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    "Stranger Things" geht endlich weiter! So gut ist die 3. Staffel des Netflix-Hits
    Von Markus Trutt — 04.07.2019 um 10:50
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    Über anderthalb Jahre mussten „Stranger Things“-Fans auf neue Folgen der nostalgischen Netflix-Mystery-Serie warten. Wir haben die komplette dritte Season vorab gesehen und verraten euch, ob sich die Rückkehr nach Hawkins lohnt.

    Netflix

    „Wir sind keine Kinder mehr“, schmettert Mike (Finn Wolfhard) nach einem Streit seinem Kumpel Will (Noah Schnapp) entgegen, der verzweifelt versucht, an der unbeschwerten gemeinsamen Zeit mit seiner eingeschworenen Jungs-Clique festzuhalten, die allmählich auseinanderzubrechen droht. Tatsächlich haben sich Mike, Will und Co. ja schon mehrfach monströsen Gefahren ausgesetzt, die so gar nicht kindgerecht waren.

    Dass das verspielte Gegengewicht dazu nun aber nach und nach verloren geht und die „Stranger Things“-Kids allmählich erwachsen werden, zieht sich jedoch wie ein roter Faden durch die dritte Staffel der gefeierten Retro-Serie aus dem Hause Netflix. Und obgleich die Zeichen somit auf Umbruch stehen, bleibt in den neuen Folgen zum Glück (noch) vieles beim Alten – während so manches neue Element für etwas Stirnrunzeln sorgt...

    So geht es in "Stranger Things 3" weiter

    Nachdem sie Will vom Einfluss des Shadow Monsters befreien und den Durchgang zur finsteren Parallelwelt des Upside Down schließen konnten, scheint für die telepathische Eleven (Millie Bobby Brown) und ihre Freunde endlich Ruhe eingekehrt zu sein. Doch ist die natürlich nur von kurzer Dauer.

    Während die anderen Bewohner der Kleinstadt Hawkins den Sommer des Jahres 1985 am Pool oder im neu eröffneten Einkaufszentrum genießen, wird durch die chaotische Gefühlswelt der Heranwachsenden nicht nur der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe auf eine harte Probe gestellt, auch von außen nahen neue und alte Bedrohungen. Denn das Upside Down ist noch nicht mit ihnen fertig...

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    Eleven (Millie Bobby Brown) und die Gang

    Wohlige Rückkehr

    Trotz der langen Wartezeit zwischen den Staffeln fühlt man sich in Hawkins sehr schnell wieder zu Hause. Die „Stranger Things“-Macher Matt und Ross Duffer verstehen es einfach meisterlich, in bester Spielberg-Manier ein kindliches Abenteuergefühl heraufzubeschwören (der sommerliche Handlungszeitraum hilft dabei diesmal noch zusätzlich). Dazu gehört natürlich auch einmal mehr das ungenierte Baden in 80er-Jahre-Nostalgie, das ab und an vielleicht etwas übers Ziel hinaus schießt, aber auch noch immer jede Menge Charme versprüht. Wenn sie die 80s mal mit bloßem Namedropping oder unelegantem Product Placement, mal mit liebevollen Hommagen und originellen Details abfeiern, bleiben sie sich und ihrer lebhaften Serienwelt auf jeden Fall treu.

    Und immer wenn das Ganze droht, sich zu sehr im Neon-Wohlfühl-Flair zu verlieren, wird einem mit dem Einbruch der Fantasy-Komponente der bunte Boden unter den Füßen weggezogen. Die Auftritte der Kreaturen und Mächte aus dem Upside Down fallen – ohne hier zu viel vorwegnehmen zu wollen – schön düster, fies und noch ein Stück ekliger aus als in den beiden Staffeln zuvor. Das sorgt immer wieder für intensive Momente zum Nägelkauen, wenn Eleven und/oder ihre Freunde ihnen gegenübertreten, auch wenn hier leider etwas zu oft eine Rettung in letzter Sekunde bemüht wird.

    Zudem hätten wir uns gewünscht, dass die spannenden Anleihen bei „Die Körperfresser kommen“ und John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ noch etwas weiter ausgereizt und nicht plötzlich einfach fallen gelassen worden wären. Dennoch finden die Duffer-Brüder in der dritten „Stranger Things“-Staffel unterm Strich eine noch bessere Balance zwischen unbeschwerter Coming-Of-Age-Komödie und düsterem Monster-Horror.

    Altbackenes Feindbild

    Tonal nicht ganz so sicher bewegen sich die Duffers jedoch bei den neuen menschlichen Bösewichten. Ausgerechnet das im Film- und Serienbereich eigentlich schon längst ausgediente Feindbild des stoischen Russen wird in „Stranger Things 3“ ausgiebig bedient. Klar mag das zur noch vom Kalten Krieg geprägten Handlungszeit und in der dargebotenen Form auch zum 80s-Film-Vibe an sich passen, dennoch ist die klischeebeladene, größtenteils eindimensionale Darstellung aus heutiger Sicht doch eher befremdlich, wenn nicht gar albern. 

    Wenn die Sowjets manchmal ironisch überhöht werden (inklusive folternden Wissenschaftlern und eines Terminator-Verschnitts), um direkt im nächsten Moment dann doch zur ernstzunehmenden tödlichen Gefahr zu werden, wirkt das obendrein ziemlich unausgegoren. Statt der Fokussierung auf diese neuen Gegenspieler hätten wir viel lieber gesehen, wie die Mythologie um das rätselhafte Upside Down, zu dem man leider absolut nichts Neues erfährt, weiter ausgebaut wird.

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    Streithähne auf der Flucht vor den Russen: Sheriff Hopper (David Harbour) und Joyce Byers (Winona Ryder)

    Erwachsene Kinder, kindische Erwachsene

    Aufgefangen wird der russische Wermutstropfen aber durch das ansonsten wieder gewohnt grandiose Stamm-Figurenensemble (und auch so manchen Neuzugang). Gerade die inzwischen nicht mehr ganz so jungen Hauptdarsteller harmonieren nach wie vor bestens, wobei es diesmal auch zu allerlei Spannungen innerhalb der Gruppe kommt. Die haben aber weniger mit den tödlichen Gefahren aus einer anderen Welt als vielmehr mit der alltäglicheren Gefühlsachterbahn des Erwachsenwerdens und dem unterschiedlichen Umgang damit zu tun.

    Dass die Freunde einander dabei häufiger auf die Nerven gehen als sonst, sorgt für neue Dynamik und Facetten, passt aber trotz aller Keiferei stets zu den Figuren und ihrer Entwicklung. Unnötig pubertär fallen da eher manche Wortgefechte zwischen Sheriff Hopper (David Harbour) und Wills Mutter Joyce (Winona Ryder) aus, die bisweilen redundant und irgendwann recht erzwungen wirken.

    Höhepunkt am Schluss

    Als Zuschauer muss man sich zwar damit arrangieren, dass die eingespielten Gruppierungen noch stärker segmentiert werden als sonst, dennoch trägt ein jedes Team sein Puzzle-Stück zum großen Mysterium bei. Das zahlt sich dann umso mehr aus, wenn alle wieder zusammenkommen. Und so lange die köstlichen Buddys Steve (Joe Keery) und Dustin (Gaten Matarazzo) so viel Raum bekommen wie nun in Staffel drei, kann sowieso nichts schiefgehen – auch wenn ihre Begleiter einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen.

    Während nämlich die toughe Eis-Verkäuferin Robin (Ethan Hawkes und Uma Thurmans Tochter Maya Hawke) eine wirklich tolle Ergänzung ist, wünscht man Lucas‘ altkluger kleiner Schwester Erica (Priah Ferguson) eine schnelle Begegnung mit gefräßigen Monstern oder einem schlecht gelaunten Russen.

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    Tolles Trio (v.l.n.r.): Robin (Maya Hawke), Steve (Joe Keery) und Dustin (Gaten Matarazzo)

    Die Reifung der jungen Protagonisten wird bisweilen zwar wieder ein wenig aus den Augen verloren, kommt aber im rührenden Finale dann noch einmal voll zum Tragen. Hier bieten die Duffer-Brüder nämlich nicht nur einen spektakulären Showdown, der sehr von ihrer stimmigen Inszenierung und den fantastischen Effekten profitiert, sondern lassen darauf noch die bislang emotionalsten Momente der Serie folgen.

    Fazit

    An die fantastische Auftaktseason kommt auch die dritte „Stranger Things“-Staffel nicht ganz ran, obwohl sie etwas runder und geradliniger als die vorherige Season ausfällt (Füllerfolgen wie Elevens Team-Up mit ihrer „Schwester“ gibt es diesmal glücklicherweise keine). Ganz ähnlich wie schon bei Runde zwei bekommen wir nach dem starken Aufbau in der ersten Staffelhälfte einen leicht durchhängenden Mittelteil präsentiert, bevor dann noch ein sensationelles Finale abgefeuert wird. Trotz so mancher Stolpersteine macht es dabei nach wie vor einfach Spaß, sich mit Eleven und ihren Mitstreitern in den Kampf gegen finstere Mächte zu stürzen, sodass auch „Stranger Things 3“ wie im Flug vergeht und man am Ende den vierten (und womöglich letzten) Teil kaum erwarten kann.

    Alle acht Folgen der dritten „Stranger Things“-Staffel können ab sofort bei Netflix abgerufen werden.

    "Stranger Things": Finaler Trailer zur 3. Staffel

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