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    Darum ist "Avengers 4: Endgame" so viel besser als "X-Men: Dark Phoenix"
    Von Christian Fußy — 15.06.2019 um 18:00
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    Vor fast 20 Jahren kam der erste „X-Men“-Film ins Kino, 2011 folgte ein Revival mit jungen Stars. Jetzt steht uns mit „X-Men: Dark Phoenix“ das große Finale ins Haus. Doch wirklich emotional wie bei „Avengers 4“ geht es beim Abschied leider nicht zu.

    Walt Disney / Fox Deutschland

    +++ Meinung +++

    Nach gut 10 Jahren und 22 Filmen wurde die erste filmübergreifende Storyline im Marvel Cinematic Universe, die sogenannte Infinity Saga, 2019 mit „Avengers 4: Endgame“ abgeschlossen. Obwohl der Blockbuster nicht für alle der Helden um Iron Man (Robert Downey Jr.), Captain America (Chris Evans) und Hawkeye (Jeremy Renner) auch den endgültigen Abschied aus dem MCU bedeutet, kann ich es doch keinem Fan verübeln, beim Grande Finale nicht auch ein wenig sentimental zu werden.

    Mit „X-Men: Dark Phoenix“ startete am 6. Juni 2019 auch der wohl letzte Film mit den 2011 eingeführten X-Men. Die Mutantentruppe wird höchstwahrscheinlich unter der Flagge von Disney zu erneuten Abenteuern aufbrechen, in dieser oder der vorherigen, ikonischen Besetzung sehen wir die Helden aber wohl zum letzten Mal auf der großen Leinwand. Obwohl die ersten „X-Men“-Filme Kultstatus genießen, „X-Men 2“, „Erste Entscheidung“ und „Zukunft ist Vergangenheit“ von Fans gefeiert werden, selbst Fehlschläge wie „X-Men Origins: Wolverine“ Teil des popkulturellen Diskurses wurden und die Spin-offs „Logan“ und „Deadpool“ gar das Genre nachhaltig geprägt haben, schafft es „Dark Phoenix“ – zumindest bei mir – aber nicht ansatzweise, ein vergleichbares Gefühl auszulösen.

    Ein unfairer Vergleich?

    Das liegt nicht etwa daran, dass es bisher „erst“ 11 Filme im „X-Men“-Universum gab, davon drei mit der aktuellen Besetzung, und auch nicht daran, dass „X-Men: Apocalypse“, der jüngste Teil der Hauptreihe, von vielen Fans als herber Fehlschlag gewertet wird. Die „Rocky“-Reihe umfasst auch nur 8 Filme, unter denen sich mehrere fragwürdige Ableger befinden, trotzdem lieben wir Fans sowohl „Rocky Balboa“ als auch die neuen „Creed“-Filme.

    Vielmehr schossen sich die Macher bereits in den Fuß, in dem Moment, als sie sich entschieden, erneut die „Dark Phoenix“-Saga zu adaptieren und den Fokus ausgerechnet auf Jean Grey (Sophie Turner) zu legen.

    Kleines Team, große Figuren

    Was die „X-Men“-Filme für mich bisher immer ausgezeichnet hat, war der Mut, sich auch an vermeintlich abseitige Comic-Konzepte wie Zeitreisen oder antike, biblische Superschurken heranzuwagen und sich kopfüber in diese hineinzustürzen. Das sorgte auch dafür, dass der Schwerpunkt der „X-Men“-Filme stärker auf der Story liegt als bei den MCU-Filmen und die Handlung mindestens gleichwertig ist mit dem Zusammenspiel der Figuren. Die Konflikte in den „X-Men“-Filmen laufen selten nach dem „Villain Of The Week“-Schema ab, stattdessen stehen philosophische Fragen und die komplizierte Beziehung zwischen Charles Xavier und Erik Lehnsherr im Mittelpunkt.

    Mit Michael Fassbender, Hugh Jackman, Jennifer Lawrence, Ian McKellenAlan Cumming und Patrick Stewart sind im Ensemble absolute Schauspiel-Schwergewichte und Topstars vertreten, die diesen Charakteren Präsenz und Gravitas verleihen. An „Dark Phoenix“ merkt man dann auch gewaltig, was passiert, wenn von diesen nur noch eine Handvoll übrig sind und der Fokus plötzlich auf Figuren liegt, deren Geschichte sich bisher nur im Hintergrund abgespielt hat. Zeit, ihre philosophischen Überzeugungen oder Beziehungen zueinander wirklich auszuleuchten, statt nur oberflächlich anzudeuten, nimmt sich „Dark Phoenix“ aber leider nicht. „Endgame“ profitiert hingegen immens davon, dass die Figuren auch untereinander bereits häufig aneinandergeraten sind. Man denke hier nur an „Captain America 3“ oder die ersten beiden „Avengers“-Filme.

    2018 Twentieth Century Fox
    Michael Fassbender, Nicholas Hoult und ...?
    Wer war das nochmal gleich?

    Bei „Dark Phoenix“ ist der Konflikt in erster Linie ein externer und alle Figuren wollen im Grunde dasselbe, wenn auch mit anderen Methoden und Beweggründen: Jean Grey ist mit einer kosmischen Kraft in Berührung gekommen, die sie nicht kontrollieren kann, was sie zu einer Bedrohung für die Menschheit und die Mutanten macht. Magneto und Professor X versuchen beide, sie aufzuhalten, der eine aus Rache, der andere aus Schuldgefühlen. Die Frage, ob Jean nun aber von Magneto getötet oder von Charles Xavier nur gestoppt wird, lässt mich aber leider merkwürdig kalt, was den Schwachpunkt des Films herauskristallisiert: Auch wenn Sophie Turner ihre Arbeit ordentlich macht, habe ich keinerlei Ahnung, wer diese Jean Grey eigentlich als Person ist und wieso mich ihr Schicksal kümmern sollte.

    Kein Wunder, da die Figur erst im Vorgänger eingeführt wurde. In den Comics hatten Fans hingegen Jahrzehnte, sich mit den Figuren und ihren Beziehungen vertraut zu machen, bevor die „Dark Phoenix“-Saga diese auf die Probe stellte. Nur deshalb gilt sie ja als so ikonisch.

    Der neue Cast besteht nur aus Actionfiguren

    Wo die „Avengers“ selbst bei kleinen Auftritten immer ihre klar definierte Persönlichkeit durchscheinen lassen, habe ich bei den aktuellen „X-Men“-Filmen jedoch immer das Gefühl, gerade den ersten Auftritt dieser Figuren zu sehen. Der neue Nightcrawler sieht cool aus und hat zumindest eine fantastische Actionszene, Alan Cummings Interpretation der Figur aus dem 17 Jahre zurückliegenden „X2“ ist mir aber immer noch viel präsenter im Gedächtnis als alles, was Kodi Smit-McPhee im vergangenen Film gemacht hat.

    Es fehlt eine Rechtfertigung, warum die Figur überhaupt in den Konflikt und die Geschichte von „Dark Phoenix“ involviert ist. Storm ist ebenso wenig in den Plot integriert und auch Evan Peters‘ Quicksilver ist nicht viel mehr als eine menschliche Actionfigur und wird zudem bereits ziemlich früh außer Gefecht gesetzt.

    Konflikte mit Konsequenzen

    Der weitaus interessantere Konflikt des Films, bei dem es mehr Spielraum für persönliche Auseinandersetzungen gegeben hätte – nämlich die Frage, ob die „X-Men“ nur aus Charles Xaviers Eitelkeit entstanden sind und sich die Mutanten den Menschen zu Unrecht unterwerfen, um in der Gesellschaft akzeptiert zu werden – wird liegengelassen. Da Jennifer Lawrence‘ Mystique, die diese Anschuldigung vorbringt, den Film bereits früh verlässt und Xaviers Verhältnis zu den Menschen und seinen Philosophien nicht genügend Raum gegeben wird, gibt es keine Möglichkeit, damit sich dieser Erzählstrang entfaltet. Xavier akzeptiert irgendwo vor dem Finale des Films einfach, dass er in der Vergangenheit auch ein bisschen Mist gebaut hat und rettet am Ende in gewohnter Manier den Tag, bevor er seine Schule in andere Hände übergibt.

    2018 Twentieth Century Fox
    Man weiß nicht, was die eine Figur will, die andere weiß es selbst nicht

    „Endgame“ auf der anderen Seite schafft es bereits in seinem Auftakt, die persönliche Motivation der einzelnen „Avengers“-Mitglieder hinreichend herauszustellen. Captain America und Black Widow (Scarlett Johansson) haben mit dem Schnipser ihre Ersatz-Familie verloren und setzen alles daran, sie zurückzuholen, Iron Man auf der anderen Seite zweifelt erst einmal, kann seine Helden-Vergangenheit am Ende aber doch nicht abstreifen, Thor (Chris Hemsworth) und Hawkeye haben sich hingegen vollkommen von ihrer Trauer überwältigen lassen und müssen aus ihrer Lethargie und Wut befreit werden. Der Hulk (Mark Ruffalo) gibt sich hingegen die Hauptschuld an der Niederlage in „Infinity War“ und will diese Schande ungeschehen machen. Das persönliche Wohl jedes einzelnen Helden steht also bei der Wahnsinnstat auf dem Spiel.

    Jessica Chastains Figur in „Dark Phoenix“ ist hingegen so blass und unbedeutend, dass gegen sie sogar Malekith aus „Thor 2“ wie ein vielschichtiger Schurke wirkt. Und was nun am Ende mit Jean Grey passiert, kümmert eigentlich auch nur Tye Sheridans Cyclops. Und der hat unter seinem Visor die dezente Ausstrahlung einer Schreibtischlampe.

    Einfach unverbesserlich?

    Möglicherweise hätte es eine Version von „Dark Phoenix“ geben können, die mit diesen Schauspielern zu diesem Zeitpunkt funktioniert hätte. Die hätte sich aber deutlich von der Comic-Vorlage unterscheiden müssen, um mehr Raum für Figurenzeichnung zu lassen. Autor Simon Kinbergs Herz scheint zumindest an der Geschichte zu hängen, vielleicht hat er aber auch einfach vergessen, wieso. Einen Gefallen hat er sich mit seiner Adaption zumindest auch beim zweiten Mal nicht getan. Sollten die X-Men irgendwann im MCU auftreten, was eigentlich so sicher ist wie das Amen in der Kirche, wünsche ich mir, auch einmal eine andere Version von Jean Grey kennenzulernen als den „Dark Phoenix“.

    X-Men: Dark Phoenix“ läuft ebenso wie „Avengers 4: Endgame“ derzeit in den deutschen Kinos.

    Nach "Avengers 4: Endgame" kommt "Avengers 5": So könnten die X-Men integriert werden

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