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    Von "Star Wars“ bis "Harry Potter“: John Williams schrieb für Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter seine schönsten Filmmelodien um
    Von Oliver Kube — 09.09.2019 um 09:00
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    Symbiose zweier Genies: Für ihr neues Album „Across The Stars“ hat Weltstar Anne-Sophie Mutter mit Filmkomponisten-Legende John Williams zusammengearbeitet. Am 14. September führt Mutter die Werke auch in München bei einem Open-Air-Konzert auf.

    Prashant Gupta / Deutsche Grammophon

    Bevor Star-Filmkomponist John Williams seine Arbeit am Soundtrack zu „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ aufnahm, hatte er noch ein anderes Projekt auf der Agenda, das ihm besonders am Herzen lag: eine Kooperation mit Klassik-Weltstar Anne-Sophie Mutter. Exklusiv für die im Schwarzwald geborene Violinistin schrieb die US-Legende eine ganze Reihe der bekanntesten Melodien aus seiner beeindruckenden Filmografie um und ihr auf den Leib. Das Ergebnis heißt „Across The Stars“; ein Album, für das der Meister selbst mit dem Taktstock in der Hand am Dirigentenpult stand, um Mutter und das 70-köpfige Recording Arts Orchestra Of Los Angeles anzuleiten. Unter den neuen, geigenspezifischen Arrangements finden sich Melodien aus fünf verschiedenen „Star Wars“-Abenteuern. Dazu kommen Titelthemen und Stücke aus anderen Score-Meisterwerken wie „Schindlers Liste“, „Harry Potter und der Stein der Weisen“, oder dem sträflicherweise fast schon in Vergessenheit geratenen „Dracula '79“.

    Als „Star Wars: Episode IV - Eine neue Hoffnung“, einst noch unter dem Titel „Krieg der Sterne“, im Februar 1978 in die hiesigen Lichtspielhäuser kam, war die damals 14-jährige Anne-Sophie Mutter ein Fan der ersten Stunde. Laut eigener Aussage stand sie sogar mehrmals Schlange vor dem lokalen Kino in Bad Säckingen und konnte es nicht erwarten, die Weltraum-Oper auf der Leinwand wieder und wieder zu erleben. Zunächst, weil sie in Luke-Skywalker-Darsteller Mark Hamill verschossen war. Doch bald hatten es ihr die faszinierenden Ausmaße der spannenden wie emotionalen Story von George Lucas, die überragenden visuellen Qualitäten und schließlich die diese so perfekt illustrierende, sinfonische Musik mindestens genauso angetan. Letztere stammte von einem Mann, der nach seinen Kompositionen für Hits wie „Der weiße Hai“, „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ oder „Flammendes Inferno“ längst zu den Großen der Branche gehörte. Mutter sagt heute über Williams: „Seine Melodien, die uns so tief berühren, sind unvergesslich. Eine wunderbare Eigenschaft an Johns Musik ist, dass sie für sich steht; auch ohne den Film.

    Anne-Sophie Mutter, das Wunderkind

    Mutter wuchs mit zwei älteren Brüdern auf, liebte es zu lesen, Fußball zu spielen, im Wald herumzutollen und eben ins Kino zu gehen. Trotzdem war sie alles andere als eine ganz gewöhnliche Jugendliche. Denn ihre größte Leidenschaft war die Geige, mit der sie bereits während der Vorschule angefangen hatte und auf der sie sich schnell hervortat. Im Alter von 13 debütierte sie bei den Salzburger Pfingstkonzerten mit Mozarts G-Dur-Konzert unter der Leitung von Herbert von Karajan, der sie daraufhin als „ein Wunder“ bezeichnete. Mit 15 machte die junge Künstlerin ihre erste Studioaufnahme – wiederum Mozart (das dritte sowie das fünfte Violinkonzert) und erneut unter Karajan –, aufgrund deren Qualitäten sie erstmals nach New York in die dortige Philharmonie eingeladen wurde. Von da an stand dem Ausnahmetalent die Welt offen. Seitdem spielt die mittlerweile bei München lebende Musikerin regelmäßig vor ausverkauften Sälen in den wichtigsten Konzerthäusern unseres Planeten und ist ein Superstar des klassischen Sujets.

    Prashant Gupta / Deutsche Grammophon
    Zwei Weltstars arbeiten zusammen: John Williams und Anne-Sophie Mutter

    Als solcher kann sie sich natürlich aussuchen, mit wem sie spielen möchte. Auf die Idee, eines ihrer größten musikalischen Idole, John Williams, zu kontaktieren, kam sie allerdings nicht von selbst. Mutter wollte einfach nicht über, wie sie glaubte, unerfüllbare Wünsche nachdenken, erinnert sie sich im Juni 2019 in einem Interview mit „Die Welt“. Denn durch seine Anbindung an Steven Spielberg sowie andere große Regisseure und Projekte bestand aus ihrer Sicht ohnehin keine Chance, dass sich eine Zeitlücke für ein gemeinsames Projekt ergeben könne. So bedurfte es der Initiative des leider im Februar 2019 verstorbenen Komponisten André Previn („Eins, zwei, drei“, „Das Mädchen Irma La Douce“, „Rollerball“), damit es doch noch dazu kam.

    Mutters Ex-Ehemann Previn war mit Williams befreundet und stellte die beiden Künstler 2010 einander vor. Einige Jahre später schrieb der fünffache Oscarpreisträger das fast neunminütige, von Solovioline geführte, mit Streicher- und Harfenbegleitung versehene Lied „Markings“ für die Deutsche. 2017 kam es in Anwesenheit seines Schöpfers zur Weltpremiere der Komposition, als Mutter das in seiner Studioversion nun auch auf „Across The Stars“ enthaltene „Markings“ bei einem Festival in Massachusetts auf die Bühne brachte. Das war der endgültige Startschuss der nun vorliegenden, wunderbaren Zusammenarbeit der zwei Musik-Genies.

    Überraschende Zusammenarbeit zweier Weltstars

    Mutter schickte Williams eine Liste seiner Lieder, die sie gern aufnehmen oder irgendwann bei einem speziellen Konzert vor Publikum spielen würde und fragte ihn um Rat. Neben warmen Worten bot dieser von sich aus an, seine Kompositionen speziell für die Frau aus dem badischen Rheinfelden und ihre geliebte, 1710 gebaute Stradivari zu überarbeiten. „Dass Anne-Sophie meine Stücke spielen wollte, war eine Ehre für mich“, wird Williams auf dem Backcover des über das Traditionslabel Deutsche Grammophon veröffentlichten Longplayers zitiert. „Durch ihre Interpretation wirken die vertrauten Themen plötzlich ganz anders. Das ist für mich als Komponist natürlich wunderbar.Mutter war begeistert von den neuen Arrangements, die durch die Konzentration auf ihr Instrument aufregend ungewohnte Akzente setzen, ohne die Integrität der von Millionen weltweit geliebten Originale anzukratzen.

    Privatarchiv Anne-Sophie Mutter / Deutsche Grammophon
    Anne-Sophie Mutter mit John Williams und Regielegende Steven Spielberg

    So flog sie voller Vorfreude nach Los Angeles, um dort eng mit Williams zusammenarbeiten zu können und schließlich unter seiner Ägide auch gleich die Aufnahmen zu absolvieren. „Ich habe in diesen Tagen unglaublich viel von John gelernt“, schwärmt die Virtuosin. „Es gab wenige Begegnungen in den vergangenen Jahrzehnten, die so inspirierend für mich waren wie die mit John Williams“, sagte sie den „Kieler Nachrichten“. „Noch während der Aufnahmen hat er Passagen umkomponiert. Es war ein ständiger Prozess der Veränderung. Man kann sich nicht vorstellen, mit wie viel Leidenschaft wir aufgenommen haben.

    Durch John Williams lernte selbst eine Meisterin ihres Faches wie Anne-Sophie Mutter neue Stilmittel, neue Klangfarben kennen:Wenn ich zum Beispiel versuchte, mich in das wunderbare Spiel der japanischen Bambusflöte aus ‚Die Geisha‘ einzuklinken oder in das jazzige Stück aus ‚Zapfenstreich‘ war das jeweils eine riesige Herausforderung. Schon allein deshalb, weil es eine musikalische Sprache ist, mit der ich nicht groß geworden bin. Derlei zu interpretieren, mit dem Komponisten am Pult, war ein Wagnis für mich. Aber ich liebe Wagnisse.

    John Williams schönste Kompositionen neu interpretiert

    Besonders reizvoll an dem aus dieser einmaligen Erfahrung resultierenden Werk sind in der Tat der erstaunliche Fluss und die atemberaubende Homogenität der Tonschöpfungen, die auf so unterschiedlichen Filmmusiken aus fünf Dekaden basieren. So gelang es dem Kreativduo mit Hilfe des sensationell performenden Orchesters vielschichtige Nummern wie das lebendig-verspielte „The Duel“ aus „Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn“ problemlos in einen absolut stimmigen Kontext mit dem die Abschlussszene von Spielbergs „München“ so bewegend anreichernden „A Prayer For Peace“ zu bringen.

    Gleichermaßen brillant harmoniert das romantische Liebesthema aus Sydney Pollacks „Sabrina“ mit dem stürmischen, keltisch angehauchten „Donnybrook Fair“ aus „In einem fernen Land“. Oder das herrlich komplexe „Hedwig’s Theme“ aus „Harry Potter und der Stein der Weisen“ mit „Star Wars“-Evergreens wie „Luke And Leia“ („Die Rückkehr der Jedi-Ritter“) oder „Yoda’s Theme“ („Das Imperium schlägt zurück“). Die zwölf (auf der Deluxe-Edition sind es sogar 17) Stücke auf „Across The Stars“ sind ein so umwerfendes Audio-Erlebnis, dass es kein John-Williams-Fan verpassen darf.

    Konzert und CD

    Das Konzert „Across The Stars Open Air – mit der Filmmusik von John Williams” von Anne-Sophie Mutter mit dem Royal Philharmonic Orchestra findet am 14. September 2019 auf dem Königsplatz in München statt. Premiere: Es ist Mutters erstes Open-Air-Konzert überhaupt. Das Album „Across The Stars“ ist als CD, Deluxe Edition und auf Vinyl erhältlich.

    Anmerkung: Der von der FILMSTARTS-Redaktion erstellte Artikel entstand in einer bezahlten Partnerschaft mit Deutsche Grammophon.

    Deutsche Grammophon
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    Kommentare
    • Rockatansky
      Nun ja, schwarz/weiß Bilder assoziiert man eben entweder mit sehr alten Aufnahmen oder mit Bildern von Verstorbenen (in Nachrufen etc.) Da kann ich schon verstehen, dass der ein oder andere kurz irritiert ist (ein Bild sagt ja bekanntlich mehr als 1000 Worte). Da muss hier natürlich keine Absicht hinter stecken (das hoffe ich zumindest sehr) aber ganz klug gewählt ist das Bild meiner Meinung nach nicht.
    • Luksman
      Schließe mich an. Sehr schöner Artikel. Höre gerade auf Spotify rein und bin froh, dass der massiv unterschätzte Soundtrack von Far and away Platz gefunden hat :)
    • WhiteNightFalcon
      Ging mir auch so. Hoffen wir mal das Bild entpuppt sich nicht als Omen. 😒
    • WhiteNightFalcon
      Mir ging es in der Tat so. Sah nur das Schwarzweiß-Bild, ohne die Überschrift wahrzunehmen und dachte nen Moment: Bitte nicht. 😬
    • Rockatansky
      Jupp, wenigstens so einmal die Woche einen kleinen informativen Bericht wie diesen hier, da tät ich mich nicht beschweren.
    • Skywalker
      Ich habe natürlich auch gleich den Text gelesen. Aber das 1. was man nun mal sieht, ist das Bild.
    • Phil
      Kann ich verstehen, aber ganz ehrlich: Mir kam die Idee nicht. Ich habe allerdings auch sofort die Überschrift gelesen.
    • Skywalker
      In diesem Fall, ja!John Williiams ist nicht mehr der jüngste und spielt in der Welt der Filmmusik, nun mal die 1. Geige und dann ein Schwarz/weiß Bild zu nehmen, ist nicht klug! Das muss einem doch schon auffallen, wenn man den Artikel fertig gearbeitet hat. Sprich, bevor man ihn hochlädt.Ich bin seit ca. 30 Jahren ein riesen Fan von ihm und habe auch schon Vorträge und Präsentationen über ihn gehalten. Ob in der Schule oder arbeitsbedingt. Daher finde ich das absolut beschissen!
    • Darklight ..
      Es gibt Tage, da liebe ich FILMSTARTS... 😍Heute ist einer davon.Große Lob an Oliver Kube. Gerne mehr zu Filmmusik und Komponisten. 🎵
    • Phil
      Muss man denn immer gleich Böses wittern? ;-) Vielleicht lag das PR-Foto nur in Schwarzweiß vor? Bei einem Traditionslabel wie Deutsche Grammophon, daß bestimmt noch viel mit traditionellen Tageszeitungen zusammenarbeitet, täte mich das nicht wundern. Hätte Filmstart es dann nachkolorieren sollen oder müssen?
    • Rockatansky
      Ich gebe zu, ich hatte den selben Gedanken und war ebenfalls kurz erschrocken.Ich hoffe mal, dass dies keine Absicht war...
    • Skywalker
      Was stimmt nicht mit euch?!?!?! Wieso ist das Bild in schwarz/weiß?Wollt ihr damit Klicks generieren, in der Hoffnung, dass man draufklickt und denkt, John Williams ist gestorben?!
    • Klaus S aus S
      erstmal probehören bei Spotify ^^
    • WhiteNightFalcon
      Tolle Kooperation und toll geschriebener Bericht. 👍🏼
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