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    "Joker": Das doppeldeutige Ende erklärt
    Von Julius Vietzen — 12.10.2019 um 17:02
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    Nach dem großen Finale von „Joker“ gibt es noch eine kurze Szene mit dem von Joaquin Phoenix gespielten Arthur Fleck. Scheinbar ein relativ leicht verständlicher Moment, doch wenn man genau hinschaut, gibt es mehrere mögliche Interpretationen…

    2019 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved. TM & © DC Comics / Niko Tavernise

    Joker“ scheint mit einer nahezu perfekten Einstellung des berühmten Batman-Bösewichts zu enden: Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) tanzt auf der Motorhaube des verunglückten Polizeiwagens, während ihm die durch seine Taten aufgestachelten Joker-Nachahmer zujubeln. Arthur hebt den Kopf und zieht mit dem Blut, das ihm aus dem Mund läuft, die blutrote Clowns-Fratze auf seinem Gesicht nach.

    Hier hätte Regisseur Todd Phillips „Joker“ enden lassen können, doch er entscheidet sich für eine Art Epilog: In einer weiteren Szene sehen wir Arthur in weißer Insassenkluft im Arkham State Hospital im Gespräch mit einer Psychiaterin oder Betreuerin. Eine denkbar einfach verständliche Szene – oder etwa doch nicht?

    Der Joker ist geboren

    Zuerst einmal das offensichtliche: Die Psychiaterin fragt Arthur, was er so lustig findet, woraufhin er antwortet, dass sie den Witz, an den er gerade denkt, sowieso nicht verstehen würde. Danach sehen wir ihn durch die Gänge von Arkham stolzieren und vor einer Meute Wärter davonrennen, wobei er rote Fußabdrücke hinterlässt.

    Es ist also klar: Irgendwie hat es Arthur geschafft, sich von seinen Handschellen zu befreien und die Betreuerin zu ermorden – die roten Fußabdrücke stammen von ihrem Blut. Offenbar hat sich Arthur hier also endgültig vom missverstandenen, von der Gesellschaft herumgeschubsten Außenseiter, der unversehens zu einem Symbol des Widerstands wird und aus Notwehr oder im Affekt tötet, zu dem durchgeknallten, mörderischen Batman-Schurken gewandelt, den man aus den Comics kennt.

    Alles nur gelogen?

    Doch es gibt auch noch eine zweite Interpretationsmöglichkeit: Womöglich war die Handlung des ganzen Films frei erfunden. Es ist gut möglich, dass Arthur in Wahrheit die ganze Zeit über an dem Tisch in Arkham saß und seiner Betreuerin die komplett fiktive Geschichte erzählt hat, die wir in „Joker“ sehen.

    Genügend Anhaltspunkte dafür gibt es in „Joker“ ohne Frage. Bereits im Film wird etwa anhand der Szenen mit Sophie (Zazie Beetz) etabliert, dass nicht alles so ist wie es scheint, denn die gemeinsamen Szenen mit den beiden gab es nur in Arthurs Fantasie. Und erfahren wir nicht an einer Stelle, dass Arthur in der Vergangenheit in Arkham einsaß? Womöglich hat das Krankenhaus also nie verlassen, sondern war die ganze Zeit dort.

    Keine offizielle Lesart

    Regisseur Todd Phillips wollte gegenüber der LA Times übrigens keine der beiden Lesarten bestätigen. „Es gibt viele Möglichkeiten, wie man diesen Film betrachten könnte. Zum Beispiel: ‚Das ist nur eine von seinen Multiple-Choice-Geschichten. Nichts davon ist passiert.‘“

    Er wolle nicht sagen, welche Interpretation denn nun die richtige sei, fuhr Phillips fort. „Aber viele Leute, denen ich den Film gezeigt habe, haben gesagt „Oh, ich verstehe. Er hat sich eine Geschichte ausgedacht. Der ganze Film ist ein Witz. Nur etwas, das dieser Typ im Arkham Asylum ausgebrütet hat. Vielleicht ist er gar nicht der Joker.‘“

    Ganz so einfach und selbsterklärend ist das Finale also nicht. Wie habt ihr das Ende von „Joker“ verstanden? Welche Möglichkeit haltet ihr für wahrscheinlicher? Und glaubt ihr, dass Arthur Fleck der Joker in „Joker“ ist?

    Darum gibt es in "Joker" keine Post-Credit-Szene

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    Kommentare
    • Franz Thomann
      Ist die Betreuerin in der Zelle am Schluss nicht dieselbe wie am Anfang die Sozialbetreuerin? Älter, mit grauen Haaren? Somit spielt diese Szene in der Zukunft und kann somit Teil 2 (Bruce Wayne ist ja auch älter...) einleiten mit Batman...
    • Oliminio
      Da müsste er sie aber richtig krass zusammengedroschen haben, um dann solche Fußspuren zu hinterlassen. Halte ich für Quatsch.
    • Oliminio
      Ich hoffe a) du meinst das nicht ernst und willst uns triggern oder b) du suchst dir Hilfe.
    • Oliminio
      Der Leibwächter? Du meinst Alfred Pennyworth?Politiker? Wohl eher Unternehmer.Dir scheinen all diese Figuren vor dem Film gänzlich unbekannt zu sein. Was nicht schlimm ist, scheinbar hast du dich vorher nicht groß für Batman interessiert, aber das was du da schreibst ergibt im Kontext wenig Sinn.
    • Tyrantino
      Du weißt aber schon dass Thomas Wayne kein Politiker war als Arthur zur Welt kam. Er ist erst im Film einer.
    • Frank Fritz Frei
      Harley war sein treuster Fan und auch etwas Masochistisch veranlagt. Wie wäre es, wenn z.B. Joker sie beim Befreien blutig geprügelt hätte und dies dazu führte, das sie ihm verfiel...
    • Mario K
      Dann wäre es die Quinzzelzenz,hätte hätte Harleykette...aber da ist was dran was Sie schreiben !
    • aga molinaku
      Ich bin sicher, er hat es so gemacht, wie er es der Psychiaterin erzählt. Da er zu sehr in das Morden verfallen ist, bin ich überzeugt, er hat auch sie erledigt.Er wurde auch nicht adoptiert, er ist das Kind der Frau und des Politikers, aber um alles zu verschleiern, (wie es die Politik tut) hat der Politiker die Papiere geschmiert und alles so aussehen lassen, dass die Mutter verrückt ist. Er hat sie isoliert sowie das ungeborene (Joker) damit er fein seine Politik verfolgen kann und eine andere Frau, eine reiche, heiraten kann.Der Unbekannte, der den Politiker tötet, ist der Leibwächter, der alles wusste, was da Oben/Reichen abging.Joker ist nicht verrückt, er zeigt zwar, dass er voll wirr ist ect. aber er ist nicht verrückt. Sein Charakter ist zutiefst zerschmettert, durch die Misshandlungen, Erniedrigungen. Er weiß genannt genau, was er tut, und wer nett zu ihm war!
    • Bluegrass
      Was zum...,
    • Skywalker
      Eine Meute von Wärtern...Es war genau einer!
    • Bursus
      Lächerlich !Das Ende des Films in eine Traum umzudeuten, ist nur der Versuch, der Herrschenden, die uns Clowns nennen, die gesellschaftliche Brisanz des Films zu ersticken.Der Film legt den Finger in die Wunden unseres westlichen Zusammenlebens. Es zeigt uns was die Angst und der Stress des täglichen Kampfes gegen die Gefahr des sozialen Abrutschens des Einzelnen mit uns macht. Wie es uns unempathisch macht.So wie im Gotham dieses Films Super-Ratten gibt, weil die Müllabfuhr streikt, so entstehen auch Super-Ratten (Super-Bösewichte) wenn wir all unsere Hass auf die Strassen unserer Stadt und unserer digitalen Städte stelle und nicht wegräumen.Das bestimmte Menschen und Gruppierungen, die zu den Profiteueren dieses Systems gehören, oder eben nicht die Augen öffnen wollen, diesen Film unangenehm finden und seine Botschaft über das umdeuten des Endes gern auslöschen würden, ist verständlich
    • DerHitman
      Und die roten Schuhabdrücke?
    • isom
      Oder Jacobs Ladder ;)
    • isom
      Ich bin auch nicht unbedingt ein Fan davon ,aber das gehört zum Joker dazu ,da komme ich damit klar.
    • Sentenza93
      Solange das jetzt nicht in Erklärungswellen wie bei Johnson endet, alles gut.
    • Mordru
      Meine ersten Gedanken zu dem Ende waren, da man nochmal auf den jungen Bruce zwischen seinen Eltern gesehen hat, dass Arthur vom Tod der Waynes erfahren hat und sich ausmalt wie Bruce verzweifelt und wie er transformiert.
    • James Solo
      Also ich fand das Ende grandios. If i have a past i prefer it to be multiple choice Es ist völlig egal ob die Story nun so passiert ist oder nicht. Es passt wunderbar zu dem Charakter.
    • Bruce Wayne
      Glaube ich selber zwar nicht, aber es ist definitiv eine Möglichkeit den Film zu interpretieren. Wenn man sich aber mal durchliest was der Regisseur sonst so als Pläne für alternativen Enden hatte, dann wird man merken, dass diese Theorie zumindest nicht anfangs von ihm geplant war.
    • CineManiac94
      Hey, guter Gedanke
    • Gravur51
      Ps: ees ist schon erstaunlich was für eintagsfliegen sich in joker-threads plötzlich tummeln und gegenseitig verspeisen. Es ist ein bisschen wie einem sandwich zuzuschauen wie es unter maden verrottet. Was ich damit sagen will: filmstarts wird sich ein goldenes händchen damit verdienen!🤗
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