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    "Spider-Man: Far From Home": Sony und Marvel verstehen ihren Spider-Man nicht
    Von Christian Fußy — 27.07.2019 um 12:00
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    Nicht erst seit „Spider-Man: Far From Home“ sprechen Kevin Feige und Amy Pascal immer wieder darüber, was Spider-Man als Figur ausmacht und von den anderen Avengers unterscheidet. Besonders in einem Punkt missverstehen sie ihren Helden aber gewaltig.

    Sony Pictures

    +++ Meinung +++

    Seit der Jahrtausendwende gab es im Kino bereits einen ganzen Hafen verschiedene Spider-Men zu sehen, unter ihnen drei verschiedene Peter Parkers in Realfilmen, die von Tobey MaguireAndrew Garfield und Tom Holland gespielt wurden. Hollands neuestes „Spider-Man“-Abenteuer „Spider-Man: Far From Home“ läuft seit Anfang Juli 2019 in den deutschen Kinos.

    Zwar handelt es sich bei Peter Parker anfangs immer um einen wissenschaftlich interessierten Highschool-Schüler aus Queens, der von einer radioaktiven Spinne gebissen wird und fortan unter Maske und Decknamen gegen Kriminelle kämpft. Doch es gibt eben auch teilweise starke Unterschiede zwischen den Versionen, etwa was Reife, Attitüde und Beliebtheit betrifft.

    Ist das überhaupt noch Spider-Man?

    Die Persönlichkeit des Wandkrabblers ist jedoch nicht das einzige Element, das sich von Spider-Man zu Spider-Man unterscheidet. Auch die Verhältnisse, in denen Peter Parker lebt, unterliefen seit Sam Raimis erster Leinwandadaption „Spider-Man“ von 2002 einen Wandel, der von den Produzenten der aktuellen Filmreihe Kevin Feige (Marvel) und Amy Pascal (Sony/Pascal Pictures) aber kontinuierlich unter den Tisch gekehrt wird.

    Bei der neuen Version von Spider-Man handelt es sich nämlich nicht wie in den Comics der 60er-Jahre und dem ersten Kino-Film um einen in Armut hineingeborenen Underdog, sondern um einen überprivilegierten und stark geförderten Senkrechtstarter, der immer am richtigen Tisch mit den richtigen Leuten sitzt.

    Sony Pictures
    Spider-Man mit Nick Fury und Maria Hill in „Spider-Man: Far From Home“

    Kevin Feige stellte die Figur vor ihrem MCU-Debüt 2015 im Interview mit der L.A. Times mit diesen Worten vor: „Wenn man sich die frühen ‚Spider-Man‘-Comics anschaut und das, was so großartig daran ist, was Stan Lee und Steve Ditko da gemacht haben, sieht man, dass sie sich gedacht haben ‚was wäre, wenn einer der stärksten Helden, den wir haben, ein Schüler wäre, der Hausaufgaben machen muss und kein Milliardär oder ein genialer Wissenschaftler oder ein ausgebildeter Auftragskiller oder ein weiterer Wissenschaftler, der einen Unfall hatte, sondern einfach ein Kind?‘“

    Bei Tom Hollands Spider-Man handelt es sich zwar um ein Kind, jedoch spätestens seit seiner offiziellen Aufnahme in die Avengers nicht mehr um „einfach ein Kind“. Auch wenn Feige hier in erster Linie auf das Alter des Helden anspielt, das ihn von anderen MCU-Figuren unterscheidet, so schwingt in seiner Aussage doch auch mit, dass Spidey von Beginn an als Jedermann konzipiert war und man sich dieser Vorgabe mit der Besetzung des jungen Tom Holland wieder stärker annähern möchte. Das trifft aber zumindest im MCU nicht zu. Im Gegenteil: Es wird konstant herausgestellt, wie hochbegabt Peter ist und wie jeder in seinem Freundeskreis mit Ausnahme von Flash Thompson ihn dafür respektiert.

    Iron-Man-Anzug statt 20 Dollar

    Darüber hinaus ist auch Peter Parkers sozial-ökonomische Realität in den neuen Filmen eine komplett andere, was man vor allem daran sieht, dass sie nie zum Thema gemacht wird. Wo Tobey Maguires Peter in „Spider-Man 2“ sogar ein Geburtstagsgeschenk von 20 US-Dollar von seiner Tante May (Rosemary Harris) zu ihrer größten Scham zurückweist, da diese nach dem Tod ihres Ehemannes in die Armut abgerutscht und von einer Räumungsklage betroffen ist – für mich übrigens die beste Szene des gesamten Films –, scheint es Tom Hollands Peter Parker an nichts zu fehlen.

    Außerdem ist er mit mehreren der reichsten und einflussreichsten Menschen auf dem Planeten befreundet, die sich alle um ihn kümmern wollen. Zwar öffnen sich auch für Maguires Peter über seine Verbindung zu Harry Osborn (James Franco) manche Türen, die anderen verschlossen bleiben, allerdings bekommt er keine Praktikumszeugnisse und Stipendien vom angesehensten Geschäftsmann der Welt ausgestellt und auch keine High-Tech-Ausrüstung zugesteckt, mit der er praktisch komplette Einsicht in die persönlichen Daten seiner Mitmenschen hat.

    Marvel Studios 2018
    Spider-Man in „Avengers 3: Infinity War“

    Für Amy Pascal gilt Parker aber anscheinend immer noch als unterprivilegiert. So sprach sie nach Kinostart von „Spider-Man: Far From Home“ im Gespräch mit Empire über den Helden, als sei er arm wie eine Kirchenmaus: Er hat keine Mittel. […] Das ist, was wir alle an ihm lieben. All seine Probleme sind wie die unseren. Er hat überhaupt kein Geld, die richtigen Leute mögen ihn nicht und er hat nicht die Dinge, die jeder andere hat. Er muss Hausaufgaben machen.“

    Mit Ausnahme des letzten Satzes trifft meiner Meinung nach keine dieser Aussagen auf den aktuellen Peter Parker zu. Ich will nicht sagen, dass seine Probleme weniger gewichtig sind als die vergangener Spider-Männer, aber um seine finanzielle Zukunft muss sich der junge Spund garantiert keine Gedanken machen und ein High-End-Science-Fiction-Kampfanzug mit eingebauter künstlicher Intelligenz zählt auch garantiert nicht zu den Dingen, die jeder andere hat. Außerdem datet seine Tante (Marisa Tomei) in dieser Version der Geschichte Happy Hogan (Jon Favreau), den Bodyguard der wohl reichsten Frau der Welt, der Peter mit väterlicher Güte behandelt und versucht, ihn aus jeder noch so prekären Situation herauszuholen.

    Die Verantwortlichen sollten also aufhören, so zu tun, als handle es sich bei Spider-Man noch immer um die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft aus den frühen Comics, vor allem nicht, nachdem in „Far From Home“ bereits thematisiert wurde, dass sich der Held in einem sehr exklusiven Kreis befindet, der mit ganz anderen Anforderungen daherkommt. Selbst Nick Fury bzw. Talos (Samuel L. Jackson) schmeißt es ihm dort an einer Stelle treffend ins Gesicht, nachdem Peter behauptet, nicht zur Superhelden-A-Liga zu gehören:

    „Bitch, please. Du warst im Weltraum.“

    „Spider-Man: Far From Home“ läuft derzeit in den deutschen Kinos.

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    Kommentare
    • FilmFan
      Natürlich nicht. Dafür das mich früher kaum Filme dieser Art ansprachen hat das MCU ganze Arbeit bei mir geleistet ;).
    • Tobias D.
      Ich finde das aber nicht schlimm auch mit 50 Superheldenfilme zu mögen. Es sind ja keine schlechten Filme oder so.
    • FilmFan
      Alles klar. Ja die Vorurteile kenne ich. Wurde mir von Experten und Kennern schon oft vorgeworfen wie man als ü 50 Superheldenfilme mögen kann, und ich solle doch bitte endlich Erwachsen werden.Manchmal sitze ich so vorm Lapi und mir klappt glatt die Kinnlade runter wenn ich mal wieder solchen Unsinn zu lesen bekomme :D.
    • Tobias D.
      Das war auch eher so als Generationen-Vorurteil gemeint.
    • FilmFan
      Mich überhaupt nicht. Ich mochte den Kerl von der ersten Sekunda an nicht. Die Filme hatten somit keine Chance bei mir. Auch Kirsten Dunst fand ich schrecklich.Ganz anders dagegen heute das MCU. Gibt viele Charaktere die ich liebe.
    • FilmFan
      Wüsste nicht was das Alter mit irgendwelchen Interessen zu tun hat. Wenn mir was gefällt bin ich dabei.
    • Darklight ..
      Nicht falsch verstehen. Ich liebe einen guten Teil des Marvel Humors, besonders den von Robert Downey jr. Aber in den Thor Filmen ist die komplette Dramaturgie dadurch gekippt. Das war dämlich, dann hätten sie besser gleich ne reine Komödie draus gemacht. Aber Komödien mit Massenmord als Thema funktionieren nur bei Roberto Benigni...Und ich finde es wichtig, massiv unausgegorene Film zu kritisieren und damit Qualität einzufordern. Das hat mit meckern nichts zu tun.
    • Deliah C. Darhk
      Weil diese Figur nicht Spiderman ist.Das wäre wie die Peter Cushing-Fassung als Dr. Who oder David Niven als echten Bond zu deklarieren.Sie sind es einfach nicht.Ob so ein Etikettenschwindel nun schlimm ist soll jeder für sich entscheiden.
    • Bruce Wayne
      Wenn man sonst nichts im Leben hat:P
    • Sentenza93
      Und selbst nach dem Tod baut er noch Mist. :D
    • Sentenza93
      Ja, habe ich. Das ist Customizing wie in jedem Videospiel. :D
    • Tobias D.
      Ü20, wie sich anhand der vorherigen Aussage vermuten lässt.Aber es ist schön zu wissen, dass man auch noch mit 50 Marvel-Fan werden kann.
    • Tyrantino
      Und warum ist das jetzt so schlimm? Wie ich sagte,, wir haben doch unsere Origin.
    • DanielU
      Ja Peter mit seinen teuren Autos und Villen. Ach nein das hat er ja gar nicht.Hey übrigens, der erste Spider Man der über 1 Milliarde eingespielt hat.
    • Deliah C. Darhk
      Zumal wir ja wissen, dass Peters Dad der jüngere Bruder von Onkel Ben ist.Da ist eh anzunehmen, dass May auch älter ist.
    • Deliah C. Darhk
      Ultimate ist eine existente Inkarnation, die sich immer noch am Original orientiert.Beide TASM-Filme mit den Figuren darin entsprechen dieser Vorlage.Der Holland-Spidey hingegen ist schlicht keine auf dem Original aufbauende Figur, die grundlegende Charakterzüge und -Entwicklungen missachtet.
    • Tyrantino
      Mir geht dieses ständige Gemecker über den Humor einfach auf den Geist. Es heißt nicht der Film ist schlecht sondern bäh der sorgt für Lacher.
    • Tyrantino
      Dankeschön. Ja alles geht es gut. War aber ne schwere Geburt^^Moment, da ist es ok, dass er anders ist aber bei Holland nicht? Ich mein ist es wirklich soooo schlimm, dass sie nach dem 3 Reboot mal ein paar Dinge ändern? Die Origin hatten wir bei Raimi. Und ich liebe diese Filme aber ich finde dieser Spider Man ist gut ins MCU integriert. Kann man blöd finden ich mag es.
    • Tyrantino
      Danke dir :)
    • Tyrantino
      JAaa ich wollte noch sagen, wenn ich demnächst etwas deeskalierender hier schreibe, nicht wundern :D
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