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    Auch Disney ist ratlos: Wie soll es mit "Star Wars" nach "Star Wars 9" weitergehen?
    Von Tobias Mayer — 09.11.2019 um 08:30
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    Kathleen Kennedy trennt sich von einem Regisseur nach dem anderen, dem Disney-Chef fällt nichts ein, außer die Anzahl der Kinofilme zu reduzieren und jeder Fan will irgendwas Anderes: Wie zum Imperator soll es nach „Episode 9“ weitergehen?

    Disney

    +++ Meinung +++

    Im Dezember 2022 soll der nächste neue „Star Wars“-Film nach „Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers“ in die Kinos kommen. Es wurde davon ausgegangen, dass es ein Film aus den Köpfen der „Game Of Thrones“-Macher David Benioff und D.B. Weiss wird, womöglich eine Geschichte über die ersten Jedi – bis die beiden ihr Projekt verließen (wahrscheinlich, weil sie mit ihrem neuen Netflix-Deal zu viel anderes zu tun haben und weil sie sich mit Lucasfilm nicht über die Handlung einig wurden).

    Nun weiß außerhalb von Lucafilm niemand, wer den 2022er-„Star Wars“ machen wird und worum es geht. „Star Wars 8“-Regisseur Rian Johnson, der ebenfalls neue Filme entwickeln sollte, gibt auf jede Nachfrage zu verstehen, dass er ebenfalls nichts Konkretes weiß. Intern dürfte die Ratlosigkeit zur „Star Wars“-Kinozukunft nach „Episode 9“ kaum kleiner sein. Serien auf Disney+ werden kommen, allen voran „The Mandalorian“ und anschließend „Obi-Wan“, aber was ist mit Kino?

    Ein Regisseur nach dem anderen steigt aus. Die Liste der Filmemacher, die für Disney-Lucasfilm doch nicht an neuen „Star Wars“-Filmen gearbeitet haben, ist inzwischen länger als die Liste derjenigen, die bis zum Ende eines Projekts an Bord blieben. War es für Fans anfangs noch ein Schock, als zum Beispiel Phil Lord und Chris Miller während der Produktion von „Solo: A Star Wars Story“ gefeuert wurden, sieht die Reaktion auf die jüngste „Regisseure weg“-Meldung (über David Benioff und D.B. Weiss) eher so aus:

    20th Century Fox
    WHATEVER


    Was nicht heißt, dass es Fans egal ist, wie es mit „Star Wars“ nach „Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers“ (startet Dezember 2019) im Kino weitergeht – man hat sich nur einfach daran gewöhnt, dass viele Filmemacher unter Lucasfilm-Chefin Kathleen Kennedy ungefähr so lange durchhalten wie Softeis in der doppelten Tatooine-Wüstensonne.

    Doch ich will Kennedy, einer profilierten, sehr erfahrenen Produzentin, überhaupt nicht groß vorwerfen, wie sie mit ihren Regisseuren umgeht. Ich weiß nicht, wie die Kommunikation hinter den Kulissen ablief – und woher soll ich wissen, ob Phil Lord und Chris Miller einen besseren „Solo“-Film geliefert hätten als Ron Howard (der in einem nahezu beispiellos-effizienten Kraftakt unter massivem Zeitdruck einen Großteil des Films neu drehte)? Allerdings wüsste ich gerne, wie sich Kennedy die Zukunft von „Star Wars“ vorstellt.

    Wie sieht die "Star Wars"-Zukunft aus, Kathleen Kennedy?

    Öffentlich wird gerne beschworen, wie viele Geschichten es in der „Star Wars“-Galaxis zu erzählen gibt, aber erzählt wurden nach der Disney-Übernahme ausschließlich Geschichten rund um die Skywalkers. Das ist schon ok so: Ich finde es interessant, wie sich die neue Helden-Generation in den Sequels an den Alten abarbeitet (an Luke und an Darth Vader). Ich empfinde die Sequels nicht als Remake und mag sie. Doch nach „Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers“ ist mit der Skywalker-Geschichte erklärtermaßen Schluss. Und nun?

    Ich habe von Kathleen Kennedy kein einziges konkretes Wort darüber gehört, worum es in den neuen, ab 2022 angesetzten Filmen gehen soll, wenn nicht um die Skywalkers. Und ich befürchte, dass sie es selbst nicht weiß. Sie ist nicht als „Star Wars“-Kennerin aufgefallen. Doch was bisher, in der Retro-Phase bis 2019, nicht so schlimm war, könnte für die Zukunft ein Problem werden – falls sie im Zweifelsfall eben doch wieder zu den Figuren greift, die sie kennt, anstatt kreativen Leuten zu vertrauen, auf Neues zu setzen.

    Was ist "Star Wars", Bob Iger?

    Robert Iger wurde 2005 Disney-Chef und baute den Filmbereich anschließend zum mit Abstand erfolgreichsten Studio überhaupt um. Iger kaufte große Marken ein (Pixar, Marvel, Lucasfilm, 20th Century Fox) und das Publikum belohnte diese Weichenstellung an den Kinokassen (auf einem Markt wohlgemerkt, auf dem insgesamt immer weniger Tickets verkauft werden). Die Strategie von Bob Iger ging finanziell voll auf, er weiß um den Wert seiner Marken – aber ich sehe kein Anzeichen dafür, dass er die Geschichten hinter den Marken kennt.

    Das muss er zwar nicht, um ein guter Chef zu sein. Nur kommen von Iger dann halt auch keine anderen Vorgaben als:

    •  „Star Wars 7“ muss so aussehen wie ‚Star Wars 4-6‘, weil die Fans sonst wieder nölen.
    •  Wir müssen weniger ‚Star Wars‘-Filme in die Kinos bringen, weil ein neuer Film sonst kein Event mehr ist.

    Was wollen die Fans?

    Übrigens können Kennedy und Iger in ihrer Ratlosigkeit nicht darauf hören, was „die Fans“ wollen, denn „Star Wars“-Fans sind schon lange keine einheitliche Gruppe mehr. Es gibt Fans, die mit den alten Filmen aufwuchsen (die sind mittlerweile um die 50 Jahre alt), Fans, die zuerst die Prequels geschaut haben (um die 30 Jahre alt) – andere stiegen noch später ein, im Fernsehen mit den Serien „The Clone Wars“ (ab 2008) und „Star Wars Rebels“ (ab 2014). Oder es sind Teenager, die „Star Wars“ 2015 entdeckt haben, als J.J. Abrams die Reihe mit „Das Erwachen der Macht“ fortsetzte.

    Der eine hat „Star Wars“ 1977 in einer 35mm-Kopie auf der großen Leinwand geguckt, der andere in der Netflix-App auf dem Handy – die Einstiegspunkte sind völlig unterschiedlich. Und was die jeweilige Fan-Gruppe im Kino sehen möchte, unterscheidet sich ebenfalls:

    Der eine will eine simple, elegante Gut-gegen-Böse-Geschichte wie in „Krieg der Sterne“, der anderer weiß überhaupt nicht, was mit dem deutschen Titel „Krieg der Sterne“ gemeint ist und freut sich, dass der „Clone Wars“-Kämpfer Saw Gerrera in „Rogue One“ auftaucht (ob dieser Kurzauftritt für reine Filmgucker wirklich Sinn ergibt, ist ihm egal).

    Und die im Internet laute, ausdauernde, beleidigende Gruppe sogenannter Fans mit teils frauenfeindlicher politischer Grundausrichtung hasst Disney per se und verpestet die Diskussion in den sozialen Netzwerken beziehungsweise Kommentarspalten.

    "Star Wars" kann nicht allen gefallen

    „Star Wars“ ist ein Massenphänomen und die Fan-Kultur hat sich seit den Siebzigern aus der Nerd-Nische in den Mainstream ausgebreitet. Ich weiß nicht, welche Fan-Gruppe am größten ist und bin nicht sicher, wie die Ratlosen bei Disney das herausfinden könnte – einen „Star Wars“-Film, der allen Zuschauern gefällt, kann es jedenfalls nicht mehr geben.

    Was mich persönlich angeht, habe ich derzeit auch keinen Lösungsvorschlag. Ich weiß immerhin, dass mir die Handlung eher egal ist. Ich möchte in den Filmen diesen schwer zu beschreibenden Zauber spüren, der die Essenz von „Star Wars“ ist und aus Gegensätzen besteht:

    „Star Wars“ ist ein wildes Abenteuer durchs Unbekannte, das sich dennoch vertraut anfühlt. Es geht ums Schicksal – und um schräge Aliens mit lustiger Stimme. Es spielt vor langer Zeit, in einer weit, weit entfernten Galaxis und sieht trotzdem aus wie eine Zukunftsvision. Es klingt nach John Williams und macht mir in jedem Film Gänsehaut, ob er nun insgesamt gelungen ist oder nicht.

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