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    "Joker" mit Joaquin Phoenix gewinnt den Goldenen Löwen beim Fimfestival in Venedig
    Von Christoph Petersen — 07.09.2019 um 21:00
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    Im offiziellen Wettbewerb von Cannes liefen in diesem Jahr 21 Filme, darunter „Joker“, „Ad Astra“ und die neuen Werke von Roman Polanski und Steven Soderbergh. Jetzt wurden die Preise vergeben – inklusive dem Goldenen Löwen für den Besten Film.

    Warner Bros.

    Der Goldene Löwe für den Besten Film im diesjährigen Wettbewerb bei den Filmfestspielen in Venedig ging an „Joker“ von „Hangover“-Mastermind Todd Philipps. Auch Hauptdarsteller Joaquin Phoenix ist extra noch einmal zur Preisverleihung nach Venedig zurückgekehrt, um den Preis gemeinsam mit seinem Regisseur auf der Bühne in Empfang zu nehmen – schließlich ist es fast noch mehr sein Film als der von irgendjemanden sonst. Mit dieser Entscheidung haben die Präsidentin Lucrecia Martel und ihre Jury-Mitstreiter Filmgeschichte geschrieben – es ist schließlich das erste Mal überhaupt, dass ein Comic-Blockbuster bei einem A-Festival ausgezeichnet wurde, und dann auch gleich noch der Hauptpreis. Für die Oscarchancen des Films heißt das definitiv nur Gutes.

    Nicht so gut fanden wir den Film, aber das wisst ihr ja bestimmt schon alle. Wer nicht, der kann meine Begründung gerne in der ausführlichen FILMSTARTS-Kritik nachlesen. (Mein Kollege Björn Becher hat den Film auch schon gesehen und fand ihn sogar noch schwächer. Sobald ihn noch mehr Mitglieder der FILMSTARTS-Redaktion gesehen haben, was aber vermutlich erst sehr kurz vor Start der Fall sein wird, werden wir dann vermutlich wie bei „Der König der Löwen“ wieder einen Übersichtsartikel mit allen Meinungen veröffentlichen. Es ist schließlich davon auszugehen, dass „Joker“ bei uns im Büro zu einem der umstrittensten und meistdiskutierten Filme des Jahres und vermutlich auch in der einen oder anderen Top 10 auftauchen wird. Der Joker hätte sicherlich seinen Spaß dran.)

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "Joker"

    Roman Polanski gewinnt doch einen Preis

    Der Großer Preis der Jury wurde an das historische Whistleblower-Drama „An Officer And A Spy“ von Roman Polanski („Der Pianist“) vergeben. Zwar zählte der Film durchaus zu den Mitfavoriten, so wurde er etwa auch von der Kritikerjury zum Besten Film des Festivals gewählt. Aber es gab im Vorfeld eben auch eine Kontroverse, weil sich Lucrecia Martel kritisch über die Vergangenheit von Polanski (in den USA wartet noch immer ein Missbrauchs-Prozess auf ihn) geäußert hatte. Nachdem einige italienische Zeitungen Martel ungenau bis falsch zitiert hatten, drohte einer der Produzenten sogar damit, „An Officer And A Spy“ kurzfristig wieder aus dem Festival zurückzuziehen. Ein Glück, dass es dazu nicht gekommen ist – denn der Film zählt auch für uns zu den herausragenden Beiträgen dieses Wettbewerb-Jahrgangs.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "An Officer And A Spy"

    Der Silberne Löwe für die Beste Regie ging an Roy Andersson für seine absurd-existenzialistische Komödie „Über die Unendlichkeit“. Für seinen vorherigen Film „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“ durfte der schwedische Meisterregisseur 2014 sogar noch den Goldenen Löwen für den Besten Film mit nach Hause nehmen. Der neuerliche Preis ist aber sicher eine der umstritteneren Entscheidungen des Abends. Denn während einige Kritiker auch diesen Film wieder wie seine früheren abgefeiert haben, wirkte er für andere (darunter auch viele Fans des Regisseurs) wie ein müder Nachklapp. Auch wir waren schwer enttäuscht.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "Über die Unendlichkeit"

    Die Besten Schauspieler

    Der Preis für die Beste Schauspielerin ging – hochverdient – an die französische Veteranin Ariane Ascaride, die in „Gloria Mundi“ von ihrem langjährigen künstlerischen Weggefährten Robert Guédiguian eine Großmutter spielt, die in Marseille extra nachts putzen geht, weil sie unbedingt die Zuschläge braucht, um ihre Familie unterstützen zu können. Mit dem Sozial-Drama kämpft der Linksromantiker Guédiguian weiter für eine bessere Welt – auch wenn er langsam selbst den Glauben daran zu verlieren scheint. Wir mochten das sehr.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "Gloria Mundi"

    Der Preis für den Besten Schauspieler wurde an den italienischen Darsteller Luca Marinelli für seine Titelrolle in der Jack-London-Verfilmung „Martin Eden“ vergeben. Darin geht es um einen ungebildeten Seemann, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts für eine junge Frau aus gutem Hause selbst bildet, um so schließlich nach Jahren der Entbehrung zu einem ebenso von den Massen gefeierten wie von seinen Dämonen geplagten Autoren aufzusteigen.

    Drehbuch und Spezialpreis

    Der Preis für das Beste Drehbuch ging an den chinesischen Auteur Yonfan für sein historisches Animations-Drama „No.7 Cherry Lane“ über ein Dreiecksbeziehung in Hongkong zwischen einem Studenten, seiner Nachhilfeschülerin und ihrer Mutter. Besonders amüsant dabei war seine Dankesrede, die er damit begann, dass ihm bei seinen bisherigen 14 Werken immer wieder gesagt wurde, dass seine Filme so unverständlich erzählt und schlecht geschrieben seien. Deshalb sei gerade der Drehbuchpreis für ihn eine ganz besondere Freude.

    Einen Spezialpreis der Jury gab es für Franco Marescos satirische Doku „The Mafia Is No Longer What It Used to Be“ über eine Feier zum 25-jährigen Jubiläum der Ermordung der gegen die Mafia angehenden Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino. Und so ein Spezialpreis ist auch verständlich – denn der Film ist nicht nur ziemlich unterhaltsam, sondern auch ziemlich irre. Nach der Pressevorführung standen zumindest überall die internationalen Filmkritiker zusammen (auch wir), um überhaupt erst mal herausfinden, was wir da eigentlich gerade gesehen und was davon wahr und was inszeniert war. Der Film wird ziemlich sicher niemals noch Deutschland kommen – war aber auf jeden Fall eine sehr lohnende Seherfahrung.

    Diese Jury hat die Preise vergeben

    Neben der argentinische Filmregisseurin und Drehbuchautorin Lucrecia Martel („Zama“) als Präsidentin bestand die Wettbewerbs-Jury in diesem Jahr aus dem kanadischen Filmhistoriker Piers Handling, der kanadischen Regisseurin Mary Harron („American Psycho“), der französisch-britischen Schauspielerin Stacy Martin („Nymphomaniac“), dem mexikanischen Kameramann Rodrigo Prieto („Argo“), dem japanischen Schauspieler Tsukamoto Shinya („Tetsuo: The Iran Man“) und dem italienischen Filmemacher Paolo Virzì („Das Leuchten der Erinnerung“).

    Im vergangenen Jahr ging der Hauptpreis an das Netflix-Meisterwerk „Roma“ von Alfonso Cuarón, der anschließend auch als Top-Favorit ins Oscar-Rennen ging, dann aber doch noch von „Green Book“ geschlagen wurde. Im Jahr zuvor gewann Guillermo del Toros „The Shape Of Water“ den Goldenen Löwen – und ein paar Monate später dann auch die Oscars für den Besten Regisseur und den Besten Film. Jetzt wird es natürlich spannend sein zu sehen, ob „Joker“ in der anstehenden Awards Saison ein ähnlich erfolgreicher Weg bevorstehen wird. Die Chancen stehen jetzt auf jeden Fall noch einmal sehr viel besser, nachdem nun auch die Jury in Venedig dem Werk „bescheinigt“ hat, dass es mehr als „nur“ ein Unterhaltungsfilm ist.

    Der diesjährige Gewinner des Goldenen Löwen kommt bereits am 10. Oktober in die deutschen Kinos. Und einen Trailer zu „Joker“ gibt es natürlich auch schon:

     

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    Kommentare
    • Sentenza93
      Diese Worte will ich vor meinem Tod noch aussprechen. ;D
    • Deliah C. Darhk
      Man, war Brie Larsons Sterbeszene in Captain Marvel 2 geil!XP XD ;D
    • HalJordan
      Das ist natürlich richtig. Dennoch wäre ich NIEMALS auf den Gedanken gekommen und hätte das Wörtchen geil und Brie Larson in einem Satz genannt. Außer vielleicht, fast jede Schauspielerin ist geiler, als Brie Larson. ;-D
    • Deliah C. Darhk
      Ich will jetzt nicht sagen, dass sie permanent irgendwie unteramselt drein schaut, aber 'geil' ist ja ein dehnbarer Begriff .... ;)
    • HalJordan
      Was soll denn bitteschön an meinem Kommentar anmaßend sein? Die Tatsache, dass ich zustimme und sage, jeder Mensch hat Vorlieben? Oder das Herz, das Shazam! besitzt und sich damit von vielen aktuellen Kinoproduktionen abhebt?
    • FilmFan
      Ziemlich anmaßend. Aber das bin ich ja gewohnt.
    • HalJordan
      Das kann und will ich auch niemandem absprechen. Vorlieben hat jeder. Wenn Captain Marvel und Endgame für dich das Nonplusultra in Sachen Qualität darstellen, spricht das Bände. Und nein, Shazam! ist sicher kein Kinderkram, sondern ein Film, der in erster Linie Herz hatte. Etwas, was man vielen Comic-Verfilmungen heute absprechen muss.
    • FilmFan
      Auch ich habe meine Vorlieben. Und was ich dieses im Kino sah übertrifft bei weitem alles was sonst lief. Angefangen bei Captain Marvel bis Avengers: Endgame. Das ist Qualität wie ich sie sehen will. Nicht so Kinderkram wie Shazam. Die Einspielergebnisse kommen nicht von Ungefähr. Soviel dazu!
    • MaxPowers
      Ich halte mehr als dagegen
    • HalJordan
      Ich finde es deshalb stark, da ein 2-Sterne Film auf FS in DER Kategorie schlechthin bei diesem Festival gewonnen hat!Mir geht es nicht um den Maßstab für Erfolg. Wenn ich mir anschaue, was in den letzten Jahren über 1 Milliarde eingespielt hat und wie groß die Diskrepanz zwischen Einspielergebnis und Qualtät dieser besagten Filme war, kann man nur mit dem Kopf schütteln.Selbstverständlich kann ich nur für mich sprechen, aber für mich zählt eindeutig die Qualität. Wenn ich auf das bisherige Blockbuster-Kinojahr schaue, haben nicht viele Filme abgliefert. Shazam! z. B. hat gerade einmal 1/4 von dem eingepielt, was Captain Marvel einheimsen dufte. Dabei war der Streifen von David Sandberg klar der bessere Film. So viel dazu!
    • Deliah C. Darhk
      Will ich so nicht sagen.Der Trainer bezog sich ja schon auf eine zentrale Aussage des Films *Entscheiden, ob man leben oder sterben will). Nur das St es eben das ganze Beeiwerk, warum man sich entscheidet nicht aufzugeben, obwohl es keine echte Hoffnung gibt, welches den Film so grandios für mich machte.Dieses Gefüge ergibt sich aber eben nur als Gesamtbild des Films und kann allein durch den Trailer noch nicht beurteilt werden.Kürzer gesagt, in dem Film steckt einfach mehr drin, als man nach dem Trailer vermutet, weil er über einen sehr langen Zeitraum Charaktere sehr prägnant zeichnet und entwickelt. Der Trailer deutet das zwar schon an. Aber die Intensität dessen im fertigen Film vermutet man darin noch nicht.
    • Bruce Wayne
      Nun ja, läuft in gewisser Weise auf das Selbe hinaus ^^
    • HalJordan
      Das ist ja schön und gut, aber wie passt denn Brie Larson in dieses Schema? ;-D
    • Sven-Friedrich W
      Deinen ersten Abschnitt kann ich größtenteils unterschreiben. Dein zweiter Abschnitt ist pseudo-klug, aber es sei dir gegönnt.
    • Keine Lust mehr
      Ein guter Film sollte mich unterhalten, überraschen, meine Emotionen ansprechen. Es gibt unzählige Filme die ein Abklatsch früherer Filme sind, vielleicht darauf aufbauen oder einfach nur eine ähnliche Story erzählen. Aber solange der Film das auf eine mich berührende Art und Weise macht und der/die Schauspieler eine beeindruckende Leistung zeigt(en) ist mir jegliche pseudointellektuelle Kritik von Menschen, die auch nichts anderes müssen, als ihre Miete zu zahlen, extrem egal.Von einer Fachseite wie Filmstarts erwarte ich natürlich höchstmögliche Objektivität und die erreicht man niemals mit nur 2 Zuschauern, die den Film genau einmal gesehen haben. Dann ist es einfach nur eine Meinung, nicht weniger aber auch nicht mehr.
    • KaMeo
      Meistens können wir uns auf die IMDb-Zahlen verlassen, aber es gibt auch unangenehme Ausnahmen, z.B. Das Schwofschänkenlämpchen (1994) und Der Graf knickt Reisig (2012).
    • Larry Lapinsky
      Aufgrund der wohl sehr kontroversen Aufnahme durch Kritiker war ich selten so gespannt auf einen Film - gute unfreiwillige Publicity!
    • icon_dc_comics
      Bist du dir da sicher ? 😂😂😂
    • Bruce Wayne
      Deswegen sagte ich ja Das vorab gezeigte (Trailer) Material muss täuschend gewesen sein, wenn man bei der letzendlichen Sichtung dermaßen positiv überrascht wird.
    • Sven-Friedrich W
      Das Grundproblem hat weiter unten in den Kommis Jimmy Conway sehr gut auf den Punkt gebracht: Jimmy Conway • vor 7 StundenHerr Petersen kritisiert nicht die Kopie an sich, sondern dass diese für ihn bei Joker nicht funktioniert! Die meisten hier müssen erstmal lernen Beiträge zu lesen und zu deuten. Aber Hauptsache direkt auf die Fresse verteilen.
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