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    Trotz 140 Millionen Dollar von Netflix: Martin Scorsese hat Angst um seinen Mafiafilm "The Irishman"
    Von Björn Becher — 01.06.2019 um 09:44
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    Niemand wollte „The Irishman“ von Martin Scorsese finanzieren, bis Netflix an Bord kam und den Geldbeutel sehr weit öffnete. Doch der Meisterregisseur ist besorgt, dass sein Film mit Al Pacino und Robert De Niro trotzdem nicht funktioniert.

    Netflix

    A24 ist nicht nur eine kleine, fast nur für außergewöhnliche Perlen verantwortliche US-Filmfirma, sondern bringt uns seit einigen Monaten auch einen wundervollen Podcast, in dem immer zwei Filmschaffende ohne Moderator und ganz ohne Vorgaben drauf los plaudern. In der aktuellen Ausgabe spricht Joanna Hogg, deren bereits auf der Berlinale gefeierter neuer Film „The Souvenir“ von A24 gerade in den US-Kinos läuft, mit ihrem Mentor Martin Scorsese. Dabei sprechen sie nicht nur über Hoggs aktuellen Film, sondern auch über Scorseses Netflix-Produktion „The Irishman“.

    Bekanntlich wählt Scorsese dafür einen außergewöhnlichen Ansatz. In seinem Mafia-Thriller werden die Hauptfiguren in drei verschiedenen Altersstufen gezeigt, aber nicht von unterschiedlichen Schauspielern verkörpert. Stattdessen spielen Alt-Stars wie Robert De Niro und Al Pacino Figuren wie Mafia-Killer Frank Sheeran oder den legendären Teamster Jimmy Hoffa auch als junge Männer – und zwar verjüngt durch moderne Computertechnik. Allen Hollywood-Studios war das zu riskant und kostspielig, niemand wollte Scorseses „The Irishman“ finanzieren – bis Netflix an Bord kam.

    Die Wichtigkeit der Augen

    Seit einiger Zeit sitzt Scorsese nun bereits an der Post-Produktion und damit ist hier vor allem die Computerverjüngung gemeint. Und nun scheint er sich selbst nicht mehr ganz so sicher zu sein, ob sein Ansatz die beste Idee war, und gibt im Gespräch mit Hogg offen zu, „besorgt“ zu sein. Wie wir Scorseses Worten entnehmen können, wird „The Irishman“ scheinbar nicht chronologisch erzählt, sondern der „Goodfellas“-Regisseur wechselt immer wieder zwischen den drei Zeitebenen. So sehe man die Darsteller immer im Vergleich, was natürlich dafür sorgt, dass Schwächen bei der Verjüngung noch stärker und immer wieder auffallen. Zudem bemerkt Scorsese, dass das Publikum gewohnt sein, die alten Gesichter zu sehen.

    Vor allem die Augen machen ihm bei der Verjüngung große Sorgen. Es ist unserer Ansicht nach verständlich, dass gerade diese Scorsese umtreiben. Schließlich kann ein guter Schauspieler (und wir reden hier nicht nur von gut, sondern von Pacino und De Niro) gerade die Augen nutzen, um viel mehr auszusagen als mit minutenlangen Monologen. Und Scorsese scheint Angst zu haben, dass er mit den Computerveränderungen genau da eingreift. Er sehe so aktuell die bearbeiteten und die originalen Augen vom Dreh nebeneinander. Sachen wurden geändert (Falten entfernt), doch „wie hat das die Augen selbst verändert“, fragt der Regisseur so.Und wenn es die Augen verändert hat, was war vorher darin, dass ich mochte? War es Intensität? War es Schwere? War es Bedrohung?“

    Ab Oktober 2019 auf Netflix

    Viel Zeit bleibt Martin Scorsese und seinem Team nicht mehr, um „The Irishman“ fertigzustellen. Netflix hat bereits angekündigt, dass der Mafia-Thriller im Oktober 2019 erscheinen und (u. a. um die Regularien für eine Oscar-Qualifikation zu erfüllen) auch in Kinos laufen soll. Es wird zudem schon länger spekuliert, dass „The Irishman“ bereits Ende August / Anfang September 2019 bei den Filmfestspielen von Venedig seine Premiere feiern wird, nachdem Netflix damit im vergangenen Jahr für ähnliche Prestige-Projekte („Roma“, „The Ballad of Buster Scruggs“) damit sehr gute Erfahrungen gemacht hat. Das würde Scorsese aber noch weniger Zeit lassen.

    Der Filmemacher hat deswegen auch scheinbar erst einmal alle anderen Projekte abgesagt. Denn eigentlich sollte „The Irishman“ jetzt schon soweit sein, dass er im Sommer endlich „Killers Of The Flower Moon“, eine Geschichte über die Anfangstage des FBI und eine aufsehenerregende Mordserie, drehen kann. Doch jüngst wurde bekannt, dass sein Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio sich nun einem anderen Projekt widmet („Nightmare Alley“ von Guillermo del Toro), sodass „Killers Of The Flower Moon“ einmal mehr abgesagt scheint. Denn „The Irishman“ braucht Scorseses volle Aufmerksamkeit...

    Der neue Film von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio kommt vorerst nicht

    Wann kommt ein Trailer?

    Die schwierige Post-Produktion muss übrigens nicht unbedingt der Grund sein, warum bislang noch kein Trailer mit Filmmaterial erschienen ist (ein erster Teaser liefert nur einen kurzen Audioschnipsel). Netflix veröffentlicht im Gegensatz zu den Kinoverleihern nur ganz, ganz selten Trailer schon weit im Voraus, da man nicht darauf angewiesen ist, Vorfreude über einen längeren Zeitraum aufzubauen. Selbst bei makelloser Post-Produktion und null Problemen wäre unserer Meinung nach allerfrühestens Ende Juli / Anfang August mit einem Trailer zu rechnen, wobei selbst das noch ein ungewöhnlich früher Trailer für einen Oktober-Start von Netflix wäre.

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    Kommentare
    • HalJordan
      Es gibt Filmemacher, die über die Jahre abgebaut haben. Martin Scorsese gehört definitiv NICHT in diese Kategorie. Daher sehe ich hier keinen Grund mir Sorgen zu machen.
    • human8
      Ich fand Tarkin recht plastisch, hat mir nicht gefallen.Es gibt aber auch einige Beispiele, welche überzeugend geworden sind.Ich mache mir wegen den Verjüngungen etwas Sorgen, aber drücke die Daumen, dass es am Ende gut aussehen wird.
    • The_Lavender_Town_Killer
      Ich persönlich bin da eher zuversichtlich. Wenn der Maestro selber so sehr in die Post-Production involviert ist, dann ist das für mich schon ein sehr gutes Zeichen, und selber habe ich bei den bisherigen Verjüngungs-Effekten wie bei Benjamin Button oder manchmal bei Marvel niemals einen derartigen Uncanny Valley Backlash verspürt der mich aus dem Film geworfen hat. Selbst Tarkin in Rogue One konnte mich größtenteils überzeugen.
    • Sentenza93
      Ich bin auch mal gespannt, wie die Herren denn stimmlich so klingen in den verschiedenen Dekaden.
    • Rockatansky
      Freu mich auf den Streifen. Hoffe nur, dass die digitale Verjüngung nicht derart im Mittelpunkt steht, dass Sie von der Story ablenkt.
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