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    Regisseur des russischen "Chernobyl" kritisiert die Klischees der HBO-Serie
    Von Christian Fußy — 18.06.2019 um 18:30
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    Während die HBO-Miniserie „Chernobyl“ im Westen gerade Zuschauer und Kritiker begeistert, wird in Russland an einer eigenen Verfilmung der Atomkatastrophe gearbeitet. Deren Regisseur hat sowohl Lob als auch Tadel für die US-Version übrig.

    Sky UK Ltd/HBO

    HBOs Hit-Miniserie „Chernobyl“ kam gefühlt aus dem Nichts und eroberte dennoch die Herzen im Sturm. Das historische Drama des US-Bezahlsenders wird bereits jetzt als eine der besten Serien aller Zeiten gehandelt und erfreut sich auch bei uns in der Redaktion großer Beliebtheit. Auch in Russland rief die Serie starke Emotionen hervor – bedauernswerterweise waren diese aber eher negativer Natur, was mittlerweile sogar zu Verbotsforderungen und einer Androhung von juristischen Schritten gegen die Macher führte. Der Serie wurde von der russischen Presse zerrissen und bis ins kleinste Detail auf ihren Wahrheitsgehalt (den die Serienschöpfer Craig Mazin und Johan Renck für ihr Werk von vornherein nie beansprucht haben) durchleuchtet.

    Das russische "Chernobyl"

    In Russland arbeitet derzeit Regisseur Alexey Muradov an einer eigenen Version von „Chernobyl“, die die Ereignisse rund um den verheerenden Reaktorunfall des Jahres 1986 ins rechte Licht rücken soll. Diese befand sich bereits vor Start der US-Serie in Produktion und wurde Ende Mai 2019 schließlich fertiggestellt. Im Interview mit der zweisprachigen, russischstämmigen Internetzeitung Meduza sprach Muradov über die Unterschiede zwischen seiner eigenen Dramatisierung der Katastrophe und der amerikanischen Version. Dabei lobte er zwar die visuelle Qualität von „Chernobyl“ sowie den Rest der technischen Gestaltung und nannte die Miniserie „wundervoll“, kritisierte jedoch auch stark ihre inhaltliche und emotionale Ebene und warf ihr vor, altbackene Klischees zu bedienen.

    Muradov habe zwar bisher nur die erste Episode von „Chernobyl“ gesehen, dennoch scheint er bereits eine starke Meinung zu dem HBO-Hit zu haben. An dem, was er beobachtet habe, fielen ihm besonders die „exzellenten […] Schauwerte“ sowie das „wundervolle Sounddesign“ auf, jedoch seien die Stereotype, die die Serie bedienen würde „seit dem Kalten Krieg“ gleichgeblieben. Außerdem sei er sich sicher, die amerikanischen Filmemacher seien nicht in der Lage, die Zustände auf der russischen Seite akkurat wiedergeben zu können, ebenso wenig wie es ihm als Russen möglich sei, amerikanische Geschichte in seiner Adaption akkurat wiederzugeben.

    Unauthentische Figuren

    Besonders gestört habe sich Muradov an der Darstellung der osteuropäischen Bevölkerung in „Chernobyl“. Beispielsweise spräche sich in Russland niemand mit dem vollen Vornamen an, was ihn als Landsmann an der Serie irritiert habe. Außerdem würden die benutzten russischen Sprichwörter bei der Übersetzung ihre Wirkung verlieren und den Sinn entfremden, das Verhältnis zwischen der Bevölkerung und der Obrigkeit wirke zudem vollkommen unauthentisch.

    Er nannte zum Vergleich Arnold Schwarzeneggers Darbietung eines russischen Polizisten in der Actionkomödie „Red Heat“, die er besonders klischeehaft finde. Heute seien die Stereotype „etwas subtiler“ vertreten, aber immer noch verbreitet.

    Verschwörungstheorien als Erklärung für Tschernobyl

    Anders als in der US-Serie, bei der die wahren Gründe für die Tschernobyl-Katastrophe auch als solche in der Handlung ersichtlich sind, werden in der russischen Version wohl auch andere Möglichkeiten nicht ausgeschlossen. Darunter die Theorie, ein US-Geheimagent habe das Unglück im Auftrag der amerikanischen Regierung verursacht. Für die Serie wurde zumindest die Figur ebenjenes US-Agenten eingebaut und besetzt. Er hört auf den erfundenen Namen Albert Lenz. Ob dieser im russischen „Chernobyl“ dann aber tatsächlich auch die Reaktorkatastrophe herbeiführt, geht jedoch aus Muradovs Aussagen nicht eindeutig hervor:

    „1986 wurde diese Erklärung sehr ernst genommen. Heutzutage würde man so etwas einen terroristischen Anschlag oder eine Provokation nennen. Diese Theorie gab es. Soweit ich weiß, wurde auf Gorbatschows Schreibtisch ein Brief hinterlassen, in dem mehrere mögliche Erklärungen dargelegt wurden, wie es zu dieser Sache kommen konnte. Aber da wir zu der Zeit so freundschaftliche Beziehungen zu den Vereinigten Staaten pflegten, wurde diese Geschichte verworfen. Wie dann, Gott sei Dank, herauskam, hatten weder die Amerikaner noch irgendein anderes Land etwas damit zu tun.“

    Ob die Amerikaner an allem schuld waren, erfahren wir dann hoffentlich im Herbst dieses Jahres, wenn Muradovs „Chernobyl“ auf dem russischen Sender NTV startet. Die US-Version gibt es bei uns derzeit schon auf Sky Go und Sky Ticket zu sehen

     

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