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    Darum ist "Everest" mehr als nur ein spaßiges Animations-Abenteuer: Regisseurin Jill Culton im Interview
    Von Felix Weyers — 22.06.2019 um 19:00
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    Mit „Everest - Ein Yeti will hoch hinaus“ steht Dreamworks‘ nächster Animationsfilm in den Startlöchern. Wie uns Regisseurin Jill Culton im Interview verrät, entführt uns der Film auf eine magische Reise, die die ganze Familie berührt.

    Universal Pictures

    Drachenzähmen leicht gemacht 3“ bildete den erfolgreichen Abschluss der Animations-Trilogie um den mutigen Hicks und seinen besten Freund, den Nachtschatten Ohnezahn. Für kommenden Herbst steht bereits der nächste Animationsfilm aus dem Hause Dreamworks Animation in den Startlöchern. In „Everest – Ein Yeti will hoch hinaus“ landen wir im fernöstlichen Shanghai. Dort entdeckt die junge Yi (Stimme im Original: Chloe Bennet) einen verängstigten Yeti, der sich auf ihrem Dach versteckt.

    Nach anfänglicher Zurückhaltung kann sie das Vertrauen des plüschigen Geschöpfs für sich gewinnen und nennt ihn Everest. Der gleichnamige Berg ist auch die Heimat des Yetis und seiner Familie, zu der er unbedingt zurückkehren will. Also begibt sich Yi mit ihren Freunden Peng (Albert Tsai), Jin (Tenzing Norgay Trainor) und ihrem neuen Weggefährten auf die Reise ihres Lebens, die mit jede Menge magischer Überraschungen aufwartet.

    Anlässlich der gerade erfolgten Veröffentlichung des ersten deutschen Trailers zu „Everest“ haben wir mit Regisseurin Jill Culton gesprochen. Die Branchen-Veteranin arbeitete bereits 1995 an „Toy Story“, dem ersten abendfüllenden Animationsfilm überhaupt. Nach mehreren Stationen im Art-Department verschiedener Projekte wie „Das große Krabbeln“, „Shrek“ und „Die Monster AG“ inszenierte sie 2006 mit „Jagdfieber“ den ersten Animationsfilm aus dem Hause Sony Pictures Animation. Im Interview sprechen wir mit Culton natürlich nicht über ihre Vergangenheit und wie sich der Animationsfilm in den vergangenen 20 Jahren stark verändert hat, sondern vor allem über ihren neuesten Streich.

    Magische Musik

    FILMSTARTS: Den Trailer zu „Everest“ kennen wir ja bereits. Kannst du mir vielleicht noch etwas mehr über die Rahmenhandlung verraten? Gibt es besondere Überraschungen, auf die wir uns freuen dürfen?

    Jill Culton: Ich kann dir natürlich nicht alle Überraschungen vorwegnehmen. Was ich aber sagen kann ist, dass es sowohl eine magische als auch eine musikalische Komponente gibt. „Everest“ ist nicht nur vollgepackt mit Humor, sondern besticht auch durch besonders starke Emotionen, die ans Herz gehen.

    FILMSTARTS: Bleiben wir einmal bei der musikalischen Komponente. Wie präsent ist die Musik denn? Ist es vergleichbar mit klassischen Disney-Filmen?

    Jill Culton: Unsere Protagonistin Yi besitzt eine Violine. Das Instrument spielt eine große Rolle im Film, denn damit ist Yi in der Lage, den Yeti Everest und seine Magie zu beeinflussen. Everest besitzt die Gabe, die Natur auf magische Weise zu manipulieren. Es gibt also schon sehr viel Musik. Wir haben aber nicht die großen Gesangseinlagen, sondern einfach immer wieder die Melodien.

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    Mit ihrer Violine steht Yi in besonderer Verbindung zu Everest

    Familie ist das A und O

    FILMSTARTS: Würdest du sagen, dass sich „Everest“ überwiegend an ein junges Publikum richtet, oder könnten auch ältere Generationen Spaß an dem Animations-Abenteuer haben?

    Jill Culton: Ich denke, es ist ein Film für die ganze Familie. Natürlich soll der Spaß im Vordergrund stehen. Es geht aber auch um eine gebrochene Familie, die wieder zusammenfinden muss und um die Frage, was eine Familie wirklich ausmacht. Es ist also für jeden etwas dabei. Der Humor wird vermutlich eher auf das jüngere Publikum abzielen. Daneben geht es aber auch darum, dass die Protagonisten durch die Erfahrungen ihrer Reise zu jungen Erwachsenen reifen.

    FILMSTARTS: Der (Original-)Titel des Films war zunächst „Everest“ und wurde schließlich in „Abominable“ („Abscheulich“) umbenannt. Gab es dafür einen besonderen, vielleicht inhaltlichen Grund?

    Jill Culton: Ja, ursprünglich war auch der Originaltitel „Everest“, was auch der Name des Yetis im Film ist. Es war die Entscheidung des Studios, den Namen in „Abominable“ zu ändern. Dieser wird auch sehr gut im Film erklärt. Wir wollen die Figur natürlich nicht „Abscheulicher Schneemensch“ nennen, sondern bleiben immer bei der Bezeichnung Yeti. Für Mr. Burnish (Stimme im Original: Eddie Izzard), den Antagonisten des Films, sind diese Kreaturen jedoch nichts anderes als genau das: abscheulich. Im Laufe des Films stellt er fest, dass das natürlich nicht stimmt.

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    Der fiese Mr. Burnish will Everest für seine Zwecke nutzen

    FILMSTARTS: Du hast in der Vergangenheit unter anderem als Animator, Story-Artist und Character Designer an Animationsfilmen wie „Toy Story“, „Das große Krabbeln“ und „Die Monster AG“ gearbeitet. Inwiefern hatten diese Erfahrungen einen Einfluss auf deine Arbeit als Regisseurin?

    Jill Culton: Diese Erfahrungen helfen auf jeden Fall bei der Regiearbeit. Ich habe vor 29 Jahren als Animator bei „Toy Story“ in dieser Industrie Fuß gefasst. Seitdem war ich Designer, Storyboard-Artist, habe Drehbücher geschrieben und schließlich auch Regie geführt. Da ich die verschiedenen Arbeitsbereiche genau kenne, hilft es definitiv dabei, die Kollegen in die richtige Richtung zu lenken.

    FILMSTARTS: Und wie war der Umgang mit deinen Sprechern?

    Jill Culton:  Die Arbeit mit Schauspielern ist schon fast eine eigene Kunstform. Besonders bei diesem Projekt ist die Besetzung wirklich großartig. Als Regisseurin muss ich sicherstellen, dass die Schauspieler ihre Charaktere in- und auswendig kennen, um ihnen die Arbeit zu erleichtern.

    Beziehung zwischen Mensch und Tier

    FILMSTARTS: 2018 gab es mit „Smallfoot“ bereits einen Animationsfilm, der sich unter anderem mit einer Gruppe Yetis befasst. Solche Zufälle gibt es ja immer wieder. Grenzt ihr euch mit „Everest“ besonders von diesem Film ab?

    Jill Culton: Bis auf die Tatsache, dass es dort auch Yetis gibt, haben beide Filme eigentlich nichts gemeinsam. Sie unterscheiden sich vor allem im jeweils ganz eigenen Stil. In „Everest“ geht es vorrangig um die junge Yi. Es war mir wichtig, dass sie keine typische Disney-Prinzessin ist, sondern ein zielstrebiges Mädchen, das sich gern die Hände schmutzig macht, was in meinen Augen ein tolles Vorbild ist. Der Yeti selbst kann nicht sprechen und beruht übrigens auf der Beziehung zu meinem riesigen Hund, einem fast 50 Kilogramm schweren Bloodhound. Ich habe diesen Film geschrieben, um die Beziehung zwischen Mensch und Tier und ihre nonverbale Kommunikation darzustellen. Die Kinder in dem Film reisen durch ganz China und ich denke, das alles verleiht dem Film seinen eigenen Stil. Anders als die Yetis in „Smallfoot“ besitzt unser Yeti besondere Kräfte, mit denen er die Natur beeinflussen kann. Was diesen Film außerdem besonders macht, ist die Botschaft von Zusammenhalt, die er der ganzen Familie vermittelt.

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    Everest kann die Natur auf magische Weise manipulieren

    Geschichte steht im Vordergrund

    FILMSTARTS: Du sagst, dass Everest lose auf deiner Beziehung zu deinem Hund basiert. Gibt es weitere Inspirationen aus deinem Umfeld, die du in hast einfließen lassen?

    Jill Culton: Mit Everest wollte ich vor allem diese nonverbale Kommunikation herausarbeiten, die es zwischen Mensch und Tier gibt. Ich denke, der Yeti wird die Zuschauer auch ohne Worte durch seine mitfühlende Art überraschen, was ich von vielen Menschen aus meinem Leben ableiten kann. Die Inspiration für die Protagonistin Yi bekam ich auf jeden Fall durch meine eigene Kindheit als lebhaftes und hartnäckiges Mädchen.

    Yis Violine gehörte ursprünglich ihrem Vater, dessen Verlust sie im Laufe des Films verarbeitet. Meine Eltern haben sich bereits früh scheiden lassen, was zu einem Riss in meiner Familie geführt hat. Als Teenager möchte man über solche Themen meist nicht sprechen. Yi lebt während ihrer Reise in dem Glauben, Everest nach Hause zu seiner Familie zu bringen. Letztlich hat die Reise aber auch einen Einfluss auf eigenes Leben und ihr Verhältnis zu ihrer Familie.

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    Yi möchte mit der Violine das Andenken ihres Vaters ehren

    FILMSTARTS: Du hast ja bereits 1995 mit „Toy Story“ am ersten abendfüllenden Animationsfilm überhaupt gearbeitet und dann auch 2006 mit „Jagdfieber“ deinen ersten Animationsfilm inszeniert. Was hat sich seitdem aus technischer Sicht am meisten verändert und wie sieht es für die Zukunft der Industrie aus?

    Jill Culton: Allein in der Zeit zwischen „Toy Story“ und „Jagdfieber“ hat sich unglaublich viel verändert. Die Arbeit an „Toy Story“ war einfach extrem aufregend. Wir mussten alles neu erfinden, an unserer Software wurde täglich gewerkelt. Selbst die heute einfachsten Dinge waren für uns eine Herausforderung, weil sie noch nie zuvor gemacht wurden. Mit der Zeit wurde die Software, also quasi unser Werkzeug, immer besser und leistungsfähiger und wir konnten die Charaktere animieren, ohne dabei mathematischen Grenzen ausgesetzt zu sein. Von „Jagdfieber“ bis zu „Everest“ hat die Technik nochmals einen riesigen Sprung gemacht. Das Fell des Yetis beispielsweise hätten wir 2006 niemals mit diesem Detailgrad darstellen können.

    Grundsätzlich wurde die Technik mit jedem Film, an dem ich gearbeitet habe, immer besser. Es macht die Arbeit zwar nicht unbedingt schneller oder einfacher, aber das Resultat sieht schöner aus. Was die Zukunft für uns bereithält, lässt sich schwer sagen. Ich hoffe einfach, dass trotz all des technischen Fortschritts die Geschichten weiterhin im Vordergrund stehen und die Filme den Zuschauern aller Altersklassen eine Botschaft vermitteln können.

    Ein "Everest"-Franchise?

    FILMSTARTS: Auch wenn es noch etwas bis zum Kinostart hin ist und jetzt gerade erst der Trailer erschienen ist, müssen wir eine Sache zum Abschluss natürlich noch fragen: Dreamworks hat in der Vergangenheit mit Filmen wie „Madagascar 3“, der „Shrek“-Reihe und zuletzt auch „Drachenzähmen leicht gemacht 3“, mehrere erfolgreiche Fortsetzungen veröffentlicht und damit ganze Franchises aufgebaut. Gibt es für „Everest“ bereits vergleichbare Pläne, oder bleibt es bei diesem einmaligen Abenteuer?

    Jill Culton: Aktuell gibt es dafür noch keine Pläne. Das kann sich aber natürlich immer ändern.

    „Everest – Ein Yeti will hoch hinaus“ erscheint am 26. September 2019 in den deutschen Kinos. Hier könnt ihr euch nochmal den deutschen Trailer anschauen:

     

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