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    "Respektlos": Disneys "Mulan"-Realfilm erzürnt chinesische Fans
    Von Christian Fußy — 12.07.2019 um 18:15
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    Der erste Trailer zu Disneys „Mulan“-Realverfilmung, die sich stärker an der chinesischen Legende orientieren soll als der Zeichentrickfilm von 1998, erntet im Netz Kritik aus China für seine fehlerhafte Darstellung der asiatischen Kulturgeschichte.

    Disney ist dabei, alle seine beliebten Animations- in Realspielfilme (oder realistisch anmutende Animationsfilme) zu verwandeln. Nach „Die Schöne und das Biest“, „Aladdin“ und „Der König der Löwen“ steht mit „Mulan“ die Live-Action-Adaption eines weiteren 90er-Jahre-Disney-Klassikers in den Startlöchern. Anders als beispielsweise bei „König der Löwen“, bei dem es sich im Grunde fast Einstellung für Einstellung um denselben Film handelt wie damals, soll sich der neue „Mulan“ deutlich von der Zeichentrickvariante von 1998 abheben. Dazu geht man wohl auch zurück zum Ursprungstext, an den die erste Disney-Variante lose angelehnt ist: Die Ballade der Hua Mulan, ein Gedicht, das bereits im 4. oder 5. Jahrhundert in China verbreitet wurde.

    Dass sich Disney mit dieser neuen „Mulan“ mehr Mula in China verspricht, dürfte nicht nur für die Zyniker unter uns offensichtlich sein. Dass die Filmemacher dafür aber auch sorgfältiger im Umgang mit der chinesischen Kultur agieren und in dieser neuen Adaption mehr Wert auf historische Genauigkeit und eine respektvolle Darstellung der chinesischen Bevölkerung legen sollten, ebenso. Nicht zuletzt mit der Besetzung der in China hochpopulären Schauspielerin und Sängerin Liu Yifei zeigt Disney, dass der chinesische Markt eine Priorität bei der Vermarktung von „Mulan“ hat.

    Historischer Blödsinn

    Zumindest der erste Trailer wurde laut eines Berichtes von Variety von den meisten chinesischstämmigen Zuschauern positiv aufgenommen, so auch das von Modefotograf Chen Man erstellte erste Poster zum Film. Variety stützt sich dabei größtenteils auf einen Artikel des Onlineportals What’s On Weibo, auf dem sich redaktionell mit (pop-)kulturellen Trends in China auseinandergesetzt wird. Demnach gibt es jedoch auch einige kritische Stimmen aus dem Reich der Mitte oder zumindest von Leuten, die sich mit chinesischer Geschichte besser auszukennen scheinen als diejenigen, die für das Produktionsdesign der Neuauflage verantwortlich zeichnen.

    So wird beispielsweise moniert, bei Mulans Elternhaus handle es sich um ein Gebäude im Tulou-Stil (Wikipedia), einer Bauweise, die erst viele Jahrhunderte später während der Ming-Dynastie entwickelt wurde und noch dazu spezifisch für die Gegend der südlichen Fujian- bzw. Hokkien-Provinz ist. Bei Hua Mulan handelte es sich laut Legende allerdings um eine Frau aus Nordchina, die im 4. oder 5. Jahrhundert gelebt haben soll.

    Dieser Lapsus sorgt bei einigen Fans für die Bedenken, Disney könne sich bei der chinesischen Kultur bedienen, ohne auf Kontext oder historische Genauigkeit zu achten. Es geht [den Produzenten] nicht darum, Elemente einer Kultur, die sich von der Hollywoods unterscheidet, tatsächlich zu respektieren, sondern nur darum, etwas zu erschaffen, das [Amerikaner] angenehm und ansprechend finden“, heißt es in Varietys Überblick der Reaktionen. „Dieses Kuddelmuddel, orientalische Elemente, die nichts miteinander zu tun haben, zusammenzumischen, ist wirklich respektlos gegenüber nicht-westlichen Kulturen und Zuschauern“, so ein anderer Kommentar.

    Politisch fragwürdig

    Doch auch von anderen Seiten hagelt es Kritik. So beuge sich Disney laut einer Publikation des Guardian der „nationalistischen Agenda Chinas“, nur um hohe Einnahmen dort zu gewährleisten und einer Kontroverse oder gar einer Zensur durch den Staat vorzubeugen. Die Autorin des Artikels sieht im humorbefreiten Stil des „Mulan“-Trailers Parallelen zur Kritik der chinesischen Regierung an den im Land populären Imperial Dramas, einer Reihe Spielfilme mit historischem Setting, die den Nationalisten aufgrund ihrer Freizügigkeit und Emotionalität ein Dorn im Auge zu sein scheinen.

    Dass sich Disney mit seiner Neuauflage augenscheinlich beim chinesischen Publikum (und anscheinend auch der chinesischen Regierung) anbiedern will, auf der anderen Seite aber nicht auf dessen Sensibilitäten und kulturelles Erbe achtzugeben scheint, stößt also ganz schön vielen Leuten sauer auf. Das größte Problem westlicher Fans scheint hingegen zu sein, dass Drache Mushu aus der 1998er-Verfilmung (im Original gesprochen von Eddie Murphy) bisher noch in keiner Form in dem vorab veröffentlichten Material aufgetaucht ist.

    Nicht im Trailer: Fans vermissen Mushu in "Mulan"

    „Mulan“ erscheint am 26. März 2020 in den deutschen Kinos.

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    Kommentare
    • Ortrun
      Schade, dass ich nur einmal liken kann.
    • Defence
      Im Fall Warrior kann man die Beweggründe jedoch imo nachvollziehen, bei 47 Ronin war es aber nur Gedankenlosigkeit seitens Hollywoods. Reeves wurde ja nur deshalb gecastet, um im Westen mit einen bekannten Namen zu punkten und Geld zu scheffeln. (Hat bekannterweise nicht so ganz geklappt, das BO-Ergebnis weit hinter den Erwartungen).Wie schwierig das ganze allgemein ist, zeigt sich doch aktuell an anderer Stelle wieder mal.Korea arbeitet daran, daß das japanische Meer international Eastern Sea genannt werden soll, sich diese Bezeichnung etablieren soll.Klingt harmlos, hat aber in der Region dort unten enorme politische Sprengkraft aus verschiedenen Gründen.
    • Ortrun
      Schade, dass ich nur einmal liken kann.
    • greekfreak
      Bei der aktuellen TV-Serie Warrior,die auf einem unfertigen Manuskript von Bruce Lee basiert,spielt die Hauptrolle ein Britisch-Japanischer Darsteller.(Andrew Koji,macht einen tollen Job).Der spielt einen chinesichen Immigranten der anno 1880 nach San Francisco kommt und in die diversen Bandenkriege zwischen den chin. Gangs reingezogen wird.Als man daraufhin Shannon Lee,die als Produzentin fungiert,ansprach meinte sie:Mein Vater war ja selber Mixed-Race (Bruce Lee hatte deutsche Wurzeln,von der mütterlichern Seite ) und das war einer der Gründe warum er nie von der chin. Martial Arts Community akzeptiert wurde(neben seinen radikalen Ideen auf dem Gebiet). Wir haben A.Koji gerade deswegen cecastet um ein Zeichen zu setzten.
    • DER Dunkle Lord
      Zurückgeliked :-D
    • Defence
      Das mit Reeves chinesischen Wurzeln hab ich erst durch Deliah die Tage erfahren und nachdem ich das hörte, wußte ich nicht, ob ich lachen o. erschüttert sein sollte^^Reeves ersetzt in 47 Ronin mit seiner Figur eine historische Figur, die wie alle 47 Ronin einen unfassbar hohen Stellenwert im kulturellen und nationalen Gedächnis der Japaner besitzt.Ausgerechnet ein Chinese (bzw mit chin, Wurzeln) und das bei dem bis heute problematischen Verhältnis beider Länder, was in deren langen gemeinsamen Geschichte ihre Ursprünge hat.(westliche) Arroganz gepaart mit unfassbarer Dummheit - eben Hollywood in Reinkultur^^
    • Darklight ..
      Vergleiche mal Mit dem Wind nach Westen (Disney) und Ballon (Bully Herbig) und sage mir dann nochmal, was besser ist und was man so alles kann, wenn man seinen Stoff liebt...
    • Darklight ..
      Ich like deinen mit, dann haben wir schon 4 Likes...
    • greekfreak
      Sein Dad,der übrigens die Familie sitzen gelassen hat und wegen Drogenhandels verurteilt wurde hatte chinesische Wurzeln.
    • as140
      Wenn ich mich nicht irre, dann ist die traditionelle Ballade von Mulan aber eine durchaus realistische Geschichte ohne Drachen und andere Fantasiefiguren.
    • as140
      Also sind Historienfilme die einzigen Filme, die qualitativ hochwertig sein müssen? Ich erwarte von jedem Film mit einem gewissen Budget gutes Handwerk.
    • as140
      Eine Produktionsfirma, die wirklich hinter einem Projekt steht, gibt sich auch bei Details Mühe.
    • as140
      dabei ist Keanu Halb-AsiateHalb Hawaiianer um genau zu sein.
    • as140
      Naja, ist eben kein Historienfilm. Da ist solch eine Kritik albern. Es orientiert sich nur daran. Finde ich nicht albern, denn daran kann man sehen wie viel Arbeit tatsächlich in einem Film steckt.
    • DER Dunkle Lord
      Bizarr ist ein Wort, das mir im Zusammenhang mit Hollywood immer häufiger einfällt.
    • DER Dunkle Lord
      Doch bei den Chinesen fällt es besonders auf, wie sehr diese deutsche Kultur bewundern.--> Da habe ich ähnliche Erfahrungen gesammelt wie du.
    • DER Dunkle Lord
      Ist doch schön, dass zumindest andere Kulturen die deutsche Kultur schätzen, wenn es schon die meisten Deutschen selbst nicht tun.
    • DER Dunkle Lord
      Kann ich diesen Kommentar bitte doppelt liken? :-D
    • Jimmy v
      Klar. Oder die schlafen auf den Gräbern von Philosophen (!) oder fotografieren begeistert alle Schilder, die ausweisen, dass in diesem oder jenen Haus mal wer Berühmtes gewohnt hat.Es ist nicht überraschend, bekanntlich ist das Gras anderswo immer grüner. Doch bei den Chinesen fällt es besonders auf, wie sehr diese deutsche Kultur bewundern.
    • Regg El Santo †
      Es gibt auch gute Filme die die Historie eines Landes etc. gut behandeln. Aber man sollte dies niemals in einem Disney Film erwarten.
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