer Beziehung auch ihr Verständnis von Sex verändern.

    Zuschauer verpassen was

    Im Film wird gestreichelt, mit viel Fantasie lässt sich Oralverkehr vorstellen und nach weiterem Gekuschel erlebt Tessa dann schließlich ihr erstes Mal. Im Buch dagegen ist der (übrigens beidseitige) Oralverkehr keine Frage der Interpretation. Darüber hinaus wird gefingert, Tessa befriedigt ihren Freund durch die Hose und sowieso vergnügen sich die beiden dann deutlich häufiger als im Kino, genaugenommen tun sie das nach jedem Streit. Während im Film ohnehin nicht viel gezeigt wird, beschreibt Autorin Anna Todd den Sex im Roman recht detailliert – nicht pornographisch oder billig-obszön, sondern eher so wie in der Bravo (keine Ahnung, was da heute steht, aber in den Neunzigern jedenfalls war der Stil sachlich, einfühlsam und ohne schmutzige Wörter).

    Achtung, Spoiler! Im Film fehlt außerdem ein unappetitliches Detail aus dem Buch: Dort behält Hardin das benutzte Kondom und blutige Bettlaken von Tessas erstem Mal, um damit vor seinen Freunden zu beweisen, dass er seinen Verführungsplan durchgezogen hat. Entscheidend aber ist: Im Roman verändern Tessa und Hardin die Art, wie sie Sex haben und darüber reden.

    Anfangs traut sich Tessa noch nicht, ihrem Freund zu sagen, was sie will und was nicht – später schon. Hardin wiederum wird einfühlsamer und sagt weniger oft obszöne Wörter – während Tessa selbst damit anfängt. Für den Film-Plot, das Hin und Her zwischen den beiden Teenagern, braucht es den Sex nicht unbedingt. Dann ist er eben kein großes Thema, was soll’s? Damit aber fehlt der (ohnehin nicht sonderlich reichhaltigen) Geschichte eine Ebene, die Buchleser vermissen könnten.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "After Passion"

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