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    "Toy Story 4": So macht die deutsche Synchro die coolste Figur des Films kaputt
    Von Annemarie Havran — 17.08.2019 um 12:15
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    Keanu Reeves erlebt derzeit seine „Keanussance“ und ist auch in „A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando“ dabei. Darin haucht er Duke Caboom auf großartige Weise Leben ein – nur bekommen wir davon nichts mit. Schuld ist die deutsche Synchro.

    Disney/Pixar

    +++ Meinung +++

    Ja, es ist ein leidiges Thema: Die deutsche Synchro. Viele Filmfans sind der Meinung, dass es uncool ist, Filme auf Deutsch zu gucken und dass nur die Originalversion den wahren Filmgenuss bieten kann. Und wenn dann auch noch statt professioneller Synchronsprecher lieber YouTuber und B-Prominente herangezogen werden, wird erst recht gerne mit virtuellen faulen Tomaten geschmissen! Zum ersten Teil: Nö. Ist doch völlig okay, Filme auf Deutsch zu gucken. Nicht jeder ist des Englischen (oder Französischen oder Japanischen…) so mächtig, dass er der Filmhandlung in der Originalfassung folgen kann. Persönlich würde ich in diesem Fall sehr stark OV mit Untertiteln empfehlen, aber sei’s drum.

    Doch WEN man für das Synchronsprechen auswählt, das halte ich tatsächlich für einen entscheidenden und diskussionswürdigen Punkt – denn am Ende ist es die Wahl der Sprecher, die darüber entscheidet, ob die deutsche Synchro funktioniert. Und selbst wenn es sich nicht um einen YouTuber handelt, kann ein Sprecher in der deutschen Fassung falsch gewählt sein, wie es eben auch bei der Figur des Duke Caboom in „A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando“ der Fall ist. Im Original wird sie von Keanu Reeves gesprochen, im Deutschen von „Die Fantastischen Vier“-Musiker Michi Beck.

    Michi Beck statt Keanu Reeves

    Es fühlt sich ein wenig so an, als würden die Zuschauer in den USA und in Deutschland zwei verschiedene Filmen schauen, was schon mit der Wahl des deutschen Titels beginnt. Daraus wird überhaupt nicht ersichtlich, dass es sich um eine Fortsetzung handelt. Während die Menschen in großen Teilen der Welt also „Toy Story 4“ mit Keanu Reeves gucken, läuft bei uns „A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando“ mit Michi Beck. Hmm.

    Disney / Pixar
    CABOOM! Aber ist das nun Keanu oder Michi?

    Nun ist ja klar, dass Keanu Reeves den kanadischen Motorrad-Stuntman Duke Caboom nicht in der deutschen Fassung sprechen kann. Und ist es nicht eigentlich auch völlig wurscht, wer die Plastikfigur spricht? Ist ja schließlich nur die Stimme, den Schauspieler sieht man gar nicht. Aber das ist eben genau die Krux: Nein, es ist nicht nur die Stimme, nicht umsonst werden einige Synchronsprecher lieber Synchronschauspieler genannt. Mit der Stimme kann man richtig viel mit einer Figur machen, das sollte man nicht unterschätzen. Und bei „Toy Story 4“ ist es nicht mal „nur“ das – Keanu Reeves hat viel größeren Einfluss auf Duke Caboom genommen als nur mit seiner Stimme.

    Duke Caboom ist ein Szenendieb – dank Keanu Reeves

    Dabei wurde Reeves gar nicht wegen seiner Prominenz für den Film gecastet – er nahm an einer Blind Audition teil und überzeugte die Produzenten sofort mit seiner Stimme. Als er dann von Pixar eingeladen wurde, um über die Figur zu sprechen, stürzte er sich sofort auf alle Details zu Duke Caboom, um sich perfekt in die Rolle einfinden zu können. Produzent Mark Nielsen gegenüber The Hollywood Reporter: „Er wollte gleich wissen, was das für ein Typ ist, wovor er Angst hat. Er wollte wirklich in diese Figur eintauchen.“

    Und dann gab er ihr seinen eigenen Schliff: Denn von Reeves stammt die Idee für Cabooms Markenzeichen, das zwanghafte Rumposen auf seinem Motorrad samt Ausstoßen martialischer Brunftlaute, das zu den lustigsten Momenten im Film gehört. Wie sich Reeves das vorstellte, machte er den Produzenten bei besagtem Treffen dann auch gleich vor: „Er kletterte auf den Tisch und warf sich mitten im Atrium in verschiedene Posen, begleitet von Ausrufen. Und wir dachten, das ist Duke Caboom!“ Reeves wurde also nicht nur mit seiner Stimme zu Duke Caboom, sondern auch mit seinem Körpereinsatz – und mit denen geizte er auch nicht im Synchronstudio:

     

    Hinzu kommt: Bei Keanu Reeves schwingt seit „John Wick“ stets auch ein Hauch von dem gleichnamigen schwarzgekleideten Profikiller mit. Und denken wir bei der Stimme von Michi Beck an John Wick? Nein, wir denken höchstens an „Die Pinguine aus Madagascar, von denen Beck einen gesprochen hat. Und das ist der Punkt, an dem die Interpretation der Figur Caboom durch Beck und durch Reeves eben in zwei völlig verschiedene Richtungen läuft. Bei Reeves ist Duke Caboom ein harter, risikobereiter Hund, der vor lauter Testosteron keine fünf Minuten stillsitzen kann und es einfach total übertreibt. Hinter der harten Schale steckt dann ein weicher Kern: Der arme Duke wurde von seinem Kind aussortiert, weil er den durch die Werbung geweckten Erwartungen nicht gerecht wurde, und hadert mit seinem Selbstwertgefühl.

    Mit der Stimme von Michi Beck, dem Pinguin, bekommt Duke Caboom eine klamaukige, nicht ernstzunehmende Note. Er wird zur Witzfigur mit Körper-Tourette. Immer eine Spur zu lässig, während Reeves mit seiner Intonation alles todernst zu meinen scheint, selbst wenn er einen Witz machen würde. Das bedeutet nicht, dass Michi Beck ihn schlecht spricht! Doch es scheint, als wurde  wegen der Publikumswirksamkeit eines prominenten Sprechers eine Figur im Film so verändert, dass der deutsche Zuschauer statt des coolen Duke Caboom, dessen übertriebene (Melo-)Dramatik ihn so witzig macht, einen Hampelmann zu sehen bekommt, der einfach nur Sprüche klopft.

    Der Ausweg liegt auf der Hand

    Die Lösung, um auch im Kopf der deutschen Zuschauer Keanu Reeves in „A Toy Story“ mitspielen zu lassen, wäre denkbar einfach gewesen: Man hätte Reeves‘ Stamm-Synchronsprecher Benjamin Völz engagieren können. Klar, Völz ist nicht Keanu Reeves, genauso wenig wie es eben Michi Beck ist. Aber mal ehrlich: Wenn wir die Augen schließen, dann ist er es irgendwie doch. Dann hören wir Neo oder John Wick. Und nicht einen Pinguin auf einem Motorrad.

    Der (abgesehen von dieser ärgerlichen Fehlentscheidung) wunderbare „A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando“ läuft seit dem 15. August 2019 im Kino.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando"

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    Kommentare
    • Gaia
      Dasselbe Problem wie bei Grinch, man kann Otto einfach nicht mit Benedict Cumberbatch vergleichen!!! Ich habe extra gewartet, bis die DVD bzw. BluRay rausgekommen ist.
    • Deliah C. Darhk
      Stimmt. Manchmal stört es schon.In Fremde Gezeiten dachte ich bei Johnny Depp die ganze Zeit an einen platinblonden Vampir im Ledermantel. Lag aber auch daran, dass der Film als solcher mich nicht fesseln konnte und ständig meine Aufmerksamkeit verlor.
    • Sascha Herrmann
      Echt jetzt? Dann isses mir da irgendwie nicht so aufgefallen wie bei den Trailern jetzt. Abgefahren...
    • Dominator
      Woody wird aber schon seit Toy Story 3 von Bully gesprochen.
    • sven
      Die Gewöhnung spielt natürlich eine große Rolle und im Endeffekt darf ja jeder auch Filme gucken wie er mag. Ich habe früher auch ausschließlich Filme und Serien in der Synchro geguckt bis ich einfach keine Lust mehr hatte auf das ewige Sprechertauschen. Manchmal kann ja auch niemand was dafür wie zB bei Eddie Murphy wo Kronberg halt leider gestorben ist. Aber alleine Chris Tucker mit der Stimme von Stiffler in Silver Linings hat mir damals den Rest gegeben.
    • Simon Missbach
      Gut, hier ist das vielleicht nicht ganz so wild, da der ab 18 freigegebene John Wick vermutlich nicht jedem Toy Story-Zuschauer geläufig ist.Aber das grundsätzliche Problem bleibt trotzdem: Wir haben in Deutschland eigentlich eine weltweit vermutlich einzigartige Synchronsprecher-Landschaft. Für mich gab es daher selten Grund, Filme und Serien im Original zu schauen. Okay, nicht jeder Wortwitz kann übernommen werden, aber die reinen Sprecher sind spitze. Wer mal z.B. Manfred Lehmann als Bruce Willis gehört hat, der klingt als ob er nach einer durchzechten Nacht grad aus der Kneipe torkelt (was perfekt zu den meisten Rollen passt), der sollte mit Willis' originaler - irgendwie heiser-fisteliger - Stimme wenig anfangen dürfen.Die letzten Jahre hat sich allerdings ein unschöner Trend entwickelt, weg von den Profis und hin zu irgendwelchen angeblichen Internet-Berühmtheiten. Wer zur Hölle will so einen dämlichen Youtuber? Vermutlich ein paar Teenies, kann schon sein. Aber ich hoffe doch sehr, dass die Entwicklung nicht weiter in diese Richtung geht, sondern wieder die professionellen Sprecher in den Vordergrund rücken.
    • oMat
      Ich glaube die Zielgruppe kennt John Wick nicht ?!
    • TresChic
      Was für eine Bild Überschrift. @FS bitte mal Back to the roots. So etwas hattet ihr nie nötig.
    • Cinestarter
      Naja grundsätzlich können wir uns in Dt glücklich schätzem, da wir erstklassige Synchronsprecher haben. Aber wenn diese eben aus Marketinggründen nicht zum EInsatz kommen, dann wird es halt blöd. Wobei Mich Beck jetzt kein Amateur ist, aber gelernter Synchro Sprecher ist er eben auch nicht. Wenigstens haben sie diesmal keine Promis oder YTer genommen. Das jede Synchro das Original abwertet, würde ich nicht pauschal unterschreiben. Wenn es gelernte Sprecher sind, kommt oft ein ebenbürtiges Ergebnis zu Tage. Aber leider leider...
    • Deliah C. Darhk
      Ist bei den beiden bei mir auch so.
    • Mohbert
      genau wie dein Beitrag hier
    • Mohbert
      ich könnte mir z. B. Arnie oder Bruce Willis nicht mit ihrer original Stimme vorstellen, das würde bei mir einiges kaputt machen.
    • Deliah C. Darhk
      Meine Mutter ist Britin. Ich spreche englisch zwar gut, aber ungern (was sicherlich primär an meinem Verhältnis zu ihr liegt).Bis die Möglichkeit Filme auch im OT zu sehen massentauglich wurde waren mir einige meiner Lieblingsschauspieler mit ihren Stamm-Synchros schon so vertraut, dass ich ihre echten Stimmen als befremdlich empfinde. Ich denke, da geht es vielen Menschen ähnlich.
    • Sascha Herrmann
      Mich hat im Trailer schon Bully als Woddy gestört. Dachte schon darum geht's hier.Ist wie bei lego Batman. Da hatten alle Figuren ihre normalen deutschen Stimmen und der Joker wird dann von so nem Youtube Lappen gesprochen😠
    • Darklight ..
      Schon wieder ein verdammter Meinungsartikel... ein verdammt Guter... was iss hier nur los...!?😊😋
    • Bruno Derbär
      So gut wie jede Synchro wertet die Originale ab. Daher schaue ich mir soweit möglich alle Filme/Serien im O-Ton mit Untertitel an. Angefangen damit habe ich mit den japanischen Animes..traut euch, ihr werdet den Unterschied bemerken.
    • Chief Thunder
      Die deutsche Titelgebung wird mir auch immer ein Rätsel bleiben. Wieso nicht einfach Toy Story 4?? Wieso nicht einfach Taken anstelle von 96 Hours? Das der Titel zum Problem werden kann, hat der deutsche Verleih dann erst bei den Fortsetzungen gemerkt, wenn die Fortsetzung rein gar nichts mit 96 Stunden zu tun hat, weswegen die dann plötzlich als Taken und Taken 3 vermarktet wurden. aber für die, die zwischen den zwei Filmen und 96 Hours keine Verbindung feststellen konnten wurde dann noch 96 Hours in Klammern dahintergesetzt.
    • Quentino
      Es steht bei den Synchronstudios wohl oftmals die pragmatische Frage im Raum: Der Sprecher X bräuchte diesen Monat endlich mal wieder einen Job. Moment, da ist noch eine Rolle frei - das passt schon irgendwie!.
    • Quentino
      Die feste Überzeugung der deutschen Verleiher, dass man gaaanz lustige B-Prominenz und gaaanz witzige YouTuber als Synchron-Hampelmänner braucht, um einen Film medienwirksam auf den roten Teppichen vermarkten zu können, wird man in diesem Leben nicht mehr ändern.
    • ペックネック
      Das hat man eben davon, wenn nicht künstlerische, sondern Marketinggründe ausschlaggebend für die Besetzung sind. Seit Jahren versucht man die Art und Weise, wie in den USA für Animationsfilme Stars besetzt werden, nachzuäffen, um auch hier mit großen Namen werben zu können, vergisst aber dabei, dass in den USA dafür nichtsdestotrotz praktisch immer *Schauspieler* besetzt werden. Denn letztendlich ist es genau das: Eine spezielle Form des Schauspielberufs, die so eigenständig ist, dass es so manche Synchronschauspieler gibt, die auf der Bühne oder vor der Kamera nix taugen, dafür hinter dem Mikrofon glänzen; und andersrum Schauspieler gibt, die in Film und Theater 1A sind, aber völlig unfähig, zu synchronisieren. Nicht umsonst ist der Seiyū in Japan eine eigene Berufsgruppe, inklusive spezieller Ausbildungsschulen.Was mich am meisten ärgert: Wirklich talentierte Nachwuchsschauspieler haben es aufgrund des enorm gewachsenen Zeitdrucks und Arbeitstempos immer schwerer, in die Synchronbranche einzusteigen, denn am Anfang schafft man nun mal nur etwa 22 Takes in der Stunde und nicht 40, wie mittlerweile teilweise nötig sind, um den straffen Zeitplan noch einhalten zu können, und nur wenige Regisseure haben da auch noch den Mut, sich im Zweifel auch mal gegen die Vorgaben der Produktionsleitung durchzusetzen, um den Nachwuchs zu fördern. Aber genau jene Produktionsleiter, die heute keine Zeit mehr aufopfern wollen, um Nachwuchsschauspieler eine Chance zu geben, sich da einzuarbeiten, bestehen dann auf irgendwelchen Promi-Besetzungen, die auch nicht schneller arbeiten können als Nachwuchsschauspieler, aber dafür noch ohne die nötige schauspielerische Ausbildung und meist auch Eignung bzw. Talent daherkommen. Einfach nur, weil man hofft, mit ihren Namen bei den entsprechenden Zielgruppen besser werben zu können. Das geht dann nicht selten (wie Toy Story 4 auch zeigt) zulasten der Synchronfassung, was dazu führt, dass immer mehr Menschen sich für den Originalton entscheiden, und macht damit letztendlich Stück für Stück die ohnehin schon gebeutelte Synchronbranche weiter kaputt. Eine Branche, die im weltweiten Vergleich eigentlich seit jeher einen Spitzenplatz in Sachen Professionalität und Qualität belegt.
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