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    Martin Scorsese verteidigt Deal mit Netflix: Darum hat er "The Irishman" nicht fürs Kino gemacht
    Von Tobias Tißen — 16.10.2019 um 14:27
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    Martin Scorsese, der erst kürzlich durch seine Marvel-Kritk für Aufruhr sorgte, ist ein großer Verfechter des Kino-Erlebnisses – sein Mafia-Epos „The Irishman“ hat er trotzdem für Netflix produziert. Jetzt hat der Meisterregisseur verraten, wieso.

    Netflix

    Streaming-Anbieter wie Netflix haben in den vergangenen Jahren den Zorn einiger prominenter Namen auf sich gezogen, die das Kino als einzig wahres Film-Erlebnis verteidigen. Darunter Christopher Nolan, James Cameron und Steven Spielberg, der sogar vorschlug, Filme von Netflix und Co. nicht zu den Oscars zuzulassen, weil es dort nur um Kinofilme gehen solle.

    Martin Scorsese hingegen, der gerade mehr durch seine offene Kritik an Marvel-Filmen in den Schlagzeilen ist als durch die bevorstehende Veröffentlichung seines neuen Films „The Irishman“, sieht Streaming-Dienste nicht als Problem. Und das, obwohl er selbst ein Verfechter des Kino-Erlebnisses ist.

    Auf der Pressekonferenz zur internationalen Premiere seines neuen Films beim Filmfest in London verteidigte Scorsese deshalb nun auch die Entscheidung, seinen neuen Film für einen Streaming-Anbieter und nicht fürs Kino zu machen – ohne Netflix hätte es „The Irishman“ nämlich niemals gegeben (via The Guardian).

    Netflix – aber unter einer Bedingung

    „Es gibt keinen Zweifel, dass es sehr wichtig ist, einen Film mit Publikum zu sehen“, verdeutlicht Scorsese noch einmal seine Ansichten zum Kino-Erlebnis, „aber es gibt ein Problem: Wir müssen den Film überhaupt machen.“

    Denn nachdem sich kein traditionelles Studio bereiterklärte, das ambitionierte Projekt auf die Beine zu stellen, sei die Zusammenarbeit mit Netflix die allerletzte Chance gewesen, „The Irishman“ überhaupt noch zu realisieren.

    Den Deal mit dem Streaming-Anbieter ist Scorsese trotzdem nur unter der Bedingung eingegangen, dass er vorab zumindest kurz auf der Leinwand zu sehen sein wird: „Dann hatte ich die Rückendeckung eines Unternehmens, das versprach, sich nicht einzumischen und dass ich den Film so machen kann, wie ich will. Doch die Abmachung war: Man kann ihn streamen, aber vorher gibt es eine Kino-Auswertung.

    Und es sieht ganz danach aus, als hätten beide Seiten geliefert: „The Irishman“ kommt am 27. November exklusiv zu Netflix, läuft ab dem 14. November aber auch in ausgewählten Kinos. Dass Scorsese tatsächlich komplett freie Hand hatte, scheint schon die epische Laufzeit von dreieinhalb Stunden zu beweisen.

    "The Irishman" ist der längste Netflix-Film!

    Darum wollte kein Studio "The Irishman"

    „Es gibt viele Gründe dafür“, sagt Scorsese auf der Pressekonferenz beim London Filmfestival dazu, dass kein Hollywood-Studio „The Irishman“ mit ihm machen wollte. Der Hauptgrund dürfte jedoch das enorme Budget gewesen sein, dass vor allem auch die digitale Verjüngung der drei Hauptdarsteller Robert De NiroAl Pacino und Joe Pesci benötigte. Bis zu 200 Millionen Dollar soll Netflix insgesamt in die Produktion gesteckt haben.

    Ein finanzieller Aufwand, der den Bossen der großen Studios wohl zu risikoreich war  vor allem, nachdem Scorseses letztes Leinwand-Epos „Silence“ weltweit nur rund 23 Millionen Dollar einspielte. Weil der Regisseur „The Irishman“ über den berühmten Mafia-Killer Frank Sheeran (De Niro) aber schon seit über zehn Jahren machen und bei seiner Vision keine großen Kompromisse eingehen wollte, war ihm schließlich auch die Zusammenarbeit mit Netflix recht.

    Und wie es scheint, war es auch goldrichtig, Scorsese einfach mal machen zu lassen: Trotz Risikofaktoren wie der aufwendigen digitalen Verjüngung der Hauptfiguren und einer Laufzeit weit jenseits der drei Stunden soll „The Irishman“ ein weiteres Meisterwerk des 76-jährigen Altmeisters sein.

    Martin Scorseses "The Irishman" wird in den ersten Kritiken gefeiert

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    Kommentare
    • Vinc F
      Ja, aber nur in ausgewählten Kinos, so wie ich das verstanden habe. Wenn's feststeht wäre eine Liste dieser Kinos nicht schlecht, liebe FS-Redaktion ;-)
    • Jimmy v
      Das ist sicherlich ein Punkt, nur fragt man sich eben schon: Warum achtet Netflix nicht ein BISSCHEN mehr auf das, was sie da ranschaffen? The I-Island oder wie das hieß war doch eine Totalkatastrophe, wie ich hörte.
    • Volkan Aydın
      Naja, wenn mann bedenkt, dass das Kino, weltweit mit verschiedensten Produktionsstudios arbeitet und schlussendlich im Jahr mit Glück vieleicht 2 oder 3 gute Filme raushaut, muss sich netflix nicht verstecken. Vor dem MCU ist man vieleicht ein oder zwei mal ins Kino, und meistens wiederwillen.
    • Luksman
      Naja, man kann es auch mal positiv sehen und sagen, dass es auf manchen Plattformen (bei Filmstarts z.B.) ermöglicht spannende Diskussionen zu führen. Und Nein ich bin nicht Der Geilste...
    • Luksman
      Was die Filme betrifft gebe ich Dir Recht. Hab El Camino noch nicht gesehen. Aber zb. Annihilation und diesen Film mit den 2 Mädels, die Violinisten sind (Titel fällt mir nicht ein) war wirklich fast nur Durchschnitt dabei. Ich schaue aber wenig Netflix-Filme zugegeben.Für mich persönlich liefert Netflix trotzdem immer noch die besten Serien/Dokus ab und ich mach den Service nie an und weiß nicht was ich gucken soll, weil mir ggf. ein Kumpel eine neue Serie empfiehlt. Ich hab auch nicht mehr die Zeit zu bingen, aber mir fallen spontan: Mindhunter, Making a Murderer, The Staircase, Stranger Things, Dark, Die Brücke, 13 Reasons why (1.Staffel) House of Cards, Black Mirror, Haus des Geldes, Ozark, Spuk in Hill House, American Horror Story und hoffentlich bald The Witcher ein :)Qualitativ habe ich persönlich an Netflix somit nichts auszusetzen. Wenn man bedenkt wie günstig das ist. Ist aber natürlich immer Ansichtssache.
    • niman7
      Wird der Film überhaupt in den deutschen Kinos laufen?
    • FilmFan
      Für die Studios viel zu riskant, weil die Zielgruppe übersichtlich ist. Und wenn FS bereits von Meisterwerk schreibt dann ist klar das auch diese Filme nichts für´s Kino sind. Wie alle Filme des vergötterten.
    • Jimmy Conway
      Es lebe das Internet, da kann so viel gehatet werden, bis die Blase platzt. Egal ob Netflx, Disney, VW, Coca Cola...alles kacke. Man selber ist natürlich immer der geilste ;-)
    • Jimmy Conway
      Ich finde es auch nicht verwunderlich. Eher verwunderlich ist das Gemecker über die Aussagen von irgendwelchen Leuten. Isso, sagt man.
    • Jimmy v
      Ich finde das alles nicht verwunderlich im Medienzeitalter, wo die Leute unter Dauerbeobachtung stehen und auch noch proaktiv über soziale Netzwerke sein sollen. Zumindest letztere sollten alle eigentlich boykottieren.
    • Tyrantino
      Das richtige kino soso. Das ist das was auf netflix läuft. Junge ihr werdet immer peinlicher. Als Taxi driver rauskam war das für viele auch kein kino mehr. Ergo müsstest du auch Scorsese als falsches Kino bezeichnen. Merkst du langsam wie kleinkariert so eine meinung ist?
    • Erik B.
      Aber die Tatsache, dass kein Kino-Studio bereit war Scorseses Film zu finanzieren und er deshalb zu Netflix übergehen musste, gibt seiner Marvel-Kritik umso mehr recht. Das richtige Kino stirbt langsam aus, weil es den Aktionären inzwischen zu risikoreich geworden ist und man nur diesen generischen Marvel Unsinn befürwortet.
    • Jimmy v
      Ich sehe das ähnlich, würde aber zumindest der Vollständigkeit halber sagen, dass die Kritik z.B. an Netflix nicht unbedingt ihr Modell des Streaming betrifft, sondern ihre Qualität. Netflix ist sehr groß gestartet, mit Serien auf hohem Niveau, wie etwa House of Cards oder Orange Is The New Black. Beide haben abgebaut, obgleich sie noch immer gut waren. Dazwischen kamen aber Netflix Filmangebote, und die lassen eben vielfach zu wünschen übrig. Auf einen Scorsese kommen da 100 schlechte Filme. Mit den Serien ist es mittlerweile auch oft so.Es gab auch mal eine Erklärung dafür: Für Netflix lohnt es sich tatsächlich mehr auf Masse als Klasse zu setzen. Selbst, wenn sie bspw. von einer Serie nur 1-2 Staffeln produzieren, reicht der erste Hype gut aus, den diese 2 Staffeln einer neuen Serien verursachen - zumindest mehr als 5 Staffeln einer wirklich guten Serie.Dass Netflix Regisseuren aus der Patsche hilft, stimmt vielfach auch, da gibt es einige, die hier mal spielen dürfen. Auf anderen Diensten ist das auch so, bspw. Refns Too Old To Die Young bei Amazon Prime (und das ist wirklich abgedrehter Kram teilweise). Aber auch hier kommt es darauf an, welchen Namen man hat. Einige haben hier auch schon geklagt, unter ziemlich seltsamen Verträgen zu stehen.
    • Sentenza93
      Den werde ich mir auch auf der großen Leinwand anschauen. Und wenn ich etwas weiter dafür fahren muss.
    • Sentenza93
      Die Russo's, Feige und die die Autoren von Endgame haben es auch ja mittlerweile. Also wohl tatsächlich. Es verbreitet sich im Haus der Maus.Ob J. K. Rowling da mal zu Besuch war und eigentlich (!) Patient Null ist? ;)Dann hätte die Krankheit den falschen Namen.
    • Saints ofchaos Deluxe
      Keiner mag den Zoll. Arbeitest du für den Zoll- findest du ihn Klasse! ( Statt Zoll jede X-beliebe Juristische Person einfügen)
    • WhiteNightFalcon
      Der redet sich noch unnötiger Weise um Kopf und Kragen. 😖Ist Rianjohnsonitis eigentlich ansteckend? 🤔
    • Luksman
      Danke Netflix! All die Hater dieses Konzerns können sagen was sie wollen, aber Marty hat schon recht. Ohne Netflix wären wir nie wieder in den Genuss gekommen, diese 3 Schauspielgrößen zusammen in einem Film zu sehen. Abgesehen davon verstehe ich diesen Streaming-Hate auch nicht, die Zeiten ändern sich halt. Und die Zeiten des Kinos und den wahren Perlen, neigt sich dem Ende, da es schlicht nicht mehr so viele Abnehmer gibt, wie früher. Behaupte ich zumindest. Ich war früher leidenschaftlicher Kinogänger, aber bei dem aktuellen Programm, welches fast nur noch aus Superhelden-Schmarrn/einfallslosen Komödien/The-Rock-Testosteron-Fast and Furious-Desaster-Gekloppe/ Disney-Nostalgie-Remake-Cash-Grab etc. besteht, finden die wahren Perlen(gibt es heute genau wie früher) bzw. guten Filme kaum noch Zuschauer und werden höchstens nach der Oscarverleihung nochmal interessant für den Ottonormal-Kinogänger.Früher haben die Studios zumindest den Regisseuren mehr Vertrauen geschenkt und nicht ersma den Plot/Cast etc. durchs Market-Research geschickt, nur um den dann maßgerecht auf das Mainstream-Publikum abzustimmen.Wenn es jetzt dann Netflix oder sonst ein Streaming-Anbieter anbietet, dem Regisseur freie Hand zu lassen ist das mehr als lobenswert und der richtige Weg.
    • Defence
      Teile da Scorseses Ansicht und kann dieses Gemotze über Streamingdienste vs Kino sowieso nicht ganz nachvollziehen.Mir ist jedenfalls lieber, ein potenziell guter Film wird von Netflix und Co produziert o. übernommen (wie z.B. auch Auslöschung), als wenn er niemals realisiert wird o. allenfalls mit so niedrigen Budget, das es zwangsläufig Einfluss auf die Qualität nimmt.Streamingdienste sind mit Sicherheit nicht der Feind des Kinos, im Gegenteil, es erweitert die Möglichkeiten ungemein, das die Filmemacher ihre Ideen realisieren können, sei es aufgrund der finanziellen Möglichkeiten, aber auch u.a. bei vlt potenziell heiklen/kontroversen Stoffen, die Filmstudios wie Disney (aber nicht nur) wegen Imagesorgen nicht mal mit der Kneifzange anfassen würden.Aber auch im Bezug zu möglicher Zensur, Stichwort China und der immens wichtige Markt für Hollywood könnten Streamingdienste vor allem für die Zukunft noch eine wichtige Rolle spielen durch eine gewisse Unabhängigkeit, was das betrifft.Das Glas ist eben nicht immer grundsätzlich halbleer und für Spielberg und Co sollte die Devise Endecke die Möglichkeiten lauten (aber eben auch für die Puristen unter den Filmfans)...^^
    • greekfreak
      Marty hatte keine andere Wahl,Netflix hat ihm ein Angebot gemacht,das er nicht ablehnen konnte.
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