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    "ES 2": Darum finde ich das Ende grausam (schlecht)
    Von Tobias Mayer — 21.09.2019 um 14:00
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    Im neuen „ES“-Film muss sich Autor Bill (James McAvoy) anhören, dass er verlässlich die Enden vergeigt. Passenderweise halte ich das Ende von „ES Kapitel 2“ für misslungen – was damit zu tun hat, dass die Loser plötzlich selbst zu Bullys werden.

    Warner Bros.

    +++ Meinung (mit Spoilern) +++

    Ich mag „ES Kapitel 2“, vor allem weil der Horror hier meistens als Manifestation konkreter Ängste der Figuren inszeniert ist, und ich bin niemand, der Filme gerne auf ihr Ende reduziert. Das möchte ich auch nun nicht tun. Da ich jetzt dennoch über das Ende der neuesten Stephen-King-Verfilmung schreibe, ist klar: Mich hat dieses Finale wirklich getroffen. Aber sicher nicht so, wie es von Regisseur Andy Muschietti und Drehbuchautor Gary Dauberman beabsichtigt war.

    Nachdem die erwachsenen Mitglieder der Außenseiter-Clique in „ES 2“ damit gescheitert sind, die böse, oft in Clown-Form erscheinende Macht per Zauberritual zu besiegen, muss ein neuer Plan her. Bill (James McAvoy), Beverly (Jessica Chastain) und Co. wird klar: Um ES zu vernichten, müssen sie zusammenhalten – und ihren Feind erniedrigen. Also formiert sich der ehemalige Klub der Verlierer im Halbkreis und beleidigt den fiesen Clown so übel, dass der gar nicht anders kann, als wortwörtlich zusammenzuschrumpfen. Zum Schluss wird sein herausgerissenes Herz zerstört. Und dann: Happy End!

    Die Loser werden zu Bullys

    Die ganze Szene ist eindeutig als Erniedrigungsritual mit umgekehrten Vorzeichen inszeniert. Am Boden der ehemalige Ober-Bully, vor ihm seine ehemaligen Opfer. Als ich mir die Szene ansah, dachte ich bald, die Pointe zu kennen: Die Loser müssen selbst zu Bullys werden, um das Böse erfolgreich zu bekämpfen. Aber diese Pointe wurde entweder aus dem Film geschnitten, oder kam den Filmemachern gar nicht erst in den Sinn.

    Damit wirkt dieses Finale für mich sehr kalt, ohne dass daraus erzählerisch irgendwas gemacht worden wäre. Schon klar: Hier liegt natürlich kein geschrumpft-geschlagener Clown mit einem Herz aus Gold am Boden, sondern eine finstere Macht, die nur Mitleid erwecken will, damit sie danach umso grausamer zurückschlagen kann. Aber selbst wenn: Geschlagene Peiniger so fertigzumachen, wie man selbst fertiggemacht wurde, setzt nur den Kreislauf der Erniedrigung fort, anstatt ihn aufzubrechen. Ein Film über die lebenslangen Folgen von Ausgrenzung wird damit abgeschlossen, dass die Ex-Opfer jetzt selber nach unten treten, um ein Happy End herbeiführen? Das kann ich mir eigentlich nur auf eine Art und Weise erklären.

    Pointe verschenkt

    Ich glaube, dass den Machern die Problematik ihrer Auflösung überhaupt nicht bewusst war. Schade! Und ich muss nicht mal damit argumentieren, dass es versäumt wurde, der Geschichte um Ausgrenzung und Erniedrigung einen weiteren Aspekt hinzuzufügen. Der größte Jammer ist vielleicht dieser: Nachdem mich Andy Muschietti in den Horror-Sequenzen mit einigen fieses Pointen geschockt hat, nachdem ein kleines Außenseiter-Mädchen von einem Clown gefressen wurde, bei dem es sich kurz und endlich verstanden gefühlt hatte, wird die fieseste aller möglichen Pointen zum Schluss einfach liegengelassen.

    "ES 2": Darum fehlen diese beiden wichtigen Figuren im Finale

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    Kommentare
    • Ortrun
      ES nicht zu töten hätte weitere Menschen (Kinder) das Leben gekostet. Die Schuld hätte ich auch nicht auf mich nehmen wollen. Damit ist das Ende für mich nur konsequent.
    • Dennis Beck
      Komme gerade frisch aus dem Kino, um mitreden zu können. Ähm ja, den ersten Teil mochte ich, das hier ist eine schmerzhafte Enttäuschung. Nix Grusel, nix Atmosphäre, Horror für ganz Arme (das Genre verdient diesen Film nicht) und ein unerträgliches Effektgetöse mit CGI aus der Hölle (haben die Leute da geschlafen?). Dabei begann es nicht so schlecht, als Xavier Dolan über den Jordan ging. Die leisen Töne dazwischen waren eine Wohltat, kam leider so selten. Wegen des Finales: Moralisch keine befriedigende Botschaft, aber wohl der einzige Weg, den Clown aus dem Weg zu räumen. Sie mussten ja zeigen, dass sie keine Angst haben und was für eine lächerliche Geisterbahn-Bitch Pennywise ist. Noch schlimmer fand ich die aufgeblasene Blockbuster-Epik. Und Bill Hader.
    • Luthien's Ent
      Wahre Worte, habe grad Es2 gesehen und fand das Ende ebenfalls grottig. Ach ja, auch den ganzen Film. Das CGI, die Umsetzung von Es, es war rein gar nichts gruselig, sondern vieles lächerlich dämlich. Inklusive Ende.
    • Deliah C. Darhk
      Ich sehe darin eher die cineastische Umsetzung des Sprichwortes Was Du nicht willst das man Dir tu', das füg' auch keinem Ander'n zu.
    • Sascha H.
      Bei euch hat man manchmal das Gefühl es wird einfach was geschrieben das was geschrieben wurde. Ich fand das Ende so super. Gegen eine übermenschliche Böse Macht kann man ja wohl nicht die selben moralischen Grundsätze anlegen wie gegenüber menschliche Widersacher. Konsequenter Weise sollte man sich dann auch daran stören das bowers mit einer Axt von Richie getötet wird. Aber ich glaub eure Meinungsartikel sind bewusst stark polarisierend geschrieben um möglichst viele Leser anzulocken (wie bei der Brutalität von Rambo)
    • Ilse Müller
      Ich fand das Ende auch sehr schlecht und das verbale Einhaken war nicht einmal das Schlimmste. Es war völlig Unnötig die Geschichte so zu erzählen das Es will, dass die Freunde zurückkehren anstatt das Es nicht will das sie kommen da er sie fürchtet. Daher war auch der Charakter Henry Bowers total sinnlos. Im Buch hat Es ihn benutzt damit er die Freunde angreift und ihre Macht damit bricht während es unklar ist, weshalb Es ihn im neuen Film überhaupt rekrutiert hat- gebraucht hat er ihn nicht. Dazu war das heroische Motiv von Stans Selbstmord völlig unglaubwürdig und man fragt sich, wie er überhaupt so voraus denken konnte.
    • Gold Kreis
      keine ahnung warum es 1-2 so gehyped werden. filme gesehen und als mittelmaß befunden. stephen king ist für mich als autor zu überbewertet, zu vulgär und ein vernünftiges ende bekommt der mann auch nie hin. literarisches äquivalent zu pommes mit mayo!nur meine meinung!schaut euch lieber die conjuring reihe an
    • Sentenza93
      Das kleinste Problem des Films. Das Hauptproblem war, dass der oftmals absolut unfreiwillig komisch war. In unserer Vorstellung ging bei so vielen Szenen, die eigentlich ernst gemeint waren, Gelächter durch den Saal. Was ich auch absolut nachvollziehen konnte.
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