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    Netflix ist schuld: Sehen wir im Kino bald keine Komödien mehr?
    Von Björn Becher — 19.06.2019 um 18:00
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    Das Genre war eine sichere Bank, derzeit aber floppt eine Hollywood-Komödie nach der anderen. Einige Beobachter unken: Bald sehen wir Komödien nur noch auf Netflix.

    Netflix / Dox Deutschland

    2008 waren Komödien noch für 25 Prozent der Einnahmen am US-Boxoffice verantwortlich, 2018 nur noch für 8 Prozent. Während dank gestiegener Preise Rekordsummen eingespielt werden, bringen Komödien deutlich weniger Geld in die Kassen als noch vor zehn Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt das Branchenmagazin Hollywood Reporter in einem Hintergrundartikel, in dem die Befürchtung vieler Insider geäußert wird, dass die Zeit von Komödien auf der großen Leinwand vorbei sei. Die Gründe dafür sind vielfältig, ein entscheidender Faktor aber ist Netflix.

    Die Gründe

    Auf der Suche nach Gründen haben die Kollegen des Hollywood Reporters mit vielen Stars aus der Branche gesprochen. Will Ferrell bemängelt, wie schwer es geworden ist, eine Komödie finanziert zu bekommen und berichtet, dass großartige Ideen abgelehnt werden. Die fehlende Bereitschaft großer Studios, in Komödien zu investieren, wird auch am Beispiel Disney festgemacht. Ed Decter, der mit „Verrückt nach Mary“ einen der Comedy-Hits der 90er schrieb, verweist darauf, dass das Studio „lieber 100 Millionen Dollar in die Werbung für einen Mehr-als-200-Millionen-teuren ‚Avengers‘-Film steckt und zwei Milliarden einnimmt“. Mittelgroße Filme, die dann im Idealfall ein paar hundert Millionen Dollar einspielen, stehen nicht mehr auf der Agenda. Das trifft vor allem Dramen, von denen dann für die Oscars aber noch genug produziert werden, und eben Komödien.

    Autor und Regisseur Judd Apatow verweist zudem darauf, dass sowohl Autoren als auch Schauspieler im Hollywood der Gegenwart lieber „eine Serie entwickeln, die viele Jahre laufen kann, als ein einziges Drehbuch zu machen, bei dem es drei Jahre dauern kann, bis du es richtig hinbekommst“. Neben all diesen Gründen wird aber immer wieder ein weiterer Grund genannt: Netflix! Der Streamingdienst verdränge das Kino als Ort für Komödien.

    Für eine Komödie reicht die Couch

    Netflix setzt bei seinen selbstproduzierten Filmen stark auf Komödien. Das wird auch durch unseren kleinen Test nahegelegt: Wir haben einen neuen Netflix-Account eröffnet und die Ausgangsfrage nach Filmen, die man mag, übersprungen, damit der Startbildschirm nicht durch abgestimmte Empfehlungen beeinflusst wird. Von den dann vorgeschlagenen „Netflix Originalen“ waren über die Hälfte Komödien. Auch interessant: Auf der Startseite folgten bei unserem Test nach allgemeinen Kategorien wie „Beliebt auf Netflix“ und „Derzeit beliebt“ schnell „Komödien“ und „Actionkomödien“ – und zwar vor allen anderen Genre-Listen.

    Unser Mini-Test ist ein Indiz. Deutlich aussagekräftiger aber ist die kürzlich veröffentlichte Erfolgsmeldung, die zeigt, wie sehr die Netflix-Kunden auf Komödien stehen. Adam Sandlers „Murder Mystery“ stellte gerade den Rekord für die meisten Zuschauer am ersten Wochenende bei Netflix auf. Wahrscheinlich haben schon jetzt mehr Leute „Murder Mystery“ auf der Welt gesehen als irgendeine 2019 in den Kinos gestartete Komödie. Es scheint die Denke zu herrschen: Auf der Couch schaue ich mir das an, ins Kino gehe ich aber nur für die großen Blockbuster.

    2019: Jahr der Comedy-Flops

    Anlass für die Untersuchung der Kollegen des Hollywood Reporters war: Bislang sind nahezu alle Komödien im Jahr 2019 gefloppt. In den USA spielte nur eine einzige klassische Komödie mehr als 100 Millionen Dollar ein. Das „Ziemlich beste Freunde“-Remake „Mein Bester & Ich“, das aber im Rest der Welt, wo das Original bekannter ist, niemand sehen wollte, sodass am Ende nur Gesamteinnahmen von 122 Millionen Dollar zu Buche stehen. Gerade erst enttäuschten zwei von Kritikern und auch von den eigentlichen Kinogängern gefeierte Komödien an den US-Kinos.

    Rund um „Booksmart“ gab es nach der Weltpremiere einen großen Hype unter Festivalbesuchern und Filmkritikern. Die Highschool-Komödie wurde deswegen richtig groß in den Kinos gestartet. Doch gerade mal knapp sieben Million Dollar Einspiel am ersten Wochenende waren eine Bruchlandung. Die Analysten kamen zum Ergebnis: Man hätte den Film erst klein starten sollen, um ihn anschließend mit den vollgepackten Kinosälen als Werbung auszuweiten. Ein an sich bewährtes Verfahren – das aber auch nicht immer funktioniert.

    Die Talk-Show-Komödie „Late Night“ startete in nur vier Kinos und sorgte damit am errsten Wochenende für Fabelzahlen: Die 62.000 Einnahmen pro Kino sind das zweitbeste Ergebnis des Jahres in so einem Durchschnittsranking, nur übertroffen von Über-Blockbuster „Avengers: Endgame“, und die vier Kinos waren bei mehreren Vorstellungen ausverkauft. Als jedoch am zweiten Wochenende die Ausweitung aufs ganze Land und auf 2.220 Leinwände folgte, blieben die Kinos leer und es wurden gerade einmal 5,2 Millionen Dollar, nur 2.367 Dollar pro Leinwand, eingespielt.

    Die Lage in Deutschland

    Auch in Deutschland gelingt es US-Komödien aktuell kaum, viele Zuschauer in die Kinos zu locken. Animationsfilme („Drachenzähmen leicht gemacht 3“) und sonstige Franchises („Pokémon - Meisterdetektiv Pikachu“, „Aladdin“) ausgenommen, ist die bislang erfolgreichste klassische Hollywood-Komödie des Jahres das Remake „Glam Girls“ mit knapp 621.000 Zuschauern auf Platz 16 der Jahrescharts. Warum auch dafür ins Kino gehen, wenn Netflix mit „Glam Girls“-Star Rebel Wilson gerade ebenfalls eine Komödie („Isn’t It Romantic“) rausgehauen hat und noch zwei weitere Komödien mit ihr („Pitch Perfect“, „How To Be Single“) im Katalog sind.

    Ein kleiner Lichtblick hierzulande ist, nach Zuschauerzahlen, die Fortsetzung „Monsieur Claude 2“. Die französische Komödie lockte immerhin über 1,2 Millionen Besucher in die Kinos. Vorgänger „Monsieur Claude und seine Töchter“ hatte allerdings noch rund vier Millionen Besucher. Auch deutsche und europäische Komödien werden es gegen Netflix schwerhaben, schließlich greift der Streamingdienst auch im Segment der heimischeren Stoffe an. Gerade erst wurde bekannt, dass mit „Kidnapping Stella“, die neue Komödie mit den „Fack Ju Goethe“-Stars Jella Haase und Max von der Groeben nicht in die Kinos kommt, sondern ab dem 12. Juli 2019 auf Netflix als sogenanntes Original laufen wird.

    Auch in diesem Bereich wächst das Angebot des Streamingdienstes, denn die Nachfrage nach deutschen Komödien ist da, wie ja gerade der Erfolg der Serie „How To Sell Drugs Online (Fast)“ beweist. So bleibt auch hier die Frage: Warum ins Kino gehen, wenn man stattdessen Netflix anschmeißen kann? Wir von FILMSTARTS sagen: Weil das Kino immer noch der beste Ort ist, um Filme zu genießen!

    Der Vorteil des Kinos

    Die aktuelle Entwicklung ist nämlich bedenklich. Wenn Komödien nicht mehr fürs Kino produziert werden, wird es dort immer eintöniger und Blockbuster-Materialschlachten werden noch stärker dominieren als sie es derzeit ohnehin schon tun. Dabei kann gerade eine Komödie im Kino ein Erlebnis liefern, das man zuhause auf der Couch nur schwer nachstellen kann: Das ansteckende Lachen einer großen Gruppe.

    Darauf spielte auch „Booksmart“-Regisseurin Olivia Wilde kürzlich an, als sie auf einen Tweet einer Zuschauerin über deren begeistertes Kinoerlebnis in Wildes Komödie antwortete. „Das ist der Grund, warum wir Filme noch für die große Leinwand machen“. Bleibt zu hoffen, dass es auch viele von Wildes Kollegen noch lange so sehen…

    Vergesst Netflix: Warum ihr heute Abend unbedingt mal wieder ins Kino solltet

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    Kommentare
    • CineMan
      Was hat das mit meinem Kommentar und dem Artikel zu tun? Noch machen sie viel Sinn. Aber ich geh mal kurz auf deine Aussagen ein:Wo das Geld dafür herkommt, weiß aber niemand so genau.Man kann davon ausgehen dass das Geld (mittlerweile) von den Einnahmen aus den Abonnements kommt. Und viel. noch z.B. von der ein oder anderen Filmförderung und von Produktplatzierungen. Was daran ist jetzt so nebulös dass Du meinst die Finanzen von Netflix zu hinterfragen? Ist es ein Versuch Netflix in einem komischen Licht erscheinen zu lassen? Oder besonders inteligent zu wirken?Wenn sich die Zahlen bei Netflix weiter so verschlechtern ist da ohnehin bald Schluss. Den Schuldenberg können die nicht so mal eben abbauen.Woher hast Du die Informationen ? Die Zahl der Abos nimmt immer noch zu (siehe Anzahl der Streaming-Abonnenten von Netflix weltweit vom 3. Quartal 2011 bis zum 1. Quartal 2019 (in Millionen).
    • Thomas K
      Netflix ist einfach der heiße Scheiß. Wenn man hip sein will, redet man nur von Netflix, oder die gesamte Redaktion bekommt Gratis Abo´s. Wobei 90% der Serien und Filme sind Schrott. Wie oft sitzt man abends da und sucht und sucht, und nach 3 Std Trailer schauen hat man dann die Nase voll.
    • Thomas K
      Wo das Geld dafür herkommt, weiß aber niemand so genau. Wenn sich die Zahlen bei Netflix weiter so verschlechtern ist da ohnehin bald Schluss. Den Schuldenberg können die nicht so mal eben abbauen.
    • Sascha Grebe
      Ich finde Prime toll, aber ich muss leider sagen, zumindest bei den Filmen hat Prime auch sehr viel Schrott dabei.
    • Sascha Grebe
      ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber bei den heutigen Kinopreisen überlege ich mir, ob ich ins Kino gehe oder doch mal nett essen. Wenn ich mich fürs Kino entscheide, dann sicher nicht für eine Komödie. Allerdings mache ich das nicht erst seit gestern so.
    • FilmFan
      Taschentuch?
    • Saints ofchaos Deluxe
      Das liegt an der Qualität der Filme. Die Bora Dagtekin Filme waren gut besucht ( Ja Fuck you Göthe kam bei den meisten Menschen gut an....was im allgemeinen die definition von GUT ist ;-)Gerade Will Ferrerll Filme sind mähhhh....Adam Sandler ist auch sehr Drama Drama Drama....statt lustig. Komödie sollen lustig sein, nicht peinlich oder trübsinnig!
    • Björn Becher, FILMSTARTS.de
      Sorry, aber das ist ein unsinniger (und auch inhaltlich komplett falscher) Vergleich und noch dazu ein schiefes Bild.
    • Quentino
      Sorry, aber das ist so, als würde eine Gastrozeitschrift fast nur noch von Mc Donald's berichten, weil Fastfood so viel beliebter als Gourmetküche ist.
    • Björn Becher, FILMSTARTS.de
      Weil Netflix viel mehr macht (also z. B. ein Vielfaches an Filmen und Serien produziert), viel mehr nachgefragt wird und die Netflix-Artikel so auch ein x-faches der Leser haben wie Amazon-Artikel (und leider auch wie die meisten Kino-Artikel).
    • Björn Becher, FILMSTARTS.de
      Den Text gelesen?
    • TresChic
      @ FS schonmal darüber nachgedacht, dass die genannten Komödien auch richtig schlecht waren?
    • niman7
      Warum gibt es hier eigentlich viel mehr Artikel zu Netflix als über Prime? Für Cineasten finde ich Prime besser, da er an Klassikern viel breiter aufgestellt ist.
    • Rockatansky
      Die Schuld Netflix in die Schuhe zu schieben find ich ziemlich billig. Es liegt doch ehr in der Risikoarmut Hollywoods, lieber in sichere Banken wie Comicverfilmumgen und anderen Franchises zu investieren oder eben Dramen oder Autobiographien zu produzieren um bei den Oscars gut da zu stehen. Dazu kommt dass kaum noch niveauvolle Komödien laufen. Vielleicht hat der Zuschauer die Schnauze voll von Pimmel- und Furzwitzen.Statt in Netflix dem Buhmann auszumachen, sollte man vielleicht lieber sagen, danke dass Ihr wenigstens noch Komödien entwickelt...
    • Tobias D.
      Ich war mit einem Kumpel in Glam Girls und wir waren die einzigen im eh schon kleinen Saal. Das erste Mal, dass wir überhaupt alleine im Saal waren. Und es war fantastisch, man fühlte sich wegen dem leeren Saal wie zuhause, hatte aber wegen Leinwand, Sound, etc. noch immer das richtige Kinoerlebnis.Und ich liebe Dramen und vor allem Komödien im Kino, diese sind immer eine nette Abwechslung zwischen den ganzen Blockbustern. Und es ist vor allem leichte Kost. Man muss sich nicht groß auf irgendeine übergreifende Story oder so einlassen.
    • Silvio B.
      Komödien und Dramen kann man gut Zuhause schauen, aber für mich sind das die besten Filme fürs Programmkino.
    • CineMan
      Netflix ist schuldWas für eine xxx Clickbait-Überschrift. Ohne (das Geld von) Netflix würde viele Filme und Serien gar nicht erst realisiert werden. Wie viele Netflix ist schuld Artikel wollt ihr eigentlich noch schreiben?
    • as140
      Booksmart war doch ein Film von Frauen für Frauen über Frauen, warum war der nicht erfolgreicher???Weil er deiner Beschreibung zufolge nur an 50% der Zuschauer gerichtet ist.
    • Erik B.
      Die politische Korrektheit und das aktuelle Kilma in Amerika schadet diesem Genre. Wenn ein Film wie Superbad heutzutage veröffentlicht werden würde, würde sich Twitter darüber echauffieren, das sämtliche Darsteller weiß sind und keine ethnischen Minderheiten repräsentiert werden. Von Borat will ich erst gar nicht anfangen.
    • isom
      Ich hab ja schon ein paar mal geschrieben ,dass ich für amerik. Komödien nicht viel übrig habe ,deshalb seh ich das nicht als besonders großen Verlust fürs Kino ,ich mach mir erst richtig Sorgen ,wenn Filme wie Shape of Water auf Netflix landen würden.
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