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Bong Joon-hos "Parasite" gewinnt die Goldene Palme beim Fimfestival in Cannes
Von Christoph Petersen — 25.05.2019 um 20:20
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Im offiziellen Wettbewerb von Cannes liefen in diesem Jahr 21 Filme, darunter die neuen Werke von Quentin Tarantino, Bong Joon-ho und Pedro Almodóvar. Jetzt wurden die Preise vergeben – inklusive der Goldenen Palme für den Besten Film.

Cannes Film Festival

Die Goldene Palme für den Besten Film im offiziellen Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes 2019 ging an „Parasite“ von Bong Joon-ho. Und tatsächlich gab es wohl niemanden unter den diesjährigen Festivalbesuchern, der das ebenso saulustige wie beißend satirische Thriller-Drama nicht zumindest sehr gut fand. Wir sind mit unserer begeisterten 4-Sterne-Kritik wohl sogar eher noch am unteren Ende des Meinungsspiegels. (Auch wenn Quentin Tarantino Spoiler zu seinem Film verbotenen hat, wollen wir an dieser Stelle gleich schon mal vorwegnehmen: 25 Jahre nach der Goldene Palmer für „Pulp Fiction“ ist sein stargespicktes Hollywood-Märchen „Once Upon A Time In… Hollywood“ komplett leer ausgegangen.)

Die FILMSTARTS-Kritik zu "Parasite"

Der Große Preis der Jury (der inoffizielle zweite Platz) wurde in diesem Jahr an gleich zwei Filme vergeben, nämlich an den intensiven französischen Polizeifilm „Les Misérables“ und das brasilianische Dorf-Drama „Bacurau“, das sich nach der Hälfte der Spielzeit plötzlich zu einem Sci-Fi-Menschjagd-Thriller wandelt. Der Grand Prix für den originellsten Film des Wettbewerbs ging an „Atlantics“ von Mati Diop. In dem senegalesischen Drama kehren die toten Männer, die bei ihrer Flucht über den Atlantik ertrunken sind, als Geister zurück und nehmen dort von den Körpern ihrer zurückgebliebenen Frauen Besitz.

Die FILMSTARTS-Kritik zu "Bacurau"

Die FILMSTARTS-Kritik zu "Les Misérables"

Die Caméra D’Or, die an den besten Erstlingsfilm aus dem offiziellen Programm (also nicht nur aus dem Wettbewerb) vergeben wird, ging an „Our Mothers“ von dem guatemaltekischen Regisseur César Díaz. „Our Mothers“ ist eine sensible Aufarbeitung des Bürgerkriegs in den 1980er Jahren, die sich – wie ja auch schon der Titel andeutet – vor allem auf die kollektiven Erinnerungen der Frauen des Landes stützt.

Als Bester Schauspieler wurde – vollkommen zu Recht – der spanische Hollywood-Superstar Antonio Banderas („Die Maske des Zorro“) ausgezeichnet, der in dem Drama „Leid und Herrlichkeit“ einen gealterten, an vielfältigen Schmerzen leidenden Filmregisseur spielt. Seine Rolle ist offensichtlich ein Alter Ego von Regisseur Pedro Almodóvar, mit dem Banderas bereits acht Filme zusammen gedreht und dem er nun auch seinen Preis als Bester Hauptdarsteller in Cannes gewidmet hat.

Über den Preis für die Beste Schauspielerin durfte sich die Britin Emily Beecham aus Jessica Hausners „Little Joe“ freuen. Sie spielt eine Gentechnikerin, die eine neuartige Blumensorte kreiert, die ihren Besitzer glücklich machen soll – allerdings mit erheblichen Nebenwirkungen. Eine Entscheidung, die im Presseraum sogar mit Buh-Rufen bedacht wurde. Solch eine Reaktion ist völlig übertrieben, aber überraschend war die Wahl allemal, zumal auch der Film bei vielen Kritiken nur mittelmäßig angekommen ist und Beecham in dem Sci-Fi-Drama zudem sehr zurückgenommen agiert.

Die FILMSTARTS-Kritik zu "Little Joe"

Als Beste Regisseure wurden die zweifachen Goldene-Palme-Gewinner Luc und Jean-Pierre Dardenne für „Young Ahmed“ ausgezeichnet. Auch hier gab es wieder Buh-Rufe, sogar noch sehr viel lautere. Aber in diesem Fall waren sie verdient. Für uns ist das Extremismus-Drama sogar der schlechteste Film des Wettbewerbs und tatsächlich völlig misslungen. Der Preis für das Beste Drehbuch ging hingegen an die französische Filmemacherin Céline Sciamma für „The Portrait Of A Lady On Fire“. Für viele ebenfalls eine enttäuschende Entscheidung, allerdings aus dem genau gegensätzlichen Grund: Schließlich war der historische, die weibliche Solidarität feiernde Liebesfilm von vielen als Favorit für die Goldene Palme gehandelt worden.

Die FILMSTARTS-Kritik zu "Young Ahmed"

Diese Jury hat die Preise vergeben

Neben dem vierfach oscarprämierten Präsidenten Alejandro G. Iñárritu („Birdman“, „The Revenant“) bestand die Jury in diesem Jahr aus der senegalesischen Schauspielerin Maimouna N'Diaye, der US-amerikanischen Schauspielerin Elle Fanning („The Neon Demon“), der italienischen Regisseurin Alice Rohrwacher („Glücklich wie Lazzaro“), der US-Indie-Regisseurin Kelly Reichardt („Certain Women“), dem französischen Regisseur Robin Campillo („120 BPM“), dem polnischen Regisseur Paweł Pawlikowski („Cold War“), dem griechischen Regisseur Giorgos Lanthimos („The Favourite“) und dem ursprünglich aus Belgrad stammenden, aber schon lange in Paris lebenden und arbeitenden Comic-Künstler Enki Bilal.

Im vergangenen Jahr ging die Goldene Palme an das berührende japanische Sozialdrama „Shoplifters“ von Hirokazu Koreeda. 2017 hat Ruben Östlund den Hauptpreis für seine Kunstgeschäft-Satire „The Square“ abgeräumt, während 2016 Ken Loach für sein Sozialdrama „Ich, Daniel Blake“ triumphierte, deren Quasi-Fortsetzung „Sorry We Missed You“ in diesem Jahr im Wettbewerb gezeigt wurde, dort allerdings leer ausging.

Wann der diesjährige Gewinner der Goldenen Palme in die deutschen Kinos kommt, steht aktuell noch nicht fest (es wird aber dieses Jahr sein). Aber zumindest einen ersten Trailer zu „Parasite“ gibt es schon:

 

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