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    Wir quatschen mit Quentin Tarantino über "Once Upon A Time... In Hollywood": Heute wäre er "Avengers"-Fan
    Von Daniel Fabian — 15.08.2019 um 18:30
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    Quentin Tarantino sorgt mit seinem neuen Film „Once Upon A Time… In Hollywood“ für Diskussionsstoff. Wir haben den Kult-Regisseur getroffen und mit ihm unter anderem über Sharon Tate, Marvel und seine Zukunft geplaudert.

    2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

    Bereits mit seinem Spielfilmdebüt „Reservoir Dogs“ brachte es Quentin Tarantino 1992 zu den Filmfestspielen nach Cannes, wo er seitdem als unverzichtbarer Stammgast gilt. Spätestens mit seinem Zweitwerk machte er sich allerdings unsterblich: „Pulp Fiction“ spielte weltweit über 200 Millionen Dollar ein, wurde für ganze sieben Oscars nominiert und brachte Tarantino auch gleich den ersten Goldjungen in der Kategorie Bestes Drehbuch ein. Vor allem aber gilt der Film als einer der Kultfilme schlechthin. Der Rest ist Geschichte.

    Mit nur neun Filmen (zumindest nach seiner eigenen Zählung) in den letzten 27 Jahren hielt Tarantino die Nachfrage nach seinen Werken stets hoch. Während andere Filmemacher am laufenden Band drehten und für ein Überangebot sorgten, ist der Kinostart eines neuen Tarantino-Films deswegen auch stets ein echtes Event. Und dass sich das Warten letztlich lohnt, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: In der FILMSTARTS-Kritik erhielten seine ersten vier Filme nämlich allesamt 5 von 5 möglichen Sternen! Und dass er es immer noch drauf hat, bewies er nun mit „Once Upon A Time… In Hollywood“ – auch für seine Hommage an die Traumfabrik vergaben wir die volle Punktzahl. So recht wollen auch wir noch nicht wahrhaben, dass nach seinem zehnten Film tatsächlich Schluss sein soll…

    Die FILMSTARTS-Kritik zu „Once Upon A Time… In Hollywood”

    Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Al Pacino, Kurt Russell, Bruce DernTimothy Olyphant – sie alle ließen sich die Möglichkeit nicht entgehen, für den Kult-Regisseur vor die Kamera zu treten. Doch nicht nur halb Hollywood, sondern auch die Journalisten aus aller Welt reißen sich um Tarantino. FILMSTARTS-Redakteur Daniel Fabian traf den Ausnahmeregisseur in Berlin zum Interview und sprach mit ihm unter anderem über die Kontroverse, die seine Darstellung von Sharon Tate auslöste, die Filme, die ihn heute beeinflussen würden, und den einen Regisseur, von dem sich Tarantino selbst noch ein paar Filme mehr gewünscht hätte.

    2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
    Erinnert fast ein wenig an die Tanzszene aus „Pulp Fiction“: Tarantino und Margot Robbie am Set

    Außergewöhnlich: Tarantinos Liebe zum Detail

    FILMSTARTS: „Once Upon A Time… In Hollywood“ ist vollgepackt mit unendlich vielen, oft winzigen Details und Informationen, die dem „normalen“ Zuschauer wahrscheinlich gar nicht auffallen. Wie wichtig war dir diese Liebe zum Detail?

    Quentin Tarantino: Du musst wissen, dass ich ganze fünf Jahre an dem Film gearbeitet und in dieser Zeit unter anderem eine komplette Filmographie für Rick Dalton [Leonardo DiCaprio] entwickelt habe. Und das Frustrierende daran – das wusste ich von Anfang an – war zu wissen, dass ich hier viel Arbeit reinstecken würde, um seine Laufbahn möglichst exakt und nachvollziehbar zu machen, auch wenn gleichzeitig klar war, dass man all diese Arbeit im Film gar nicht sehen würde. Aber die Zuschauer müssen die Figuren und ihre Geschichte einfach glauben, auch wenn sie letztlich nur einen Bruchteil davon sehen, was wirklich alles hinter Rick Daltons Geschichte steckt.

    Wenn ich heute sechs oder zwölf oder auch 15 Jahre alt wäre, würde ich ganz sicher auf die Marvel-Filme abfahren.

    Ich kann dir zum Beispiel genau sagen, dass Rick die Rolle in „Bounty Law“ nur bekam, weil er mit einer anderen Sendung kurz zuvor die Aufmerksamkeit des Senders gewann und seine ersten beiden Filme drehte er zwischen den Pausen der einzelnen „Bounty Law“-Staffeln. Nach dem Ende der Serie unterschrieb er dann schließlich einen Deal über vier Filme für Universal. Unter der Leitung von Jennings Lang war das auch das einzige Studio, das den TV-Look von damals so umsetzte. Serien, Fernsehfilme und Kinofilme haben sich da kaum unterschieden.

    FILMSTARTS: Hast du davon auch irgendwas gedreht, was die Zuschauer nicht im Kino sehen? Ist die Kinofassung deine finale Schnittfassung, dein Director’s Cut? Ich meine, du hast nach der Vorstellung in Cannes ja auch nochmal Änderungen vorgenommen – und es kommt ja auch noch die Vier-Stunden-Version zu Netflix...

    Quentin Tarantino: Oh, ja. Was ihr im Kino seht, ist mein Director’s Cut. Das war es eigentlich auch schon in Cannes, ich habe nur hier und da noch ein paar Kleinigkeiten ergänzt.

    Natürlich hätte ich mehr Geschichte in den Film bringen können, aber genau das wollte ich eben nicht.

    FILMSTARTS: Du zeigst im Film das Los Angeles, wie du es damals als Sechsjähriger wahrgenommen hast und ehrst darin jene Filme, mit denen du aufgewachsen bist. Wenn du heute ein Kind wärst, welche Filme oder Filmemacher würden dich wohl so sehr begeistern, dass du in 50 Jahren einen Film über sie machen würdest?

    Quentin Tarantino: Das ist eine gute Frage. Ich weiß natürlich nicht, welche Filme mich so sehr beeinflussen würden, dass ich in 50 Jahren einen Film über sie machen würde, aber ich bin mir ziemlich sicher: Wenn ich heute sechs oder zwölf oder auch 15 Jahre alt wäre, würde ich ganz sicher auf die Marvel-Filme abfahren. Das Frustrierende ist, dass ich die Marvel-Comics als Kind einst sammelte und damals bis zum Umfallen über die Comicbuch-Kultur reden konnte. Selbst in meinen Zwanzigern oder Dreißigern hätte ich noch Riesenspaß mit diesen Filmen gehabt, mittlerweile bin ich aus dem Ganzen aber ziemlich herausgewachsen – leider.

    Überraschung: Der Sharon-Tate-Shitstorm

    FILMSTARTS: Du schenkst Sharon Tate (gespielt von Margot Robbie) einen wunderschönen Abschied aus der Filmwelt. Die Szene, in der sie ins Kino geht, ist für mich die schönste im Film – einfach, weil sie die Hoffnung dieser aufstrebenden Schauspielerin zu jener Zeit so wunderbar einfängt. Umso überraschter war ich über die Reaktionen einiger Zuschauer, die ausgerechnet ihre Figur kritisierten. Hast du damit gerechnet?

    Quentin Tarantino: Gar nicht, das hat mich wirklich überrascht! Als mir das in Cannes vorgeworfen wurde, fühlte ich mich wirklich gekränkt. Die Darstellung von Sharon Tate war mir in meinem Film ganz besonders wichtig, deswegen war ich in diesem Moment auch stinksauer, dass überhaupt jemand auf die Idee kam, mir so etwas vorzuwerfen. Genau das, was du erwähnt hast – ein schöner, respektvoller Abschied – war meine Intention.

    Schau, in der Regel dient der Dialog, um den Plot voranzutreiben. Und natürlich hätte ich mehr Geschichte in den Film bringen können, aber genau das wollte ich eben nicht. Stattdessen wollte ich einfach nur ein paar Tage im Leben dieser drei Figuren [Rick Dalton, Cliff Booth und Sharon Tate] zeigen. Man hat Sharon das Leben genommen – und genau das wollte ich ihr auf der Leinwand noch einmal schenken, indem ich zeige, wie sie lebt, wie sie ihren täglichen Aufgaben nachgeht, sich Zeit für sich nimmt und einfach den Westwood Boulevard entlang fährt und Radio hört.  

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    Für Tarantino: Brad Pitt und Leonardo DiCaprio standen erstmals gemeinsam vor der Kamera

    FILMSTARTS: Was einen Tarantino-Film für mich ausmacht, ist das Drehbuch. Das heißt, bloß weil du womöglich nur zehn Filme inszenierst, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass wir deswegen keine Geschichten mehr von dir im Kino zu sehen kriegen, richtig?

    Quentin Tarantino: Das könnte ich auf jeden Fall machen, Drehbücher schreiben, klar. Ich kann mir gut vorstellen, in Zukunft Filmbücher und Romane zu schreiben oder auch ans Theater zu gehen. Vielleicht gehe ich sogar ins Fernsehen, aber ein Drehbuch für jemand anderen zu schreiben, kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.

    FILMSTARTS: Niemand will so richtig wahrhaben, dass nach deinem nächsten Film wirklich Schluss sein soll. Gibt es für dich auch so einen Regisseur, von dem du dir gewünscht hättest, er hätte nicht aufgehört, hätte zumindest noch einen Film gemacht?

    Quentin Tarantino: Ich wünschte, Sergio Leone hätte sich nicht 15 Jahre lang zurückgezogen, bevor er „Es war einmal in Amerika“ drehte. Es wäre einfach wunderbar gewesen, wenn er in den 70er Jahren noch ein paar Filme gemacht hätte. Auf der anderen Seite kann man so mit Fug und Recht behaupten, dass seine Filme ausnahmslos großartig sind. Und, ich meine, wenn du die beste Trilogie aller Zeiten [die Dollar-Trilogie] machst und dann auch noch „Es war einmal in Amerika“ nachlegst – wann, wenn nicht dann, ist der wahrhaftig beste Moment gekommen, sich zurückzuziehen.

    Ich kann mir gut vorstellen, in Zukunft Filmbücher und Romane zu schreiben oder ans Theater zu gehen.

    FILMSTARTS: Für „Once Upon A Time… In Hollywood“ musstest du die Manson-Familie natürlich auch ein stückweit in deinen Kopf lassen. Würdest du sagen, das war die psychologisch schwierigste Aufgabe, der du dich als Filmemacher jemals gestellt hast?

    Quentin Tarantino: Ich hatte anfangs durchaus meine Bedenken, wie weit ich die Manson-Familie letztlich in meinen Kopf lassen will. Aber ich vertraue einfach meinen Methoden als Autor – und sobald ich wusste, wie ich die Geschichte angehen will, war das keine große Sache mehr.

    Filme über Hollywood: Tarantino empfiehlt...

    FILMSTARTS: „Once Upon A Time… In Hollywood” ist nicht zuletzt auch ein Film über die Filmindustrie. Wenn Zuschauer nun aus deinem Film gehen und Lust auf weitere Geschichten über das Filmgeschäft haben, welche würdest du ihnen ans Herz legen?

    Quentin Tarantino: Lustig. Das hat mich noch nie jemand gefragt, aber ich habe wirklich schon oft darüber nachgedacht. „Der lange Tod des Stuntman Cameron“ mit Peter O’Toole ist vermutlich mein Lieblingsporträt eines Regisseurs, der Film ist wirklich sehr interessant. Auch Wim Wenders’ „Der Stand der Dinge“ hat mich absolut umgehauen, als ich ihn zum ersten Mal sah. Und dann ist da noch der ziemlich unbekannte „Hollywood Man“, den ich in Vorbereitung auf „Once Upon A Time… In Hollywood“ auch ins Programm meines Kinos [das New Beverly Cinema] aufnahm. Das ist ein wirklich großartiges B-Movie mit William Smith als Biker-Darsteller, der wunderbar vermittelt, was es hieß, in den 70er Jahren ein B-Movie zu drehen.

    „Once Upon A Time… In Hollywood” läuft ab dem heutigen 15. August 2019 deutschlandweit im Kino.

    Diese Filme solltet ihr vor "Once Upon A Time... In Hollywood" gesehen haben

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    Kommentare
    • Björn Becher, FILMSTARTS.de
      Den Film gesehen?
    • greekfreak
      Die Tarantino-formel: man nehme Versatzstücke aus älteren,besseren Filmen (manchmal auch gerne ganze Szenen plus Kameraeinstellungen,siehe City on Fire) hippen Soundtrack, pseudo-coole Dialogue über McDonald's Burger oder Strudel, namhafte Darsteller,eine Prise Gewalt und inszenieren einen medienwirksamem Skandal.Alle pseudo-intellektuelle Filmkritiker machen sich vor Entzückung ins Höschen und feiern ihn als Heilbringer des Kinos.
    • Rockatansky
      Tarantino erzählt über's Filmemachen und bewegende Szenen und welcher Teil des Gespräches schafft es in den Titel? Richtig, der über Avengers Filme...
    • Bruce Wayne
      Freue mich schon auf den Kinogang.
    • isom
      Das sie schwanger war ,hätte er zeigen können.
    • Tyrantino
      Dafür kann Tarantino mit einer Einstellung mehr unterhalten als mancher mit nem halben Film ;)Aber du hast Recht, das Zitat macht gerade bei Tarantino wenig Sinn, weil seine Dialoge doch dafür so geliebt werden, dass sie Nonsense innerhalb der Story sind aber trotzdem cool geschireben und rüber gebracht.
    • Sentenza93
      Schau, in der Regel dient der Dialog, um den Plot voranzutreiben.Eine Regel, an die sich der gut Mann oftmals in den letzten Jahren selbst nicht hielt. ;) Siehe The Hateful Eight zum Beispiel. Mein lieber Quentin, wenn zum Beispiel ein Sergio Leone allein mit einer Kameraeinstellung mehr ausdrücken konnte, als Du teilweise in 20 Minuten Dialog...Das würde mir zu denken geben.
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