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    Die besten Filme 2019: Die Top 10 von FILMSTARTS-Redakteur Tobias Tißen
    Von Tobias Tißen — 29.12.2019 um 18:00
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    Zum Ende des Jahres präsentieren wir euch wieder die Top-10-Listen der FILMSTARTS-Mitarbeiter mit den besten Filmen, die 2019 regulär in den Kinos angelaufen sind. Weiter geht’s mit der Liste von Redakteur Tobias Tißen.

    Universal Pictures

    2019 war ein großartiges Filmjahr. Natürlich gab es auch in den vergangenen Jahren stets einige wirklich starke Titel, so oft wie zuletzt wurde ich aber noch nie aus meinem Kinosessel geblasen bzw. saß noch bis nach dem Abspann darin, ließ das gerade Gesehene auf mich wirken und wollte einfach nicht, dass es schon vorüber ist.

    Vor allem sei da mein erster Platz besonders hervorgehoben, der für mich zweifelsohne zu den besten Filmen gehört, die das neue Jahrtausend bisher hervorgebracht hat, aber im Grunde hat die gesamte Top 5 das Prädikat „herausragend“ mehr als verdient. Und eigentlich wäre dieses Spitzenquintett gar ein Sextett – auch das Coming-of-Age-Comedy-Drama „Eighth Grade“ von Bo Burnham ist für mich nämlich einer der besten Filme 2019. Doch leider wollte den Film hierzulande kein Verleih auf die Leinwand bringen, nicht mal ein DVD-Start wurde ihm gegönnt – eine Schande! Immerhin digital kann man „Eighth Grade“ aber mittlerweile erstehen* – und das kann ich wirklich jedem nur empfehlen.

    Bevor es gleich mit meiner Topliste losgeht, möchte ich nun nur noch eine Sache sagen: Danke, Netflix. SO macht Streaming Spaß. In den vergangenen Jahren gehörte ich zu denjenigen, die die Bezeichnung „Netflix-Film“ schon als Synonym für „Mittelmaß“ in ihr kopfeigenes Wörterbuch eingetragen hatten. Selbst „Roma“ konnte 2018 mein Herz nicht gewinnen. In diesem Jahr sah das Ganze jedoch anders aus: Zwar gab es auch 2019 noch viel nicht weiter beachtenswerte Massenware, gleichzeitig aber auch mehrere Netflix-Filme, die es ohne das Unternehmen vielleicht nie gegeben hätte und die mir außerordentlich viel Freude bereitet haben. So gehören zu meinen Favoriten des Jahres neben den großen Award-Anwärtern „The Irishman“ und „Marriage Story“ etwa auch das Mötley-Crüe-Biopic „The Dirt“ und Eddie Murphys Comeback-Film „Dolemite Is My Name“.

    So kann es 2020 gerne weitergehen – im Kino und bei Netflix.

    Meine besten Filme 2019 – Platz 1: "Der Leuchtturm"

    Vor kurzem habe ich überlegt, welchen Filmen der vergangenen Dekade ich ohne mit der Wimper zu zucken 5 Sterne verleihen würde – und kam auf drei Stück: Den spektakulären „Mad Max: Fury Road“, den niederschmetternden „Jackie“ sowie den atemberaubenden „Blade Runner 2049“. Aber während sich das Jahrzehnt nun bereits auf der Zielgerade befindet, hat sich tatsächlich noch ein Film in diesen elitären Kreis hineingeschlichen: „Der Leuchtturm“ von „The Witch“-Regisseur Robert Eggers.

    Nicht nur ist das abgründige Psycho-Drama der vielleicht ästhetischste Film, den ich jemals auf der Kinoleinwand sehen durfte, ich wurde bisher auch selten von einer filmischen Abwärtsspirale so sehr gepackt wie hier. Als der Abspann zu rollen begann, fühlte ich mich ebenso in einem psychedelischen, lovecraftschen Schwarz-Weißen-Alptraum wie die Protagonisten selbst. Robert Pattinson sowie Willem Dafoe sind grandios – und der Score schlägt einem mit so viel Wucht ins Gesicht wie der stürmische Wind Ephraim Winslow und Thomas Wake.

    Robert Eggers ist für mich nach „Der Leuchtturm“ – sein erst zweiter Film – endgültig der spannendste Nachwuchs-Regisseur im Genre-Bereich. Da kann selbst Ari Aster („Hereditary“, „Midsommar“) einpacken…

     

    Meine besten Filme 2019 – Platz 2: "Mid90s"

    Ich steh‘ auf Coming-of-Age-Filme. „Stand By Me“, „Breakfast Club“, „Ferris macht blau“, „Dazed and Confused“, „Almost Famous“ – diese Liste ließe sich noch lange weiterführen. Aber mit keinem dieser Filme konnte ich mich so sehr identifizieren wie mit Jonah Hills Regiedebüt „Mid90s“. Auch ich bin in den 1990er groß geworden, hab ehrfürchtig die coolen Skater-Dudes angehimmelt – nur hab ich nie annähernd so lange auf einem Board stehen können wie der kleine Stevie (großartig: Sunny Suljic).

    Und man merkt, was für ein persönlicher Film „Mid90s“ für Regisseur Jonah Hill ist, dass er vieles davon genau so erlebt hat. Es gibt keine Sekunde, die nicht wie direkt aus dem realen Los Angeles der Neunziger entrissen zu sein scheint, so authentisch wirkt das Ganze. Einen großen Teil dazu tragen natürlich auch die grandiosen Darsteller (u. a. Lucas Hedges und Katherine Waterston) bei, die eine unaufgeregt realitätsnahe Performance abliefern.

    Das Gesamtbild runden schließlich der sonnendurchflutete 4:3-Retro-Look sowie der großartige Soundtrack von Trent Reznor und Atticus Ross ab. Und als besonderes Bonbon schafft Hill es auch noch, seine Geschichte in gerade einmal 85 Minuten zu einem perfekten Ende zu bringen – dabei ist die Kürze im Erzählen ein Talent, das im Jahr 2019 nahezu ausgestorben zu sein scheint.

     

    Meine besten Filme 2019 – Platz 3: "The Favourite – Intrigen und Wahnsinn"

    Bereits seit seinem absurd-verstörenden Meisterwerk „Dogtooth“ MUSS ich einfach alles sehen, was der Grieche Yórgos Lánthimos so fabriziert – und zuletzt gehörten sowohl „The Lobster“ (2015) als auch „The Killing Of A Sacred Deer“ (2017) zu meinen Favoriten des jeweiligen Jahres. Doch sein neuester Film „The Favourite“ (zugegeben: sein zugänglichster Film) hat mir sogar noch einmal besser gefallen.

    Das liegt zum Teil an den Bildern, die Kameramann Robbie Ryan („Marriage Story“) einfängt, sowie an den herausragenden Darstellern um die für diesen Part oscarprämierte Olivia Colman. Viel mehr noch aber am grandiosen Drehbuch: Die Autoren Tony McNamara und Deborah Davis stellen die völlig obszöne Dekadenz des barocken Adels nämlich so wunderbar grotesk und spitzzüngig an den Pranger, dass es eine helle Freude ist. Im krassen Gegensatz zum Großteil aller Historienschinken zeigen sie die reiche, adelige Oberschicht des frühen 18. Jahrhunderts als das, was sie war: eine von absurder Dekadenz, Oberflächlichkeit, Missgunst und Egozentrik zerfressene Parallelwelt, die völlig an der Realität ihrer Zeit vorbeilebte.

     

    Die weiteren Platzierungen

    Platz 4: „Once Upon A Time… In Hollywood
    Platz 5: „Parasite
    Platz 6: „Creed II
    Platz 7: „The Irishman
    Platz 8: „Joker
    Platz 9: „Beach Bum
    Platz 10: „One Cut Of The Dead

    Die besten Filme ohne Kinostart

    Eighth Grade“ (Bo Burnham, USA 2018)

    The Dirt: Sie wollten Sex, Drugs & Rock’n‘Roll“ (Jeff Tremaine, USA 2019)

    Dolemite Is My Name“ (Craig Brewer, USA 2019)

    Die besten Filme 2020: Die große Vorschau auf die Highlights im Kino

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    Kommentare
    • Bruce Wayne
      Dann hast du tatsächlich das Beste verpasst ^^ Sagen wir es mal so, es gibt noch einen Twist nach besagten ersten 40 Minuten.
    • ObiWann
      Der Film ist ja bei einigen in der Wertung mit drin und gerade deshalb bin ich halt ein bisschen verwundert das es keine Kritik dazu gab ,der Streifen ist halt auch wirklich gut .Wesley Snipes und Eddi Murphy in Top Form . Aber das es Boykott ist soweit würde ich nicht gehen da ihn ja manche in der Liste haben .
    • TresChic
      Das sieht nach Boykott aus. Denn selbst wenn FS noch keine Zeit für eine Kritik haben, dann wäre der Film trotzdem auf deren Top 10 aufgetaucht.
    • TresChic
      Warum dieser hype um one cut of the dead? Habe 40 min geschafft, danach musste ich den Krampf ausmachen. Wirkt wie ein Schülerprojekt, gedreht mit betacam.
    • ObiWann
      Mit der Liste komm ich ganz gut klar ,auch hier wieder Dolemite mit drauf ,schon echt komisch das der nicht mal ne Kritik von euch bekommen hat ,würde mich schon interessieren.
    • hunter_x
      Eine tolle Liste und der Kommentar ist witzig und absolut sympathisch. Da kann sich der Petersen mal ne Scheibe abschneiden...
    • Jimmy v
      Das ist auch mal eine gute Liste. Bei The Lighthouse gehe ich absolut mit, The Favourite war auch große Klasse. Auf den letzten Tagen kann ich mich auch sehr für Knives Out begeistern (den zähle ich zu 2019, weil ich ihn im Ausland am 26. Dezember abends sehen konnte).
    • Larry Lapinsky
      Ja, so geht's auch: Mit lockerer Ironie statt Deal with it-Arroganz!
    • Bruce Wayne
      Sieh mal einer an, endlich mal eine lustige Person-Beschreibung ^^ Gute Liste. Meiner Meinung nach komplett nachvollziehbar.
    • Dennis Beck
      Dieser Kommentar...Come on :D
    • ProjectX
      Der Kommentar...made my Day...episch!
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